Die Grundlagen der Raute im 4-4-2

Die Raute ist ein klassisches und weitverbreitetes Spielsystem. Gerade bei Mannschaften aus dem Amateurbereich werden die Vorteile dieser Aufstellung allerdings oft nicht optimal genutzt. Ein taktisch versierter Trainer sollte wissen, unter welchen Umständen die Raute ihm nützlich sein kann und wann man besser darauf verzichtet. Wissen Sie, mit welcher Art von Spielern die Raute am erfolgreichsten eingesetzt werden kann? Oder wie man sein Team im Training optimal auf diese Spielweise vorbereitet?

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Wie spielt man mit einer Rautenformation?

Die Raute ist ein 4-4-2 System. Das bedeutet, dass jeweils mit vier Verteidigern und vier Mittelfeldspielern aufgelaufen wird. Davor sorgen zwei Stürmer für den nötigen Wirbel im Strafraum. Im Gegensatz zur „Flachen Vier“, bei der die Mittelfeldspieler in einer Reihe positioniert sind, wird das zentrale Mittelfeld durch einen defensiven und einen offensiven Mittelfeldspieler gebildraute-1et. Die beiden äußeren Mittelfeldspieler rücken dabei im Vergleich zu anderen Spielweisen etwas weiter ins Zentrum. Dahinter positioniert sich eine klassische Viererabwehrkette und sorgt für den nötigen Rückhalt in der Defensive.

Was sind die Besonderheiten dieser Aufstellung?

Das Spiel im Zentrum wird durch die Raute stark betont. Durch die versetzten Spieler im zentralen Mittelfeld ist es sehr schwer für den Gegner, Angriffe durch die Mitte auszuführen. In der Offensive ist der Druck auf die beiden Innenverteidiger des Gegners sehr hoch. Das Mittelfeld steht sehr kompakt und verschiebt sich auf dem Platz in Richtung des Balles. Der defensive Mittelfeldspieler, auch als „Sechser“ bezeichnet, fungiert dabei als Ausputzer. Er nimmt verstärkt defensive Aufgaben wahr und unterstützt dadurch die Abwehrkette.

Beim Spielaufbau ist er die erste Anspielstation für die Verteidiger und verteilt die Bälle weiter auf seine Vorderleute. Im offensiven Mittelfeld befindet sich der Spielmacher, der durch Dribblings Lücken in die Abwehr schlägt und mit steilen Pässen die Stürmer in Szene setzt. Durch die beiden eingerückten Flügelspieler kann die Mannschaft sich mithilfe gelungenen Kurzpassspiels schnell nach vorne arbeiten und den Ball behaupten. Um zusätzlich Druck auf die Flügel aufzubauen, rücken sehr häufig die beiden Außenverteidiger nach. Sie hinterlaufen die Flügelspieler und können Überraschungsangriffe über die Flanken ausführen.

Welche Spieler braucht man für eine Rautenformation?

Die Raute bietet sich vor allem an, wenn man einen guten Spielmacher in seiner Mannschaft hat. Dieser kann sich verstärkt auf sein Offensivspiel konzentrieren, da er von hinten optimal abgesichert wird. Im Angriff sollte er Gegner ausspielen können und über ein gutes Passspiel verfügen, um die Stürmer zu bedienen. Als Sechser bietet sich ein guter Defensivzweikämpfer an, der durch seine Präsenz auf dem Platz überzeugen kann. Vorzugsweise ist er auch mit einer kräftigen Statur gesegnet, um dem Gegner den Spaß am Spiel zu verderben. Auch taktisch sollte er begabt sein, weil der Spielaufbau zu seinen Aufgabengebieten gehört. Er spielt zwar seltener eine Hauptrolle, wenn die Torzeitlupe im Fernsehen erscheint, dennoch entscheidet er durch seinen Spielaufbau häufig über den Erfolg eines Angriffs. Weiterhin sind schnelle Außenverteidiger wichtig, die das Flügelspiel übernehmen können. Falls ein Verteidiger die Außenbahn entlangläuft, sollte der rechte bzw. linke Mittelfeldspieler nach hinten absichern.

Welche Vorteile bietet das Rautensystem?

Sie können mit der Raute großen Druck durch die Mitte auf die Verteidigung des Gegners erzeugen. Durch sicheres und schnelles Kurzpassspiel haben Mannschaften mit dieser Taktik zudem häufig sehr hohen Ballbesitz. Das kompakte Mittelfeld macht dabei einen fehlerlosen Spielaufbau einfacher und verhindert, dass der Gegner den Angriff frühzeitig stören kann. Dies wird durch die vielen Anspielmöglichkeiten im Mittelfeld begünstigt.

