31. Mai 2011
Die zurückliegende Weltmeisterschaft hat erstmals seit langer Zeit eine Mannschaft gezeigt, die wesentlich agiler auf dem Platz aufgetreten ist als zuvor. Schnelle Pässe, rapide Reaktionen – und der Erfolg lag auf der Hand, immerhin schaffte es die deutsche Elf bis weit nach oben. Schließlich fehlte nicht mehr viel zum Titel. Woher kam der Erfolg?
Vorgemacht haben es die Spanier – und das nicht erst während dieser WM. Die Unterschiede zwischen der Bundesliga und der spanischen Primera Division sind deutlich sichtbar, und auch die vergangenen Transfers wie WM-Star Mesut Özil, der sich trotz seines Glanz-Debüts in den ersten Monaten bei den Königlichen sichtbar etwas schwerer tat als erwartet.
Das Tempo ist ein komplett anderes. Das südländische Temperament bestimmt die Liga, und trotz Höchstleistungen scheinen die spanischen Clubs das Tempo wesentlich effizienter durchzuhalten – auch in der zweiten Halbzeit.
Das Training dürfte den Unterschied machen. In Spanien gibt es in der Regel nur ein Training pro Tag – dann aber richtig und spielnahe. Training ohne Ball und ähnliches ist der Primera Division fremd, es wird straffes Praxistraining veranschlagt: drei gegen drei mit zwei bis drei variablen Spielern, Torschusstraining im Team mit reichlich Bällen, so wird in Spanien trainiert. Ein Ansatz, den auch Jogi Löw teilweise übernommen hat und der sich in der WM mit der sehr jungen Mannschaft mit präzisen Pässen und überraschend agilen Spielern geäußert hat. Geht doch!
30. Mai 2011
Die aktuelle Saison hat einige ungewöhnliche Facetten. Nicht nur die Bundesliga glänzte mit deutlichen Turbulenzen und einem spürbar verschobenen Mächteverhältnis, auch die Nationalmannschaft bekommt Veränderungen zu spüren. Dazu gehören beispielsweise Länderspiele wie die Partie gegen Uruguay und die folgenden Quali-Spiele zur EM. Wie wirkt sich Training in der eigentlich spielfreien Zeit auf die Spieler aus?
Zunächst: wir leben längst in Zeiten moderner Fitnesstests, medizinischer Untersuchungen und des daraus abgeleiteten Individualtrainings. Zwar wird weiterhin innerhalb der Mannschaft trainiert, für den einen oder anderen werden die Bedingungen aber in Einzelübungen erleichtert – oder erschwert. Dazu gehören beispielsweise das Training mit Medizinbällen oder Gewichtswesten beziehungsweie -manschetten.
Dennoch wird das Programm in der Regel softer gefahren. Denn Profi-Sportler verlieren ihre Kondition nicht sofort, sobald sie einmal zwei Wochen kein volles Trainingsprogramm fahren – das ist längst erwiesen.
Klar ist: die Zusatzspiele stellen eine Belastung für die Spieler dar, fällt die reguläre spielfreie Zeit selbst im Sommer mit drei Wochen eher mager aus, die Sportler müssen somit noch mehr Leistung bringen als normal. Dennoch sollte ein Profisportler keine Probleme haben, auch in der spielfreien Zeit nochmals gelegentlich Zusatzleistung zu bringen. Die allerdings fällt durchaus straff aus, denn Uruguay erwies sich wie schon in der WM als zäher Gegner, der erst kurz vor Abpfiff endgültig besiegt wurde.
Dennoch dürften auch die Spieler eher von den Zusatzspielen profitieren.
29. Mai 2011
Bereits im Vorfeld gab es hinter vorgehaltener Hand reichlich kritische Äußerungen zu Silvia Neids intensivem Training im Vorfeld der bevorstehenden WM der Frauen. Nachdem Turbine Potsdam nun im Champions League-Finale an amtierenden Meister Olympique Lyon scheiterte, wurde die Kritik deutlich. Potsdam-Trainer Bernd Schröder teile harsche Worte gegen Silvia Neid und den DFB aus.
“Die Vorbereitung der Nationalspielerinnen war ganz anders als wir sie hätten gebrauchen können. Da fehlt der Respekt, aber da müssten die Verantwortlichen selbst draufkommen”, polterte Schröder und machte deutlich, was er von Silvia Neids straffem Trainingsplan hielt: “Die Erlebniswelt von Frau Neid ist eben eine ganz andere als unsere. Die haben Angst, ein kleines Stäubchen könnte auf ihre WM fallen.”
