Pros und Contras der Winterpause beim Fußball

Seit den 1980er-Jahren ist eine Winterpause im deutschen Fußball ein fester Bestandteil des Terminkalenders. Die Spieler der Profiklubs aus der Bundesliga profitieren im internationalen Vergleich von der längeren Regenerationspause zum Jahreswechsel. Während die Winterpause aus wirtschaftlicher Sicht im Profibereich auch Nachteile zeigt, bleibt sie unter anderem wegen des Wetters im Amateurbereich unverzichtbar.

Vorteile im internationalen Vergleich

Viele Trainer und Experten vertreten den Standpunkt, dass sich die Winterpause im deutschen Fußball für die Vereine in internationalen Wettbewerben vorteilhaft auswirkt. Durch eine mehrwöchige Pause haben die Spieler die Gelegenheit, sich vollständig zu regenerieren und in einem Wintertrainingslager neue Grundlagen zu schaffen. Als in der Saison 2012/13 mit Borussia Dortmund und dem FC Bayern München zwei deutsche Vereine mit starken Leistungen in den K.O.-Spielen in das Finale der UEFA Champions League einzogen, verbreiteten insbesondere Vertreter aus der englischen Premier League die Ansicht, dass der Erfolg der Topklubs aus der Bundesliga auch der Erholungspause im Winter zu verdanken war. Arsène Wenger sah die Mannschaften aus Deutschland zum Beispiel im März und April konditionell entscheidend im Vorteil gegenüber der Konkurrenz.

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Insbesondere Nationalspieler profitieren von der Winterpause. Wenn im Juni und Juli eine Weltmeisterschaft, eine Europameisterschaft oder der FIFA-Konföderationen-Pokal veranstaltet werden, beginnt die Saisonvorbereitung mit dem ersten Training der Vereine oft bereits vor dem Ende der Turniere. Junge Spieler sind zudem durch den Kampf um Titel mit den Juniorennationalmannschaften häufig einer zusätzlichen Belastung ausgesetzt. In der Regel müssen die Nationalspieler nach einem dreiwöchigen Sonderurlaub ohne eine lange Sommerpause wieder zu ihren Klubs zurückkehren. Das genügt in vielen Fällen nicht, um den Körper vollständig zu regenerieren und auch mental neue Kräfte zu schöpfen. Statistiken belegen, dass Spieler, die vor dem Saisonstart mit ihren Nationalmannschaften lange an einem Turnier teilgenommen haben, in den Vereinswettbewerben meistens schlechter als in der vorigen Spielzeit abschneiden. Eine Winterpause bietet diesen Nationalspielern jedoch die Chance, die fehlende Regenerationszeit nachzuholen.

England im Nachteil

Topstars aus der Premier League leiden hingegen nach zwei Jahren ohne eine längere Regenerationspause unter der hohen Belastung. Seit dem Erfolg des FC Liverpool im Jahr 2005 ist es daher keiner englischen Mannschaft mehr gelungen, in einer Saison, die auf ein EM- oder WM-Turnier folgt, die Champions League zu gewinnen. Borussia Dortmund 1997 sowie der FC Bayern München 2001 und 2013 sicherten sich hingegen jeweils im Anschluss an eine Europameisterschaft den bedeutendsten Titel im Vereinsfußball, nachdem die Nationalspieler der deutschen Teams während des Winters im Gegensatz zur Konkurrenz neue Kräfte sammeln durften. Die Nationalmannschaft des DFB profitiert ebenfalls davon, wenn den Spielern knapp sechs Monate vor dem Beginn der Turniere eine längere Pause vergönnt war. Bei Welt- und Europameisterschaften wird den Deutschen stets eine herausragende Kondition bescheinigt.

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Experten aus England verbreiten teilweise sogar die These, dass ihre Nationalmannschaft wegen des vollen Terminkalenders der Klubs aus der Premier League chancenlos ist. Insbesondere die Vertreter des Nationalteams setzen sich im englischen Fußball für die Einführung einer Winterpause ein. Obwohl Mannschaften aus der Premier League bis 2015 insgesamt 31 Europapokaltitel gewonnen haben, hat die Fußballnationalmannschaft der Engländer in ihrer Geschichte nur ein einziges Mal das Endspiel einer Weltmeisterschaft erreicht und war zudem noch nie im Finale einer Europameisterschaft vertreten. Die traditionellen Ligaspiele zum Jahreswechsel und das nahezu ununterbrochene Training über einen Zeitraum von zwei Jahren wirken sich demnach für die Nationalspieler aus England sehr negativ aus.


