Die Bedeutung von guten Flanken

Im modernen Fußball ist viel von Kurzpassspiel, falschen Neunern und weniger von kopfballstarken Mittelstürmern und Flanken oder Flugbällen die Rede. Doch nach wie vor fallen viele Tore im Strafraum – und zwar nach hohen Hereingaben. Darum ist es wichtig, die Grundlagen dafür weiter zu trainieren.

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Das, was wir heute unter dem modernen Fußball verstehen, das Kurzpassspiel nämlich, ist ein Phänomen, dass schon ein wenig älter ist als das berühmte „Tiki-Taka“, das der FC Barcelona unter Pep Guardiola und die spanische Nationalelf ungefähr zur gleichen Zeit in der Mitte des vergangenen Jahrzehnts begannen zu praktizieren. Bereits in der 16 Jahre dauernden Ära von Volker Finke in Freiburg (1991 bis 2007), in der der SCF drei Mal in die Bundesliga aufsteigen konnte, führte dieser Trainer bei dem Club aus Südbaden eine Auffassung des Fußballspielens ein, die mindestens als Grundlage des Tiki-Taka verstanden werden darf. Andere Vereine wurden darauf aufmerksam (oder kamen von selbst auf die Idee, weitgehend ohne lange Bälle spielen zu lassen), bis sich Barça und die Furia RFlanke1oja dieses Systems in nahezu perfekter Manier bedienten. Inzwischen lässt Guardiola das Kurzpassspiel bei Bayern München praktizieren, in leicht abgewandelter Form natürlich.

Mit dem Mittelstürmer stirbt die Flanke aus

Gleichzeitig hat sich der Fußball auch an anderer Stelle verändert. Wo früher noch der kopfballstarke Mittelstürmer im Sechzehner lauerte, um den Schädel in die hohen Bälle zu halten, wuseln heute technisch begabte, eher klein gewachsene „falsche Neuner“ durch die Strafräume, ob sie nun Götze heißen, Messi, Neymar, Müller oder Higuain. Es gibt auch Zwitterwesen wie Lewandowski, Miro Klose, David Villa oder Luis Suarez, Benzema oder Tevez, die sowohl stark im Kopfballspiel sind wie auch am Ball. Klassische Mittelstürmer à la Mario Gomez, Mario Mandzukic oder Fernando Torres gibt es – jedenfalls zurzeit – immer seltener im Fußball.

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Mit dem Mittelstürmer stirbt auch die Flanke aus, doch das wäre fatal. Der Fußball unterliegt immer irgendwelchen Moden, und zwar, seitdem es ihn gibt. Und während gerade die Bayern in Deutschland auch schon unter Jupp Heynckes und Louis van Gaal eine Art des Kurzpassspiels pflegten und unter Heynckes die Champions League gewinnen konnten, gab es auf nationaler Ebene mit Borussia Dortmund ein Gegenmodell, dass mit „totalem Fußball“, Umschaltspiel und langen Bällen zwei Mal in Folge Meister wurden, nämlich 2011 und 2012. Trainer Klopp agierte antizyklisch, indem er weiter auf Methoden setzte, die gerade nicht en vogue zu sein schienen. Zudem schien der Hochgeschwindigkeitsfußball des BVB in Zeiten des Tiki-Taka auf einmal besonders attraktiv, wie etwa die Saison 2012/13 zeigte, als Dortmund so bis ins Finale der Champions League vorstieß und erst dort der nationalen Konkurrenz der Münchner unterlegen war. 2014 verbot Joachim Löw seiner Mannschaft die hohen Bälle (nur im äußersten Notfall, also in der defensiven Bredouille waren sie erlaubt) und wurde so in Brasilien Weltmeister.