DFB-Managerin Doris Fitschen reagierte brüskiert über Schröders Vorstoß und konterte, im Vorfeld habe es mit allen Vereinen Gespräche gegeben – und ausnahmslos alle haben ihre Zustimmung dazu gegeben.
Silvia Neid verteidigte inzwischen ihr dreimonatiges Trainingsprogramm und verwehrte sich insbesondere gegen den Vergleich mit dem Männer-Nationalteam: “Natürlich möchte ein Jogi Löw auch gern diese Vorbereitungszeit haben, aber er braucht sie weniger dringend. Die Männer-Bundesliga ist eine Vollprofi-Liga, die der Frauen nicht. Da sind viele Spielerinnen, die acht Stunden am Tag arbeiten und dann abends noch ins Training gehen. In der Liga wird ein anderes Tempo gespielt, als auf dem internationalen Top-Niveau einer WM.”
28. Mai 2011
Vor zweieinhalb Jahren packte Uli Stielike seine Koffer und wanderte aus nach Katar in die Hauptstadt Doha. Das war, kurz nachdem er vom Vorstand des Schweizer FC Sion entlassen wurde – zuvor hatte er bereits mehrere Jahre als Trainer in der U19, der U20 und der U21 sowie als Co-Trainer in der deutschen Nationalmannschaft gearbeitet. In seiner aktiven Karriere gehörte er acht Jahre lang zum Stamm der Königlichen, bis er von Real Madrid zu Neuchatel Xamax wechselte, wo er seine aktive Karriere an den Nagel hängte. Nun wirkt er fernab des Trubels in dem winzigen arabischen Emirat Katar am Rande des persischen Golfes – hier wird sich die WM 2022 abspielen.
Die Bedingungen in Katar sind ungewöhnlich und bieten einen Vorgeschmack auf die noch weit entfernte WM. Fußball wird hier gefördert, eine Infrastruktur aus gigantischen Stadien und Plätzen ist vorhanden. Erschwert wird das Training insbesondere durch die Gluthitze, die von der Wüste herübergeweht wird. Im Juli, wo traditionell die Endspiele der WM ausgetragen werden, herrschen hier Temperaturen von 40 Grad – und mehr. Die Nacht bringt auch kaum Abkühlung, schon jetzt im Mai steht das Thermometer abends bei 35 Grad.
Stielike muss sein Training bei Al-Sailiya daran anpassen. Das Gebet vor dem Anstoß, wenn der Muezzin ruft, irritiert den Badener nicht mehr. Er hat sich an das arabische Leben in Doha gewöhnt und hat seinen Vertrag bereits bis 2013 verlängert. Und 2022, wenn er längst seine Rente genießt, kann er der deutschen Mannschaft vielleicht ein paar Tipps geben, wie Fußballtraining in der Wüste gelingt…
26. Mai 2011
Am Dienstagnachmittag beendeten die DFB-Damen ihr Trainingscamp in Herzogenaurach, einer von mehreren Stationen, während denen Sylvia Neid und Norbert Stein die Weltmeisterinnen fit für den Titelerhalt machen wollen. Zum Abschluss wurde keine volle Leistung mehr abverlangt – nicht nur, weil sich die Spielerinnen nicht völlig verausgaben sollen, damit ein frisches, ausgeruhtes Team während der entscheidenden Spiele auf dem Grün aufläuft, sondern auch, weil der Ort nicht ganz zufällig gewählt wurde.
Klar: in Herzogenaurach wird auf dem Adi-Dassler-Sportplatz gespielt. Hier buhlen Adidas und Puma um werbeträchtige Teams – und im Falle der Damen-Nationalelf wurden beide fündig, denn das Schuhwerk kommt eigentlich für die Elf angefertigt von Puma. Das Fußballtraining der Damen war von Sprints, Schnellkraft- und Sprungkrafttraining durchzogen – aber alles in einem moderaten Rahmen, schließlich war Adidas zwecks Dreharbeiten für einen Werbespot mit von der Partie. Ein maximales Leistungstraining wäre so kurz vor der Weltmeisterschaft ohnehin fraglich, und es geht um viel: zweimal nacheinander wurde die deutsche Frauen-Nationalelf Weltmeister, und natürlich haben auch die Gegner die letzten vier Jahre zum Training genutzt. Silvia Neid weiß, dass die Titelverteidigung kein Kinderspiel wird: “Kopf hoch und Spannung halten” ist nicht nur die Haltungsparole, sondern gilt auch für die WM. Am Freitag muss Neid mitteilen, wenn sie im Kader haben will – und wen nicht. Dann stehen noch drei weitere Trainingsspiele gegen Italien, Niederlande und Norwegen an, zudem gibt es dazwischen noch eine Lehrgangseinheit in Gütersloh.