Der hohe Ballbesitz ist gleichzeitig auch Teil der Defensivstrategie dieser Taktik. Denn solange Ihr Team am Ball ist, werden Sie auch selten Gegentore kassieren. Mit der Raute versucht man in der Regel, das Spiel selbst zu gestalten. Wenn man erst die Oberhand gewonnen hat, fällt es den Außenverteidigern dann auch leichter, sich in die Offensive einzuschalten. Durch schnelle Vorstöße über die Außenbahn können sie dem Angriffsspiel einen zusätzlichen Impuls geben und Überzahlsituationen in der gegnerischen Hälfte erzeugen. Der defensive Mittelfeldspieler ist gleichzeitig eine gute Absicherung der Abwehr und kann ihr bei Angriffen durch die Mitte sehr viel Arbeit ersparen.

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Welche Nachteile ergeben sich?

Ein Problem der Rautenformation entsteht, wenn die Außenverteidiger nicht in dieses Spielsystem passen. Ihnen wird sehr viel Laufarbeit abverlangt, wenn die Vorzüge dieser Taktik sich vollständig entfalten sollen. Ohne sie gelingt es nicht, ausreichend Druck über die Flügel aufzubauen, wodurch das Spiel statisch und vorhersehbar wird. Durch die offensive Ausrichtung ist das System gleichzeitig sehr anfällig für Konter. Bei Ballverlusten fehlt der aufgerückte Außenverteidiger und es können leicht Überzahlsituationen für den Gegner entstehen. Sie sollten deshalb auch nur auf die Raute vertrauen, falls Ihre Mannschaft dem anderen Team einigermaßen ebenbürtig ist. Denn die Nachteile dieser Taktik müssen durch sicheres Passspiel und Kreativität im Mittelfeld ausgeglichen werden. Dies ist schwer umzusetzen, wenn die gegnerische Mannschaft technisch überlegene Spieler vorweist.

Gegen welche Mannschaften ist die Raute effektiv?

Um die Raute effektiv spielen zu können, sollte der Gegner nicht zu viel Druck auf Ihre Außenverteidiger ausüben können. Ansonsten haben diese nicht die nötige Ruhe, um sich am Angriffsspiel zu beteiligen. Häufige Ballverluste können dann dazu führen, dass Ihr Team früh ausgekontert wird. Dies kann das gegnerische Team durch effektives Angriffspressing erreichen. Die Taktik ist daher besser gegen defensive Gegner geeignet, die Ihrem Team den nötigen Raum geben, das Spiel auch über die Flügel aufzubauen. Gleichzeitig können Sie durch schnelle Außenstürmer in Bedrängnis geraten, die bei Kontern Ihren Außenverteidiger hinterlaufen. Effektiv kann die Rautenformation gegen Mannschaften eingesetzt werden, die mit einer einfachen Viererkette im Mittelfeld spielen. Durch die Struktur dieser Aufstellung entstehen viele Dreiecke, die effizientes Passspiel ermöglichen und Sie das Zentrum kontrollieren lassen. Die flache Linie im Mittelfeld ist im Vergleich dazu im Nachteil.

Wie sollte die Mannschaft ihr Spiel aufbauen?

Die Taktik ist darauf ausgelegt, durch Kombination im Mittelfeld den Ball zu halten. Die versetzte Formation der Rautraute-2e sorgt für gute Anspielmöglichkeiten. Der Sechser bildet dabei das Bindeglied zwischen Abwehr und Angriff. Er verteilt die Bälle auf seine Vorderleute. Diese bestehen zunächst aus den drei anderen Mittelfeldspielern. Sollten diese allerdings zugestellt werden, bietet sich oft ein steiler Pass auf einen durchstartenden Außenverteidiger an. Dadurch lassen sich Räume öffnen und Chancen kreieren. Der Sechser nimmt deshalb eine zentrale Rolle im Spielaufbau ein und ist oft der Stratege im Team. Angriffe durch die Mitte werden hingegen vom offensiven Mittelfeldspieler umgesetzt. Er soll durch gelungene Dribblings Lücken in die Verteidigung reißen und anschließend die Stürmer bedienen.

Wie arbeitet das System in der Defensive?