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Der Flugball

Damit genug der verschiedenen Philosophien dieses Sports – nicht nur im Profifußball, sondern auch und vor allem im Amateur- und Jugendbereich sind hohe Bälle und Flanken weiterhin natürlich ein wichtiges Stilmittel. Die Grundlagen, um Flanken und Flugbälle technisch richtig durchzuführen, müssen schon in der frühesten Jugend erlernt und auch später immer wieder trainiert werden. Dabei wird oft übersehen, dass die Techniken unterschiedlich sind. Wenden wir uns an dieser Stelle also zunächst dem Flugball zu.

Dessen wohl wichtigste Eigenschaft ist, dass er nicht scharf getreten sein darf (im Gegensatz zur Flanke, die ja meist direkt verwertet werden soll). Flugbälle sind dazu gedacht, dass der eigene Mitspieler den Ball kontrollieren soll, er muss ihn also ohne größere Schwierigkeiten annehmen können. Darum ist es immens wichtig, den Ball an der richtigen Stelle zu treffen, nämlich leicht unterhalb der Mitte, und zwar mittig. Die Schusshaltung dabei ist der sogenannte schräge Vollspann, das heißt, der Ball wird zwar mit dem Spann gespielt, doch die Körperhaltung ist schräg. (Wäre sie gerade, käme schließlich ein Vollspannschuss dabei heraus.) Das Bein schwingt nach dem Treffen des Balls nicht durch, der Ball bekommt somit einen Rückwärtsdrall – beim Tennis wüFlanke5rde man von einem Slice sprechen. Diese Technik führt dazu, dass der Ball eine gerade Flugbahn erhält und relativ weich wird. Damit steigt die Kontrolle über die Flugrichtung, der Pass wird also genauer. Die Geschwindigkeit des Balles bleibt gering und der Mitspieler tut sich bei der Ballannahme leichter.

Immer und immer wieder müssen diese Abläufe geübt werden, die anspruchsvolle Aufgabe für den Trainer besteht darin, so viele verschiedene Übungen zu gestalten, dass den Spielern keine Langeweile entsteht. Das ist gerade im Jugendbereich sehr wichtig. Immer ratsam ist es auch, zur Belohnung eine Situation einzubauen, die einen Torabschluss zur Folge hat, gewissermaßen als Belohnung. Darüber hinaus gibt es so immer auch etwas für den oder die Torhüter zu tun. Und ob Flugbälle oder Flanken: beide Spannstoßtechniken sollten natürlich erst dann im Ablauf eines Trainings zum Einsatz kommen, wenn die Muskulatur völlig aufgewärmt ist.

Die Flanke

Der Begriff war bis Ende der 70er Jahre im deutschen Sprachraum noch gar nicht existent. Aber dann harmonierten Horst Hrubesch und Manfred Kaltz beim Hamburger SV einige Jahre so gut zusammen, dass Hrubesch regelmäßig nach Hereingaben von Kaltz den Ball mit dem Kopf im Tor unterbrachte. Weil Kaltz eine Technik beherrschte, die den Ball so rotieren ließ, dass sie für den Gegner sehr schlecht zu verteidigen war und die Flugbahn des Balles sehr krumm war, wurde für diese Art zu flanken der Begriff „Bananenflanke“ erfunden. Und der war ziemlich zutreffend und ist es heute noch. In den 90ern und im ersten Jahrzehnt des 21. Jahrhunderts war etwa David Beckham für seine Bananenflanken berühmt. Das Patent für diese Technik wird allerdings dem Brasilianer Arthur Friedenreich zugeordnet, der zwischen 1909 und 1935 eine glänzende Karriere hingelegt hat.

