29. November 2011

Sturz ins Ungewisse


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Der VfL Wolfsburg spielt eine schlechte Hinserie, sollte sich aber nicht zu sehr wundern. Die Art und das System von Felix Magath scheinen an eine natürliche Grenze zu stoßen. Exemplarisch dafür steht der Fall eines Stürmers, der früher mal richtig gut war.

Am 17. November war es, als Patrick Helmes von Felix Magath gedemütigt wurde. Der gemeinsame Arbeitgeber der beiden Männer, der VfL Wolfsburg, stand auch da schon gehörig unter Druck in der Liga, aber Magath war das egal. Er versetzte Helmes in die zweite Mannschaft des Vereins und beschied, dort bleibe Helmes. Bis mindestens Weihnachten. Schon im September hatte er den Stürmer „wegen schlechter Laufleistungen“ (Welt Online) zu einer Geldstrafe von 10.000 Euro verdonnert. Magath führt sich in Wolfsburg zurzeit auf wie ein Diktator, was nicht nur der Fall Helmes zeigt. Helmes‘ Berater ließ sich zitieren, dass Magath mit „reiner Willkür“ herrsche, und diese Ansicht dürfte Gerd vom Bruch nicht exklusiv haben.

Magath regiert nicht mit harter, sondern mit kalter Hand. „Zynisch“ nennt vom Bruch diesen Stil, und es stimmt ja. Magath hatte erst im Sommer seinen Kader mit VW-Millionen aufgebläht, pro Planstelle in der Mannschaft gibt es drei Spieler, so etwas schafft ein beständiges Klima der Angst, zumindest zu Beginn. Und das wandelt sich um in ein Klima der Resignation, wenn ein Spieler merkt, dass er nicht nur einen, sondern sogar zwei Konkurrenten vor sich hat, an denen er nicht vorbei kommt. VW hat unlängst bekannt, dieses System weiterhin unterstützen zu wollen – Magath darf im Winter noch einmal ordentlich shoppen gehen auf dem Transfermarkt. Die Dankbarkeit für die Meisterschaft, die Magath dem Club mit dem Image der grauen Maus 2009 verschaffte, ist offenbar grenzenlos, wenn Verantwortliche gönnerhaft dabei zusehen, wie Unmengen Geld vernichtet werden.

Erst wankte die Abwehr, dann fiel sie

Magath wird ein paar Spieler abgeben, die durch seinen Rost gefallen sind, und der wird neue dafür holen, von denen am Ende der Saison wieder eine ganze Menge verlustbringend verkauft werden dürften. Doch der gebürtige Franke wäre wohl froh, wenn das das einzige Problem wäre. Fast noch eklatanter ist es, wie seine eigentlich hochkarätig besetzte Elf es nicht schafft, Magaths Taktik umzusetzen – falls es eine gibt. Es soll Trainer geben, die angesichts des namhaften Kaders denken: läuft ja eh. Beim 0:2 in Augsburg standen in Magaths Startelf die Spieler Benaglio, Träsch, Chris, Madlung, Schäfer, Josué, Salihamidzic, Hasebe, Dejagah, Koo und Mandzukic. Später eingewechselt wurden Aliaksandr Hleb und Srdjan Lakic. Damit müsste mehr, weitaus mehr drin sein als der kümmerliche zwölfte Platz, den die so genannten Wölfe derzeit einnehmen.

Zehn Punkte Rückstand auf Platz vier sind das, den der VfL eigentlich erreichen müsste, wäre er ein Club, der mit dem Geld haushalten müsste. Mit dem durch Transfers verbrannten Geld müsste schon die Champions League her, um den Kader zu finanzieren. Bei VW sieht man das offenbar nicht so eng. Apropos eng: Auf Relegationsplatz sechszehn beträgt der Vorsprung indes nur drei Punkte. 28 Gegentore hat der VfL Wolfsburg in 14 Spielen übrigens hinnehmen müssen. Das dürfte mit der Grund sein, warum Magath schon vor der Degradierung von Helmes die Defensivspezialisten Jan Polak und Sotirios Kyrgiakos aussortiert hat. Gebracht freilich hat es bis jetzt nicht besonders viel. In Augsburg genügte bereits ein sanfter Druck des bis dahin abgeschlagenen Tabellenletzten, um die Defensivreihe um Träsch, Chris, Madlung und Schäfer mehr als nur ins Schwitzen zu bringen. Denn diese Reihe wankte erst – dann fiel sie um.

Gibt es einen Matchplan?

Dass die Wolfsburger die schwächste Auswärtstruppe stellen, liegt in erster Linie an der Abwehr. Die 19 Treffer vorn sind zwar kein Zeichen überragender Offensivstärke, aber die Sechst- und Siebtplatzierten aus Leverkusen und Stuttgart haben schließlich auch erst 20 Tore erzielt. Also muss die Frage erlaubt sein, was Magath eigentlich trainieren lässt, wenn er das Verteidigungsspiel übt. Ausflüchte, dass er mit dem vorhandenen Personal zurechtkommen müsse, dürfen nicht mehr gelten – schließlich hat er Chris und Träsch im Sommer eigenmächtig verpflichtet. Genau wie den aussortierten Kyrgiakos übrigens. Magaths Taktik ist eigentlich überhaupt nicht zu erkennen. Wenn sich das nicht ändert, werden die Wolfsburger fürs Erste nicht vom aktuellen Tabellenplatz wegkommen. Am Wochenende spielen sie gegen die sich deutlich im Aufwärtstrend befindlichen Mainzer. Es würde nicht überraschen, wenn Tuchels Matchplan dem von Felix Magath überlegen ist.

Überhaupt, Matchplan. Als Magath in Hleb gegen den FCA seinen ersten Einwechselspieler brachte (62. Minute), da stand es noch 0:0. Als Lakic in der 73. kam, da stand es schon 1:0 für Augsburg – und das konnte Magaths dritter Wechsel in der 86. Minuten (Arnold) auch nicht mehr ändern. Kurz darauf schoss Kapllani das 2:0 für den Aufsteiger. Da muss sich auch ein Felix Magath fragen, ob er die Schuld immer nur auf die Spieler abwälzen kann. Neben Geldstrafen und Versetzungen in die zweite Mannschaft blieben ihm ja noch genügend Instrumente zur Demütigung. Vielleicht spielen seine Spieler aber ja auch schon ein bisschen gegen den Trainer. Allzu verwunderlich wäre das nicht. Die Situation in Wolfsburg hat ein bisschen was von einem Sturz ins Ungewisse.

