29. August 2011

Diskussionen um den HSV in der Krise


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Krise – ein großes Wort, das zu Beginn der neuen Bundesligasaison wohl kaum ernsthaft genutzt werden kann. Allerdings muss sich HSV-Coach Oenning eingestehen, dass es nicht rund läuft – und das nicht erst seit Beginn der neuen Saison, sondern bereits seit der Rückrunde der Saison 2010/11. Markanter Meilenstein des stetigen Bergab-Trends war die Lokalderby-Niederlage gegen St. Pauli im eigenen Stadion, und der Druck auf Oenning wächst – der HSV ist Tabellenletzter.

Und das sehen Fans und Medien ebenso wenig gern wie der Vorstand selbst: seit 1963 waren die Hanseaten durchgehend in der ersten Liga vertreten und konnten nicht immer Top-Leistungen, aber immerhin solide Ergebnisse vorweisen. Seit 2009 geht es stetig bergab: eine Niederlage gegen Werder Bremen, die das Ende im DFB-Pokal besiegelte, kurz darauf wurden UEFA-Cup und Meisterschaft ebenfalls abgeschrieben. Das Europapokal-Halbfinale platzte, dann noch die Heimniederlage gegen die Kiezkicker – Erfolg sieht anders aus.
Personelle Wechsel brachten bislang mehr Unruhe als Ruhe: ein Verschleiß von zehn Trainern in zehn Jahren sorgt dafür, dass keine Kontinuität entstehen kann, auch Vorstand und Sportchef zeigen sich eher ratlos. Roberto und van Nistelrooy wurden Ende der vergangenen Saison verkauft, die Verjüngungskur brachte allerdings nicht den gewünschten Erfolg. Und so droht dem HSV derzeit – auch wenn noch 30 Spieltage ausstehen – ein Schreckensszenario, das den HSV wohl wenig freuen dürfte: ein Relegationsspiel gegen die Kiezkicker. Das letztere am Ende auch noch gewinnen – das Horrorszenario für den erfolgsverwöhnten HSV. Oenning wird nichts übrigbleiben, als an seiner Mannschaft zu feilen – oder zu beginnen, überhaupt eine Mannschaft aufzustellen. Denn bisher ist von einem Team bei den Auftritten des HSV nichts zu sehen.

25. August 2011

Lahm als Schriftsteller – und die Reaktionen


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Am Montag soll Philipp Lahms ertes Buch erscheinen – doch schon vorab sorgt es für heftige Kontroversen. Denn in Punkto Austeilen lässt sich der Jung-Kapitän nicht lumpen und verteilt kräftig Hiebe – auch gegenüber erfolgreichen Meilensteinen der deutschen Nationalelf wie Rudi Völler und Jürgen Klinsmann. Der Vorabdruck in der Bild sorgte für erhitzte Gemüter – und dürfte Lahm solide Verkaufszahlen einbringen.

Lahm teilt aus und nimmt kein Blatt vor den Mund. Eifrig schreibt er sich von der Seele, wie sein erstes Trainingslager in der Nationalelf ausgesehen hat: im Schnitt eine Stunde Training pro Tag, dann ging es ans Playstation-Spielen. Und das prangert ausgerechnet derjenige an, der für Electronic Arts’ Fußballsimulation FIFA 12 gerne einmal bestätigt, wie gerne er mit den Jungs zwischendurch eine Runde FIFA spielt – diesen Part lässt er freilich lieber unerwähnt. Der Erfolg 2004 war allerdings tatsächlich verheerend: schon in der EM-Vorrunde fuhr das Team nach Hause, der Schuldige nach Lahms Ansicht: Rudi Völler.
Der ist alles andere als amüsiert über das, was er über sich in der BILD lesen muss – ähnlich erging es auch Magath und Jogi Löw. Fakt ist: sein Buch sorgte für Schlagzeilen. Ob die letztlich positiv für Lahms Ansehen sind, sei dahingestellt – ein bescheidenes Wesen kann Lahm spätestens seit der Mannschaftskapitän-Affäre in Südafrika ohnehin nicht bescheinigt werden. Ob die Diskussionen gut für den Zusammenhalt innerhalb der Nationalelf sind, sei ebenso dahingestellt – Jogi Löw wird nichts bleiben, als sich mit der Elf damit auseinanderzusetzen. Philipp Lahms Geldbeutel dürfte der Auftritt allerdings eher ein weiteres Plus bescheren…

