30. Juni 2011
Ungewöhnlich präsent gibt sich derzeit das Frauen-Nationalteam der USA: während manch andere Mannschaften unter Ausschluss der Öffentlichkeit fürchten und dabei selbst diplomatische Affronts in Kauf nehmen, reiste das US-Nationalteam heute nach Heidelberg, um dort ein öffentliches Training auf dem Grün der SG Kirchheim abzuhalten – Zuschauer waren ebenso wie die Presse ausdrücklich eingeladen. Und auch die Jugend geht auf Tuchfühlung.
In Heidelberg trainieren allerdings nicht nur die Fußballfrauen der USA, auch die Mannschaften von Frankreich, Kolumbien, Neuseeland, Mexiko und das zuletzt in die öffentliche Kritik geratene Team von Nigeria bereiten sich dort auf die bevorstehenden Begegnungen vor. Für Wirbel sorgten insbesondere homophobe Äußerungen der nigerianischen Trainerin, die allerdings ohne weitere Konsequenzen blieben.
Auch bei der Jugend wird hingegen auf die Völkerverständigung und gegenseitige Toleranz hingearbeitet. So findet heute Abend noch vor dem Spiel der deutschen Nationalelf gegen das nigerianische Team eine Jugendpartie zwischen dem saarländischen Regionalligisten SV Bardenbach und einer texanischen Mädchen-Elf auf Kati (USA) statt. Diese Mannschaft befand sich gerade auf einer Reise, um den amerikanischen Nationalteam einen Besuch abzustatten und stimmte dem Vorschlag eines Freundschaftsspiels zu. Ermöglicht wurde der Austausch über den Schwiegervater des Trainers der amerikanischen Mannschaft, der selbst im Saarland lebt.
Fußball vereint also doch die Nationen – zumindest die meisten…
Aus dem Maß aller taktischen Dinge wird ein Anachronismus
Für Michael Owen war die Sache schon vorher klar. Für die Onlineausgabe des Londoner „Telegraph“ schrieb der Stürmer von Manchester United Kolumnen zur WM 2010, Owen hatte schließlich Zeit, da er nicht mit der englischen Nationalmannschaft nach Südafrika fahren durfte. Am 28. Juni 2010, einen Tag nach dem aus englischer Sicht bösen Albtraum des 1:4 gegen den Erzrivalen Deutschland, erschien also ein Beitrag Owens auf der Seite des „Telegraph“, und großlettrig prangte ebendort der Satz: „As soon as I saw our tactics I knew we’d lose.“ Was zu übersetzen wäre mit: „In dem Augenblick, als ich unsere Aufstellung gesehen habe, wusste ich, wir würden verlieren.“
Der einzig streitbare Punkt dieser Aussage liegt nun keinesfalls darin, dass es einen Zweifel am Wahrheitsgehalt geben könnte; vielmehr müsste man sich fragen: Warum wird „tactics“ mit „Aufstellung“ übersetzt? Die Antwort ist relativ simpel: weil es in diesem Fall stimmt. Owen meinte mit der taktischen Ausrichtung die Aufstellung bzw. andersrum, die Englands Trainer Fabio Capello den „Three Lions“ mit auf den Weg gegeben hatte. Hinter dem letzten Strich der Aufstellung, der die Mittelfeldakteure von den Stürmern trennt, standen nämlich zwei Namen: Jermain Defoe und Wayne Rooney. Das bedeutete, Englands Coach setzte gegen Deutschland auf ein 4-4-2-System. 4-4-2 gegen 4-2-3-1. Und das wiederum bedeutet ganz allgemein, dass die Mannschaft, die ein 4-4-2 spielt, die Mitte des Spielfelds fast automatisch dem Gegner überlässt. In unserem speziellen Fall des WM-Achtelfinales 2010 war genau das der springende Punkt. Wer den Artikel im „Telegraph“ nachliest, sollte indes nicht überrascht sein, wenn Owen schreibt, dass er gehofft hatte, Capello würde eine 4-5-1-Formation aufs Feld schicken; in England ist es Usus, die Mittelfeldspieler nicht in defensive und offensive Kräfte zu unterteilen. Das 4-5-1 meint tatsächlich das hierzulande so genannte 4-2-3-1, und auch, wenn Briten vom 4-3-3 sprechen, meinen sie das 4-2-3-1. Nur, dass sie die beiden Flügelspieler eben als Stürmer verstehen und den zentralen Mittelfeldspieler als Zehner, der zusammen mit den beiden Sechsern das Mittelfeld bildet.
