Das Pokalspiel zwischen Fortuna Düsseldorf und Borussia Dortmund war nicht nur ein Kampf zwischen den Tabellenspitzen der zweiten und der ersten Bundesliga, es war auch ein Kampf der Systeme. Doch die Taktik der Rheinländer ging nicht auf, auch weil die Westfalen in Unterzahl abgeklärter waren – und am Ende im Elfmeterschießen gewannen.
Düsseldorfs Trainer Norbert Meier schickte seine bewährte 4-4-2-Formation ins Rennen gegen den Deutschen Meister, der ebenfalls wie gewohnt mit dem Klopp’schen 4-2-3-1 auflief, wobei Barrios ganz nach vorn rückte und Lewandowski eher hinter der einzig nominellen Spitze spielte. Überraschenderweise fing die Fortuna, mit dem Heimvorteil im Rücken, recht defensiv an, die Dortmunder hatten so etwa eine Viertelstunde lang reichlich Platz, um sich in Richtung des Düsseldorfer Tores vorzuarbeiten – wo sie allerdings keine zwingenden Chancen hatte. Erst nach dieser Anfangszeit legte der Zweitligist seine Scheu vor den großen Namen aus Dortmund ein wenig ab und kam besser ins Spiel, auch weil etwa die beiden Asse der Fortunen, Lambertz und Beister, mehr in Bewegung waren und dementsprechend öfter anspielbar. Das führte zu zwei Schüssen aus der Halbdistanz, und Dortmund verlegte sich nun auf die Taktik, den Gegner etwas kommen zu lassen.
Das tat dem BVB nicht besonders gut, weil die Düsseldorfer nun sicher im Spiel waren und dabei vor allem das schnelle Umschalten immer besser funktionierte. In dieser Phase konnte man erkennen, weswegen die Rheinländer in 19 Zweitligaspielen seit dem Sommer nur einmal verloren haben (mit 2:3 gegen Paderborn am letzten Spieltag vor der Winterpause). Der schnelle Pass nach Balleroberung ist eindeutig die Stärke dieser Fortuna, was letzten Endes auch zum Feldverweis (gelb-rote Karte) für Patrick Owomoyela führte, der zuvor bereits verwarnt gewesen war. Nun jedoch, in Unterzahl, war den Düsseldorfern anzumerken, dass ihnen der taktische Plan nicht mehr so richtig weiterhelfen konnte, was vor allem daran lag, dass Jürgen Klopp nun keineswegs umstellte. Er ließ vielmehr Mats Hummels als einzigen Innenverteidiger weiterspielen, stellte also auf eine Dreierkette um. Mut zur Lücke, könnte man also sagen.
Düsseldorf spielte in Überzahl oft zu verhalten
Kurz vor der Pause war der BVB dem 1:0 näher als Düsseldorf, die Borussia agierte nun abgeklärt, doch nach Wiederanpfiff (es gab keine Wechsel) drängten die Fortunen eine knappe Viertelstunde mit Macht auf die Führung. Allerdings setzten die Spieler die taktische Marschroute von Norbert Meier nicht konsequent um. Meier schien von seinem Team zu fordern, die Bälle in Richtung Dortmunder Abwehrzentrale zu bringen, da dort ja nur noch ein echter Innenverteidiger spielte und Meier seine Mannschaft dort im Vorteil sah. Mehr als zwei halbwegs gute Chancen sprangen jedoch nicht dabei heraus, auch wenn Düsseldorf nun ein brauchbares Forechecking spielte und die Dortmunder das Spiel von hinten heraus nicht mehr richtig aufbauen konnten.