Ein vollgepackter Terminkalender also – um die Frauen fit für den Sieg zu machen.
25. Mai 2011
Die Crailsheimer KickInside Socceracademy greift im wachsenden Ringen um Kinder und Jugendliche zum Trainingscamp zu ausgefallenen Ideen. Beim Kickbrazil Trainingscamp im August wird der Football Freestyle-Profi René Mathussek, der bei der Freestyle-WM in Abu Dhabi auf dem dritten Platz landete, für einen Tag mit von der Partie und zeigt den Kids Fußball abseits des DFB-Reglements.
Vom 01. bis zum 04. August lädt die KickInside Socceracademy zum Trainingscamp in Crailsheim, wo sich die Kids beim intensiven Fußballtraining austoben können. Hier lernen die Teilnehmer zwischen 8 und 13 Jahren aber auch gleich ein Stück Fußball-Zukunft kennen: ein Dribblingparcour mit Lichtschranken, eine computergesteuerte Technical Development Wall und andere technische Rafinessen, die in herkömmlichen Vereinen wohl so schnell nicht anzutreffen sein werden, warten auf die Nachwuchstalente. Klar ist natürlich: Hightech ist kein Muss im Sport, kann aber dazu beitragen, Kids dafür zu begeistern und neue Methoden im Fußballtraining anzuwenden.
Pro Tag gibt es aber nicht nur zwei bis drei Trainingseinheiten und einen Freestyle-Tag mit René Mathussek, sondern auch ein altersgerechtes Rahmenprogramm, zudem können Sportlernaturen dort auch das DFB & McDonald’s Fußballabzeichen erwerben. Der größte Teil findet in der Fußballhalle mit Kunstrasen statt, damit das Camp witterungsbedingt ablaufen kann.
Aber wie üblich geht es um den Spaß an der Sache: exzessives Powertraining und ermüdende Theorie haben im Jugendtraining nichts verloren. Stattdessen winken zudem ein Nike-Trikot samt Hose, Stutzen und Trinkflasche nebst einer Urkunde als Belohnung für jeden Teilnehmer. Zudem steht als Alternativtermin noch ein verlängertes Wochenende vom 05. bis zum 08. September zur Auswahl.
24. Mai 2011
Die TSG Hoffenheim hat es vorgemacht: Erfolg ist finanziell planbar. Das war zumindest das Fazit nach den ersten Jahren, als Dietmar Hopps Verein in den oberen Tabellenrängen dominierte. Der österreichische Konzern Red Bull hat Blut geleckt und versuchte dasselbe Kunstwerk – allerdings mit weniger Erfolg. Nachdem der Aufstieg von RB Leipzig aus der vierten Liga in die Dritte scheiterte, musste auch der jetzige Trainer Thomas Oral gehen. (weiterlesen …)
23. Mai 2011
Es ist geschafft: die deutschen Fußball-Damen haben das erste Testspiel in Ingolstadt gegen Nordkorea erfolgreich absolviert. Silvia Neids Frauen können rundum mit sich zufrieden sein: das 2:0 war der verdiente Preis für hartes Training und eine ordentliche Portion Respekt vor der Mannschaft aus Fernost, über die kaum etwas bekannt ist – außer dass sie schnell, wendig und kampfeslustig ist.
Das hatte sich bereits im Vorfeld herumgesprochen. Und einen Gegner zu unterschätzen war schon immer der größte Fehler, den ein Trainer und sein Team begehen können – Silvia Neid nahm die bevorstehende Begegnung daher nicht auf die leichte Schulter. Zum Training gehörten daher neben einem straffen Programm im Trainingslager, das noch zwischen den kommenden Testspielen fortgesetzt wird, regelmäßige Spiele gegen männliche Jugendmannschaften. Die zeigten sich durch ihr Alter als agiler und weniger als die meisten Profikader, gleichzeitig aber auch sportlich stark – so, wie Bundestrainerin Silvia Neid auch die nordkoreanischen Damen eingeschätzt hat.