24. August 2011

Flankenspiel mit Torabschluss


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Im ersten Teil begaben sich die Dortmunder Profis in die sichere Regie ihres Fitnesstrainers. Der sorgte dafür, dass diese ihre Körper für den Hauptteil des Trainings auf die notwendige Körpertemperatur brachten. Diverse Aufwärmübungen und ein paar „Kraftspitzen“ wie die klassischen Liegestütze bildeten das Korsett des kollektiven Aufwärmens.

Der Schwerpunkt des Hauptteils wurde durch eine komplexe Übung gebildet, die den langen Pass zum Gegenstand hatte und das Flanken sowie den Torabschluss miteinander vereinte.

Komplexes Flankenspiel

In einem abgesteckten Feld nahe der Mittellinie spielen sich vier Spieler einen Ball direkt zu – so lange bis Jürgen Klopp das Signal gibt. Daraufhin wird der Pass mit weitem Schlag auf einen Außenspieler gepasst. Der diesen schnell unter Kontrolle bringt und punktgenau auf die nachrückenden Spieler A und C flankt. Die Abwehrspieler sorgen dafür, dass die Strafraumaktionen spielnah stattfinden. Für die Spieler A und C gilt es nach einem langen Tempolauf darum, das notwendige Timing zu zeigen und die Flanke des Außenspielers genau zu belaufen. Da für es die Abwehrspieler absehbar ist, mit wem sie es im Strafraum zu tun haben, müssen die Stürmer noch mehr Kreativität als im Spiel an den Tag legen. Ein wirksames Mittel, um die Abwehrspieler in der entscheidenden Phase zu irritieren, ist das Kreuzen. Allerdings sollte das nicht nach einem vorgegebenen Muster ablaufen, sondern ständig variieren.


Mit erhöhtem Schwierigkeitsgrad

Diese Übung könnte an mehreren Punkten erschwert werden. Eine Möglichkeit wäre, den Spielern in dem abgesteckten Ausgangsfeld Abwehrspieler gegenüber zu stellen, die sowohl das Passspiel stören, als auch den öffnenden Pass versuchen, zu verhindern. Zudem könnte man sich eine kognitive Implikation vorstellen. Diese wird dadurch erreicht, dass jedem Spieler eine Nummer zugeteilt wird, die er sich und auch die anderen Spieler merken muss. Jürgen Klopp gibt im Anschluss das Signal, indem er eine beliebige Zahl ausruft. Falls derjenige Spieler nicht den Ball hat, müssen die anderen Spieler reagieren und diesem dem Ball auf dem schnellsten Wege zuzuspielen. Noch schwieriger wird es, wenn sich die Spieler nach dem Ausrufen des Trainers an die Reihenfolge der Zahlen (1, 2,3, 4) halten müssen und erst die Reihe „abspielen“ müssen, ehe die Zahl X erreicht ist – erst dann kann der lange Pass gespielt werden. Auch der Außenspieler könnte man durch einen direkten Gegenspieler in einer Drucksituation versetzen.

Der methodische Schwerpunkt dieser Trainingsübung liegt in dem schnellen Wechsel zwischen Kurzpass- und Langpassspiel. Im Wettkampfspiel geht es darum, Situationen dann aufzulösen, wenn die Räume zu eng werden. Der öffnende Pass hilft das Spiel zu verlagern und für einen Überraschungseffekt beim Gegner zu sorgen.

Jetzt ganz einfach das eigene Training verbessern:


23. August 2011

BVB-Trainingsformen, 11.08.11


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Nach einer großen Runde Einlaufen, fanden sich die Spieler bei Fitnesstrainer Bartlett ein. Dieser praktizierte mit dem Kern der Dortmunder Mannschaft diverse Aufwärmübungen. Im Mittelpunkt der kurzen Trainingseinheit standen ein Linienspiel und eine spezielle Torschussübung. Die Torhüter absolvierten ein separates Training bei Torwarttrainer „Teddy“ de Beer.