Mit der 60. Minute war diese Phase jedoch beendet, es schien ein wenig, als ob die Fortuna sich mit ihrer Spielweise etwas verausgabt habe, ziemlich kraftraubend waren die – letzten Endes ja erfolglosen – Aktionen zuvor gewesen. Der BVB schaffte es, ruhiger zu werden und sich aus der Umklammerung zu lösen, auch weil Meiers Auswechslung (Sascha Dum kam in der 64. Minute für den etwas defensiveren Oliver Fink) verpuffte. Gündogan und Kehl, die Dortmunder Doppelsechs, hatte nun kaum noch Probleme. In den letzten Minuten war beiden Teams die Angst vor dem Pokalaus anzumerken, keine der Mannschaften suchte das letzte Risiko, was seitens der Dortmunder, die eine knappe Stunde schon in Unterzahl waren, nicht verwunderte. Obwohl Meier in der 79. Minuten den Stürmer Ranisav Jovanovic für den Mittelfeldakteur Julian Beister brachte, spielte Düsseldorf nun recht verhalten. Jürgen Klopp hatte in der 74. Minute mit Ivan Perisic für Lucas Barrios einen Stürmer gegen einen Stürmer getauscht, in der 81. Minute brachte er dann noch Florian Kringe für Linksverteidiger Chris Löwe. Mit dieser Aufstellung ging es in die Verlängerung.
Klopps Umstellung als Schlüssel zum Erfolg
Hier ging es munter los, mit einem Beinahe-Eigentor von Lukasz Piszczek und einer aussichtsreichen Konterchance für den BVB. In dieser Phase war das Spiel offen und recht frei von taktischen Zwängen, was besonders Jürgen Klopp nicht gefallen haben konnte, denn kurz nach der 100. Minute veranlasste er sein Team zu mehr Kontrolle und mit dieser taktischen Marschroute ließen die Dortmunder – eine Parallele zu den letzten 30 Minuten der zweiten Halbzeit – praktisch nichts mehr zu. Nach 120 torlosen Minuten war es dann Dortmunds Torwart Roman Weidenfeller, der den einzigen von zehn Strafstößen parierte (gegen Thomas Bröker) und für den Viertelfinaleinzug seines Clubs sorgte.
Fazit: Fortuna Düsseldorf machte ein gutes Spiel mit intelligenter taktischer Marschroute, die jedoch am Ende nicht zum Erfolg führte. Möglicherweise lag der Fehler von Norbert Meier darin, gegen eine dezimierte Dortmunder Mannschaft in den nach dem Platzverweis knapp 90 verbleibenden Minuten (inklusive Verlängerung) nicht noch mehr Risiko zu gehen. Dass die Dortmunder ein Spiel auch in Unterzahl über die Zeit bringen, hätte Meier klar sein müssen. Insofern ist Meiers Taktik nicht ganz aufgegangen – stark begonnen zwar, doch der Trainer hat es verpasst, während der Partie durch Umstellungen und Wechsel die richtigen Maßnahmen zu treffen. Seinem Gegenüber Jürgen Klopp ist aus taktischer Sicht hoch anzurechnen, dass er nach dem Feldverweis gegen Owomoyela nicht etwa einen Stürmer opferte, um einen zweiten Innenverteidiger zu bringen, sondern dass er hinten einfach mit der Dreierkette Piszczek – Hummels – Löwe weiteragierte. So konnte die Borussia in den meisten Abschnitten der Begegnung immer wieder Akzente nach vorn setzen und so für Entlastung sorgen, vermutlich der Schlüssel zum Erfolg. Auch wenn der Dortmunder Sieg erst im Elfmeterschießen zustande kam, ist er dennoch nicht unverdient, da die cleverere und abgebrühtere Mannschaft gewonnen hat, auch wenn das für die Düsseldorfer ein Stich ins Herz ist, da sie mit viel Herzblut agiert haben.
Training BVB am 15.12.11 vor dem Spiel beim SC Freiburg. Vor nur ca. 60 Zuschauer (25 % Japaner) und bei eisigen Temperaturen betrat die Mannschaft, nach dem die beiden von Gesichtsbrüchen heimgesuchten Bender & Subotic ihre Laufeinheit absolvierten, den Trainingsplatz. Auffällig dabei war Kevin Großkreutz, der seine neuen lila Fußballschuhe präsentierte.
Nach zwei Runden warmlaufen übernahm der Fitnesstrainer das Aufwärmprogramm wobei die Spieler in zwei abgesteckten Felder verschiede Lauf- und Dehnübungen durchführten.
