Legendäre Trainer: Marcello Lippi

Marcello Lippi stammt aus der Toskana und wurde am 12. April 1948 in Viareggio geboren. Als aktiver Spieler verbrachte er den Großteil seiner Karriere bei Sampdoria Genua, für die er zwischen 1970 und 1980 insgesamt 239 Spiele bestritt und sieben Tore erzielte. Seine Karriere klang anschließend bei AC Pistoiese und AC Lucchese Libertas in der zweiten bzw. dritten Liga aus. Marcello Lippi wurde als Spieler hauptsächlich auf der Position des Liberos eingesetzt. Als Juniorenspieler bestritt er zwei Länderspiele für die U23-Auswahl von Italien.

Erste Schritte als Trainer in die Serie A

Auch nach seinem Abschied als Spieler aus Genua rissen die Kontakte zu seinem Herzensklub nie ab, so dass Lippi nach dem Ende seiner aktiven Karriere erste Erfahrungen als Jugendtrainer bei Sampdoria sammeln konnte. Während seiner dreijährigen Tätigkeit in der Jugendabteilung von Sampdoria Genua wurden einige Vereine aus der Serie B und Serie C auf den jungen Trainer aufmerksam, so dass ihn im Sommer 1985 der damals viertklassige US Citta di Pontedera unter Vertrag nahm.

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Die ersten Jahre als Trainer im Profi-Fußball waren von kurzen, meist nur einjährigen Amtszeiten geprägt. Über den AC Siena, AC Pistoiese, US Carrarese, AC Cesena und AC Lucchese Libertas führte ihn sein Weg als Trainer zur Saison 1992/93 zu Atalanta Bergamo in die Serie A. Der Außenseiter landete auf Platz 8 und verpasste damit die Teilnahme am UEFA-Cup nur knapp. Wiederum nach nur einem Jahr folgte im Sommer 1993 ein Engagement beim SSC Neapel, um dort den Neuaufbau nach der kurz zuvor zu Ende gegangenen „Ära Maradona“ einzuleiten. Die erhofften sportlichen Erfolge stellten sich jedoch nicht im erhofften Umfang ein, so dass beide Seiten ab Sommer 1994 wieder getrennte Wege gingen.

Die Traumehe mit Juventus Turin

Mit dem Wechsel von Neapel zur „Alten Dame“ nach Turin zu Beginn der Saison 1994/95 nahm einer der erfolgreichsten Trainerkarrieren des Weltfußballs ihren Lauf. Erstmals war Lippi für einen Verein mehr als zwei Jahre am Stück tätig und gewann mit Juventus Turin bis zum Ende der Saison 1998/99 fast alle Titel, die es im Vereinsfußball zu gewinnen gibt. Darunter waren drei Mal die italienische Meisterschaft sowie je einmal der italienische Pokal, der nationale Supercup, der UEFA-Supercup, die Champions League und der Weltpokal. Mit diesen Erfolgen wurde die Messlatte für seine AMarcello Lippi 1rbeit aber zugleich auch sehr hoch gelegt, so dass ihm die Saison 1998/99, in welcher Juventus Turin ohne Titel blieb, zum Verhängnis wurde. Mit seinem Rücktritt im Mai 1999 kam Lippi einem drohenden Rauswurf zuvor und wechselte anschließend zu Inter Mailand.

Die Konstellation mit Inter Mailand sollte sich jedoch schon bald als großes Missverständnis herausstellen. Vor allem das Verhältnis zwischen Präsident Massimo Moratti und dem Erfolgstrainer galt von Anfang an als sehr schwierig. Bezeichnend hierfür war die Art und Weise, wie es schließlich nach nur einem Jahr zur Trennung kam. Marcello Lippi bot im Juni 2000 seinen Rücktritt an. Dies wurde von Moratti jedoch abgelehnt, nur um wenige Wochen später den Rauswurf des Erfolgstrainers zu verkünden. Zur Saison 2001/02 begann die zweite Amtszeit bei Juventus Turin, woraufhin der Verein sofort an die alten Erfolge anknüpfen konnte, wenn auch nur auf nationaler Ebene. Bis zum Vertragende im Sommer 2004 feierte Juventus Turin in Italien noch je zwei Titel in der Meisterschaft und im Supercup. In der Champions League unterlag man dem AC Mailand im Mai 2003 in einem dramatischen Finale schließlich erst im Elfmeterschießen.