Um besser zu verstehen, was mit der Aussage gemeint ist, dass das 4-2-3-1 dem 4-4-2 im Mittelfeld überlegen ist, dürfte diese Grafik helfen (bearbeitete Vorlage von Taktikguru.net):

Das blaue 4-4-2 ist in der Zentrale – dem gelben Rechteck – nur mit dem Sechser und dem Achter vertreten, während das rote 4-2-3-1 mit der Sechs, der Acht und der Zehn dort die Räume eng macht. Zudem sind die Laufwege der Mitspieler – durch die grauen Pfeile markiert – aus dem äußeren Mittelfeld (die 7 und die 10) und der Stürmer (9 und 11) in diesen Gefahrenbereich hinein, wo das Spiel heute meist entschieden wird, deutlich länger als die Laufwege der roten 7 und der 11, markiert durch die grünen Pfeile. Natürlich wird das Spiel nie so statisch sein, dass die Formationen genauso aussehen wie in der Grafik dargestellt, aber grundsätzlich stellen sich die Systeme auch im Spielfluss so dar. Im Extremfall kann es nach der Balleroberung im Umschaltspiel sogar dazu kommen, dass Rot mit fünf Spielern im Mittelfeld vertreten ist und Blau gleichzeitig nur mit zwei oder drei Spielern, weil die Außen zu weit aufgerückt sind und die Außenverteidiger ebenfalls zu offensiv stehen. Genau auf diese Weise übrigens hat Deutschland England im Achtelfinale schließlich auch besiegt, Owens düstere Ahnungen hatten sich bestätigt.
Der Mehr-Spieler im Zentrum bringt jedoch nicht nur für das Offensivspiel entscheidende Vorteile, auch nach einem Ballverlust im vorderen Drittel des Spielfelds kann er wichtig werden – etwa, indem er mit den beiden Außen die vorderste Abwehrreihe formt und in der Zentrale so agiert, dass er geschickt im Raum steht, um das schnelle vertikale Umschalten des Gegners zu verhindern. Zudem erhöht er die Chancen des eigenen Teams, vertikal nach vorn spielen zu können, indem er dem vor ihm platzierten Stürmer eine optimale Anspielstation bietet, so dass dieser einen langen vertikalen Ball von hinten ( etwa der 6 oder der 8 ) abtropfen lassen kann. Dann rückt die Zehn nach und hat den Ball mit dem Gesicht zum Tor, während die 7 und die 11 in den freien Raum sprinten können. Diese Variante ist in unserer Grafik mit den gestrichelten brauen Linien und den braunen Pfeilen gekennzeichnet.
Der Trend geht also weg vom klassischen System mit zwei Stürmern, und zwar aus dem Grund, dass es statistisch gesehen einfach inzwischen erfolgreicher ist, ein 4-2-3-1 spielen zu lassen. Vorausgesetzt, man hat die richtigen Spieler. In der Bundesligasaison 2010/11 findet sich dafür ein hervorragendes Beispiel.
In der Hinrunde hatte der VfB noch ein 4-4-2 gespielt und war den meisten Teams unterlegen, zwölf Punkte aus 17 Spielen sprechen eine deutliche Sprache. Doch für eine Systemumstellung fehlten die richtigen Spieler, vor allem eine Zehn. Dann holten Labbadia und Bobic in der Winterpause Hajnal für diese Position und für die linke Außenbahn den flinken Okazaki – und Labbadia konnte das System umstellen. Über rechts kam Harnik und als Stoßstürmer erzielte Cacau im Saisonendspurt die wichtigen Tore. 30 Punkte und Platz vier in der Rückrundentabelle müssen als deutlicher Beweis zählen, dass das neue System dem alten haushoch überlegen war. Alles eine Frage der Spielertypen.