Linienspiel

Diese Übung symbolisiert im besonderen Maße die Spielphilosophie von Jürgen Klopp – „alles spielerisch lösen“ Auch auf engstem Raum sucht man den Mitspieler und versucht durch schnelles Kurzpassspiel die knifflige Situation zu lösen. Schafft man diese „Ballungsgebiete“ aufzulösen, ergeben sich im Spiel meistens dann Überzahlsituationen, die der BVB im Moment bestens zu nutzen weiß.


Am Donnerstag wurden dafür zwei gleichgroße Quadrate aufgebaut, ca. 5×5 Meter.
In jedem Quadrat spielten zwei Mannschaften gegeneinander. Ziel war es, den Ball so lange wie möglich zu behaupten. Um Drucksituationen am besten mit Doppelpass aufzulösen, stand beiden Teams jeweils ein Zuspieler zur Verfügung, der sich nur entlang der Außenlinien des Quadrates bewegen und anbieten konnte. Während in einem Feld zwei gegen zwei (plus jeweils einem äußeren Zuspieler) spielten, traten in dem anderen Feld drei gegen drei Innenspieler an (plus jeweils ein Zuspieler).

Das Spielfeld ist entsprechend klein gewählt, um Drucksituationen zu erzeugen, aus denen sich die Innenspieler spielerisch befreien müssen. Eine große Verantwortung kommt hier auf die Außenspieler zu, die als Anspielstationen fungieren. Je besser diese die Situationen erkennen und sich entsprechend anbieten, umso größer ist die Chance für die zentralen Spieler, den Ball in den eigenen Reihen zu halten. Für die gegnerische Mannschaft heißt es, die Räume geschickt zu verengen und gleichzeitig den Außenspieler effektiv zu blocken. Auch hier geht es darum, schnell und möglichst direkt zu spielen. Obwohl es auch dabei mitunter sinnvoll sein kann, den Ball auch mal zu verzögern, um den Gegenspieler ins „Leere“ laufen zu lassen. Diese Spielform kann beliebig auf mehrere Spieler und ein größeres Spielfeld ausgeweitet werden. Zudem könnte man auch die Anzahl der Außenspieler und Ballkontakte variieren. Genauso könnten Innenspieler durch Zielobjekte wie Tore oder Hütchen gezwungen werden, bestimmte Zonen im abgesteckten Quadrat stärker zu frequentieren und diese in ihr Zusammenspiel aktiv mit einzubeziehen.

Torschussübung „Volleyabnahme“

Diese Torschussübung hatte es in sich. Jürgen Klopp scheint nichts den Zufall zu überlassen. Was andere Trainer eher als „Fügung des Schicksals“ einstufen, lässt der Dortmunder Trainer explizit trainieren. Weite Flanken aus dem Außenraum nehmen Spieler zentral vor dem Tor in Höhe der Strafraumgrenze „Volley“ und versuchen den Ball per Direktabnahme ins Tor zu befördern. Natürlich fällt die Trefferquote bei solch schwierigen Torschüssen entsprechend niedrig aus. Doch was man nicht trainiert, kann auch im Spiel nicht klappen. Mut zum Risiko lautet die Devise. Das Wichtigste für den zentralen Spieler ist es, die Flanke aus dem Außenraum richtig einzuschätzen. Oft ist die Flugbahn nicht geradlinig oder wird von anderen Spielern auch noch abgefälscht. Neben einer gewissen Körperspannung kommt es in erster Linie darauf an, wie gut der Spieler den Ball trifft. Eine zweite Voraussetzung für eine gute Direktabnahme ist die Lage der Körperachse während der Volleyabnahme. Ist die Rücklage zu groß, läuft man Gefahr, dass der Torschuss weit über das Tor geht.


Der BVB trainierte diese spezielle Form der Abschlusshandlung am Donnerstag unheimlich variantenreich. So waren die Außenspieler angehalten, die Flanken unterschiedlich auszuführen: Mal zum Tor hin, dann mit Effet vom Tor weg oder per Vollspannstoß auf einer geradlinigen Flugbahn. Gegen Ende wurden sogar Abwehspieler aufgestellt, welche die Flugbahn durch Berührungen veränderten und so dem Stürmer die Direktabnahme wesentlich erschwerten.