Borussia Dortmund: Einfach Übung Zusammenspiel und Passspiel
2 Felder, in denen jeweils 3 Spieler mit 3 Bällen Zuspiele absolvierten. Sieht auf den ersten Blick einfacher aus, als es in Wirklichkeit ist, denn alle Spieler müssen ein hohes Maß an Orientierungsfähigkeit und Spielübersicht an den Tag legen. Damit die Bälle ordentlich und flüssig zirkulieren, sind die Spieler gezwungen ständig den Kopf oben zu halten. Typische Fragen: Kann ich den Spieler anspielen? Wann wird er seinen Ball an den nächsten Mitspieler passen? Wen wird er anspielen? Diese Gedankenspiele laufen innerhalb von einem Bruchteil einer Sekunde ab. Auch Handlungsschnelligkeit und ein entsprechendes Reaktionsvermögen spielen eine Rolle, um die Qualität dieser Übung zu gewährleisten.
Borussia Dortmund: Zusammenspiel im Dreieck
Die Feldspieler übten dann das Flachpassspiel, in dem Spieler A zu Spieler B passt der wiederum lässt den Ball zu A abprallen und A passt zu Spieler C wobei die Spieler im Uhrzeigersinn die Positionen tauschen. Auch diese Übung stellt eine einfache Passkombination dar. Schwerpunkt ist die Qualität des Passspiels. Die Bälle müssen präzise und zugleich mit der entsprechenden Geschwindigkeit versehen werden, als so genannte Druckpässe gespielt werden. Ein nicht einfacher Passweg ist das Zusammenspiel Nummer 3 zwischen A und C. Denn der Spieler A muss den zurückprallenden Ball von B direkt auf C spielen. Hierfür bedarf eine ausgewogene Technik. Der Ball könnte auf unterschiedliche Art und Weise gespielt werden: Mit der rechten Innenseite, wobei hierbei ein weitgreifendes Auswinkeln des Beines notwendig ist. Eine andere Möglichkeit wäre die Nutzung der Innenseite des linken Beines. Aber auch hier ist ein gutes Koordinationsvermögen gefragt. Die Profis lösen solche Bälle oft mit Drall. Der von B zurückgespielte Ball kann bei entsprechender Geschwindigkeit über den Außenriß oder Innenriß “rutschen” und erreicht mit einem bestimmten Effet Spieler C.
Borussia Dortmund: Angriffsübung über den Außenraum
In der nächsten Übung spielt Spieler A einen hohen Ball auf Spieler C, in dem Moment sprintet Spieler B in Richtung Grundlinie, Spieler C spielt direkt auf Spieler D der wiederum direkt zu B, der dann die Flanke auf die vorgerückten Spieler C & D schlägt, die dann den Torabschluss suchen. Eine komplexe Angriffsübung über den Außenraum mit Positionswechseln. Auch hier liegt das Trainingsziel in der Güte der Ausführung. Die Zuspiele müssen präzise und mit dem notwendigen Druck erfolgen. Auch das Timing beim Abspielen ist von großer Bedeutung. Bei Borussia Dortmund oft zu sehen und als taktisches Mittel im Spiel praktiziert. In der Mitte kommt es zu kurzen Ballstafetten. Oftmals solange, bis ein Spieler im Außenraum in Position läuft – dann erfolgt der öffnende Pass. Am Ende müssen die beiden Spieler C und D beim Einlaufen in die torgefährliche Zone kreuzen und den von außen ankommenden Ball im Tor unterzubringen. Im Spiel hat das Kreuzen der Spieler kurz vor der Flanke ein großes Gewicht. Im Idealfall kreuzen die Stürmer unmittelbar vor dem Eintreffen der Flanke die Positionen. So gelingt es die Abwehrspieler zu verwirren und Laufwege zu blockieren.
Außer den verletzten Götze, Subotic, Leitner, Bender und Koch ist es fraglich ob Kehl (Augeapfelprellung), Gündogan und Barrios (beide Erkältung) auflaufen können.
Im siebten Clásico des Jahres 2011 schaut zum sechsten Mal Real Madrid in die Röhre. Nur im relativ unbedeutenden Pokalendspiel konnte die Mannschaft von José Mourinho gewinnen. Egal, was der Portugiese auch versucht – Pep Guardiola und sein FC Barcelona sind immer schon darauf vorbereitet.
