Am 19. Spieltag könnte bereits eine entscheidende Weiche für diese Saison gestellt worden sein. Weil der FC Augsburg trotz hochkarätiger Chancen nur 2:2 gegen Kaiserslautern spielte, müssen die Anhänger der Schwaben schon jetzt mächtig zittern, ob ihr Club die Klasse halten kann. Die Taktik von Trainer Jos Luhukay indes hätte aufgehen können – nein, müssen.
Die Online-Ausgabe der „Augsburger Allgemeinen“ übertitelte ihren Spielbericht, der am 28. Januar etwa 20 Minuten nach dem Ende des Spiels veröffentlicht wurde, mit der Zeile „FCA holt wichtigen Punkt im Kellerduell“. Einen Tag später erschien, gegen Mittag, ein weiterer Artikel zu der Partie, die am Vortag mit einem 2:2 im Heimspiel gegen den Mitkonkurrenten 1. FC Kaiserslautern zu Ende gegangen war. Dieses Mal trug der Artikel die deutlich pessimistischere Headline „FCA macht sich das Leben selbst schwer“. Es ist eher selten zu beobachten, dass die selbe Zeitung innerhalb von 18 Stunden zwei derart unterschiedlich gepolte Texte zum gleichen Thema publiziert, doch wer auch nur eine Zusammenfassung dieser Partie im Fernsehen erlebt hatte, konnte beide Artikel komplett nachvollziehen.
Die Augsburger hatten die Lauterer nahezu das gesamte Spiel ordentlich unter Druck gesetzt, sich Chance um Chance erspielt, um am Ende nach einem 1:2-Rückstand noch einen verdienten Punkt zu ergattern. Einerseits. Doch, und das ist die andere Seite, waren das Chancenplus so deutlich und die Torgelegenheiten teilweise dermaßen klar (in der Fußballfachsprache kann man von mehreren Hundertprozentigen sprechen), dass der Sieg zwingend nötig gewesen war. Es dürfte wohl nicht mehr allzu oft vorkommen in dieser Saison, dass der Aufsteiger aus Schwaben einen Gegner derart klar beherrscht. Mit mindestens zwei Toren Unterschied hätten die Augsburger gewinnen müssen. Am Schluss mussten sie jedoch froh sein, dass Schiedsrichter Gräfe einen vom Augsburger Brinkmann am Lauterer Jörgensen verursachten Strafstoß nicht gab. Das ist die dritte Sicht, die man auf dieses Spiel haben kann.
Gegentore nach Standards
In Luhukay haben die Augsburger indes einen Trainer, der es in den letzten Spielen vor und in den ersten Partien nach der Winterpause immer besser geschafft hat, die Mannschaft taktisch richtig einzustellen. Er weiß, dass er es mit rauschendem Offensivspiel, wie er es noch in der zweiten Liga betreiben ließ, gegen die sehr viel cleverer agierenden Teams in der ersten Liga nichts zu bestellen hätte im Oberhaus, also versucht er es gar nicht erst. Sicher: Gegen Kaiserslautern waren die Augsburger offensiver, zwingender als sonst. Aber nicht in dem Sinn, dass der FCA den Gegner spielerisch klar beherrscht hätte. Dafür zeigten die Augsburger, dass man auch mit kämpferischen Mitteln zu Torgelegenheiten kommt. Eine Qualität, die sie bisher kaum unter Beweis stellen konnten (außer vielleicht beim 2:0 gegen den VfL Wolfsburg am 26. November 2011, auch wenn die Autostädter damals ihrerseits die Führung verpassten).
„Wir brauchen Siege, keine Unentschieden“, erklärte später der Trainer, und er lag damit ebenso richtig wie mit jener taktischen Linie, die er vorgegeben hatte. Die Mannschaft hatte sich an diese Taktik gehalten, was klar dafür spricht, dass die Mannschaft an das glaubt, was der Übungsleiter vorgibt. Die beiden Tore für die Gäste aus der Pfalz fielen jeweils nach einem Standard, auch das wird Luhukay abstellen müssen, um seinem Club bis zum letzten Spieltag eine reelle Chance auf den Klassenverbleib zu erhalten. Zwar sind 31 Gegentore für einen Aufsteiger nach 19 Spielen nicht ungewöhnlich, doch erst 17 erzielte Tore zeigen, wo das Problem liegt in Augsburg. Nämlich im Sturm. Jeder einzelne der 30.000 Zuschauer konnte sich am Samstag davon überzeugen, insofern es nicht sowieso schon klar war.