Trainieren wie die Profis:


Hilflos, schwach, verunsichert: HSV


(1 Bewertungen, Durchschnitt: 5,00 von 5)
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Der Hamburger SV hat in der Frühphase der Saison erhebliche Probleme – und muss sich die Frage gefallen lassen, ob es bei der Zusammenstellung der Mannschaft einen Plan gegeben hat. Sollte die Antwort ja sein, muss man fragen: Und welchen bitte?

Am vierten Spieltag kommt es in der Bundesliga zu einem Duell der Enttäuschten, zwischen dem Letzten und dem Vorletzten, und dabei ist das nur die halbe Wahrheit. Denn es ist auch ein Duell der bisher absolut Enttäuschenden, was für den 1. FC Köln, vielmehr aber noch für den Hamburger Sportverein gilt. Der nämlich, der HSV, hat Joris Mathijsen, Ruud van Nistelrooy, Tunay Torun, Piotr Trochowski, Eric Maxim Choupo-Moting, Collin Benjamin, David Rozehnal, Jonathan Pitroipa, Zé Roberto und Frank Rost in die Wüste geschickt und statt ihrer ein paar Nachwuchsspieler aus Chelsea verpflichtet, die der neue Sportdirektor Frank Arnesen gleich von seinem vorherigen Club mitgebracht hat. Ein Fünfter Bankdrücker vom FC Chelsea, ein gewisser Slobodan Rajkovic, könnte ebenfalls noch zu Michael Oennings Kader stoßen, glaubt man die Meldungen der einschlägigen Magazine.

Es verwundert sehr, dass sie in Hamburg offenbar überhaupt nicht damit gerechnet haben, in dieser Spielzeit Probleme zu bekommen. Die Erklärungsversuche Arnesens nach der deftigen, wenngleich auch in dieser Höhe verdienten 0:5-Klatsche bei Bayern München fielen reichlich seltsam aus, unfreiwillig komisch fast. Da wurde der starke Gegner gelobt, der einzig und allein für die Niederlage verantwortlich sei, kein einziges Wort des Eingeständnisses eigener Schwäche kam dem Dänen über die Lippen. Für Oenning ist das – zumindest noch – ein gutes Zeichen, aber auch für den HSV tritt bei einer Niederlage im Duell mit Tabellennachbar Köln die höchste Alarmstufe in Kraft.

Zeit schinden beim Stand von 0:5

Die Hamburger, die nur aufgrund eines mehr geschossenen Tores einen Platz vor den Kölnern stehen, wirkten in München völlig kopflos und konfus. In München kann man verlieren, keine Frage; man kann aber auch gegen einen Aufsteiger zuhause gewinnen am zweiten Spieltag, nachdem man sich in Dortmund bei der Saisoneröffnung vorführen ließ. Bei einigen Spielern scheint sich der Verdacht, dass die Bundesliga nicht ganz ihre Kragenweite ist, mehr und mehr zu erhärten, anders ist das erbärmliche Auftreten von Michael Mancienne und Jeffrey Bruma nicht zu erklären – und die sind nur die Spitzen des Eisbergs.

Wer derzeit Heiko Westermann dabei zusieht, wie er seinem Beruf nachgeht, käme, wüsste er es nicht besser, wohl nur schleppend auf die Idee, dass der Mann eben genau mit Fußball sein Geld verdient. Selbst Michael Oenning sagte, als die Demütigung endlich vorbei war: „Wir wussten, dass es in München schwer wird. Aber dass wir so hilflos sind? Das war schon erschreckend.“ Warum er in der Halbzeit nicht reagiert und etwa Eljero Elia gebracht habe, das beantwortete der HSV-Coach sinngemäß so, dass der Kick ja eh schon verloren gewesen sei und er sich die Wechsel lieber für die Schlussphase der Partie aufheben wollte. Um, und das ist kein Witz, „noch ein, zwei Minuten zu gewinnen“ – beim Stand von 0:5. Ob das die richtige Einstellung ist, die ein Trainer seinen Schützlingen vorleben sollte, darf man getrost bezweifeln.