29. Juni 2011
Wer sagt denn, dass Fußballtraining immer ganz bodenständig sein muss? Die Stadt Hamm zeigt im Rahmen einer Initiative zum europäischen Jahr der Freiwilligentätigkeit, dass man im Fußballtraining auch mal hoch hinaus kann und nicht immer nur auf dem Rasen kicken muss. Am 15. und 16. September wird das obere Parkdeck eines dortigen Einkaufszentrums zuf Fläche für fußballwütige Kids zwischen 6 und 14 Jahren umfunktioniert – unter kompetenter Anleitung.
Als Trainer reist Ex-Nationalprofi Bernhard “Ennatz” Diez mit seiner Fußballschule an, die er seit seinem Rückzug aus dem Trainingsalltag – zuletzt bei Rot Weiss Ahlen – betreibt. Die Stadt Hamm und das Amt für soziale Integration haben sich darum bemüht, ihn in ihre Stadt zu bringen, um begleitend zu einer einwöchigen Ausstellung den Kids ein zweitägiges kostenloses Fußballtraining anzubieten.
Damit zollen die Verantwortlichen im Rahmen des europäischen Jahr der Tatsache Tribut, dass gerade Fußball in kleineren Vereinen ohne freiwillige Helfer völlig undenkbar wäre. Für professionelle Platzwärte, Trainer, Zeugwärte, Vorstände und mehr fehlt den meisten Clubs die nötige Kasse. Für die Umsetzung des kostenlosen Angebots hat sich Bernhard Diez Unterstützung durch ein Team von Nachwuchstrainern aus der ersten und zweiten Liga. Die Besonderheit: nicht nur, dass das Fußballtraining hinter einer ungewöhnlichen Kulisse stattfinden wird – es ist auch noch allen interessierten Kindern offen, ganz gleich, vor welchem Hintergrund oder mit wieviel Kenntnissen sie daherkommen. Ebenso uninteressant ist die Vereinszugehörigkeit.
28. Juni 2011
Die Frauenfußball-WM hat ihren Lauf genommen – mit einem für Deutschland positiven Start. Und angesichts einer Weltmeisterschaft erhalten wir zahlreiche Einblicke in fremde Kulturen, von denen wir auf den einen oder anderen im Nachhinein doch gern verzichtet hätten. Der olympische Gedanke des Sports, Frieden, Einigkeit und Gleichheit – die FIFA scheint darauf weniger Wert zu legen als das IOC. Denn während sich zahlreiche Medien darin üben, die schwelende Debatte mit geheuchelt-verständnisvollen Artikeln möglichst unauffällig anzuheizen, goss die Trainerin des nigerianischen Teams ganz unverhohlen Öl ins Feuer und sorgte selbst bei toleranten Beobachtern für Entsetzen.
“Ja, die Lesben in unserer Mannschaft waren wirklich ein großes Problem. Aber seitdem ich Trainerin der Falcons bin, hat sich das erledigt. Es gibt keine lesbische Spielerin mehr in meinem Team. Ich kann diese dreckige Lebensweise nicht tolerieren”, erklärte die Trainerin Nigerias, Eucharia Uche, vor der Presse. Homosexualität betrachtet sie als gottlos und bekämpft sie mit Voodoo-Zaubern. Sie führt ihre Thesen weiter aus: “Wir haben nun sehr viele Spielerinnen, die nach den Worten von Gott dürsten. Dadurch sind sie viel konzentrierter und wissen, dass der Fußball ihnen Ruhm, Glück und Spaß bringen kann. Homosexualität zerstört all diese Hoffnungen.”
Konsequenzen haben diese Äußerungen keine. Ausgrenzung und Diskriminierung – an anderen Stellen eigentlich im Fußball nicht denkbar – bei rassistischen Tatbeständen wäre die FIFA äußerst aufgeschreckt. Geht es aber nicht um Diskriminierung aufgrund der Herkunft, sondern aufgrund der Sexualität, herrscht scheinbar kein Gleichheitsgedanke innerhalb der Sportwelt.
27. Juni 2011
Ein Beitrag von Thomas Mangold
Motivation ist das um und auf im Fußball. Sind meine Spieler motiviert, so muss ich als Trainer nur noch führen und lenken. Ich brauche keine Ressourcen darauf verschwenden, die Mannschaft oder einzelne Spieler ständig motivieren und antreiben zu müssen.
Die so frei werdenden Ressourcen können in das Coaching von Fehlern, bzw. in das taktische Arbeiten fließen. Der Super-Motivations-Ansatz des Lernens gibt uns eine Grundlage was wir zu tun haben um die Basis für Motivation zu schaffen, sie zu erzeugen, sie zu verbessern oder sie einfach auf hohem Level zu halten.