Karriere als Nationaltrainer

Mit seinem Engagement als Trainer der Squadra Azzurra gelang Marcello Lippi endgültig der Sprung in die Ruhmeshalle des Weltfußballs. Die Tifosi warteten seit 1982 auf einen Titel bei einem großen internationalen Turnier. Diese Durststrecke sollte bei der WM 2006 in Deutschland ihr Ende finden. Einer teilweise etwas holprigen Qualifikation ließ Italien eine umso eindrucksvollere Endrunde folgen. Der vierte WM-Titel für Italien trug vor allem deshalb die Handschrift des Trainers, weil es diesem in den Monaten der Vorbereitung gelungen war, seiner Mannschaft eine strikte Defensivtaktik zu verordnen, ohne dabei das eigene Offensivspiel zu vernachlässigen. Auf dem Höhepunkt seiner Karriere verordnete sich der in Italien fortan als Held verehrte Coach eine mehrjährige Auszeit vom Fußball, kehrte jedoch bereits nach der EM 2008 wieder auf den Trainerstuhl der italienischen Nationalmannschaft zurück. Unter seinem Nachfolger Roberto Donadoni war Italien im Viertelfinale am späteren Europameister Spanien gescheitert.

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Unter Marcello Lippi schien die Squadra Azzurra wieder zur alten Stärke zurückzufinden und reiste als Titelverteidiger und einer der Top-Favoriten zur WM 2010 in Südafrika. Dort erlebte Italien aber sein sportliches Waterloo und schied mit nur zwei Punkten als Gruppenletzter hinter Paraguay, Slowakei und Neuseeland bereits in der Vorrunde aus. Diese Blamage führte zwangsläufig zum Ende der zweiten Amtszeit als Nationaltrainer Italiens.

Sportliches Abenteuer bei Guangzhou Evergrande in China

Nach einer zweijährigen Pause ließ sich Marcello Lippi vom chinesischen Erstligisten Guangzhou Evergrande aus dem Ruhestand holen. Unter dem Starcoach reifte Guangzhou Evergrande in China zum Serienmeister. Während seiner Amtszeit von 2012 bis 2014 holte der Verein in allen drei Jahren jeweils den Titel in der Chinese Super League, darüber hinaus gewann Guangzhou Evergrande die AFC Champions League sowie den nationalen Pokal. Marcello Lippi 2Ende 2014 kam es dennoch zur Trennung, obwohl der Vertrag erst wenige Wochen zuvor bis Ende 2017 verlängert worden war. Stattdessen übernahm Fabio Cannavaro das Traineramt, nachdem dieser zuvor als Co-Trainer tätig gewesen war. Nach seiner Rückkehr aus China gab Marcello Lippi bekannt, dass er seine Trainerkarriere noch nicht als beendet ansehe, wartet seither aber auf entsprechende Angebote.

Spielstil und Arbeitsweise

Während italienische Mannschaften seit jeher für ihren destruktiven „Catenaccio“ gefürchtet werden, erweiterte Marcello Lippi diese Grundidee des Fußballs um einige gestalterische Elemente. In der Regel spielen seine Mannschaften mit zwei Viererketten in Abwehr und Mittelfeld, in der Spitze agieren wahlweise zwei echte Stürmer oder ein Stürmer und eine „falsche 9“. Einen tiefgreifenden Einblick in dieses Spielkonzept gewährt das Buch „Il Gioco delle Idee: Pensieri e Passioni da Bordo Campo“ (zu Deutsch: Ein Spiel voller Ideen: Gedanken und Leidenschaft an der Seitenlinie), welches aus der Feder des Weltmeister-Trainers stammt.

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Darüber hinaus gilt Marcello Lippi als absoluter Disziplinfanatiker und verzichtet im Zweifelsfall auf Spieler, denen ein schwieriger Charakter nachgesagt wird. Auch als es im Vorfeld der WM 2010 zu öffentlichen Diskussionen um die Zusammenstellung des Kaders kam, blieb er seiner diesbezüglichen Linie treu. So erhielten beispielsweise Spieler wie Mario Balotelli nie eine Chance in der Nationalmannschaft, obwohl ihre Leistungen eine Berufung nach objektiven Gesichtspunkten längst gerechtfertigt hätten. Balotelli musste die WM 2010 am Fernseher verfolgen und konnte in der Squadra Azzurra erst unter Cesare Prandelli durchstarten.

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