Uns Uwe ist restlos bedient

Zu Oennings Schutz gehört es sich allerdings auch zu sagen, dass weniger der Trainer die Mannschaft zusammengestellt hat als Sportdirektor Arnesen. Der Kader passt Stand heute, 23. August 2011, weder vorne noch hinten zusammen. Der Däne will wissen, dass die neuen alles gute Spieler seien; bis auf Gökhan Töre konnte oder wollte das allerdings keiner der Neuen auf dem Rasen bestätigen. Das Gegenteil ist der Fall: Das, was die Neu-HSVer anbieten, ist schon beinah Mitleid erregend. Doch auch bewährtere Kräfte wie Dennis Aogo, Dennis Diekmeier oder Tomas Rincon blieben neben den oben erwähnten Westermann, Mancienne und Bruma bisher den Beweis schuldig, dass sie aus dem richtigen Holz geschnitzt sind, um in der Bundesliga zu bestehen.

Wenn es so weitergeht in Hamburg, werden wenigstens die örtlichen Brauereien zufrieden sein. Vorausgesetzt, dass es auch der gemeine Fan so macht wie das ewige Idol „uns“ Uwe Seeler. Der sprach nach dem Spiel, er wolle nun schleunigst erfahren, was eigentlich noch für den Trainer spreche; ansonsten wolle er die Kampf- und Hilflosigkeit der Spieler und das Spiel selbst „erst mal verdauen und dieses 0:5 runtertrinken“. Damit dürfte er am Samstagabend ein Weilchen beschäftigt gewesen sein.

19. August 2011

Rangnicks Scheitern in Helsinki und die Folgen


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Bereits der Start von Schalke 04 war verpatzt: das 3:0 in Stuttgart sorgte bereits unter den Fans für Irritationen. Am zweiten Spieltag konnte sich Rangnick zwar mit einem 5:1 gegen den FC Köln rehabilitieren, doch der Friede war nur von kurzer Dauer. Als Schalke nach einem fantasielosen Spiel, in dem es an Ideen – im Gegensatz zu vergebenen Torchancen – deutlich mangelte, aus der Europa League flog, kochten die Emotionen hoch. Im Fokus der frustrierten Fans: Raul saß in Helsinki auf der Bank.

Rangnick rechtfertigte diese Entscheidung offiziell mit der Begründung, dass Raul auf Kunstrasen, wie er im finnischen Stadion ausgelegt war, Probleme habe. Der wahre Grund dürfte allerdings tiefer liegen: wäre Raul in Helsinki aufgelaufen, hätte er für andere Clubs nicht mehr international spielen können – was die Chancen, ihn zu verkaufen, deutlich mindern würde. Ob Rangnick diese einsame Entscheidung tatsächlich vorrangig aus wirtschaftlichen Gründen getroffen hat, ist natürlich ungewiss – allerdings ist in diesem Falle davon auszugehen, dass er diese Entscheidung nicht ohne Mitwirkung des Managements getroffen hat.
Letztlich hat Rangnick aber unabhängig von den Gründen das getan, was ein Trainer tun muss: Entscheidungen treffen, die bisweilen auch missliebig sind. Das fällt natürlich insbesondere bei fannahen traditionsreichen Clubs wie Schalke etwas schwerer als in manch anderem Verein, doch Fakt ist: der Trainer muss sich durchsetzen. Auch wenn er sich damit bisweilen Feinde macht. Allerdings sollte er auch nach außen hinter seinem Entschluss stehen – auch wenn er zum Misserfolg führte.

18. August 2011

Ausschreitungen beim “Classico”


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Wie bereits mehrfach endete eine Partie im spanischen Supercup zwischen den Königlichen Real Madrid und dem FC Barcelona nach durchaus sportlichen Leistungen in einem Fiasko. Die erste Halbzeit war noch technisch durchaus attraktiv anzusehen, doch in der zweiten Halbzeit endete die Nachspielzeit mit drei roten Karten. Nach einem Rot kam es zu Rangeleien am Spielfeldrand, anschließend zeigte sich Mourinho von seiner besten Seite und wurde gegen Barca-Cotrainer Vilanova tätlich.