Aktion:
Die Aktion muss aktiv am Lernen beteiligt sein. Immer wieder sehe ich Trainer die mit einer Gruppe arbeiten und die andere sieht zu. Zusehen ist gut und schön, aber keine Beteiligung. Nur wer in Aktion ist wird auch Lernen und somit motiviert sein.
Spaß:
Bring doch einfach auch Humor und lustige Elemente in dein Training ein. Es ist allerdings wichtig, dass dieser Humor nicht gekünstelt oder herablassend den Spielern gegenüber ist, sonst kann dieser Schuss schnell in die falsche Richtung losgehen.
Abwechslung:
Ich bin schon einigen Trainern begegnet, die immer nur dasselbe trainiert haben. Meist lief das so ab: Einlaufen, Schusstraining, Match. Das mag zwar eine Zeit lang für die Spieler lustig sein, verliert aber auch schnell seinen Reiz. Schaut drauf, dass ihr viel Abwechslung reinbringt. Abwechslung in Form von verschiedenen Trainingsschwerpunkten, Trainingsgeräten (z.B. Ballgrößen), eventuell auch Trainingsorten (Spielfeld, Halle, Bolzplatz, ..). Je mehr Abwechslung, desto mehr Spannung bei den Spielern, desto größer der Reiz.
Auswahl:
Warum nicht einfach den Spieler auswählen lassen was er trainieren will. Die Möglichkeit besteht z.B. wenn man einen Stationen-Tag einführt. Einfach ein paar Jahrgänge zusammenlegen, jeder Trainer bietet eine Station mit einem Schwerpunkt an und die Spieler können sich aussuchen bei welcher Station sie trainieren möchten. Hier wäre es natürlich ideal wenn die Spieler auch die Möglichkeit hätten die Position zu wechseln.
Soziale Interaktion:
Gruppen- und Partnerarbeit fördern die Kommunikation zwischen den Spielern, bzw. auch zwischen den Mannschaftsteilen.
Fehlertoleranz:
Wer lernt darf Fehler machen. Nicht umsonst heißt es: „Aus Fehlern lernt man“. Schaffen sie einfach immer wieder Trainingssituationen, in denen keine demoralisierende Bestrafung zu erwarten ist.
Erfolgsmessung:
Wer schafft die meisten Treffer beim Schusstraining? Wer gewinnt das Abschlussmatch? Wer kann am öftesten jonglieren? Erfolgsmessung ist ein wichtiger Faktor für Motivation. Die muss aber nicht unbedingt gegeneinander laufen. So kann ein Spieler z.B. öfter jonglieren als beim letzten Training, für ihn ebenso ein Erfolg.
Feedback:
Geben sie dem Spieler Vorschläge wie er sich verbessern kann. Am besten via Sandwich-Feedback.
Anerkennung:
Anerkennung durch den Trainer ist ein wichtiger Faktor für den Spieler. Schenke deinen Spielern Anerkennung und du wirst sie vielfach zurückbekommen.
Herausforderung:
Stelle deine Spieler immer wieder vor neue Herausforderungen. Unterforderung wird die Spieler fadisieren, Überforderung frustrieren, aber Herausforderung wird sie motivieren.
Wenn du diese Punkte in deinem Training umsetzt, wirst du vermutlich keine Motivationsprobleme mit deinen Spielern haben.
Viel Erfolg dabei!
25. Juni 2011
Der Eimsbütteler Turnerverband war bislang allenfalls Sportamateuren in der Metropolregion Hamburg ein Begriff. Das änderte sich, nachdem die Fußballabteilung aus Hamburg am 1. Juni den Hamburger Pokal gewannen – dieser Tag sollte in die Geschichte des Vereins eingehen. Als Preis winkte eine Begegnung mit einem Zweitligisten – im konkreten Fall eine Partie gegen Greuther Fürth. Was dann folgte, war ein beispielloser Krieg zwischen Vorstand und Fußballmannschaft um die DFB-Fernsehgelder von rund 110.000 Euro. Vorschläge wurden unterbreitet und abgeschmettert, Schlichtungsversuche scheiterten: schlussendlich trat die Mannschaft geschlossen aus dem Club aus.