Dem Trainer bleiben zwei taktische Varianten
Vier jener oben genannten Hundertprozentigen, so hatten Statistiker zusammengezählt, waren es, die die Hausherren gegen die nur um zwei Punkte besser platzierten Lauterer liegen ließen. Tobias Werner, Marcel Ndjeng und zweimal Sascha Mölders wählten die in ihrer Situation jeweils schwerere Variante, das Tor nicht zu machen, und so verhalfen sie dem seltsam blutarmen Auftritt der Gäste auch zum Erfolg eines Punktes in der Fremde. Deren Trainer bekannte nach Spielschluss, dass seine Truppe Glück gehabt hatte. In der letzten Viertelstunde ließ Luhukay nur noch die einzig mögliche Variante spielen: alles auf Sieg. Sie hätte aufgehen müssen, die Gäste schwammen in einigen Situationen heftig in der Abwehr.
Dass es trotz Luhukays Taktik nicht zum Sieg reichte, könnte die Augsburgern in der Endabrechnung teuer zu stehen kommen. Zwischen Platz 18 und Platz acht liegen gerade einmal sieben magere Pünktchen, ein Sieg am Samstag hätte den Aufsteiger zumindest mal auf Platz 16 springen lassen. Nach der Erfahrung vom Samstag steht Jos Luhukay vor der schwer zu lösenden Frage, welche Taktik er von nun an walten lassen soll. Setzt er weiterhin auf Powerfußball, benötigt er Stürmer, die vor dem Tor kaltschnäuziger sind, weil hinter immer Gegentreffer drohen. Entscheidet er sich hingegen für eine defensivere Variante, so bedeutet das, dass er zwingend die Abwehr stärken und vorn auf vereinzelte Nadelstiche hoffen muss. Es ist, so oder so, eine gewaltige Zwickmühle für den Trainer des FC Augsburg. Und auch für die Redakteure der „Augsburger Allgemeinen“, wie diese ja schon feststellen mussten.
Bei eiskalter Witterung knapp unter dem Gefrierpunkt und frischen Windzügen bat Trainer Jupp Heynckes seine Mannen am Sonntagvormittag zum Training an der Säbener Straße. Trotz der Temperaturen zogen hunderte Bayernfans zum Rekordmeister und begutachteten die Trainingsfortschritte der Roten, insbesondere nach dem dürftigen 2:0-Sieg am Vortag gegen den VfL Wolfsburg, der die hoch gesteckten Erwartungen der Anhänger kaum erfüllen konnte.
Aufgrund der Belastung der Partie am Samstagnachmittag teilte das Trainerteam um Heynckes die Mannschaft daher in zwei Gruppen ein. Die tags zuvor über 90 Minuten aktiven Spieler bildeten die Regenerationsgruppe und zeigten sich den zahlreichen Fans über 45 Minuten beim Auslaufen unter Anleitung von Fitnesstrainer Marcelo Martins. Die hierbei angeschlagene Geschwindigkeit lag bei im extensiven Grundlagenausdauerbereich bei schätzungsweise ca. 60% der maximalen Herzfrequenz. Anschließend ging die Stammelf vom Samstag geschlossen in das Leistungszentrum, was auf weitere Regenerationsmaßnahmen im Fitnessbereich schließen lässt.
Druck- und Steilpässe im Positionswechsel
Währenddessen durften die restlichen Spieler dem regulären Trainingsbetrieb unter Führung von Heynckes von Peter Hermann beiwohnen. In einer ersten Passübung zur Ballgewöhnung sollte insbesondere der steile Druckpass in die Tiefe und das „Steil-Klatsch-Prinzip“ eingeübt werden. Hierzu spielt A auf B, der nach einer Auftaktbewegung entgegenkommt und das Leder für den nachrückenden A abstoppt. Während dieser nun erneut in den Ball startet, kommen C und D ebenfalls nach einer Auftaktbewegung kurz und bieten sich für ein Anspiel an. A spielt jedoch konstant auf C, weshalb D sein Angebot sofort abbricht, sich dreht und mit dem richtigen Timing in den von D abprallenden Pass sprinten und diesen direkt auf E weiterleitet.
