Defensivarbeit in der Dreierkette bzw. Fünferkette

Defensivarbeit in der Dreierkette bzw. Fünferkette: Der Fußball hat sich seit seiner Erfindung immer mehr in Richtung Defensive entwickelt. Wurde anfangs nur mit Stürmern gespielt, die das Ziel verfolgten, den Ball ins gegnerische Tor zu befördern, kamen relativ schnell einige Spieler auf die Idee, auch in der Verhinderung gegnerischer Tore die eigene Erfolgswahrscheinlichkeit erhöhen zu können. Es war die Idee des Verteidigens geboren, deren Ausprägungen sich seither ständig verändert haben.

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Vom Manndecker zur Viererkette

Es wurde bald zur obersten Prämisse eines jeden Verteidigers, seinem Gegenspieler auf Schritt und Tritt zu folgen und ihn daran zu hindern, ein Tor erzielen zu können. Es entstanden klassische Manndecker, die in der Regel von einem Libero unterstützt wurden, der keinen festen Gegenspieler hatte und dort zur Hilfe kam, wo er benötigt wurde, seine Freiheiten aber auch nutzte, um sich offensiv einzuschalten. Deutschland brachte große Manndecker hervor (Schwarzenbeck, Vogts…) und die besten Liberos aller Zeiten mit Franz Beckenbauer und Lothar Matthäus. In dieser Tradition verschlief der deutsche Fußball in den 1990er Jahren die internationale Entwicklung hin zur Viererkette, die im Raum verschob und auf einer Linie verteidigte. In den folgenden Jahren aber wurde dieses System des Verteidigens auch auf deutschem Boden zum Maß aller Dinge. Es schien nach endloser Suche das Ziel erreicht und eine Verteidigungsformation gefunden, die den Anforderungen des Spiels am besten beizukommen im Stande ist.

Zurück in die Zukunft – die Dreierkette

Seit der WM 2014 allerdings ist die Dreierkette auf dem Vormarsch, internationale Top-Mannschaften setzen vermehrt auf drei Innenverteidiger. Einer der größten Verfechter des Systems, der Italiener Antonio Conte, coachte Juventus Turin in den letzten Jahren zur Übermacht der italienischen Liga und führte seine Idee von Fußball nun sehr erfolgreich beim FC Chelsea London ein. Immer mehr Kollegen folgen ihm. Was wie eFünferkettein Schritt zurück zu alter Taktik mit drei Verteidigern aussieht, unterscheidet sich doch maßgeblich von einem Spiel mit zwei Manndeckern und einem Libero. Zum einen verteidigen alle drei auf einer Linie und übergeben Gegenspieler im Raum, statt ihnen hinterher zu laufen, zum anderen verfügt das moderne Dreierketten-System über zwei Außenspieler, die offensiv nach vorne anschieben, defensiv aber die Rolle der Außenverteidiger einnehmen und folglich eine Fünferkette bilden.In der Fünferkette können die Abstände in der Defensive sehr klein gehalten werden, weil ein zusätzlicher Innenverteidiger installiert wird. Die Außenverteidiger können bei gegnerischen Angriffen aggressiver herausrücken und den Gegenspieler früher unter Druck setzen als in einer Viererkette, weil der neben ihm platzierte Innenverteidiger weiter nachrücken kann als üblich, ohne das Zentrum freizugeben, da dieses weiterhin von zwei Innenverteidigern abgedeckt wird. Diese Spielweise macht es dem Gegner schwieriger, zu Grundliniendurchbrüchen zu kommen und zwingt ihn öfter zu Flanken aus dem Halbfeld, welche dann im Zentrum sehr gut verteidigt werden können.

Einrücken ist wichtig

Der ballentfernte Außenverteidiger hat die Aufgabe, seine Innenverteidigung ähnlich wie in einer Viererkette durch Einrücken zu unterstützen. Allerdings muss er dabei immer seine Seite im Auge behalten, um im Falle eines Durchspielens des Gegners auf seine Seite schnell herausrücken und den Gegenspieler stellen zu können. Tendenziell rückt ein Außenbahnspieler also beim Spielen vor einer Dreierkette nicht so weit zurück wie in einer Viererkette, er bleibt etwas höher und behält sowohl den gegnerischen Außenverteidiger als auch den Außenstürmer im Auge und kann mit Tempo nach hinten rücken, wenn der andere Außenverteidiger ausgespielt und aus der Fünfer- eine Viererkette wird.