Nun hat sich auch noch ein Sponsor als Vermittler angeboten: Siegfried Spies, Geschäftsführer von Lotto Hamburg, hat sich den Parteien als Schlichter angeboten. Und er steht vor einer schweren Aufgabe, denn der ETV Eimsbüttel plante unter anderem, 47.000 Euro in einen neuen Kunstrasen zu stecken, der dem Training aller Abteilungen zugute käme. Die Mannschaft fordert 55.000 Euro, zudem sollen rund 7.500 Euro in neue Trainingsanzüge, Bälle und so weiter fließen, doch in den Vorgesprächen konnten sich Mannschaft und Vorstand nicht auf ein genaues Verteilungsmodell einigen.
Der kollektive Austritt der Mannschaft sei nicht aus Geldgier, sondern aus dem Gefühl der Vernachlässigung durch den Verein entstanden, erklärt der ebenfalls ausgetretene Trainer Dennis Mitteregger in einem Interview. Der Vorstand hingegen fühlt sich erpresst und muss sich nun in Windeseile auf die Suche nach einer neuen Mannschaft für die Begegnung mit Greuther Fürth machen – es sei denn, Lotto Hamburg hat mit den Vermittlungsbemühungen seines Geschäftsführers Erfolg…
23. Juni 2011
Die Jugend von heute liebt den Luxus, hat schlechte Manieren und verachtet die Autorität. So brachte Sokrates einst seinen Unmut über jüngere Generationen zum Ausdruck. Nun soll die Jugend auch noch immer brutaler werden, glaubt man einschlägigen Medien, und ein Rechtsruck geht durch jüngere Generationen. Das ist das Bild, das die Boulevardpresse oftmals zu suggerieren glaubt. Wer die Wahrheit sucht, dem könnte ein Besuch im örtlichen Fußballclub die Augen öffnen. Beispielsweise der SC Sparta aus Bremerhaven: unter den fünf- bis zwölfjährigen Mädels finden sich auch Kinder mi türkischen, portugiesischen und amerikanischen Wurzeln. Und das stört dort niemand.
Dort geht es um den Fußball – aktuell natürlich neben dem eigenen Training um die bevorstehende Frauen-WM, die das derzeitige Thema klar dominiert. Die Hautfarbe hingegen ist dort völlig gleich – einzig beim Essen wird auf religiöse Hintergründe Rücksicht genommen und beim Grillen Putenfleisch statt Schwein gegrillt für muslimische Spielerinnen.
Das Geheimnis der Integration beim Fußballtraining wähnt Jens Ennen vom Amt für Sport und Freizeit in der simplen Struktur: “Die Regeln sind einfach. Jeder versteht sie und kennt sie – man muss also nicht die gleiche Sprache sprechen.” Dazu kommt, dass Fußball ein klares Ziel vermittelt: zum Sieg geht es nur als Team. Einzelgänger haben im Fußball schlechte Karten – und das äußert sich in einer deutlich verbesserten Integration.
Wer also wieder einmal ob tausender Nachrichten über eine verrohte Jugend verzweifelt, sollte einmal das Jugendtraining besuchen…
22. Juni 2011
Bei gleich mehreren Bundesliga-Clubs ist es bereits wieder vorbei mit der kurzen Sommerpause – zumindest für die Spieler, die überhaupt eine solche hatten. Nun ging es in mehreren Vereinen zurück in ein straffes Trainingsprogramm, um am 5. und 6. August in Bestform in die neue Saison durchzustarten. Und einige Clubs tun sich damit schwer, nachdem ihre Nationalmannschafts-Profis größtenteils noch außer Haus sind. Doch reduzierte Mannschaft bedeutet keine Verschnaufpause für die, die bereits wieder auf dem Rasen stehen.
In Köln begann der Auftakt sogar ohne Coach Stale Solbakken, während Bruno Labbadia beim Training in Stuttgart immerhin 19 Mann auf dem Platz vorweisen konnte – auch wenn es sich dabei bei neun von ihnen um Nachwuchstalente handelte. “Es ist nicht so optimal, dass unsere Nationalspieler erst in zwei Wochen dazustoßen. Aber ich hoffe, dass wir unseren Weg aus der letzten Rückrunde weitergehen”, ließ Labbadia verlauten, während er die übrigen Spieler zweieinhalb Stunden auf dem Platz trietzte. Und bis der Kader wieder vollständig ist, werden alle Kicker unsanft an die vergeigte letzte Hinrunde erinnert: “Wir werden in den nächsten Wochen sehr, sehr intensiv arbeiten”, machte Labbadia unmissverständlich das Programm für die kommenden Wochen deutlich.