25. November 2011

FC Bayern München gegen 1. FSV Mainz 05, Trainingsreport 23.11.2011


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Nach dem erfolgreichen Auftritt des Rekordmeisters am Vorabend in der Champions League, als Ribery und Co. Villareal mit 3:1 nach Hause schickten, nahmen am Vormittag lediglich die Spieler am Mannschaftstraining teil, die gegen die Spanier nicht oder nur wenig Minuten auf dem Rasen standen. So betraten bei wolkenverhangenem Himmel und frostigen Temperaturen neun Feldspieler und zwei Torleute den Haupt-Trainingsplatz an der Säbener Straße 51, während die gegen Villareal eingesetzten Akteure nicht zu sehen waren und vermutlich Regenerationsmaßnahmen durchführten.

Vorbereitung gegen Dortmund

Vorbereitung gegen Dortmund

Doppelpass, Passfolgen und Tempodribbling

Vorbereitung gegen Dortmund

In einer ersten Übung setzten Jupp Heynckes, Peter Hermann und Hermann Gerland auf eine simple Dreiecks-Anordnung mit drei Hütchen im Abstand von ca. 15m für die neun Profis. An jedem Hütchen wurden demnach drei Spieler positioniert, die folgenden Übungsablauf absolvierten. In einer ersten Variante (Grafik siehe „1. Variante“) spielte A auf B, der sich seitlich aus dem Deckungsschatten des Hütchens löste und die Kugel wieder auf A klatschen ließ. A passte den Ball anschließend wiederum auf den antretenden B – also im Prinzip ein einfacher Doppelpass der beiden Beteiligten. Mit der folgenden Ballmitnahme führt B die Aktion mit C durch usw. Dieser schlichte Kreisablauf wurde in diversen Variationen fortgeführt und in jeder Abänderung je ca. fünf Minuten auf die rechte und die linke Seite absolviert. Im zweiten Durchgang wurde eine einfache Ball-Mitnahme des angespielten Partners in die neue Bewegungsrichtung durchgeführt. Im dritten Ablauf kehrte Übungsleiter Hermann wieder zurück auf die Klatsch-Aktion des Passempfängers (C) zurück, wollte allerdings einen anderen Passwinkel der Beteiligten schulen (Grafik siehe „3. Variante“). Demnach sollte B Leder nun nicht mehr in den Lauf von C spielen, sondern die Kugel direkt auf A weiterleiten und somit C überspielen. Zum Abschluss dieser Konstellation ging Hermann vom Passaufbau weg und wies seine Mannen an, auf den nächsten Spieler per Tempodribbling zuzumarschieren und den Folgepartner so spät wie möglich innenseitig den Ball zu übergeben. (siehe erstes Video)

Dieser Partner sollte ebenfalls nach einer Auftaktbewegung in die neue Richtung starten und das Leder gefühlvoll auf den Fuß gelegt bekommen.

Im der folgenden Spielform rief Hermann die erarbeiteten Inhalte wieder ab. Hierbei spielten drei Teams á drei Spieler gegeneinander – eines der Teams war „in der Mitte“ und sollte den Ball erobern, während die restlichen beiden Mannschaften ein präzises Kurzpassspiel zeigen sollten und die Kugel immer wieder behaupten mussten. In den ersten Abläufen, die Hermann nach einigen Minuten immer wieder unterbrach damit Heynckes diverse individuelle Korrekturen vornehmen konnte, durfte die verteidigende Mannschaft nach Balleroberung wieder den aktiven Part übernehmen, während das Team, welches den Ballverlust verschuldete, nun die Kugel jagen musste (siehe zweites Video).

In einer zweiten, hochintensiven Variante (siehe drittes Video) sollte das Team „in der Mitte“ anschließend 30 Sekunden am Stück versuchen möglichst viele Bälle zu erobern/abzufangen, ohne bei Ballgewinn zu wechseln. Der gewonnene Ballbesitz wurde somit augenblicklich wieder nichtig und das Trainergespann spielte einen neuen Ball in die Runde. In dieser kurzen begrenzten Zeitphase sollten die drei Spieler daher immens hohen Druck auf den Ball generieren und somit die Handlungsschnelligkeit der Anderen hochgradig schulen. Nach dieser laktaziten Belastung wurde je eine lohnende Pause eingeschoben und anschließend wechselte ein anderes Team ins Zentrum. Dieser Durchlauf fand in zwei Sätzen statt, so dass jede Dreiermannschaft zweimal den Ball jagen musste.

Komplexe Angriffsübung mit Torabschluss

Vorbereitung gegen Dortmund

In der folgenden Übung sollten die Spieler die gezeigten Passkombinationen mit schnellen Druckpässen in die Tiefe in Tormöglichkeiten ummünzen. A spielte einen schnellen Pass auf den Flügel (B), der das Leder sofort auf zentrale Mittelstürmerposition (C) weiterleitete. C ließ auf den nachrückenden D klatschen, der zuerst ein Hindernis umlief und anschließend wiederum den in die Gasse startenden B bediente. Alle Spieler liefen ihren Pässen nach, wodurch ein reibungsloser und einfacher Übungsablauf gewährleistet wurde. Nach zehnminütiger Durchführung strikt über die rechte Seite wurde ebensoviel Zeit auf die linke Seite verwendet. Besonderes Augenmerk legten die Trainer auf den letzten Gassenpass, denn der Passende sollte den starken Fuß des Passempfängers gezielt anspielen, um einen sofortigen Abschluss zu ermöglichen.

Heynckes schult das Defensivverhalten

Im Schlussteil spielten die Akteure in einem schmalen Korridor auf zwei Tore (ca. 20x30m) zwei gegen zwei. Hermann und Heynckes wollten insbesondere das Defensivverhalten, die ständige Absicherung der beiden Verteidigenden schulen und wiesen deshalb das angreifende Duo an, wenig zu kreuzen und zu versuchen mit individuellem Durchbruch oder Doppelpässen zum Torabschluss zu kommen. Das Trainergespann wechselte die Teams hier selbstständig durch und führte die Übung zum Abschlussspiel auf demselben Korridor über. Hierbei musste dann schließlich immer eines der drei Teams pausieren. Im letzten Durchgang durfte immer die Mannschaft auf dem Feld bleiben, die ein Tor erzielte.

Autor: Dominik Langenegger

21. November 2011

Quo vadis, Borussia?


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Vor einem Jahr war die Gladbacher Borussia Sinnbild für rückwärtsgewandten Angsthasen-Fußball. Der Abstieg schien beschlossene Sache. Doch dann übernahm Lucien Favre im Februar die Mannschaft – und lässt mit einem personell so gut wie unveränderten Team jetzt rasanten Tempofußball spielen.

Ja, im Moment steht Marco Reus im Mittelpunkt. In den letzten drei Bundesligaspielen hat der Youngster sieben Tore geschossen, und so stellen sich die Medien nach jedem Spiel inzwischen die Frage: Wann geht Reus, und wenn ja, wohin? An derlei Spekulationen wollen wir uns nicht beteiligen, sondern uns besser auf die Gegenwart konzentrieren. Und dabei die Fragen stellen: Warum hält niemand die Borussia aus Mönchengladbach auf? Weswegen schafft Lucien Favre mit dem gleichen Kader etwas, wovon sein Vorgänger Michael Frontzeck meilenweit entfernt war? Und schließlich: Wo wird der Höhenflug der „neuen Fohlen“ vom Niederrhein in dieser Saison noch führen?