Anschließend startet das Spielchen von der anderen Seite aus, das E mit einem Pass auf C einleitet. Währenddessen wechseln die anderen Spieler ihre Position. A übernimmt die Rolle von B und B wechselt übernimmt die Aufgabe von D, der sich nach seinem Abspiel wieder hinter E anstellt. Diese Übung lässt sich sehr gut mit wenigen Spielern einsetzen und wurde wohl auch deshalb von Hermann ausgewählt. Theoretisch reichen sieben Akteure um eine gut funktionierende Endlosschleife zu generieren, bei der die oben erwähnten Inhalte eingeübt werden können. Mit zunehmender Dauer forderte Hermann immer mehr Passschärfe und wollte nur direktes Spiel sehen, bei der der Angespielte immer wieder den Druck aus dem Ball nehmen sollte
Trainingsspiel mit 2 freien Anspielern
Anschließend ging die achtköpfige Rumpftruppe um Tymoshchuk, Breno und Co. in die bekannte Spielform „3vs3+2“, wobei auf einem ca. 10×10 Meter großem Quadrat drei gegen drei mit zwei freien Zuspielern gezeigt wurde. Ziel des Spielchens ist es, die Kugel in den eigenen Reihen zu halten und durch Einbindung der zwei „Freien“ möglichst lange im Ballbesitz zu bleiben. Durch die engen Räume wird immer wieder sehr viel Druck auf den Ballführenden erzeugt und somit unter anderem dessen Handlungsschnelligkeit geschult. Bei Ballverlust einer Mannschaft muss diese in die defensive Rolle schlüpfen und versuchen das Leder wieder zu erobern.
Hans-Jörg Butt im Torwarttraining
Währenddessen beschäftigte sich Torwarttrainer Toni Tapalovic mit Rouven Sattelmaier und Hans-Jörg Butt und bereitete die beiden Keeper auf die folgende Torschlussübung vor. Hierbei wurde insbesondere die laterale Schnelligkeit und die Ballsicherheit mit dem linken Fuß geschult. Hierzu sollten die Torleute Hindernisse vor dem Tor seitlich überqueren und auf ihrer linken Seite den zugeworfenen Ball volley zurückpassen, auf der rechten Seite den geschossenen Ball abwehren. In mehreren Durchgängen erhöhte Tapalovic zusehends die Intensität und die Höhe der zu überquerenden Hindernisse (erst Stangen auf dem Boden, dann auf Hütchen usw.)
Angfriffskombinationen mit Torabschluss
In der abschließenden Torschussübung wurden die Spieler nun auf vier Stangen verteilt. Hermann spielt aus der Position A einen Pass auf B, der sich seitlich nach Außen von seiner Stange löst und die Kugel mit zwei Kontakten diagonal auf C weiterleitet. Dieser lässt dasselbe Verhaltensmuster erkennen, löst sich ebenfalls nach Außen, nimmt das Leder möglichst dynamisch in Laufrichtung mit und vollendet.
In einer abschließenden Variation versuchte Hermann nun das „Steil-Diagonal-Prinzip“ auszuhebeln, denn der zweite Pass sollte nicht mehr diagonal gespielt werden, sondern der offensive der selben Seite sollte sich in die Tiefe lösen.
Diese Freistoß-Variante bietet sich vor allem bei klaren Spielständen an. Warum? Weil durch die komplexe Ausführung das Risiko eines Misserfolges zu groß ist. Im Gegenteil: Durch die genau auf einander abgestimmten Passfolgen kann die ausführende Mannschaft sogar eine Konteraktion des Gegners provozieren, auf die man bei einem Freistoß am gegnerischen Tor oftmals nur ungenügend vorbereitet ist.
Ablauf:
Im Prinzip nehmen an der eigentlichen Spielsituation drei Akteure teil: Spieler A, Spieler C und Spieler D. Während Spieler A, B und C ein Dreieck bilden und einen einfachen Freistoß simulieren, postiert sich D am oder um den Strafraum der gegnerischen Mannschaft. Spieler D muss so wenig wie möglich Aufmerksamkeit erzeugen und das Gefühl beim Gegner erwecken, am folgenden Freistoß in keinster Weise beteiligt zu sein. Er wird am Ende der Spieler sein, der den Ball aus kurzer Distanz im Tor unterbringen soll.