Als die Schmach von der verpassten Meisterschaft für Madrid im April dieses Jahres gerade einmal vier Tage alt war, da dachten viele nach dem 1:0 im Finale der Copa Del Rey, dass Real nun auch alles daran setzen würde, den Erzrivalen Barça nun auch aus der Champions League hinauszuwerfen. Doch das Gegenteil war der Fall. Ohne Mut zum Offensivfußball hatte Mourinho sein Team in die Duelle gegen Barcelona geschickt, er bekam die folgerichtige Quittung – mit 0:2 und 1:1 schieden die Madrilenen aus. Dann, Mitte August, folgten Clásico fünf und Clásico sechs im Kalenderjahr 2011, der Supercup mit Hin- und Rückspiel. Real war über alle Maßen aggressiv, spielte heftiges Forechecking, sie gingen auf die Katalanen drauf wie verrückt, doch als sie merkten, dass das trotzdem nur für ein 2:2 im heimischen Stadion genügen würde, fingen sie an zu treten. Im Rückspiel in Barcelona (3:2 für die Hausherren) genau das Gleiche.
José Mourinho musste ein wenig verzweifeln. Welche Taktik er auch immer vorschrieb gegen Barça in seinen nun acht Partien gegen den Erzrivalen, sie nützte meistens nichts. Das blasse 1:0 im Pokalfinale gegen ein unmotiviertes Barcelona ist sein einziger Erfolg bisher, ein Erfolg, der angesichts der Schmach, die ihm gegenüber steht, nichts zählt. Meisterschaft verloren, Champions League verloren, den Supercup noch dazu. Wenn das 1:3 vom 10. Dezember, das Real im eigenen Stadion gegen Barcelona erdulden musste, etwas Gutes hat, dann nur, dass das beschämende 0:5 vom 29.11.2010 – erlitten im Punktspiel in Barcelona – jetzt wenigstens ein wenig in den Hintergrund rückt. Denn eine Heimniederlage ist noch schlimmer als eine Packung auswärts.
Früh gejubelt, die restliche Zeit vor Angst gezittert
Mourinho weiß das, und darum hatte er also in der jüngsten Auflage des Klassikers die schwere Aufgabe, eine Taktik zu erfinden, mit der er endlich auch einmal gewinnen würde gegen Guardiola. Also versuchte es der Portugiese mit einem Trick und ließ vorher verbreiten, mit drei Sechsern spielen zu wollen, um Barcelonas Mittelachse Piqué – Xavi – Iniesta – Fabregas auszubremsen, der Plan schien plausibel. Als dann doch Mesut Özil als Zehner auflief, war die Überraschung perfekt, und weil Özil, Ronaldo und Benzema gleich Druck ausübten auf die Barça-Verteidigung, lag der Ball nach 22 Sekunden schon im Tor des verhassten Konkurrenten aus Katalonien. 1:0 Benzema, Barça war in den Minuten danach wie betäubt, und Guardiola sah man, wie er mit den Armen fuchtelnd am Spielfeldrand dirigierte. Er wirkte etwas hilflos.
Doch in Wahrheit hatte Guardiola soeben die Antwort gefunden, die Mourinhos Taktik ab der 15. Minute so gefährlich aussehen ließ wie einen altersschwachen Rottweiler, der sich zitternd vor Angst in sein Hundehäuschen verzieht, sobald Nachbars Katze durch die Hecke kommt. Guardiola hatte nämlich gemerkt, dass die Anspiele in die Spitze an jenem Tag bei Alexis Sanchez besser aufgehoben waren als bei Messi, der sich immer mindestens zweier Gegenspieler erwehren musste (und kurz darauf dennoch so viel Platz hatte, dass er aus dem Mittelfeld das 1:1 durch eben Sanchez perfekt vorbereiten konnte). Ab da spielte fast nur noch Barcelona, die „Blaugrana“ hatten 60 Prozent Ballbesitz und Real erstarrte wie das Kaninchen vor der Schlange.
Mourinhos Aktionismus
Guardiola benötigte ab sofort keine taktischen Korrekturen mehr, Barça genügte es, so zu spielen, wie Barça immer spielt, um Madrid klar zu beherrschen. Mourinho sah man in der zweiten Halbzeit hin und wieder regungslos und mit versteinerter Miene am Spielfeldrand stehen, er hatte für Guardiola keine Antwort mehr. Den ersten Wechsel, den der Portugiese vornahm, konnte man noch nachvollziehen, Kaka kam in der 59. Minute für den schwachen Özil. Dass Mourinho dann Khedira für Lass Diarra (64. Minute) und Higuain für di Maria brachte, war indes kaum nachzuvollziehen. Er hätte das Wechseln genauso gut bleiben lassen können, hatte aber wohl Angst vor der Sportpresse der Hauptstadt. Also verfiel er in Aktionismus.