Am 14. Februar schenken sich Frischverliebte jedes Jahr rote Rosen oder zumindest Schokoladenherzen. Am 14. Februar 2011 stand den leitenden Personen des Fußballclubs VfL Borussia Mönchengladbach der Sinn jedoch nicht nach Sentimentalitäten, am Tag zuvor hatte das Management die Trennung von Cheftrainer Michael Frontzeck bekannt gegeben. Am Valentinstag dann folgte die Verpflichtung eines Trainers, die gewiss nicht als Liebesheirat gedacht war. Jeder, der die Bundesliga verfolgt, wusste: da steckt eine langfristige Strategie hinter. Die Gladbacher wüssten wohl, dass sie absteigen würden, und mit Favre war ein Trainer verpflichtet worden, der schon während des Niedergangs aus der ersten Liga an der Zweitliga-Strategie arbeiten würde, an deren Abschluss der sofortige Wiederaufstieg stünde. Schon im Sommer war klar, dass diese Theorie nicht ganz haltbar war. Denn Borussia Mönchengladbach verhinderte den Abstieg mit einem wahren Kraftakt. Seit dem ersten Spieltag der Saison 2011/12 indes ist zudem klar, dass Favres Strategie sogar zu höheren Weihen in Deutschlands höchster Fußballklasse führen kann. Nach 13 Spieltagen liegt Mönchengladbach auf Platz drei, punktgleich mit Dortmund und nur zwei Punkte hinter dem Branchenprimus aus München. Was ist passiert?

Erst sah es aus wie Zufall, jetzt erkennt man den Plan

Schon als Trainer der Berliner Hertha hat Lucien Favre gezeigt, dass er es versteht, einer Mannschaft genau das Konzept überzustülpen, das sie für einen guten und erfolgreichen Fußball benötigt. In Mönchengladbach hat der Schweizer diese Übung perfektioniert. Favre lässt die Gegner „mit Tempo-Fußball in Grund und Boden“ stürmen, wie die WAZ nach dem 5:0 gegen Werder Bremen schrieb. Was am ersten Spieltag noch wie Zufall ausgesehen hat, als die Borussia mit 1:0 beim FC Bayern München gewann, hat sich inzwischen zur Gewissheit verfestigt, dass das alles einem Plan folgt. Acht Spiele gewonnen, zwei Remis, drei Niederlagen und ein Torverhältnis von 20:9 – das sind die nackten Zahlen. Und sie beinhalten die Antwort auf die erste Frage, warum keiner die Gladbacher aufhält. Der erste Schritt sei die „Stabilisierung der Abwehr“ gewesen, so Favre. Bei gleichzeitiger Verbesserung der „Kreation von Chancen“. Die Verwertung der Chancen hat Favre gar nicht mehr erwähnt, das scheint eine Selbstverständlichkeit.

Womit wir zu Frage zwei kommen: die Frage nach dem Kader. Beim 5:0 gegen heillos überforderte Bremer war in der Startelf kein einziger Neuzugang zu finden im Vergleich zur letzten Saison. Favres Fußball folgt einem Plan, das ist zu erkennen; aus einer stabilen Abwehr lässt er schnell und direkt nach vorn spielen – und er hat dafür mit Marco Reus, Roman Neustädter, Patrick Herrmann, Juan Arango und Mike Hanke die richtigen Spieler und vor allem jede Menge Optionen. Das macht die Gladbacher so unberechenbar. Zum Vergleich: In Frontzecks letztem Spiel, beim 1:3 auf St. Pauli am 12. Februar, liefen im Mittelfeld noch Michael Fink und Mohamadou Idrissou sowie im Sturm neben Hanke der derzeit verletzte Igor de Camargo auf. Im Mittelfeld bildeten Fink, Neustädter, Herrmann und Idrissou eine Raute. Das machte die Borussia wesentlich berechenbarer als die heutige Formation. Favre hat an wenigen, aber entscheidenden Stellschrauben gedreht, und schon funktioniert das Gesamtwerk. Ein entscheidender Pluspunkt war auch Favres zum damaligen Zeitpunkt (29. Spieltag am 10. April) mutige Entscheidung, für die letzten sechs Spiele den jungen Marc-André ter Stegen ins Tor zu stellen.

Noch ein Weilchen oben dabei

Bliebe also noch zu klären: Quo vadis, Borussia? Wo wird das alles enden? Da wir auch keine Glaskugel besitzen, die uns die Lösungen liefert, müssen wir uns an den derzeit herrschenden Fakten orientieren, und die besagen, dass mit einem dramatischen Einbruch der Gladbacher Qualitäten vorerst nicht zu rechnen ist. Oben ist alles eng beieinander, auch zwei, drei schlechtere Spiele reichen, um aus den ersten vier Plätzen zu rutschen – doch sie werden in Mönchengladbach sicher nicht den Fehler machen, dann sofort alles in Frage zu stellen. Man hat bei der Borussia derzeit das Gefühl, dass alle im Club wissen, wo der Club herkommt – nämlich aus dem knallharten Abstiegskampf. Noch scheint den Spielern der Erfolg nicht zu Kopf zu steigen. Das bedeutet, die Gladbacher, die neuen Fohlen, dürften sich zumindest noch ein Weilchen in den oberen Tabellenregionen aufhalten. Zumindest dann, wenn Favres Plan weiterhin aufgeht.

18. November 2011

FC Bayern München gegen Borussia Dortmund, Trainingsreport Dortmund 17.11.2011


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Unter Flutlicht und gut gelaunt betraten das Team und der Trainerstab den Trainingsplatz um 17:00 Uhr. Die ca. 200 Zuschauer vermissten nur die verletzten
Subotic und Schmelzer. Unter Anleitung von Fitnesstrainer Bartlett absolvierte das Team ein kleines Aufwärmprogramm mit kleinen Laufübungen und Dehnübungen.

Zuspiele auf engem Raum mit Seitenwechsel

In zwei gleich großen Felder wird das Team in zwei Gruppen aufgeteilt (a= 10 Spieler) – in den Feldern spielen sich die Spieler drei Bälle wahllos zu, bis der Trainer das Kommando „ Wechsel“ gibt, wobei die zwei Gruppen im Spurt die Felder wechseln.

Vorbereitung gegen Dortmund

Danach schnappten sich jeweils zwei Spieler einen Ball und spielten sich in einer Entfernung von ca. 20 m die Bälle hoch und lang zu. Nach dieser kurzen Einheit verabschiedeten sich die Spieler, die unter der Woche mit ihren Nationalteams unterwegs waren, schon wieder in Richtung Kabine.