Spieler A passt auf kurze Distanz zu Spieler B, der den Ball stoppt. Mit der Auftaktaktion startet Spieler C und täuscht einen Direktschuss an. Der Kulminationspunkt liegt in Moment, indem Spieler C den Ball nicht direkt abnimmt, sondern über den Ball läuft und an der Mauer vorbei zieht. Wenn sich Spieler C ungefähr auf der Höhe der Mauer befindet, muss Spieler A den von Spieler B gestoppten Ball per Flachpass in den Lauf von C befördern. Dieser nimmt den Ball bis zur Grundlinie mit und spielt dann aus der Drehung einen Rückpass auf D, der plötzlich aus dem Hintergrund auftaucht und sich direkt in den torgefährlichen Raum (5-Meter-Raum) bewegt und versucht, den von C gespielten Ball direkt im Tor unterzubringen.
Was ist wichtig?
Schon auf der Vorbereitung dieser Freistoß-Aktion sollte gesteigertes Augenmerk gelegt werden. Wie postiert sich die Mauer, wie weit und in welchem Winkel sind wir mit dem Ausgangsball vom Tor entfernt? Unter Umständen macht es gar keinen Sinn, diese Freistoßvariante zur Ausführung zu bringen, da die Ausgangsbedingungen es nicht hergeben. So kann es zum Beispiel sein, dass zusätzliche Spieler durch den Gegner neben der Mauer aufgereiht werden und den möglichen Laufweg von C zustellen.
Auch die Entfernung oder der Winkel zum Tor kann diese Freistoß-Form verwerfen. Wenn der Ball nicht weit genug vom Tor, also direkt am Strafraum oder sogar im Strafraum sich befindet, entfernt ist, ist der notwendige Laufweg für C nicht mehr gegeben. Wichtig ist, dass die ausführende Mannschaft, die Freistoß-Variante gut vorbereitet und den Gegner in der Annahme lässt, dass eine direkte Freistoßabnahme erfolgt.
Ein Erfolgskriterium ist der stimmige Handlungsablauf, bei dem sich die Spieler aneinander orientieren und als Einheit funktionieren. Kommt ein Glied in der Kette ins Stocken, ist die Freistoß-Variante kaum noch zum Erfolg zu führen. Eine weitere Voraussetzung ist, dass Spieler C eine gewisse Grundschnelligkeit mitbringt und in der Lage ist, schnell an der Mauer vorbeizuziehen. Zudem muss Spieler C darauf achten, trotz einer hohen Endgeschwindigkeit aus der Drehung einen Rückpass zu spielen, der von D ohne Probleme verwertet werden kann. Große Verantwortung kommt auch hier auf den passgebenden Spieler zu – der muss in der Lage sein, einen sowohl präzisen, als auch gut temperierten Ball auf C zu spielen, so dass der keinerlei Probleme hat, diesen weiter zu verarbeiten.
Auch Spieler D ist gefragt. Er muss sich im richtigen Moment (weder zur früh, noch zu spät) an die entscheidende Stelle im Strafraum bewegen und den Ball ins Tor schießen. Anzuraten ist, dass Spieler D aus kurzer Tordistanz die Innenseite zum Torabschluss nutzt, um eine gewisse Ballkontrolle zu ermöglichen.
Alternative Variante:
Es wäre möglich, noch eine dritte Teilhandlung einfließen lassen. Nachdem Spieler C über den Ball gelaufen ist und der Gegner vermutet, dass dieser jetzt auf Höhe des Strafraums durch A angespielt wird, wählt B die andere Mauer-Seite als Option und spielt D in den Lauf, der den direkten Abschluss sucht.
Eine sehr einfache, bei ihrer exakten Ausführung, aber eine äußerst effektive Freistoß-Variante. Grundsätzlich kann dieser Freistoß zu jedem Zeitpunkt eines Spiels ausgeführt werden. Von Vorteil sind spielentscheidende Spielsituationen, in denen ein entscheidender Vorteil im Sinne eines Punktgewinns oder Spielerfolgs erzielt werden kann.