José Mourinho muss sich Pep Guardiola gegenüber vorkommen, als würde er die Rolle des Hasen in der Fabel haben, der gegen den Igel immer verliert – weil der Igel immer schon angekommen ist. So, wie Guardiola immer weiß, wie er Barça gegen Real einzustellen hat. Die taktischen Winkelzüge des Barça-Trainers sind verblüffend, er muss aber nicht einmal einen Spieler einwechseln dafür. Mit zwei, drei kurzen Handzeichen und Unterredungen mit seinem Mastermind auf dem Platz, Xavi, schaffen es die Katalanen blitzschnell, die entscheidenden Räume für den Gegner dicht zu machen und gleichzeitig eigene Räume zu schaffen. Man darf schon gespannt sein, was sich Mourinho für den kommenden Clásico im April überlegen wird. Eine neuerliche Pleite mit vielen Gegentoren kann er sich nicht erlauben, so viel ist sicher. Möglich, dass er es wieder mit einer extrem defensiven Variante probiert, so wie in den beiden Begegnungen in der Champions League gegen Barça im Frühjahr. Es ist jedoch zu vermuten, dass er das Gefühl, der Hase zu sein, der stets als Zweiter ankommt, fürs Erste nicht loswird.
Drei Jahre ist es nun her, dass die TSG Hoffenheim mit frischem und offensivem Fußball Herbstmeister geworden ist. Doch das seinerzeit von Ralf Rangnick etablierte Konstrukt wackelt, und der frühere Pauli-Trainer Holger Stanislawski hat kein Rezept dagegen.
Der Mann trägt einen jener inoffiziellen Titel, die für eine gewisse Klientel im Fußball bedeutender sind als viele offizielle Titel wie etwa „Deutscher Meister“, „Champions League-Sieger“ oder „Weltmeister“. Da es für einen Anhänger des FC St. Pauli höchst utopisch ist, dass Spieler seines Vereins einmal die Meisterschale, den Siegerpokal der Champions League oder die WM-Trophäe in die Luft strecken, gilt am Millerntor jenes von den Sanktpaulianern selbst ersonnene Hoheitszeichen des „Weltpokalsiegerbesiegers“ als größte Auszeichnung – und Holger Stanislawski darf sich seit dem 6. Februar 2002 also so nennen. Weltpokalsiegerbesieger. Er hatte mit seinem Club den Weltpokalsieger Bayern München in einem Bundesligaspiel mit 2:1 bezwungen.
Am Ende der Saison stieg St. Pauli in die zweite Liga ab, genau wie am Ende der Saison 2010/11, der Trainer der Hamburger hieß Stanislawski, doch er hatte den Club aus den Niederungen der Regionalliga zuvor in die Bundesliga geführt. Ein Kiez-Idol war er geworden, und dann folgte er einer Verheißung mit dem Namen TSG Hoffenheim. Die Verheißung hieß: neues Image für Stanislawski, ein größerer finanzieller Spielraum bei der Zusammensetzung der Mannschaft und die Aussicht auf die Teilnahme am internationalen Fußball. Nach einem knappen halben Jahr im Kraichgau ist Stanislawski mit seiner Mannschaft von diesen Verheißungen relativ weit entfernt. Ziemlich weit sogar.
Hart, fair und mitreißend
Diese Mannschaft besteht aus einem Haufen sehr guter Fußballer. Chinedu Obasi. Vedad Ibisevic. Sejad Salihovic. Roberto Firmino. Peniel Mlapa. Und natürlich Ryan Babel. Das Problem dabei ist, dass allesamt Individualisten sind, die ein Trainer auf eine gemeinsame taktische Linie zu bringen hat. Nach einem guten Start in die Saison dachte man, dass sich Hoffenheim unter Stanislawski vielleicht weiter oben würde positionieren können, die Spielanlage stimmte und verhalf den Badenern zu einer guten Punkteausbeute. Dass die TSG inzwischen auf Platz zehn steht, ist eine beinahe unzureichende Bestandsaufnahme. Aus den letzten fünf Spielen gab es gerade einmal zwei Punkte, jeweils einen in den beiden Heimspielen gegen die Abstiegskandidaten aus Kaiserslautern und Freiburg. Beide Partien endeten 1:1 – in beiden lag Hoffenheim zur Halbzeit mit 1:0 in Führung.