Angriffsübungen in Positionsreihen

Team A spielt sich den Ball entlang der blauen Hüttchen zu und Team B rückt von den gelben Hüttchen auf und deckt den Raum zwischen den blauen und gelben
Hüttchen ab. Auf Zuruf des Trainer spurtet Team B wahlweise an das rote bzw. grüne Hüttchen und erhält sofort danach den Ball von Team A. Team B spielt den Ball auf den vor dem 16m Raum platzierten Spieler, der wiederum den Ball auf die Außen leitet, wo ein Spieler von Team B eine Flanke auf die aufgerückten Mitspieler schlägt, die dann den Torabschluss suchen.

Vorbereitung gegen Dortmund

Diese Übung zeigt die taktische Disziplin der Dortmunder Mannschaft bei Angriffsübungen. Alle Spieler in einer Reihe verschieben positionsgebunden als Einheit. Nachdem Team B die Passkombinationen von Team A zuerst absichert, kehren sie ihr Spiel um und gehen nach Zuspiel durch Team A in den Angriff über. Nachdem der Angriff über den zentralen Spieler nach außen verlagert wird, rückt Team B wiederum als Block nach und versucht die Flanke aus dem Außenraum nach mehrfachen Kreuzen im Tor unterzubringen.

Flanken nach Kurzpassfolgen

Im Dreieck spielen sich drei Spieler den Ball flach zu. Auf Zuruf des Trainers spielt einer der Spieler den Ball auf die Außen, einer der Spieler geht den Ball nach und schlägt eine Flanke auf die beiden anderen, die sich vor dem Tor positionieren und den Torabschluss suchen. Das typische Angriffsspiel der Dortmunder: Aus einer Drucksituation heraus spielt ein Spieler den öffnenden Pass in den Außenraum, wo ein nachrückender Spieler nachsetzt und nach innen flankt. Der Ball wird solange im Kurzpassspiel “gehalten”, bis sich der Raum öffnet oder ein Spieler diesen beläuft.

Vorbereitung gegen Dortmund

Gezieltes Wegboxen hoher Bälle

Der Torwarttrainer wirft den Ball hoch in den 5m Raum, Torwart A faustet den Ball zu Torwart B – der wiederum fängt den Ball und rollt in wieder zum Torwarttrainer.

Vorbereitung gegen Dortmund

Verdeckter Torschuss mit Dummies

Der Torwarttrainer schießt den Ball Volley rechts und links an den Dummies vorbei auf das Tor. Der Torwart versucht die Bälle zu parieren. Eine sehr gute Übung, um die Reaktion und Handlungsschnelligkeit eines Torhüters zu verbessern. Der Torwart sieht den straff angeschlagenen Ball sehr spät und weiß zudem nicht, in welche Ecke der Ball geschossen wird.

Vorbereitung gegen Dortmund

Für die Aufstellung am Samstag im Top-Spiel gegen die Bayern kann Trainer Klopp fast aus dem Vollen schöpfen – außer dem verletzten Subotic steht Schmelzer auf der
Kippe. Falls er nicht rechtzeitig fit wird, könnte Löwe seine Position einnehmen.

FC Bayern München gegen Borussia Dortmund, Trainingsreport 16.11.2011


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Aufgrund der Länderspielpause begrüßte Trainer Jupp Heynckes am frühen Mittwochmorgen erneut nur eine kleine Trainingsgruppe auf dem Gelände an der Säbener Straße. Bei Temperaturen um den Gefrierpunkt standen in der absolvierten Einheit erneut viele Passkombinationen im Mittelpunkt, die mit steigendem Gegnerdruck schließlich in hochgradig intensive Belastung mündeten. Eine wichtige Erkenntnis für den FC Bayern lautete, dass Arjen Robben das komplette Teamtraining absolvieren konnte.

Vorbereitung gegen Dortmund

Vorbereitung gegen Dortmund

Kombinationsübungen: Passschärfe und 2 Ballkontakte

Nach einer ausgiebigen Laufschule auf dem Nebenplatz marschierten die 12 Profis und zwei Torleute auf den Hauptplatz, um die von Co-Trainer Peter Hermann vorbereitete und in Grundzügen bekannte Kombinationsübung zu starten.

Bayern gegen Dortmund

In der ersten Variante sollten die Akteure folgende diagonal orientierte Kombinationsfolge einhalten (im Bild von unten nach oben). Spieler A passt zu B, der mit der Ballannahme aufdreht und weiter zu C spielt. Der im Bild in grauer Farbe dargestellte C lässt auf den nachrückenden B klatschen, der die Kugel wiederum auf D steil weiterleitet. D löst sich mit der Ballannahme nach Außen vom Hütchen und gibt das Leder mit dem zweiten Kontakt auf E weiter. E löst sich nach Auftaktbewegung ebenfalls, lässt den Ball prallen und wird per Steilpass und Antritt vom nachrückenden D in die Tiefe geschickt. Hermann legte hierbei insbesondere Wert auf Passschärfe und Präzision und gab als zusätzliche Anweisung mit höchstens zwei schnell aufeinanderfolgenden Kontakten zu agieren. Spieler C agierte stationär und wurde nicht ausgewechselt, alle anderen liefen immer auf die nächstfolgende Position im Passschema nach. Ebenso wurde im gesamten Übungsablauf nach jeder Aktion die initiierende Seite gewechselt, so dass im nächsten Durchgang bei A der andere Spieler begann.

Passfolgen mit Pass in die Tiefe

In der zweiten Variante wurde B überspielt mit einem direkten Pass von A in die Tiefe zu C. Anzumerken ist hier, dass Hermann viel Wert darauf legte, dass B den Passweg durch eine offene Seitwärtsbewegung freizog, um danach erneut spritzig in den von C zurückgelegten Ball zu starten. Denn C wurde erneut mit einem Druckpass auf D überspielt, der sich dieses Mal auf die innere Seite des Hütchens lösen sollte, um per Doppelpass mit C erneut auf Außen zu gelangen. Die Auftaktbewegung von E führte nun entgegengesetzt zuerst zum Ball, um nach anschließendem Antritt in die Gasse den Steilpass von D zu erhalten. Spieler C agierte nun nicht mehr stationär, sondern wurde stets vom nachrückenden B wieder aufgefüllt.

Bayern Training

In einer dritten Änderung wies Hermann seine Mannen an B erneut aufdrehen zu lassen und dieser sollte C wiederum auf D überspielen. D ließ das Leder auf C prallen, der die Kugel sofort auf Außen (E) weiterleitete. E spielte nun den aus Variante 1 bekannten Doppelpass mit klatschen lassen und steil gehen mit D und kam so wieder zum Anfang A zurück.