Ablauf:
Spieler A und Spieler B positionieren sich augenscheinlich zusammen mit Spieler C als auszuführende Akteure vor der Mauer beziehungswiese dem Abwehrblock der gegnerischen Mannschaft. Die abwehrende Mannschaft ist der Annahme, dass A und B sich kurz den Ball zuspielen, dieser durch B gestoppt wird und von C direkt über der Mauer oder an der Mauer vorbei auf das Tor geschossen wird. Der am Ende abschließende Spieler D hält sich unauffällig versetzt im Hintergrund. Kein Spieler von der gegnerischen Mannschaft darf erahnen, dass er Derjenige sein wird, der am Ende auf das Tor schießt.
Spieler A und B stellen sich gegenüber auf und täuschen ein kurzes Anspiel an. In der Regel spielt Spieler A mit einem Kurzpass Spieler B an – der den Ball kurz abstoppt und zum liegen bringt. Zu dem Zeitpunkt, wo der Ball durch A in Bewegung gebracht wird, startet Spieler C und täuscht einen direkten Torschuss an. Der Kulminationspunkt und damit die eigentliche Täuschung des Gegners, erfolgt, indem Spieler B den Ball nicht stoppt, sondern durch seine Beine laufen lässt. Spieler D, der etwas später als C aus dem Hintergrund startet, bekommt den Ball so direkt in den Lauf gespielt und hat aufgrund der ursprünglichen Stellung der gegnerischen Mauer freie Schussbahn auf das Tor.
Was ist wichtig?
Das Erfolgskriterium liegt bei der Version des Freistoßes vor allem in einem gut inszenierten Täuschungsmanöver. Durchschaut der Gegner im Vorfeld diese Freistoß-Variante, ist kaum noch mit einem erfolgreichen Torabschluss zu rechnen. Eine Ausnahme würde ein Spieler darstellen, der die veränderte Spielsituation erkennt und sich für eine andere Handlungslösung entscheidet.
Kleinigkeiten bei der Ausführung sind entscheidend, um diesen Freistoß zu einem erfolgreichen Abschluss zu bringen. Schon die Aufstellung aller an dem Freistoß beteiligten Akteure ist entscheidend. Minimale Fehlstellungen gefährden die erfolgreiche Abschlusshandlung. Orientierung findet man an der Entfernung und dem Winkel zum Tor sowie der Stellung und der Größe der gegnerischen Mauer. Schon das einfach wirkende Anspiel von A zu B ist sehr ernst zu nehmen. Der Ball muss durch den Spieler genau durch die Beine gespielt werden und die richtige Passschärfe besitzen, um am Ende zu Spieler D zu gelangen.
Spieler A eröffnet diese Freistoß-Variante. Alle am Freistoß beteiligten Akteure richten sich hinsichtlich des Zeitverlaufs daran aus. Spieler B lässt den Ball so passieren, dass zum einem vorab nicht ersichtlich wird, was er vorhat (Beine öffnen) und zum anderen, ohne den Ball zu berühren. Spieler C muss einen Schuss täuschend echt imitieren. Im richtigen Moment anlaufen und sich auf das Spielgerät konzentrieren. Erst unmittelbar vor B stoppt er ab und beendet seinen Anlauf. Für D ist das Timing von maßgeblicher Bedeutung. Er muss im richtigen Moment starten. Im Training sollte dieser Ablauf mehrmals geübt werden, damit vor allem Spieler D ein Gefühl für das richtige Timing entwickelt. Durch die freie Schussbahn zum Tor ist es angebracht, den Ball scharf mit Vollspann zu treten.
Alternative Variante:
Ein Alternative oder Abwandlung stellt die Sohlenablage von Spieler A in die entgegengesetzte Richtung dar. Hier steht dann ein vierter Mitspieler (E), der durchstartet und auf der anderen Seite der gegnerischen Mauer den Ball in Empfang nimmt und ihn direkt auf das Tor schießt.
Auch diese Freistoß-Variante kann zu den einfacheren Ausführungen gezählt werden. Daher ist auch dieser Freistoß für eine sehr spielentscheidende Szene geeignet. Wobei besonders auf den Spieler, der das direkte Anspiel durchführt, eine große Verantwortung liegt, den Pass exakt auf den ausführenden Spieler zu spielen.