Auslöser war ein extrem hartes Foul von Marcelo an Fabregas: der sah für seine Blutgrätsche umgehend die rote Karte. Danach kam es sofort zu Rudelbildung, und am Spielfeldrand gerieten Mesut Özil und David Villa aneinander, die beide bereits ausgewechselt waren. Der Unparteiische hatte für derlei Rangeleien dennoch wenig Verständnis und stellte auch die beiden Top-Spieler umgehend vom Platz. Von der FIFA bislang noch unbemerkt blieb eine unglaubliche Szene, die Hobbyfilmer bei YouTube hochgeladen haben: scheinbar ruhig ging José Mourinho auf einem Mann zu, greift ihm ins Gesicht und verlässt anschließend ruhig wieder die Szenerie, während sein Gegner sichtlich Schmerzen leidet. Später wurde bekannt, dass es sich bei dem Angegriffenen um Barcas Co-Trainer Tito Vilanova handelte – offenbar hatte Mourinho ihm in aller Seelenruhe den Finger ins Auge gedrückt.
Nachdem Mourinho bereits mehrfach aufgrund seiner selbstüberzeugten Art und seines hitzigen Verhaltens nicht nur Rot gesehen hat, sondern auch zeitweise von der FIFA gesperrt wurde, wäre es wünschenswert, wenn der Weltverband diesem unsportlichen Verhalten endlich ein definitives Ende bereiten würde – denn derlei Eskalationsszenen braucht im Sport kein Mensch.

17. August 2011

Weltweite Sperre für Piszczek nach Spielmanipulation?


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Für Dortmunds Lukasz Piszczek könnte es ganz dicke kommen: nachdem er 2005/06 als Profi von Zaglebie Lubin in eine Spielmanipulation verstrickt war, belegte ihn der polnische Verband mit einer sechsmonatigen Sperre für die polnische Nationalmannschaft. Dieses Urteil akzeptierte er, doch nun äußerten sich polnische Funktionäre und erklärten, auch der DFB sollte dieses Urteil nach Zugang achten.

Piszczek droht damit Unheil: sollte es sich als rechtens erweisen, dass der polnische Verband Generalstrafen verhängt, würde Piszczek auch für die deutschen Ligaspiele ausfallen – in Dortmund will man von alledem aber noch nichts wissen. BVB-Geschäftsführer Watzke zeigt sich abwartend: “Das ist ein schwebendes Verfahren. Dazu werden wir uns öffentlich nicht äußern”, erklärte er auf Medienanfragen.
Sowohl bei ihm als auch bei anderen polnischen Spielern herrscht eher Verwunderung über die harsche Strafe. Piszczek selbst ließ dazu nur wissen: “Wie bereits angekündigt, unterwerfe ich mich freiwillig dieser Strafe. Auf die Rechtsgültigkeit des Urteils werde ich nicht warten. Stattdessen habe ich mich entschieden, bis zum Ablauf der Strafe nicht an Länderspielen der polnischen Nationalmannschaft teilzunehmen, was ich dem Nationaltrainer Franciszek Smuda schon mitgeteilt habe.”
Insgesamt scheint es, als sollten sich zumindest benachbarte Verbände zusammentun, und gemeinsam zu einheitlichen und angemessenen Sanktionen finden – denn die bisherigen Strafkataloge sind in zahlreichen Verbänden teilweise sehr unausgeglichen und treffen vor allem die Clubs, die oftmals nichts für das Vergehen können.

16. August 2011

Ein Blick in die 2. Bundesliga


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Nach dem vierten Spieltag nimmt die Tabelle so langsam Konturen an. Überraschungen gibt es dabei an der Spitze und im Keller gleichermaßen.