Die erste Verteidigung sind die Stürmer. Sie stören den Gegner früh und versuchen ihn zu Fehlpässen zu zwingen. Die Raute verschiebt sich dahinter immer dynamisch, abhängig davon, über welche Seite der Gegner angreift. Kommt der Angriff über rechts, attackiert zunächst der rechte Mittelfeldspieler. Offensiver und defensiver Mittelfeldmann verschieben sich dann ebenfalls nach rechts und der Spieler im linken Mittelfeld besetzt das Zentrum. Auf diese Weise bewegt sich die Raute ballonartig auf dem Platz hin und her, verursacht durch die Bewegung des Balles. Dadurch werden die Räume optimal zugestellt und der Gegner zu Fehlern gezwungen.

Welche Mannschaften sind bekannt für dieses System?

Die Rautenformation mutet im heutigen Profifußball mittlerweile etwas altmodisch an. Derzeit sind vor allem Aufstellungen mit nur einem Stürmer und mehreren offensiven Mittelfeldspielern weit verbreitet. Dies war vor rund 10 Jahren noch anders. So trat die deutsche Nationalmannschaft bei der WM 2006 hauptsächlich mit dieser Formation auf. Hier leisteten unter anderem Thorsten Frings als Sechser und Michael Ballack in der Offensive gute Arbeit. Zur damaligen Zeit war auch Werder Bremen unter Thomas Schaaf berühmt für diese Aufstellung. Als weiteres Beispiel kann auch der VfB Stuttgart herhalten, der in der Saison 2006/07 die Meisterschaft gewann und dabei hauptsächlich auf die Raute vertraute.

Es gab also durchaus eine Zeit, in der diese Taktik sehr erfolgreich im deutschen Fußball eingesetzt wurde. Mit der Zeit gelang es allerdings, immer effektivere Gegenmittel zu erdenken, weswegen sich die Prioritäten wieder verschoben. Die hohe Präsenz im Zentrum führt zwar zu viel Ballbesitz, dieser kann allerdings nicht immer in Tore umgewandelt werden. Deswegen setzt man heute vermehrt auf einen einzigen Stürmer mit zwei bis drei fähigen Offensivspielern im Mittelfeld um mehr Kreativität vors gegnerische Tor zu bekommen. Dennoch ist diese Formation vor allem im Amateur- und Jugendbereich noch weit verbreitet.

Die Vorbereitung im Training

Um mit der Raute spielen zu können, sollten Sie vor allem das Kurzpassspiel auf engem Raum trainieren. Dabei soll trainiert werden, sich vom Gegner zu lösen, dem Ballführenden entgegenzugehen und den Ball schnell weiter zu passen. Dies ist nötig, um sich später auf dem Platz die Hoheit über das Zentrum zu sichern und den Ball zu halten. Im Idealfall ist das Passspiel im Mittelfeld sogar direkt. Das bedeutet, dass der Ball nicht angenommen, sondern mit dem ersten Kontakt weitergespielt wird. Der FC Barcelona hat diese Form des One-Touch-Fußballs perfektioniert. An die Katalanen reichen „normale“ Teams wohl nicht heran, dennoch können auch Amateurmannschaften mit viel Training und guter Abstimmung, imposante Kurzpassspielweisen umsetzten. Einen weiteren Schwerpunkt sollte die Ausbildung der Außenverteidiger darstellen. Sie sind essenziell, um Ihrer Raute den nötigen Feinschliff zu geben. Vielleicht können Sie auch einen schnellen Mittelfeldspieler zum Verteidiger umfunktionieren. Manche Verteidiger können nämlich nur Defensive oder trauen sich nicht nach vorne zu arbeiten. Hier muss die Abstimmung trainiert werden, damit vorrückende Abwehrspieler auch abgesichert werden. Die Raute gut umzusetzen ist etwas anspruchsvoll und erfordert ein wenig Taktikschulung.

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Fazit

Die Raute wird von den europäischen Spitzenteams zwar derzeit nicht mehr so häufig gespielt, hat aber als Aufstellung einige Vorzüge. Diese zeigen sich vor allem dann, wenn die eigenen Mittelfeldspieler ihren Gegnern technisch überlegen sind und das Zentrum durch intelligentes Passspiel kontrollieren können. Besonders im Jugendfußball gelingt es oft nicht, die Außenverteidiger auf ihre Rolle im Rautensystem einzuschwören. Dadurch verlagert sich das eigene Spiel zu sehr ins Zentrum und bietet wenige Variationsmöglichkeiten.

Auf die Raute können Sie zurückgreifen, wenn Sie hohen Ballbesitz erzeugen wollen und über Gestaltungsmöglichkeiten im Mittelfeld verfügen. Zudem muss das Flügelspiel gesondert trainiert und einstudiert werden, weil es sich etwas komplizierter darstellt als mit anderen Formationen. Wenn Sie dies mit Ihrem Kader umsetzen können, kann die Rautenformation durchaus Erfolg versprechen.

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