Ablauf:
Nur zwei Spieler sind für diese Freistoß-Variante notwendig. Allerdings sollte aus Gründen der Täuschung mehrere Spieler um den Ball und wenn möglich, in der Mauer der gegnerischen Mauer, postiert werden. Im Idealfall simuliert die angreifende Mannschaft eine andere Freistoß-Variante, führt dann aber “Plan B” durch. „Plan B“ beinhaltet das direkte Anspiel von Spieler A auf Akteur B, der den direkten Abschluss sucht. Es gibt zwei Möglichkeiten der Passform und damit der Ausführung des Freistoßes. In der ersten Variante spielt A den Ball an der Mauer vorbei – B befindet sich am äußeren Rand der gegnerischen Mauer und bekommt der Ball direkt in den Lauf gespielt, er startet und vollendet das Anspiel aus der Drehung mit einem direkten Torschuss.
Die Variante B erfordert vom ausführende Spieler ein hohes technisches Können, denn der Ball soll über die gegnerische Mauer auf den aus der Mauer startenden Akteur B gelupft werden. Der muss den Ball schnell verwerten und auf das Tor schießen. Von Vorteil ist eine Direktabnahme. Allerdings stellt auch die, hinsichtlich der Technik und der Koordination, hohe Anforderungen an den abschließenden Spieler, dessen Laufrichtung und Position zum Tor aus der Anbahnung heraus nicht ideal für einen einfachen Torschuss sind.
Was ist wichtig?
Wichtig ist, dass die gegnerische Mannschaft die Form des Freistoßes nicht durchschaut und vor allem Spieler B in ihrem Rücken gewähren lässt. Spieler B muss so unauffällig wie möglich, sich an oder in der Mauer aufstellen, um einen kurzen Weg zum Tor zu haben. Bei Variante A ist er gezwungen, der erste beziehungsweise letzte Spieler in der Mauer zu sein. Hier kann es vorkommen, dass die gegnerischen Abwehrspieler ihn daran schon beim Ausrichten der Mauer hindern.
Es bietet sich für Spieler B an, den Platz neben der Mauer erst kurz vor der eigentlichen Freistoß-Aktion einzunehmen, damit der Gegner nicht mehr reagieren kann. Eine weitere Aufgabe von B ist es, zum Zeitpunkt des Abspiels, den Ball gegenüber den reagierenden Abwehrspielern zu blocken beziehungsweise abzuschirmen. Die Idealbesetzung sind Spieler, die groß und körperlich gut aufgestellt sind, um die abwehrenden Spieler daran zu hindern, entscheidend einzugreifen.
Große Verantwortung liegt bei Spieler A, der den entscheidenden Pass auf B spielen soll. Er muss nicht nur präzise den Pass spielen, sondern ihn auch mit der richtigen Schärfe versehen. Im Notfall muss er sogar die Situation abbrechen können und eine andere Freistoß-Variante durchführen.
Variante B der Ausführung wird durch einen Ball ausgelöst, der von A über die Mauer auf B gelupft wird. Auch hier ist Spieler A gefragt. Zum einen muss für den Gegner bis zum letzten Moment nicht ersichtlich sein, was Spieler A vorhat. Im Idealfall täuscht er einen Direktschuss an und erst inmitten der Ausholbewegung ändert er das “Programm” stoppt die Ausholbewegung entscheidend ab und fährt unter den Ball, der danach mit der richtigen Geschwindigkeit und Genauigkeit über die Mauer gespielt wird.
Akteur B hat bei dieser Form unterschiedliche Möglichkeiten, sich in oder in der Nähe der Mauer aufzuhalten und ist im Gegensatz zu Variante A nicht an die Außenposition der Mauer gebunden.
Alternative Variante:
Spieler B befindet sich an einem beliebigen Platz in der Mauer und Spieler A spielt flach ohne erkennbares Ziel an der Mauer vorbei. Den Überraschungseffekt nutzt Spieler B, reagiert als Erster und nimmt den Ball auf, um ihn schnellstmöglich zu verwerten.