In der ersten Bundesliga darf gern noch ein wenig gerätselt werden. Mainz 05 und Hannover 96 führen das nach dem zweiten Spieltag noch wenig aussagefähige Tableau an – ein Hinweis, dass die beiden Clubs wieder so stark sind wie in der letzten Saison? Oder doch nur eine Momentaufnahme? Kriegen die Kölner und die Hamburger die Kurve? Und sind die Bayern wirklich nicht so spielstark, wie alle gedacht haben? Die Zukunft wird die Antworten auf diese Fragen weisen.

In Liga Zwo hingegen sind schon doppelt so viele Spiele absolviert, und das bedeutet, dass zumindest ein Trend vorliegt. Vier Spielen wohnt eine Aussagekraft inne, es gibt ein sehr breites Mittelfeld (wie das immer so am Saisonbeginn ist), ein paar Teams, die vorneweg marschieren – und dann gibt es da noch die Aachener Alemannia, die es in vier Spielen auf sage und schreibe 1:8 Tore und null Punkte gebracht hat. Eine Bilanz, die der 1. FC Köln in zwei Spielen geschafft hat, so könnte man spötteln, aber weder in Aachen noch in Köln würden die Fans das wohl lustig finden. Ist es ja auch nicht. Gerade zu Saisonbeginn sind die Teams doch bestens motiviert, so könnte man meinen, und dann alle vier Spiele verlieren? Oder muss sich die Alemannia erst noch finden?

Löwen in bestechender Frühform

Andere Teams brauchten keine Findungsphase, das gilt vor allem für den Absteiger aus St. Pauli, die drei Siege und ein Remis zu Buche stehen haben und immerhin schon in Bochum – ein Mitfavorit für den Aufstieg – gewinnen konnten. Auch 1860 München ist mit neun Punkten bei nur einer Niederlage gut in die Saison gekommen, schon träumen die Fans der Löwen von einer Rückkehr in die erste Liga. Vor allem die Höhe der Siege in Cottbus (5:0) und gegen Erzgebirge Aue lässt aufhorchen; die Sechziger scheinen schon recht gut zu funktionieren. Zwei Siege in Folge mit 9:0 Toren, das spricht klar für den Club aus der bayrischen Landeshauptstadt.

Gewohnt schwer in Tritt kam der VfL Bochum. Ein Sieg bei einem Remis und zwei Niederlagen ist recht typisch für die Mannschaft aus dem Pott. Allerdings ist zu erwarten, dass die Bochumer nach der ihnen üblichen Findungsphase besser in Tritt kommen. Vom Lokalrivalen aus Duisburg weiß man erst recht nicht, was man da erwarten soll – gerade einmal zwei Punkte stehen dort nach vier Partien auf der Haben-Seite. Wie zu erwarten sind Greuther Fürth und, trotz der Klatsche gegen 1860, auch Cottbus mit oben dran. Von der Eintracht aus Braunschweig durfte man das nicht unbedingt erwarten, doch nach einem 0:3-Rückschlag am dritten Spieltag gegen den Namensvetter Eintracht Frankfurt und einem anschließenden Auswärtssieg beim KSC steht der Aufsteiger aus Niedersachsen mit neun Punkten auch ziemlich weit oben.

Mehmet Scholl beim Praktikum in Ingolstadt

Dynamo Dresden, der KSC, der SC Paderborn und Union Berlin bilden mit Bochum und Erzgebirge Aue das Mittelfeld, dahinter stehen mit drei Punkten Aufsteiger Hansa Rostock und der FSV Frankfurt. Zwischen dem 16. Duisburg und dem Letzten Aachen steckt mit zwei Punkten der FC Ingolstadt, wo Mehmet Scholl derzeit ein Praktikum absolviert. Viel gebracht hat das den „Schanzern“ noch nicht – sie werden es wohl schwer haben, die dauerhaft da hinten abzusetzen.

Fehlen nur noch der absolute Topfavorit auf den Aufstieg, nämlich Eintracht Frankfurt, der Absteiger aus der Bundesliga, und die Fortuna aus Düsseldorf, denen ebenfalls Ambitionen auf den Aufstieg nachgesagt werden. Die Fortuna hätte es schon vergangene Saison schaffen können – wäre da nicht der grandios verpatzte Saisonauftakt gewesen, in dem die Düsseldorfer erst am siebten Spieltag den ersten Sieg landeten. Sämtliche sechs Spiele zuvor hatten sie damals verloren.