Herausrückende Innenverteidiger

Innenverteidiger haben oft das Problem, entscheiden zu müssen, ob sie mit Stürmern mitgehen sollen, wenn diese sich als Anspielstation kurz anbieten, also einige Meter Richtung Mittelfeld zurücklegen. Ein Mitgehen des Innenverteidigers in der Viererkette birgt das Risiko, dass der hinter ihm freigewordene Bereich des Spielfeldes bespielt werden kann. Bleibt er dagegen zurück, kann der Stürmer möglicherweise frei angespielt werden und sich drehen. Die Entscheidungen erfordern viel Umsicht und Kommunikation – vor allem mit den Sechsern und dem anderen Innenverteidiger. In einer Fünferkette ist dieses Risiko geringer, denn zwei absichernde Innenverteidiger machen ein Mitgehen mit dem Gegenspieler fast immer sinnvoll. Die Entscheidung wird den Innenverteidigern damit in gewisser Weise abgenommen, was gerade in sportlich schwierigen Zeiten eine große Erleichterung sein kann. Auch der Spielaufbau ist tendenziell weniger risikoreich, weil drei breit stehende Innenverteidiger und zwei hochschiebende Außenbahnspieler mehr Dreiecke schaffen und damit Möglichkeiten geben, Ball und Gegner laufen zu lassen.

Das Problem der Unterzahl im Mittelfeld

Wenn man fünf Verteidiger aufbietet und gegen ein klassisches 4-2-3-1 spielt, agieren nominell drei Innenverteidiger gegen einen Angreifer, was im Umkehrschluss bedeutet, dass irgendwo anders auf dem Feld eine klare Unterzahl entsteht. Spielt man typischerweise mit zwei Sechsern und drei offensiven Spielern vor der Fünferkette, entsteht diese Unterzahl im Zentrum, wo zwei eigene Sechser auf drei zentrale Gegenspieler treffen. Hier ist eine intelligente Raumverteidigung nötig, um nicht ständig dem Ball hinterherzulaufen und derart unter Druck zu geraten, dass ein Gegentor trotz der massiven Defensive wahrscheinlich wird. Die beiden Sechser verschieben dabei so zum Ball, dass die zentralen Gegenspieler, die sich offensiv, also zwischen Sechsern und Abwehrreihe anbieten, in ihrem Deckungsschatten verschwinden und nicht anspielbar sind. Falls der Passweg zu ihnen doch einmal frei wird, hat wieder einer der freien Innenverteidiger die Aufgabe, herauszurücken und den Gegenspieler an einer Spielfortsetzung nach vorn zu hindern.

Das Training des Positionsspiels

Damit eine Fünferkette funktioniert, ist es wichtig, den Spielern klare Positionsbeschreibungen mitzugeben und das Halten der Abstände, die Bewegung im Raum und das Umschaltspiel nach vorn ausgiebig zu trainieren. Wie auch in anderen Systemen besteht große Wichtigkeit in der Verschiebung der Kette in Richtung des Balls. Man kann das sehr gut in einer passiven Spielform trainieren. Das heißt, die angreifende Mannschaft ist in Ballbesitz und lässt den Ball durch die eigenen Reihen laufen. Die Fünferkette, angereichert um mindestens einen, eher zwei Sechser davor, verschiebt je nach aktueller Position des Balles. Das Spiel findet passiv statt, das heißt, die offensive Mannschaft geht nicht in 1:1-Situationen und sucht keinen Abschuss, es sollen vielmehr die klassischen Bewegungen der Kette simuliert werden. Ist der Ball also beim zentralen Mittelfeldspieler der angreifenden Mannschaft, steht die Dreierkette der verteidigenden Mannschaft eng, die Außenspieler rücken ebenfalls in Richtung Zentrum.