Bayern beim Training

Trainingsspiel: Handlungsschnelligkeit und Gegnerdruck

Vorbereitung gegen Dortmund

Anschließend erarbeiteten Heynckes und Hermann mit den Profis eine intensive Spielform, bei der viel auf sehr kleinem Raum (ca. 10x20m) viel Gegnerdruck simuliert und somit in großem Umfang Handlungsschnelligkeit gefordert wurde. Denn in diesem kleinen Feld spielten zwei Teams (6 gegen 6) mit zwei freien Mitspielern gegeneinander, ein Punkt konnte durch ein erfolgreiches Anspiel auf einen Mitspieler durch eines der Stangentore erzielt werden. Diese Vorgabe forcierte neben dem präzisen Kurzpassspiel insbesondere die Faktoren Raumaufteilung und das räumliche Orientierungsvermögen, um Passwege und Hütchentore zu öffnen bzw. zu schließen. Die beiden Freien stellten Philipp Lahm und Arjen Robben dar – wie vom Trainergespann gewohnt wurde einer der Beiden angewiesen eine zentrale Anspielstation zu bilden, während der Andere sich außen linienbezogen aufhalten sollte. Lahm besetzte hierbei die zentrale Rolle, während Robben sich außen aufhielt, was womöglich auch aufgrund seiner Verletzungshistorie geschuldet war. Denkbar wäre diese Anordnung in jedem Fall für Spieler, die nach einer Verletzungspause wieder zur Mannschaft stoßen und auf diese Weise intensive Defensivzweikämpfe umgehen können.

Nach einer Belastungszeit von ca. 10 Minuten in dieser Spielform unterbrach das Trainergespann für eine kurze Trinkpause. Die ausgelaugten Spieler, die streckenweise hervorragende Lösungen aus den verschiedenen Bedrängungssituationen fanden, nutzten die kurze Unterbrechung um anschließend in einem zweiten Durchgang die kleinen individuell erklärten Korrekturen umzusetzen und erneut hochkonzentriert an der Aufgabe arbeiteten.

Autor: Dominik Langenegger

17. November 2011

Unberechenbar und schnell: Deutschlands Totaler Fußball


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Wenn es überhaupt Grund zur Kritik gab beim Länderspiel gegen die Niederlande, dann die, dass das Ergebnis von 3:0 den Spielverlauf nicht wirklich widerspiegelte. Den vom Nachbarn ersonnenen „Totaal Voetball“ beherrschen die Deutschen nämlich inzwischen so gut wie perfekt.

Oranje, das ist der allgemein gültige Spitzname für das niederländische Nationalteam, Oranje also hätte sich nicht beschweren können, hätte es am Ende 4:0 oder 5:0 für die deutsche Mannschaft gestanden. Die Elftal – ein weiteres Synonym für Oranje – war gut bedient mit den drei Gegentoren, an denen Miroslav Klose drei Mal direkt beteiligt war. Das 1:0 legte er mustergültig auf für Thomas Müller, das 2:0 köpfte er selbst, nach Flanke von Mesut Özil. Klose revanchierte sich beim 3:0, als er mit Müller und Özil innerhalb von Sekundenbruchteilen Katz und Maus mit der holländischen Abwehr spielte – in deren Fünfmeterraum. Und indem er Özil uneigennützig mit einem finalen Querpass bediente, so dass der Real-Spieler nur noch einzuschieben brauchte. Es war das schönste Tor des Abends.

Dass man Klose, den 33-jährigen Stürmer von Lazio Rom, an diesem Abend so hervorheben musste, hatte aber noch einen anderen Grund. Denn er verkörperte in Hamburg den Prototypen eines Angreifers, wie der Bundestrainer Joachim Löw ihn sich wohl vorstellt. Klose war praktisch überall unterwegs in der gegnerischen Hälfte, holte sich die Bälle aber auch in der eigenen Hälfte und half schon mal in der Defensive aus, obwohl das eigentlich gar nicht notwendig war an diesem Abend. Kurz gesagt: Miro Klose ist zu einem Spieler geworden, der das Prinzip des „Voetball Totaal“, oder sagen wir ruhig auf Deutsch Totaler Fußball dazu, verinnerlicht hat.

Die Spielkultur von den einzelnen Spielern gelöst

Es scheint Löws Maxime zu sein, diese taktische Spielart von seinen Spielern umgesetzt sehen zu wollen. Diese Spielart bedeutet nichts anderes, als dass jeder Spieler auf dem Feld quasi alles können muss, und Klose war neben Thomas Müller und Sami Khedira nicht der Einzige, der sich das zu Herzen nahm. Klose war überall, spielte defensiv, wenn er musste, Müller war praktisch überall auf dem Feld zu finden, Khedira auch, genauso wie Özil, Toni Kroos, Jerome Boateng, Dennis Aogo und mit Abstrichen Lukas Podolski. Dass nur die Innenverteidiger Per Mertesacker und Holger Badstuber (sowie Torwart Manuel Neuer) zumeist auf ihren angestammten Positionen ganz hinten verweilten, war wohl auch eine Lehre aus den drei Gegentoren, die die Nationalmannschaft vier Tage zuvor beim 3:3 in Kiew gegen die Ukraine gezogen hat.

Ansonsten wirkte das Spiel der Deutschen gegen teils völlig überforderte Niederländer so, als könnte der Bundestrainer die Positionen auch wild durcheinandermischen – und das Spiel wäre trotzdem genauso gelaufen und ausgegangen. Es ist sicher Löws größtes Verdienst, die Spielkultur von einzelnen Spielern gelöst zu haben, oder anders gesagt: Es fällt gar nicht auf, wenn Top-Spieler wie Philipp Lahm, Bastian Schweinsteiger oder Mario Gomez nicht auf dem Platz stehen. Dass etwa Boateng, wenn er auf der rechten Seite nach vorn marschiert, ebenfalls gefährlich wird und im Zusammenspiel mit Müller, der sich dann etwas fallen lässt, jede Abwehr vor Probleme stellt, ist nur ein Indiz des Totalen Fußballs, wie Joachim Löw ihn von seiner Mannschaft sehen möchte. Die Holländer jedenfalls waren baff, wie ihnen ihre eigene Erfindung von den Deutschen, ausgerechnet von den Deutschen, um die Ohren gehauen wurde.

Fast jeder Spieler soll fast alles können, und fast jeder Spieler kann alles

Besonders gut zu beobachten war die Umsetzung der taktischen Vorgabe an jenem Abend in Hamburg jedoch im Mittelfeld. Mit Kroos und Khedira hatte Löw nominell zwei Sechser aufgeboten, von denen normalerweise Toni Kroos den offensiveren Part einnimmt – womöglich waren die Niederländer davon überrascht, dass es vielmehr Khedira war, der des Öfteren den Weg in die Spitze suchte. Um nach wenigen Minuten festzustellen, dass daraus kein Prinzip abgeleitet wurde seitens der Deutschen, denn auch Kroos ging mit, und schon fiel das 1:0 nach dessen Flanke auf Klose. Dann wiederum tankte sich Khedira durch, und schließlich gab es auch noch Özil, der praktisch überall war, was man von ihm eigentlich schon kennt. Beim 4:1 gegen England im WM-Achtelfinale war er am eigenen Strafraum und startete durch, um Müller das vierte deutsche Tor aufzulegen. Gegen Argentinien im Viertelfinale war es ähnlich. Özil sprintete von der Sechser-Position zum argentinischen Strafraum, um Klose das 4:0 zu ermöglichen. Es ist die Unberechenbarkeit, die das deutsche Spiel so deutlich abhebt vom Spiel anderer Nationalmannschaften, vom Tempo ganz zu schweigen.