Stanislawski gilt als ein Trainer, der zwar hart sein kann, dabei jedoch immer fair ist – und der eine Mannschaft mitreißt. Jedenfalls dann, wenn sie an ihn glaubt. Genau danach sah es zu Beginn der Saison auch noch aus, aber inzwischen muss etwas passiert sein, das den Glauben an des Trainers Fähigkeiten innerhalb der Mannschaft erschüttert hat. Davon zeugen auch Disziplinlosigkeiten. Chinedu Obasi und Roberto Firmino waren zu spät zum Training erschienen, Stanislawski sah sich gezwungen, die beiden aus dem Kader für das Spiel in Leverkusen zu streichen. Ein Spiel, das die TSG nach sehr schwacher Leistung dann mit 0:2 verlor. Es könnte sich um erste leise Hinweise darauf handeln, dass die Mannschaft ihrem Trainer nicht mehr bedingungslos folgt. Oft der Anfang vom Ende für einen Übungsleiter in der Bundesliga. Offenbar hat der anfängliche Erfolg der Mannschaft unter dem neuen Trainer intern eine Kehrseite. So flammten etwa in den vergangenen Wochen oft vehemente Diskussionen um die Aufstellung von Vedad Ibisevic auf. Der hatte am zehnten Spieltag gegen Mönchengladbach das entscheidende 1:0 markiert, am elften Spieltag gegen Kaiserslautern getroffen, blieb dann zwei Mal ohne ein Tor und musste die Partie gegen Freiburg am 14. Spieltag bis auf die letzten sechs Minuten von der Bank aus betrachten. Jetzt, in Leverkusen, wurde er auch erst in der 73. Minute eingewechselt. Immerhin ist er der Stürmer, der zwei der letzten drei Hoffenheimer Treffer erzielte. Setzt man so einen auf die Bank?
Immer die gleichen verbalen Versatzstücke
Das kann letzten Ende nur Holger Stanislawski wissen und beurteilen. Dass er sich mit solchen Entscheidungen nicht nur Freunde macht, muss ihm klar sein. Was allerdings wirklich gegen den Trainer spricht, ist der Umstand, dass er seit fünf Spielen im Interview danach mit den gleichen verbalen Versatzstücken hilflos die Wende heraufbeschwört, die seinem Team schon bald gelingen werde. Er erweckt dabei nicht eben den Eindruck, als ob er selbst daran glauben würde.
Noch ist es nicht soweit, dass sich auch die Stimmung im Stadion gegen Stanislawski dreht. Doch wenn nicht bald etwas passiert, ändert sich so etwas oft auch rasant. Es tut sich der Eindruck auf, dass die Sollbruchstelle im System Hoffenheim gar nicht Dietmar Hopp ist oder ein überehrgeiziger Ordner, der gegnerische Fans mit hochfrequenten Piepstönen malträtiert. Sondern dass die Besetzung des Trainers wie überall anderswo auch die entscheidende Frage für einen Fußballclub ist (vom Kader einmal abgesehen). Nach dem Abschied von Ralf Rangnick hat erst Marco Pezzaiuoli erfolglos versucht, die Hoffenheimer zu trainieren (nur ein Sieg aus acht Spielen), und nun also Stanislawski. Noch hat er einen Bonus bei Manager Tanner, der die Suspendierung der beiden Profis vor dem Spiel in Leverkusen voll mitgetragen hat. Wenn die Erfolgskurve in Hoffenheim jedoch noch flacher wird, muss Stanislawski ernsthaft um seinen Job fürchten. Der Titel „Weltpokalsiegerbesieger“, der auf St. Pauli alles zählt, bringt ihm in Hoffenheim nun mal überhaupt nichts.