Frankfurt bleibt ohne Heimsieg

Am Montag kam es in Frankfurt zum direkten Aufeinandertreffen der beiden Clubs, schon nach drei Minuten ging die Eintracht durch Jung in Führung. Zwar war zu erwarten, dass das Spiel danach einseitig verlaufen würde, es schien nur noch um die Höhe des Frankfurter Sieges zu gehen. Doch Düsseldorf wachte nach 20 Minuten auf und kam besser ins Spiel, die Fortuna setzte die Eintracht mehr und mehr unter Druck – Frankfurt wurde nervös und musste kurz nach der Pause den Ausgleich durch Beister hinnehmen. Die Eintracht war kaum in der Lage, ordentlich nach vorn zu spielen, was auch daran lag, dass Gekas überhaupt nicht ins Spiel kam und dann, wenn er mal den Ball erhielt, fast nur Fehlpässe zustande brachte.

Jeweils ein berechtigter Elfmeter wurde nicht gegeben, was eine spannende Schlussphase nach sich zog. Die Eintracht schien den Sieg im Endspurt mehr zu wollen, doch Düsseldorf stand gut und ließ wenig zu, ohne selbst allerdings richtig gefährlich kontern zu können. Immerhin stimmte das Tempo in der Partie, die einer Spitzenbegegnung in spielerischer Hinsicht eher selten gerecht werden konnte. In der 84. Minute war Gekas dann noch einmal völlig frei vor dem Düsseldorfer Tor, doch Fortuna-Keeper Ratajczak reagierte glänzend. So blieb es letztlich beim gerechten Unentschieden, auch weil Frankfurts Alex Meier in der 89. Minute die Ampelkarte sah. Düsseldorf und Frankfurt lauern somit mit jeweils acht Punkten auf den Plätzen sechs und sieben, in Schlagdistanz zum Tabellenführer FC St. Pauli. Den beiden Auswärtssiegen konnte die Frankfurter Eintracht damit zuhause nur zwei Remis entgegensetzen.

Kölner Fans werfen mit Fäkalien


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Der Bundesliga-Auftakt hatte sportlich nur wenige Sensationen zu bieten – wie beinahe jedes Jahr. Die wahren Skandale und Skandälchen spielen sich auf der anderen Seite der Bande ab, und hier bot insbesondere der zweite Spieltag Raum für reichlich Gesprächsbedarf. So wurden die Dortmunder Ultras in Ausübung ihrer zweifelhaften Schmähgesänge gegen Dietmar Hopp durch einen übereifrigen TSG-Mitarbeiter behindert, der eine akustische Attacke entgegensetzte. Und es ging noch weiter: so wurde erst heute bekannt, dass Kölner Ultras auf Schalke ihre Notdurft in Becher verrichteten und diese anschließend um sich warfen. Getroffen wurden übrigens nicht nur Schalker Fans, sondern auch die eigenen Reihen.

Die Polizei bestätigte die Vorfälle inzwischen und erklärte, dass neun Personen bei dem mit 61.000 Plätzen restlos ausverkauften Spiel unter anderem wegen Körperverletzung und anderen Delikten festgenommen worden seien. Zwar trennt die Polizei bei solchen Risikospielen konsequent die Fanblöcke voneinander, gegen tieffliegende Fäkalien sind die Ordnungskräfte allerdings natürlich nicht gefeit.
Schon zuvor wurde in einem Bus durch Kölner Fans eine Scheibe eingeschlagen, woraufhin der Bus geräumt werden musste und die Fahrt mit einem Ersatzbus fortgesetzt wurde. Es sind Ausnahmen, aber ebensolche werfen ein schlechtes Licht auf eine eigentlich sportliche Veranstaltung, die immer wieder von notorischen Alkoholikern und Gewalttätern missbraucht werden, um dort stupide Gewalt anzuwenden.
Und es bleibt zu hoffen, dass die Becherwürfe durch den DFB nicht ähnlich harsch sanktioniert werden wie der Becherwurf eines St. Pauli-Fans im vergangenen Jahr am Millerntor…