Wenn es auch nicht ganz der „Totaal Voetball“ ist, den man von den Holländern um Johan Cruyff aus den 70er Jahren kennt, so ist das, was Löw der Mannschaft taktisch vorschreibt, zumindest eine Spielart davon. Fast jeder Spieler soll fast alles können, fast jeder Spieler kann alles – und besinnt sich dennoch darauf, was er am besten kann. Wenn Löw die Leichtigkeit aus dem Holland-Spiel ins kommende Jahr hinüberretten kann, dann ist der deutschen Nationalmannschaft neben der seit 2006 galoppierenden spielerischen Weiterentwicklung auch mal wieder ein Titel zuzutrauen. Mal sehen, was die Spanier dem deutschen Totalen Fußball entgegensetzen.

14. November 2011

FC Bayern München gegen Borussia Dortmund, Trainingsreport 12.11.2011


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Länderspielpause – das bedeutet an der Säbener Straße immer ruhige Tage mit wenigen Spielern und sehr wenigen Zuschauern. Nur ca. 100 Interessierte trieb es so an einem nebligen Sonntagmorgen zum Trainingsgelände zu FC Bayern, wo mit Philipp Lahm, Arjen Robben, Rafinha, Breno, Diego Contento und Hans-Jörg Butt doch einige hochkarätige Namen warteten. Die anwesende Rumpftruppe wurde von Peter Hermann und Hermann Gerland gecoacht, denn Trainer Jupp Heynckes übertrug seinen Assistenten für einige Tage die tägliche Trainingsarbeit.


Breno und Rafinha mit kurzen Hosen bei frostigen Temperaturen

Trotz frostiger Temperaturen in der Landeshauptstadt überraschten ausgerechnet die beiden Brasilianer Breno und Rafinha mit kurzen Hosen und mussten sich so auch einige Sprüche ihrer Mitspieler gefallen lassen. Allgemein wurde die Einheit insgesamt sehr locker und mit viel Spaß angegangen – so feierten die Profis des Rekordmeisters lautstark jeden gelungen Trick des Trainergespanns bei den Aufwärmübungen und brachten trotz der frühen Uhrzeit viel Enthusiasmus auf den Platz. Insbesondere der „Tiger“ (Gerland) ließ beim Aufwärmspiel 5 gegen 2 immer wieder sehenswerte Ballbehandlung aufblitzen und wurde dadurch lautstark gefeiert. Selbst der niederländische Superstar Arjen Robben, der sich mit Fitnesstrainer Thomas Wilhelmi auf dem Nebenplatz individuell aufwärmte, warf immer neugierigere Blicke auf die Trainingsgruppe und stieß schließlich auch zur kleinen Einheit hinzu.

Lahm und Contento mit Gummi-Gurt zu mehr Schnellkraft


Nach einem halbstündigen 5 gegen 2 begann der Rekordmeister schließlich mit einer Athletiktrainingseinheit, die Fitnesstrainer Marcelo Martins in Zusammenarbeit mit Andreas Kronmayer leitete. Der Schwerpunkt lag hierbei auf intensivem und extensivem Schnellkrafttraining. Zuerst arbeitete das Team mit dem Sprintgurt im intensiven Bereich und forcierte insbesondere die Lateralbewegung der Spieler gegen Widerstand – zu Zweit fungierte der hintere Partner als „Bremse“, der Vordere arbeitete dagegen. Im lateralen Trainingsteil mussten die Spieler zuerst einen, dann zwei Sprünge gegen den Gurt auf eine Seite absolvieren. Nach jedem Übungsteil wurden innerhalb der Zweierteams gewechselt, so dass der andere Partner den ausführenden Part übernahm. Nachdem die seitlichen Antritte sowohl nach links als auch nach rechts erfolgt waren, zogen die Profis nochmals ohne Gurt zwei Schritte seitlich weg und sollten flüssig aus der Bewegung in einen kurzen Antritt über wenige Meter übergehen. Anschließend wurde der Gurt wieder angelegt und die Bayern mussten Kniehebeläufe gegen Widerstand absolvieren – zuerst gehend und in einem zweiten Durchgang mit erhöhter Schrittfrequenz. Als nächstes ging man direkt in den Hopserlauf mit Gurt über, der die letzte Sprintgurtübung einleitete. Dazu war ein Sprint über eine Distanz von ca. 20 Metern angesagt, bei dem der hintere Partner nach ca. 10 Metern den Gurt löste und dem Vordermann somit in frontale Bewegungsrichtung zusätzlichen Impuls mitgab.

Im Anschluss standen Martins und Kronmayer ca. zwei Meter gegenüben, spannten ein langes Gummiband um ihre Hüfte und bildeten somit ein ca. ein Meter hohes Hindernis, welches die Grundlage für die nächsten Übungen stellte. Zuerst sprangen die Spieler über das Band und sollten nach der Landung sofort wieder einen kurzen explosiven Sprint zeigen. Hierbei forderte der Übungsleiter immer wieder kurze Bodenkontaktzeit und sofortigen Abdruck zum Antritt um den plyometrisch angehauchten Gedanken der Übung zu entsprechen. Darauffolgend lies Martins die Spieler erneut über das Hindernis springen: Die Profis sollten stabil auf einem Bein landen und die Bewegungsenergie abfedern – erst nach einem sehr deutlich sichtbaren Gleichgewichtsgewinn (ca. drei Sekunden lang) durfte die Position wieder aufgelöst werden. Danach wurde nochmal der Antritt nach Landung geschult, allerdings mit einem kurzen Zwischensprung.

Arjen Robben mit Spezialtraining für Dortmund

Währenddessen absolvierte Arjen Robben mit Peter Hermann ein technisches Individualprogramm, welches nach jeder kurzen Belastung durch langsames Auslaufen mit Wilhelmi unterbrochen wurde.


Bei Übung A sollte der Niederländer immer rückwärts um eine Pylone herum starten und Hermann den folgenden Pass zu einem der beiden Hütchen direkt klatschen lassen. In einer weiteren Variante integrierte Hermann schließlich nicht nur flache Druckpässe, sondern auch hoch zugeworfene und Kopfbälle. In Übung B sollte Robben sich auf zwei Seiten eines rechtwinkligen Dreiecks bewegen und die Pässe von Hermann immer wieder kurz verarbeiten, mit einem Kontakt in Bewegungsrichtung mitnehmen, zurückziehen und zum Übungsleiter zurückpassen. Dies wurde mit acht Pässen von Satz durchgeführt, bevor Robben wieder einige Runden auslief.