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Die heutige Flanke kommt aufgrund ihrer Technik fast immer als Bananenflanke, da sie mit dem Innenspann getreten wird. Der ideale Treffpunkt des Balles ist der sogenannte Großzehenknochen, entscheidend ist, dass das Bein dabei durchschwingt und den Ball gewissermaßen noch ein Stück am Fuß mitführt, bevor er schlussendlich getreten wird. Durch dieses „Anschneiden“ verursacht der Ball Luftverwirbelungen, den sogenannten Magnus-Effekt, acht Mal pro Sekunde dreht sich das Spielgerät dabei um sich selbst und erreicht im Idealfall eine Geschwindigkeit von etwa 100 km/h. Damit ist sie natürlich schneller als ein Flugball. Wenn sich die Flanke vom Tor wegdreht, sollen die Stürmer in sie hinein laufen, dreht sie sich zum Tor hin, muss der Torhüter auf zwei Dinge achten. Nämlich auf die gegnerischen Angreifer, die die Flanke noch berühren und ihr eine Richtungsänderung geben können, und ebenso darauf, dass die Flanke auch ohne gegnerische Einwirkung direkt im Tor landen kann.

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Auf was der Trainer achten kann

Es gibt einige Kriterien, die dem Trainer dabei helfen, um zu sehen, was seine Schützlinge falsch machen bei der Ausführung der Trainingsübungen, die zur Verbesserung der Flanken und Flugbälle führen sollen. Der wichtigste Punkt dabei ist das Standbein, das sich im genau richtigen Abstand zum Ball befinden muss. Ist es bei der Ausführung zu nah am Ball, kann der Spieler nicht den notwendigen Druck hinter den Ball bringen, befindet sich das Standbein zu nah am Ball, wird die Bestimmung der Flugrichtung schwierig. Dass beim Flugball das Bein nicht durchschwingen darf und im Gegensatz bei der Flanke hingegen sehr wohl, wurde bereits erwähnt – aber was passiert, wenn der Spieler diese Grundbedingungen jeweils nicht berücksichtigt?

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Beim Flanken dient das Durchschwingen dem Zweck, dass zwischen Ball und Fuß möglichst langer Kontakt besteht. Dabei wird der Ball – wie beschrieben – am Großzehenknochen geführt, und je länger dort der Kontakt besteht, desto größer wird der Effekt, der gewünscht und nötig ist, dem Ball die richtige Flugkurve zu verleihen. Das Fußgelenk muss während dieser Bewegung übrigens auch stabil gehalten werden, da der Flanke sonst nicht ausreichend Energie verliehen werden kann. Auf was der Trainer übrigens auch achten sollte: die Arme müssen ebenfalls eingesetzt werden. Nur so entsteht eine Spannung im gesamten Körper, und es wird mehr Energie auf den Ball übertragen.

Frühes Grundlagentraining ist wichtig

Wer als Spieler nicht rechtzeitig die theoretischen und praktischen Grundlagen erlernt, um Flugbälle und Flanken sauber durchführen und voneinander unterscheiden kann, bekommt mit diesen Techniken zusehends Schwierigkeiten, je weiter er in den Jugendmannschaften aufgrund seines zunehmenden Alters nach oben klettert. Dort wird das Spiel schneller und der Zeitraum, die richtige Entscheidung zu treffen, kürzer. Je früher Flanken und Flugbälle in Trainingsübungen einstudiert werden, desto leichter tun sich die Spieler später. Um den gewünschten Effekt zu erzielen, sollten die Übungen im Training möglichst realistisch gehalten werden – die Anordnung muss Gegenspieler und Zeitdruck sowie einen eingegrenzten Raum beinhalten, um realistisch zu sein.

Wie man Flanken optimal trainieren kann, könnt Ihr zum Beispiel in diesem Video von der Beliner Hertha sehen:


Weitere tolle Übungen für das Flankentraining:
1. Übung „Flanken aus dem Lauf
2. Übung „Flanken aus dem Lauf nach Zuspiel
3. Übung „Flanken aus dem Lauf nach prallen lassen
4. Übung „Flanken aus dem Lauf nach Hinterlaufen
5. Übung „Flanken aus dem Lauf nach Passstafette
6. Trainingskartothek „Kopfballtraining

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Sandro Donda / Shutterstock.com