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Die Sechser ziehen sich gleichermaßen zusammen und versuchen, die Passwege in die Spitze zuzustellen. Wird der Ball nach außen gespielt, verschiebt sich das komplette Gebilde nach außen. Das heißt, der ballnahe Außenverteidiger läuft den ballführenden Spieler an, die drei Innenverteidiger schieben entsprechend nach, wobei die beiden ballfernen Spieler der Dreierkette im Zentrum gegen einlaufende Stürmer verteidigen und der ballnahe Innenverteidiger den Außenverteidiger absichert. Der ballferne Außenverteidiger schiebt nach innen, allerdings in der Regel nicht so weit wie in einer Viererkette. Wichtig für ihn ist vor allem die Kommunikation mit der Innenverteidigung. Er hat als letzter Spieler der Kette den besten Blick über das Spielgeschehen und deshalb die Aufgabe, seine Mitspieler bezüglich der Zuordnung der Gegenspieler zu coachen.

Steht also ein Stürmer am langen Pfosten frei, ist es selten seine Aufgabe, diesen zu übernehmen, in der Regel reicht es, den nächsten Innenverteidiger auf den Gegenspieler im Rücken hinzuweisen. Die Sechser versuchen in der Situation, einen Pass ins Zentrum zu verhindern, der einen unmittelbaren Torabschluss zur Folge haben könnte. Dem ballführenden Spieler bleibt also nur der Versuch eines Grundliniendurchbruchs, der allerdings vom Außenverteidiger und dem nächsten Innenverteidiger verhindert werden soll, und ein Diagonalball auf den gegenüberstehenden Außenstürmer. Dieser gilt als eines der besten Mittel gegen eine Viererkette, wenngleich er sehr schwer zu spielen ist. Gegen die Fünferkette ist er noch schwerer zu spielen, weil der ballferne Außenverteidiger nicht so weit ins Zentrum zieht und seinem Gegenspieler folglich weniger Raum lässt.

Sind die Abläufe drin, kann es aktiv zur Sache gehen.

Wenn die grundlegenden Bewegungsabläufe des Defensivkonzepts mit Fünferkette in den Köpfen verankert sind, kann das Training aktiv gestaltet werden. Die Offensive versucht nun, zum Torerfolg zu kommen, die Defensive ist darum bemüht, die Passwege zu verstellen und auch mit Zweikämpfen gegnerische Angriffe zu unterbinden. Landet der Ball im Aus, beginnt der nächste Angriff an der Mittellinie, sobald die Defensive sich wieder formiert hat. In diesem Spiel Angriff gegen Abwehr hat die offensive Mannschaft im Normalfall keine Chance gegen eine in der Grundformation verteidigende Defensive. Nur klare Fehler der Defensivarbeit können hier zu Toren führen. Auch die verteidigende Mannschaft kann Tore erzielen. Dazu werden zwei kleine Kontertore am rechten und am linken Rand des Spielfeldes auf Höhe der Mittellinie aufgebaut. Tore dürfen dabei nicht aus der Distanz erzielt werden, sondern nur ab fünf Meter vor dem Tor. Damit wird die Defensive gefordert, nach Ballgewinn konstruktiv nach vorn zu spielen.

Das Spiel der Fünferkette mit Ball

Eine Fünferkette kann relativ leicht die gesamte Breite des Spielfeldes abdecken und das eigene Tor sichern. Angereichert mit einer Doppelsechs ist es kaum möglich, gegen dieses defensive Bollwerk Torgefahr zu entwickeln, das wird die beschriebene Spielform Abwehr gegen Angriff sehr deutlich machen. Riskant ist die Spielweise dennoch dann, wenn sie keinerlei Entlastung erfährt. Bei nur noch drei nominellen Offensivspielern entsteht die Gefahr, die Bälle nach ihrem Gewinn sehr schnell wieder zu verlieren. Unter Dauerdruck gerät dann jede noch so massive Verteidigung irgendwann ins Wanken. Deshalb ist es wichtig, gewonnene Bälle nicht permanent lang zu schlagen in der Hoffnung, einen der Offensivspieler zu erreichen, denn für diesen ist es schwer, Bälle zu sichern. Nach Ballgewinn soll deshalb vor allem über die Außenverteidiger nach vorn gespielt werden. Diese werden dann zu Antreibern und müssen einen großen Laufaufwand leisten.
Fünferkette
Im Spielaufbau ist es wichtig, eine große Ruhe am Ball auszustrahlen und die Überzahl in Ballnähe auszunutzen, um einen sicheren Ballbesitz zu generieren. Mit drei Innenverteidigern, zwei höher postierten Außenverteidigern und zwei Sechsern ergeben sich zahlreiche Dreiecke, in denen der Ball laufen gelassen werden kann. Dort gilt es Sicherheit zu gewinnen und die Ballzirkulation am Laufen zu halten. Für den Gegner ist es sehr schwer, Zugriff zu bekommen. Aus einem ruhigen Spielaufbau können die zwei Außenspieler nach vorn schieben und die Offensive unterstützen.