In Übung C bekam der 27-Jährige drei Bälle auf einer Seite des Korridors. Robben sollte nun je einen Ball im Slalom durch den Hütchenparcours dribbeln, auf der anderen Seite ablegen und diesen Vorgang sofort mit der nächsten Kugel wiederholen. Hierbei gab Hermann stets die Anweisung, mit welchem Bein der Linksfuß das Leder führen sollte – wobei hier in jedem Durchgang mit den drei Bällen stets alle Varianten (rechts, links, beide) angesprochen wurden.

Im Anschluss kam das Team nochmals gemeinsam zusammen und absolvierte Übungen im zyklischen Schnelligkeitsausdauerbereich. Die Spieler sollten immer wieder über steigende Distanzen von 25 bis 40 Metern mit höchster Intensität abspulen. Anschließend fanden ausgedehnte Regenerationsläufe in geringer Belastungsstufe statt – allerdings zeigte sich hier der große Nachholbedarf Brenos, der beim gemeinsamen „Auslaufen“ trotz des geringen Tempos jedes Mal hinter die Gruppe zurückfiel.

Autor: Dominik Langenegger

10. November 2011

Zum Tor ziehen


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Hallo, mein Name ist Tobias und ich bin 16 Jahre alt.
Seit Anfang dieser Saison bin ich Co-Trainer einer Mädchenmannschaft.
Hier will ich nun ein paar Erfahrungen teilen und hoffe das sie auch euch etwas bringen.

Eine Sache die mir bei den Mädels aufgefallen ist und die ich auch von andern Trainern höre ist, dass die Spielerinnen im Spiel, wenn sie von Außen kommen, nicht zwingend genug zum Tor wollen. Im Training wird meistens der Zweikampf vor dem Tor geübt und das nach innen Ziehen vernachlässigt. Deswegen hier nun eine Übung die darauf hinauslaufen soll, dass die Spielerinnen mehr Zug zum Tor entwickeln.

Zur Erklärung:

Die Mädchen stehen nebeneinander in 2 Reihen, in der rechten Reihe hat jedes Mädchen einen Ball. Die ersten beiden Spielerinnen sind Gegner. Spielerin Rot soll nun versuchen ein Tor zu schießen und Spielerin Blau sol dies verhindern. Als Hilfe für die Angreiferin ist nun der abgesteckte Bereich, der sie zum Tor “führt”, in dem sie nämlich vom Verteidiger nicht angegriffen werden darf. Bei der Übung geht es also weniger um den Zweikampf vorm Tor als um das Sprintduell (denn die Verteidigerin läuft ja neben der Gasse her und versucht am Ende den Angreifer doch noch abzufangen) und das Ziehen zum Tor.
Wie immer sollte die Übung Beidfüßig (von der anderen Seite) trainiert werden und wiederholt werden an mehreren Trainingstagen, damit sich der “Spielzug” verinnerlicht.
Die Spielerin mit Ball sollte etwas Vorsprung bekommen, damit die Verteidigerin den Weg zur Gasse nicht direkt zustellen kann und somit die Übung unsinnig wird, außerdem ist es ja auch in gewisser Weise ein Sprintduell, welches hier gefordert wird.

Tipp: Die Hütchengasse im freien Spiel am Ende stehen lassen, damit auch dort nocheinmal im Spiel der Gedanke des nach innen Ziehens verinnerlicht wird.

8. November 2011

FC Bayern München gegen Borussia Dortmund, Trainingsreport 7.11.2011


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Mit 2:1 hatte der FC Bayern München am Sonntagabend gegen den FC Augsburg gewonnen. Dementsprechend baten Jupp Heynckes und seine Assistenten Hermann Gerland und Peter Herrmann am Montagmorgen nur die Spieler auf den Trainingsplatz, die am Vorabend pausierten oder nur wenig Spielzeit erhielten. Ergänzt wurde diese Truppe um Diego Contento, Nils Petersen und Jerome Boateng mit einigen Jugendspielern. Der zuletzt Genannte begeisterte die Fans mit einer lässigen Bommelmütze, die dem 23-Jährigen ein Nikolaus-ähnliches Aussehen verpassten.

Kurzpassspiel, Schwerpunkt: Passschärfe und Genauigkeit

Während auf dem Nebenplatz die zweite Mannschaft des Rekordmeisters schuftete, ließen es die Lizenzspieler zuerst ruhig angehen. Im Fokus stand nach einer ausgiebigen Laufschule die Arbeit am Kurzpassspiel. Hierfür postierte das Trainerteam die vorhandenen Akteure in die Tiefe gestaffelt mit folgendem Aufbau:


Ein zentraler Spieler, zwei Außen und zwei tiefer stehende Mannen – der Rest am unteren Bildrand mit Ball initiierte die Aktion durch einen Druckpass auf den entgegen startenden Zentralen. Dieser drehte in der ersten Variante mit der Ballannahme auf und leitete den Ball auf eine Seite in die Tiefe weiter. Der Angespielte ging in einen kurzen Doppelpass mit dem Außenspieler der jeweiligen Seite, anschließend lief jeder Akteur seinem Ball nach. Im nächsten Durchgang musste der zentrale Mann demnach über die andere Seite spielen. In einer zweiten Variante sollte der Zentrale den ersten Ball zurück zum Aufbauspieler klatschen lassen und wurde überspielt, die Aktion über Außen blieb unverändert. In der dritten Variante erhöhte das Trainerteam die Komplexität



 

Der zentrale Mann konnte klatschen lassen oder aufdrehen, der Ball musste beim tief stehenden Spieler landen. Dieser lies das Leder auf den nachrückenden Zentralen klatschen, der wiederum die Kugel direkt auf Außen weiterleitete. Der Außen sollte nun erneut das Doppelpassspiel mit dem tief Stehenden forcieren. Sämtliche sonstigen Laufschemata bleiben unverändert.

4 gegen 4 mit 2 neutralen Spielern

Anschließend führte Heynckes sein Rumpfteam etwas weiter und lies ein intensives“ 4 gegen 4 plus 2“ spielen. Hierfür markierte der Übungsleiter ein 5mx10m-großes Viereck und sorgte so für hohen Gegnerdruck und forderte immense Passschärfe und – genauigkeit. Je vier Spieler mussten den Ball gegen vier aus der Mitte Attackierende behaupten und wurden hierbei von zwei freien Akteuren unterstützt. Die Vier in Ballbesitz sollten sich außen linientreu anbieten und wurden hierbei ausführlich gecoacht. Einer der beiden Freien agierte in der Spielfeldmitte und besetzte immer wieder die Passmöglichkeit in die kurze Diagonale, während der andere Freie angewiesen wurde, mit auf den Linien für Anspielmöglichkeiten zu sorgen. Bei Ballverlust musste direkt gewechselt werden und das andere Team rückte in die Mitte. Für viel Unmut sorgte hierbei das Münchener Sorgenkind Breno, der offensichtlich noch nicht seine Form gefunden hat. Der Brasilianer agierte sehr fahrig und wurde von seinen Mannschaftskollegen abwechselnd motiviert und gescholten.