Und die erwiesen sich am Samstag in Ingolstadt tatsächlich als zähe Gegner: erst in der 59. Spielminute Kim Kulig den ersten Treffer im gegnerischen Tor platzieren. Okoyino da Mbabi legte in der 85. Minute nach und machte so das 2:0 gegen Nordkorea perfekt. Drei Testspiele stehen den deutschen Damen vor dem offiziellen Auftakt noch bevor, dann geht es darum, den Titel im eigenen Land zu verteidigen.
Die endgültige Startaufstellung steht indes noch nicht fest – Silvia Neid nahm sich Bedenkzeit bis Freitag. Dann müssen vier der 25 Damen weichen – und diese Wahl fällt schwer…
22. Mai 2011
Nachdem Joachim Löw bei der Fußball-WM 2010 in Südafrika mit einem überdurchschnittlich jungen Team an den Start gegangen ist und mit dieser Mannschaft beeindruckende Erfolge erzielen konnte, bremst er nun übertriebene Euphorie bezüglich neuer Jungstars. Gegenüber der Bild am Sonntag erklärte Löw, bei Mario Götze, der mit Dortmund gerade die Meisterschale erlangt habe, André Schürle aus Mainz und Marco Reus aus Mönchengladbach handle es sich zweifelsfrei um gute Spieler, schränkte aber auch ein.
Die Frage, so Löw, sei es, wer es an die Spitze schaffe. Denn es gibt und gab immer Ausnahmetalente mit hohem Potenzial, die sich im Fußballtraining und in den ersten Ligaspielen besonders hervortun, aber nie das ganz große Format erreichen. Der Maßstab sind für Löw die Erfolskicker Thomas Müller, Sami Khedira, Manuel Neuer und Mesut Özil. Die jetzigen Jungtalente sieht Löw noch nicht im internationalen Wettkampf, denn, fügt er hinzu: ein gutes Bundesliga-Jahr reicht hierfür nicht.
Löw will sich also für künftige Aufstellungen hinsichtlich der Stars aus der vergangenen Saison noch nicht festlegen, lässt aber keinen Zweifel daran, dass er beabsichtigt, die deutsche Nationalmannschaft sowohl in der EM als auch in der WM wieder auf die obersten Tabellenplätze zu bringen. Und solange wird er gerade diese Stars wohl in der kommenden Saison mit Argusaugen beobachten – dann wird sich zeigen, ob sie wie Toni Kroos in der vergangenen Saison stagnieren oder sich weiterentwickeln. Das Potenzial ist in jedem Fall vorhanden…
21. Mai 2011
Besonders in Rheinland-Pfalz und Baden-Württemberg leben durch unzählige Standorte der US Army auch viele amerikanische Kinder und Jugendliche. Der FC Kaiserslautern, inmitten zahlreicher US-Kasernen, strebt daher auch eine stärkere sportliche Integration dieser Kids an und hat bereits im April zu diesem Zweck ein Trainingscamp veranstaltet.
Drei Tage lang durften Angehörige von US-Soldaten auf dem Betzenberg unter Anleitung der FCK-Trainer kicken: insgesamt haben rund 150 Kinder und Jugendliche das Angebot wahrgenommen und dabei auch die Unterschiede zwischen deutschem Fußball und amerikanischem Soccer hautnah erfahren. Klar ist: im europäischen Fußball wird ein wesentlich größerer Schwerpunkt auf Taktik gelegt. Die taktischen und technischen Feinheiten sind hierzulande deutlich ausgeprägter.
Ein 14jähriger aus Heidelberg erklärt: “They told us to show much more emotion,” was die Unterschied deutlich werden lässt. Eine Mutter zweier Töchter resümmiert: “My husband likes to get them involved in everything, and we like it because, well, we’re in Germany” – und diese Aussage zeigt deutlich: Integration funktioniert. Auch wenn sie meist zwischen Amerikanern und Deutschen besser funktioniert als zwischen anderen Nationalitäten, beweist der Ansatz des FCK: Fußball verbindet noch immer. Und gerade gemeinsames Fußballtraining kann ein großer Schritt Richtung Integration werden.