Mit gänzlich anderem Ergebnis in der vergangenen Saison, aber ähnlicher Situation steht der FSV Mainz da: nur 13 Spieler und zwei Keeper waren dort zum Training verfügbar, nichtsdestotrotz mussten auch die Jungs von Thomas Tuchel ranklotzen. Und es wird spannend, nachdem die vergangene Saison in den Tabellen gründlich durchgewürfelt hat…
21. Juni 2011
Die Damenfußball-WM beginnt allmählich an Fahrt aufzunehmen – es wird auch höchste Zeit, nachdem das Auftaktspiel nur noch wenige Tage entfernt ist. Nach mehreren Wochen im Trainingslager ist nun auch die deutsche Nationalmannschaft in Berlin angekommen und wurde von Silvia Neid sofort zum Training beordert. Wer rastet, der rostet – zwar ist diese Aussage längst widerlegt, doch die knappe Zeit bis zur WM lässt kaum Verschnaufpausen zu.
Im Bezirk Tiergarten ging es auch direkt nach der Ankunft ans Eingemachte: die erste Trainingseinheit stand auf dem Plan, die diesmal mit vollbesetztem Kader ohne verletzungsbedingte Ausfälle stattfinden konnte. Die Damen wärmen sich auf, jonglieren und dribbeln mit Bällen, anschließend geht es in ein straffes Zweikampftraining, bei dem Fatmire Bajramaj auch einmal unsanft mit Ersatz-Keeperin Ursula Holl kollidierte. Das Ziel vor Augen machte die Blessuren aber verschmerzbar, immerhin hat das Team das Potenzial, die Sensation zu schaffen, den Titel zum zweiten Mal erfolgreich zu verteidigen.
Zusätzlich motiviert wurden die Damen durch eine ungewöhnlich hohe Zuschauerzahl: rund 800 Neugierige fanden sich am Platz ein, um den deutschen Hoffnungsträgerinnen beim Fußball-Training auf die Finger zu sehen.
Am Sonntag ist es soweit: dann ist Anpfiff im Olympiastadtion, wo sich die Mädels gegen Kanada durchsetzen müssen. Dann wird sich zeigen, ob Silvia Neids straffe Trainingsstrategie erfolggekrönt war…
20. Juni 2011
HSV-Trainer Michael Oenning hat Bilanz aus der vergangenen Saison gezogen, die von einem ständigen Auf und Ab sämtlicher Vereine und einer Rekordzahl geschasster Training charakterisiert wurde. Sein Urteil über diese Praxis zahlreicher Vereine fällt vernichtend aus: er tituliert die zahlreichen Trainerwechsel besonders in der vergangenen Saison als “Bankrotterklärung für den Fußball”.
Oenning sieht massive Probleme im Umgang mit Trainern seitens der Vereine: “Man tut sich als Trainer mit dieser temporären Hetzjagd sehr schwer. Verliert man zweimal, wird der Daumen gesenkt. Gewinnt man zweimal in Folge, ist man dagegen der Heilsbringer. Rational ist das nicht zu erklären”, legte Oenning seinen Standpunkt dar. Allerdings sieht er bereits einen Prozess des Umdenkens bei den Vorständen, nachdem diese Verhaltensweise in der aktuellen Saison reichlich kritisiert wurde. Eine ähnliche Welle von Trainerentlassungen sieht Oenning deshalb für die kommende Saison nicht mehr – hier haben die Vorstände inzwischen gelernt. Zumindest kurzfristig – einen langfristigen Lerneffekt sieht Oenning hingegen noch nicht. Doch auch sein Kollege André Schubert, der neue Coach von St. Pauli, sieht die Realität ohne rosarote Brille: “Wenn ich heute mit handelnden Personen zusammensitze und meinen Vertrag bespreche, weiß ich doch, dass sie es sind, die mich bei einem negativen Lauf entlassen werden.”