Torabschluß mit kreuzenden Laufwegen

In einer dritten Übungsform griff Heynckes noch den Torabschluss nach einer Ablage aus Stürmerposition und anschließender Kreuzbewegung auf.


Aus dem Mittelfeld wurde der Ball steil auf den entgegen startenden Stürmer geleitet. Dieser ließ die Kugel auf den nachrückenden Mittelfeldmann tropfen, der wiederum den von der Gegenseite kreuzenden Stürmer bediente. Heynckes forderte: Ein Kontakt zur Ballannahme und anschließend der platzierte Abschluss mit dem gegnerfernen äußeren Bein. Die Aktionen wurden schließlich abwechselnd von beiden Seiten gestartet und gewährleisteten somit eine beidseitige Schulung.

Autor: Dominik Langenegger

Alle Grafiken erstellt mit www.easy2coach.net

7. November 2011

Borussia Dortmund gegen VfL Wolfsburg, Trainingsreport


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Bender verletzt, Weidenfeller, Piszczek und Kehl erfüllen Autogrammwünsche

Vor ca. 700 Zuschauern betrat die Mannschaft gut gelaunt aber ohne den verletzten Sven Bender den Trainingplatz. Nach zwei lockeren Laufrunden schnappten sich die Spieler die Bälle und spielten sie sich mal stehend mal laufend die Bälle zu. Weidenfellers Trainingseinheit bestand nur aus der Tätigkeit: Autogrammen schreiben. Kehl und Piszczek liefen nur ein paar Runden und begaben sich dann auch zu den Autogrammjägern. Nach 25 min. begaben sich die in der Champions-League eingesetzten Spieler auch zu den Fans und verabschiedeten sich in Richtung Kabine. Die Ersatzspieler mussten derweilen auf dem Platz ausharren und absolvierten eine kurze Torschusseinheit.

Übung 1: Doppelpass mit Torabschluss

Eine einfache Übung, die das Zusammenspiel und den unmittelbaren Torabschluss zum Ziel hat. Im Prinzip gibt es 2 Aktionsfelder. Spieler A, der sich im äußeren Halbraum befindet, spielt einen scharfen Flachpass nach innen auf Spieler B, der sich unmittelbar am 11-Meter-Punkt aufhält. Dieser lässt kurz auf den nachrückenden Spieler C prallen. Spieler C kommt schnell und direkt zu Abschluss und versucht den Ball platziert im Tor unterzubringen. Je genauer die Ablage durch Spieler B erfolgt, desto besser kann Spieler C das Tor anvisieren und platziert zum Abschluss kommen.


Flankenübung mit Torabschluss

Danach ist die gesamte Spielsituation noch nicht abgeschlossen. Schon während des Torschusses durch den Spieler B wird eine Aktion über den Außenraum aufgebrochen. Spieler B bietet sich diesmal zum Doppelpass über die Außen an und spielt den Ball in den Lauf des Rechtsaußen, der daraufhin eine präzise Flanke auf die Höhe des 5-Meter-Raumes spielt. Sowohl Spieler B als auch Spieler Spieler C orientieren sich neu und werden zu Stürmern. Angedacht ist hier ein Kreuzen von Spieler A und B, um mögliche Abwehrspieler im Spiel zu verwirren. Aufgrund der kurzen Lauf- und Ballwege und dem erhöhten Zeitdruck sind die Spieler zu einer hohen Konzentration verpflichtet.

Erhöhter Schwierigkeitsgrad durch unterschiedliche Passvariationen

Durch mehrere Faktoren kann der Schwierigkeitsgrad erhöht werden. So kann beispielsweise Spieler A die erste Aktion mit einem „schwierigen“ Ball beginnen, der das Ablegen für Spieler B erschwert. Ein Mittel könnte zum Beispiel ein hoch angeschlagener Ball sein. Genauso gut wären ein Effetball oder ein überdurchschnittlich scharf gespielter Ball möglich. Auch Spieler B kann durch ein variantenreiches Ablegen den Torschuss für den nachrückenden Spieler erschweren. Eine Möglichkeit wäre das kurze „Anlupfen“ des Balles, so dass der abschließende Spieler gezwungen ist, den Ball aus der Luft Volley zu nehmen oder ihn per Dropkick auf das Tor zu befördern.

Auch bei der zweiten Aktion könnte der Schwierigkeitsgrad durch unterschiedliche Passspielvarianten erhöht werden. So ist es möglich, dass Spieler B den Ball nicht in den Lauf von Spieler A spielt, sondern ihn zu kurz passt oder ihn gar in den Rücken befördert, so dass Spieler A gezwungen ist, das Tempo raus zu nehmen oder seinen Laufweg zu ändern. Am Wirksamsten ist es immer, wenn man jedem Ablauf anders gestaltet. Auch die Flanken von A sollten zwischen den Durchgängen variieren. So ist es beispielsweise trainingswirksam, die Flanke bewusst „schlecht“ anzuschlagen: als Aufsetzerball oder mit Effet vom Tor weg. So kann sich der Stürmer nicht auf die Flanke einstellen, sondern muss variabel bleiben, um schnell reagieren zu können.

Übung 2: Flanke aus dem Halbraum mit Torabschluss

Der zweite Teil an diesem Tag wurde durch eine einfache Übung ausgefüllt. Spieler A flankt einen Ball nach kurzem Anspielen auf Spieler B, der den direkten Abschluss sucht. Dabei wurde die Aufgabenstellung immer wieder verändert. So sollten die Bälle von der Außenposition beispielsweise so gespielt werden, dass der Spieler in der Mitte (Spieler B) per Seitfallzieher die Aktion zum Abschluss bringen muss. Denkbar wären auch ein Zwischenstoppen per Brust oder Oberschenkel, bevor man den Ball direkt abnimmt und auf das Tor schießt. Eine Differenzierung könnte durch einen Wechsel im Schussbein vorgenommen werden. Aus dieser Perspektive wäre es um einiges schwerer, die Flanke mit dem linken Fuß abzunehmen. So wäre eine Flanke möglich, die über den Kopf gespielt wird – eigentlich zu weit –, bei der sich der Stürmer in seiner Position drehen müsste. Das setzt ein hohes Maß an Bewegungskoodination voraus. Zudem würde der Winkel zum Tor um ein Vielfaches spitzer werden – die Chance auf einen Torerfolg daher umso kleiner.