Kontroverse Diskussionen in Deutschland

Vertreter der erfolgreichsten Vereine aus der Bundesliga haben bisher stets Pläne zur Abschaffung der Winterpause scharf kritisiert. Als die Unterbrechung in der Saison 2010/11 entscheidend verkürzt wurde, beklagten sich insbesondere die Verantwortlichen von Borussia Dortmund und dem FC Bayern München. Weil die Spieler vor dem ersten Training des neuen Jahres jeweils nur noch rund 10 Tage pausierten, verloren die international vertretenen Bundesligisten beispielsweise in den Augen des Bayern-Vorstandsmitglieds Karl-Heinz Rummenigge einen entscheidenden Vorteil. Vertreter kleinerer Vereine forderten im Rahmen der damaligen Diskussion hingegen zum Teil sogar eine vollständige Abschaffung der Pause im Winter. Für Teams aus den beiden unteren Dritteln der Bundesliga-Tabelle steigen die Chancen in nationalen Spielen gegen Europapokal-Teilnehmer, wenn den Topmannschaften zum Jahreswechsel weniger Zeit für die Erholung von der Mehrfachbelastung durch englische Wochen bleibt. Eine Abschaffung der Unterbrechung würde also für etwas mehr Spannung in den Ligen und im DFB-Pokal sorgen.

Finanzielle Nachteile für deutsche Profiklubs

Aus wirtschaftlicher Sicht wirkt sich die Winterpause im deutschen Fußball für die Profivereine negativ aus. 2015 waren die TV-Rechte der Premier League laut Presseberichten in etwa drei Mal so viel Wert wie die Übertragungsrechte der 1. und 2. Bundesliga in Deutschland insgesamt. Das hängt auch damit zusammen, dass die englischen TV-Anbieter im Winter ununterbrochen Profifußball zeigen dürfen. Der traditionelle Boxing Day der Premier League am 2. Weihnachtsfeiertag ist für die Engländer zum Beispiel ein Highlight, das hohe Einschaltquoten garantiert. Unter den geringeren TV-Einnahmen leiden in Deutschland vor allem die Klubs, die keine zusätzlichen Fernsehgelder durch internationale Wettbewerbe erhalten.Auswechselbank Schnee

Notwendigkeit der Winterpause im Amateurfußball

Im deutschen Amateurfußball sprechen gewichtigere Gründe für die Beibehaltung einer langen Winterpause. Vor allem in Süddeutschland werden trotz der langen Unterbrechung in den Wintermonaten zahllose Spiele in Amateurligen abgesagt. Neben plötzlichem Schneefall erschwert wegen der fehlenden Rasenheizungen insbesondere die Vereisung des Rasens auf den Sportplätzen den Spielbetrieb. Wenn die Temperaturen über mehrere Wochen konstant unter 0 Grad bleiben, müssen in einigen deutschen Regionen auch im Februar nahezu alle Spiele der Amateure abgesagt werden. Das Training der unterklassigen Mannschaften findet in diesen Phasen lediglich in Hallen statt. Auf vereistem Untergrund ist im Fußball ein Spiel unter fairen Bedingungen nicht mehr möglich. Darüber hinaus besteht durch die hohe Rutschgefahr und das harte Eis ein höheres Gesundheitsrisiko. Eine Rasenheizung ist für jeden normalen Amateurverein nicht finanzierbar. Bereits für die Anschaffung einer derartigen Anlage müssen Klubs mit Ausgaben im siebenstelligen Bereich rechnen. Außerdem ist die Instandhaltung und Wartung einer Rasenheizung ebenfalls sehr kostspielig. Traditionsvereine, die in den Amateurbereich abgestürzt sind, müssen die Heizungsanlagen in ihren Stadien deshalb in den meisten Fällen außer Betrieb nehmen.

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Die Urlaubsplanung vieler Amateurspieler macht eine Winterpause ebenfalls unverzichtbar. Vor allem im deutschsprachigen Raum ist neben dem Fußball auch der Skisport sehr beliebt. Weil zahlreiche Mannschaftsmitglieder nicht auf einen Winterurlaub in einem Skigebiet verzichten wollen, gelingt es Amateurklubs insbesondere im Februar oft nicht, eine konkurrenzfähige Mannschaft zusammenzustellen. Dadurch wird ein regulärer Spielbetrieb im Winter erheblich erschwert. Im Gegensatz zu Profispielern, die mit dem Fußball ihren Lebensunterhalt verdienen, wollen Amateure ihren Terminkalender nicht bedingungslos an die Spielpläne der Liga anpassen.

Hallenfußball als Kompromiss für Amateure

Nachteile der Winterpause im Amateurfußball zeigen sich häufig in den ersten Pflichtspielen des Jahres, wenn Spieler wegen der langen Unterbrechung unter Fitnessproblemen leiden. Während der Weihnachtszeit bleibt das Training oft auf der Strecke. Deshalb wirkt sich die fetthaltige Ernährung im Rahmen der Feiertage noch stärker auf den Körper aus. Einen sinnvollen Kompromiss zwischen dem Wetter, der Terminplanung der Amateure und der Notwendigkeit von Spielpraxis finden zahlreiche Klubs im Verlauf des Winters durch die Veranstaltung von Hallenturnieren. Neben der Unabhängigkeit von den Wetterbedingungen bieten die Spiele und das Training in der Halle den Vorteil, dass auf den kleineren Spielfeldern weniger Mannschaftsmitglieder benötigt werden. Denn laut den üblichen Regeln sind beim Fußball in der Halle maximal sechs Spieler für eine reguläre Partie erforderlich. Somit gelingt es den Amateurvereinen trotz der Urlaubsplanung ihrer Spieler, konkurrenzfähige Teams zusammenzustellen.

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