Bedürfnisbefriedigung als Basis für gute Leistung

„Wenn ich zufrieden bin, sieht man das auf dem Platz“ – Bedürfnisbefriedigung als Basis für gute Leistung
von Anna Wasserkampf von der Dt. Sporthochschule Köln

Dauerhafte und engagierte Teilnahme im Mannschaftssport hängt stark vom körperlichen, emotionalen und geistigen Wohlbefinden des einzelnen Spielers ab, welches wiederum das optimale Funktionieren in der Mannschaft und/oder auf dem Platz bestimmt. Empfindet ein Spieler Unwohlsein, besteht das Risiko, dass kontinuierliches Training und anstehende Spiele das körperliche und geistige Wohlbefinden so stark beeinträchtigen, dass Unzufriedenheit und Desinteresse, gefolgt von Mannschaftsausstieg auftreten.

Das Umfeld, in dem das Training stattfindet, als auch das Verhalten des Trainers, können positive als auch negative Einflüsse auf die körperliche, emotionale und geistige Belastbarkeit der Spieler haben und somit die Leistung auf dem Platz fördern oder einschränken.

Die Theorie der psychologischen Grundbedürfnisse, eine Subtheorie der Selbstbestimmungstheorie von Deci und Ryan (1985), bietet die Möglichkeit potentielle Faktoren des direkten sozialen Kontextes (z.B. Verhalten des Trainers, Umgang innerhalb der Mannschaft), die das Wohlbefinden der einzelnen Sportler beeinflussen, näher zu untersuchen. Die Theorie beschreibt drei angeborene, psychologische Grundbedürfnisse und betont ihre jeweilige Relevanz für fortlaufende körperliche und geistige Entwicklung, Integrität und Wohlbefinden. Mit dem Bedürfnis der Autonomie wird das Verlangen möglichst frei, also ohne äußere Zwänge und Vorgaben, agieren zu können, beschrieben. Ein Spieler fühlt sich zum Beispiel autonom, sprich selbstbestimmt, wenn er zwischen verschiedenen Übungsformen im Training auswählen kann, anstatt vorgeschriebene Übungen in einer bestimmten Reihenfolge durchlaufen zu müssen. Das Bedürfnis der Kompetenz bezieht sich auf das Streben, Kontrolle über das eigene Handeln zu haben, und den Wunsch, ein gewisses Maß an Kompetenz und Effektivität während des Handels zu erfahren. Das Gefühl Kompetenz zu erfahren ist beispielsweise stark abhängig von Erfolg und Misserfolg im Spiel, aber auch von leistungsbezogenem Feedback von Mannschaftskollegen oder dem Trainer. Das Bedürfnis der Verbundenheit bezieht sich auf den Wunsch, Zuneigung und Fürsorge anderer zu erfahren und sich zugehörig zu einer Gruppe zu fühlen (z.B. Zugehörigkeit zur Mannschaft). Sind alle drei Bedürfnisse gleichermaßen befriedigt, das heißt, ein Spieler fühlt sich also autonom, kompetent und einbezogen, tragen sie zur Gesundheit und Wohlbefinden bei, was zu gesteigerten Motivation und erhöhtem Mitwirken auf dem Platz führt. Sollten eins oder mehre Bedürfnisse nicht oder nur unzureichend befriedigt sein, bedeutet dies im Gegensatz, dass Krankheit, Unbehagen und Unzufriedenheit auftreten können, was im Endeffekt zu einer negativen Leistung auf dem Platz führt.

Was bedeutet die theoretische Annahme der Bedürfnisbefriedigung für den Trainer in der Trainingsgestaltung und im Umgang mit seinen Spielern? Drei Strategien, die sich mit den Bedürfnissen decken, haben sich etabliert, um Bedürfnisbefriedigung und letztendlich das Wohlbefinden der Spieler zu fördern. Die Strategie der Autonomie-Unterstützung fokussiert sich darauf, dem Sportler zu verdeutlichen, dass er während des Trainings Auswahlmöglichkeiten hat und bei Entscheidungen Mitspracherecht und Anteilnahme ausüben kann. Des Weiteren zeichnet sich ein Autonomie-förderndes Trainingsumfeld durch minimierten externen Druck und Anforderungen an den Spieler aus. Die Strategie des Struktur-Gebens bezieht sich auf individuelle Zielsetzungen und die Erwartungen der Spieler an die eigenen Leistung und an die der Mannschaft. Sie zeichnet sich dadurch aus, dass die Spieler ermutigt werden, in der Lage zu sein, ihr Trainingsverhalten insoweit zu verändern, dass sie ihre eigenen Ziele erreichen. Vom Trainer sollte daher positives Feedback bezügliches ihres Fortschrittes gegeben werden. Das Integrieren von herausfordernden Übungen im Training, mit entsprechenden Rückmeldungen, kann zusätzlich das Gefühl der Kompetenz erhöhen. Durch Einbindung und Interesse des Trainers am Gemütszustand seiner Mannschaft und Verständnis zeigen bei Schwierigkeiten kann das Bedürfnis der Verbundenheit gefördert werden. Die Strategie des Einbindens betont auch, dass eine vertrauenswürdige Trainingsatmosphäre sowie soziale und emotionale Unterstützung förderlich sind, um das Bedürfnis der Verbundenheit zu stärken (Deci & Ryan, 2000).

Zusammenfassend kann gesagt werden, dass sowohl der soziale Kontext, in dem das Training stattfindet, als auch das interpersonelle Verhalten des Trainers eine wichtige Rolle in Bezug auf das Wohl- und/oder Unwohlbefinden der Spieler spielen. Wenn ein Trainer um die verschieden Quellen und Strategien der Bedürfnisbefriedigung weiß, fällt es ihm leichter, sein Team zusammenzuhalten und zu motivieren. Er erfüllt damit die Grundvoraussetzungen für eine optimale Leistung seiner Mannschaft auf dem Platz.

Literatur
Deci, E.L. & Ryan, R.M. (1985). Intrinsic motivation and self-determination in human behavior. New York: Plenum Press
Deci, E.L. & Ryan, R.M. (2000). The “what” and “why” of goal pursuits. Human needs and the self-determination of behavior. In: Psychological Inquiry 11(4), p. 227-268.

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