Zwei komplette Lieblings-Einheiten von den DVD Fussballtrainern David und Michi mit jeweils sieben aufeinander folgenden Abschnitten vom Aufwärmen bis zum Abschlussspiel enthält diese DVD – und das ist noch längst nicht alles. Von Trainer Ferdi gibt es dessen Lieblings-Torwartübungen, von Daniel und Lou deren beliebteste Übungen ebenfalls für den Torhüter, und dann noch die von Tim favorisierten Lieblings-Stabilisationsübungen. Jede Menge Material also, um einige vernünftige Einheiten abhalten zu können. Doch der Reihe nach.
Faxe schlägt vor, schon beim Aufwärmen eine Übung mit Ball durchzuführen und dabei das Passspiel zu verfeinern, indem Bälle diagonal und parallel zu einer bestimmten Hütchenkonstellation gespielt werden. Michi hingegen zieht das Versteinern vor, bei dem der Ball abgeschirmt werden muss, der Spaß kommt bei beiden Varianten nicht zu kurz. Bei Michi geht es weiter mit einer Koordinationsübung: „Hocker I“, dabei werden die Wadenmuskeln gestärkt und gleichzeitig kommt der Torschuss zu seinem Recht. Eine sinnvolle Übung, genau wie die von Faxe – der lässt das Dropkick-stoppen und den anschließenden Torschuss zu seinem Recht kommen. Dann folgen bei jedem der beiden Trainer je zwei Übungen zur Schnelligkeit, dann jeweils zwei zur Technik, bevor es bei jedem am Ende zu einer Spielform kommt. Bei Michi zur so genannten Pyramide, bei Faxe zu einem Drei gegen Drei gegen Drei. Bei Michi steht dabei das Mannschaftsspiel im Vordergrund, bei Faxe dagegen eher das Spielverständnis und die Verlagerung des Spiels.
Beiden Trainern ist gemein, dass sie versuchen, den allergrößten Teil des Trainings mit dem Ball durchführen zu lassen. Dabei sind die Übungen fast immer wettkampfnah, leicht erklärlich und recht einfach durchzuführen. Alle Mannschaftsteile werden geschult. Oft sind die Übungen so angelegt, dass sich der Schwierigkeitsgrad einer Spielform durch eine leichte Veränderung steigern lässt. Für die Gestaltung der Übungen sind meist nur die einfachsten Hilfsmittel vonnöten.
Die Torwartübungen, vorgeschlagen von Ferdi sowie Daniel und Lou, sind ebenfalls variantenreich, spannend und dürften den Keepern viel Spaß machen. Die Stabilisationsübungen, zu denen im letzten Kapitel Tim rät, sind bekannt – und dennoch sinnvoll. Mit dem Wippen und den seitlichen Liegestützen erreichen Fußballer ganz einfach auch ein besseres Gefühl für den eigenen Körper und schulen dessen Beherrschung.
Die hervorragend gefilmten Übungen werden von den Sprechern prima erklärt, so dass alle Details verständlich sind. Die meisten dieser Übungen können zudem sowohl von Kindern als auch von erwachsenen Spielern durchgeführt werden, ein klarer weiterer Pluspunkt. Die Tatsache, dass die Übungen von realen Spielern und Trainern durchgeführt werden, macht sie noch konkreter, noch faktischer, noch besser verständlich. Die Clips sind jeweils zwischen einer und zweieinhalb Minuten lang, langweilig wird es also nie. Die satten Farben der Clips und die ideal zu bedienende Menüführung der DVD machen aus den vorgestellten Lieblings-Fußballübungen der Trainer genau das, was sie sein sollen: runde Sachen!
Bis auf Bastian Schweinsteiger betraten alle fitten Bayernspieler das Trainingsgelände an der Säbener Straße, so dass den Zuschauern das fast vollständige Starensemble des Rekordmeisters präsentiert wurde und somit 20 Feldspieler und drei Torleute auf Beschäftigung warteten. Chefcoach Jupp Heynckes, der offensichtlich gesundheitlich immer noch angeschlagen war, hielt sich hierbei aus der aktiven Trainingsgestaltung zurück und überlies seinen Assistenten Peter Hermann und Hermann Gerland das Feld. Stürmer Mario Gomez musste das Training bereits nach einer knappen Stunde aufgrund eines Schlages auf das Schienbein abbrechen und wurde sofort behandelt. Genaueres zu dem Zustand des Nationalspielers liegt noch nicht vor.