Kontern aus der Fünferkette

Viele Mannschaften verteidigen mit einer Fünferkette, versuchen dann aber mit schnellen Tempogegenstößen zum Erfolg zu kommen. Weil bei Ballgewinn nur sehr wenige Spieler vor dem Ball sind, ist dieses Vorgehen jedoch oft wenig erfolgversprechend. Mannschaften, die erfolgreich mit Fünferkette spielen, stehen nicht nur defensiv gut, sondern können Spiele auch kontrollieren, indem sie viel Ballbesitz generieren. Juventus Turin dominiert auf diese Weise seit Jahren die italienische Serie A, der FC Chelsea in der Saison 2016/17 die englische Premier League. Die Defensive kann auch mit einer Fünferkette nur dann stabil sein, wenn sie auch Ballbesitzphasen hat.

Außenverteidiger brauchen Spielverständnis und Kondition

Für die beiden Außenverteidiger ist großes Spielverständnis vonnöten, um das eigene Spiel maßgeblich gestalten zu können. Sie sind gleichzeitig Defensiv- und Offensivspieler. Insgesamt befindet sich die von ihnen tatsächlich bespielte Fläche des Feldes etwas weiter vorn als die eines Außenverteidigers einer Viererkette, weil er öfter auch vorn attackiert und bei Ballbesitz weiter nach vorn schiebt. Insgesamt aber muss er lernen, die Situationen zu erkennen, in denen er sich nach vorn einschalten kann und wann er defensiv einschieben muss. Das kann nur durch ständiges Training verbessert werden. Als Bindeglied zwischen Defensive und Offensive kommt ihm natürlich auch ein erheblicher Laufaufwand zu. Er soll vorn Flanken schlagen und hinten die des Gegners verhindern.

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Fünferkette ist Kommunikation

Insgesamt spielt Kommunikation im Fußball eine außerordentliche und oft unterschätzte Rolle, beim Spielen mit Fünferkette ist das besonders augenscheinlich. Grob zusammengefasst kann man sagen, dass man in diesem System mit drei Verteidigern spielt, wenn man in Ballbesitz ist; mit vier Verteidigern auf einer Linie, wenn der Gegner über außen angreift und ein Außenverteidiger heraustritt und die übrigbleibende Viererkette in seine Richtung verschiebt, wenn auch nicht so weit wie eine klassische Viererkette; und mit fünf Verteidigern, wenn der Gegner sich in einer frühen Phase des Aufbaus befindet oder durch das Zentrum spielt.

Die Abwehrkette ist ein sich ständig veränderndes Gebilde, das jede Menge Kommunikation erfordert. Wer soll heraustreten? Wann beruhige ich das Spiel, wann ziehe ich das Tempo an? Wie weit verschiebe ich? Wie ordne ich Gegenspieler konkret zu, wenn der Ball sich meinem Tor nähert? All das sind Fragen, die sich im Spiel permanent stellen und auf die man immer neue Antworten finden muss. Dazu muss man viel miteinander reden. Die Grundlage für ein sicheres Verteidigen mit der Fünferkette müssen in Trainingsspielen der Abwehr gegen den Angriff gelegt werden, innerhalb des dabei erlernten Rahmens spielen Kommunikation und Spielverständnis eine große Rolle, um es auf dem Platz umsetzen zu können.

Wenn du wissen willst wo die hauptsächlichen Unterschiede zwischen Dreierkette und Viererkette liegen, dann schau mal hier!

Hier findest du Übungen zum Thema Dreierkette:

1. Übung „Dreierkette schulen im 3 gegen 2
2. Übung „Dreierkette schulen im 3 + 2 gegen 2 + 2
3. Übung „Dreierkette schulen im 4 gegen 4
4. Trainingskartothek „Modernes Verteidigen

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