Mario Gomez und Ivica Olic im Passkombinationstraining
Nach einer ausführlichen Laufschule auf dem Nebenplatz wies Hermann seine Mannen erneut in die bekannten Passkombinationsmuster ein – mit den Vorgaben immer seinem Pass nachzulaufen, so die neue Position zu besetzen und abwechselnd über die rechte und linke Seite zu spielen. In der ersten Variante passt Spieler A zu B, der mit der Ballannahme aufdreht und auf C weiterleitet. Der grau dargestellte, stationäre C (zumeist Mario Gomez oder Ivica Olic) lässt auf B klatschen, der wiederum D anspielt. Dieser löst sich mit der Ballannahme nach Außen, spielt einen Doppelpass mit E und schickt diesen damit zurück zur Ausgangsposition. Eine kleine Änderung fügte Hermann nach einiger Zeit ein, als B nicht mehr aufdrehen, sondern ebenfalls prallen lassen sollte.
Passkombinationen mit Tiefenpass
In der zweiten Version wurde B mit einem direkten Pass von A in die Tiefe zu C überspielt, der wieder auf B ablegte. B überspielte nun seinerseits C mit einem Druckpass auf D, der sich nach Innen löste, um einen Doppelpass mit C zu spielen. Anschließend bediente D den Spieler E per Steilpass in die Tiefe.
Passkombinationen, Variante C
In einer dritten Abwandlung wies Hermann die Bayern an B abermals aufdrehen zu lassen und anschließend direkt auf D weiterzuspielen. D ließ das Leder auf den nachrückenden C klatschen, der das Leder direkt auf E weiterleitete. E spielte nun den aus Variante 1 bekannten Doppelpass mit „klatschen lassen und steil gehen“ mit D und kam so wieder zu A zurück.
Manuel Neuer – Kraft- und Reaktionstraining
Anschließend trennte das Trainergespann die Truppe – Torwarttrainer Toni Tapalovic kümmerte sich um die drei Torhüter und absolvierte unter anderem folgende interessante Übung. Tapalovic stand mit einem kleinen Medizinball hinter dem Gehäuse, der Torwart wandte ihm den Blick zu und musste den über das Tor zugeworfenen Medizinball in der Luft fangen und direkt zurückwerfen. Anschließend folgten zwei schnell aufeinanderfolgende Distanzschüsse der beiden anderen Keeper.
Bayern-Trainingsspiel Zehn gegen Zehn
Die Feldspieler hingegen wurden von Hermann und Gerland auf der anderen Feldhälfte betreut. In dieser Spielform „Zehn gegen Zehn mit zehn Zuspielen“ auf zwei Tore setzte das Trainerteam folgende Vorgaben: Erst nach zehn erfolgreichen Pässen innerhalb eines der beiden Teams durfte ein Tor erzielt werden. Somit konnte der Ball erst nach zehn Zuspielen „scharfgemacht“ werden und auch anschließend zählte der Treffer nur, wenn der Ball direkt verwandelt wurde. Diese Belastungsform wurde vom Trainerteam über drei Sätze á fünf Minuten gesteuert und lieferte viel Lerninhalte bezüglich des Stellungsspiels, sorgte aber für sehr geringe Ballkontaktzeiten. Beim zweiten Satz erlitt Gomez in einem Zweikampf unglücklich einen Schlag auf sein Schienbein und brach das Training schließlich ab. Es bleibt abzuwarten, ob Mario Gomez für das Spiel gegen den SV Werder Bremen wieder fit gemacht werden kann.
Trainingsspiel der Bayern mit vier Mannschaften
Anschließend ging Hermann auf ein freies Spiel mit Torleuten über, in welchem in einem schmalen und tiefen Korridor (ca. 30x50m) schnell der Pass in die Spitze gesucht werden sollte. Hierbei setzte der Coach auf vier Fünferteams, die jeweils in den dreiminütigen Belastungsphasen gegeneinander antraten und für viele Abschlüsse sorgen sollten. Die jeweils anderen beiden Teams agierten in der Zwischenzeit in einem Kreisspiel mit drei Spielern in der Mitte.