Das Training fand heute im Parkstadion statt und nicht auf dem eigentlichen Trainingsplatz. Das Wetter präsentierte sich wolkig und trocken. Bei Temperaturen von 3 Grad waren alle Schalke-Profis am Start. Ausnahme bildeten die Spieler Raúl und Höwedes, der jüngst erfolgreich am Jochbein operiert wurde. Mit Sead Kolasinac zeigt sich zudem ein neues Nachwuchs-Gesicht aus dem U-19-Kader.
Die Aufwärmübung umfasste die Ballkontrolle auf engstem Raum. Im Mittelkreis bewegend, absolvierten die Schalke-Profis auf Anweisungen von Co-Trainer Eichkorn unterschiedliche technische Ballübungen. Mal musste der Ball hochgehalten, mit der Sohle geführt oder in Kombination Kopf-Oberschenkel-Fuß jongliert werden. Dann erfolgte ein Wechsel zwischen Tempodribbling und einer geruhsamen Ballführung.
Ziel dabei: Den Nebenmann nicht zu berühren. Danach gab der Fitnesstrainer eine Reihe von Dehnungsübungen vor, die aber hinsichtlich ihrer Art, den klassischen Rahmen nicht verließen.
Passfolgen und Laufwege
Danach standen einfache Passfolgen auf dem Programm. Priorität und damit Trainingsziel hatten die Handlungsschnelligkeit, die Passgenauigkeit und -schärfe. Spieler A passt den Ball zu Spieler B. Es sollen feste und präzise Pässe in den Fuß sein. Nach dem Pass läuft Spieler A dem Ball im Trab hinterher. Spieler B soll mit 2 Ballkontakten so schnell wie möglich den Ball zu C weiterleiten und wieder hinterher. Bis D also der gleiche Ablauf. D nimmt den Ball und läuft locker mit dem Ball auf Position A.
Spieler A passt zu B. B lässt klatschen und A spielt zu C. B läuft in Richtung C. C lässt wieder abprallen und B spielt zu D. Bis nach E gleicher Ablauf dann läuft E wieder mit dem Ball auf Position A. Hier kommen neben den kontrollierten Passfolgen und Laufwegen noch die Laufkoordination und die Abstimmung zu, da der Passgeber den direkten Nebenmann mit einem Pass überbrücken muss und damit drei Mann in die unmittelbare Passfolge einbezogen werden.
Schalke-Trainingsspiel im taktischen System
Im Anschluss stand ein taktisch geprägtes Trainingsspiel an. Methodisches Ziel war es, sich strikt an an das Taktik-System 4-2-3-1 zu halten. Die Abwehr- und Mittelfeldreihen agieren auf einer Linie und werden durch 2 6er defensiv und offensiv durch einen Mittelstürmer unterstützt. Die 2 6er vor der Vierer-Kette sind flexibel, wobei sich einer der beiden eher defensiv, der andere offensiv orientiert.
So kann die defensive 6 schnell auf Angriffsaktionen des Gegners reagieren, indem sie mit zwei Abwehrspielern ein Dreieck bildet und die Räume für den Gegner verengt. Die 3er Mittelfeldreihe agiert als Einheit und provoziert Zuordnungsprobleme bei den gegnerischen Abwehrspielern. Der Stürmer vor der Mittelfeldreihe agiert als klassischer Mittelstürmer und sich vorwiegend im gefährlichen Raum unmittelbar vor dem Tor bewegt.
Flanken-Übung in der Erholungsphase
Bei der folgenden Flanken-Übung stand der Spaß im Vordergrund. Die Spieler übten sich mit schwierigen Abschlusshandlungen wie dem Fallrückzieher oder einem Flugkopfball. Spieler A läuft mit dem Ball bis zur Grundlinie und schlägt eine scharfe Flanke in den 16er. 2 Spieler laufen in die Gefahrenzone und sollen den direkten Abschluss suchen. Wichtig dabei war es, die Laufwege zu kreuzen.
Das anschließende Towarttraining war sehr einfach gehalten. Lars Unnerstall, Matthias Schober und Timo Hildebrand wurden zum Aufwärmen von 16m locker eingeschossen. Darauf folgten ein paar Dehn- und Sprungübungen. Nach dem Trainingsspiel zum Ende liefen die Spieler locker aus.
An einem verregneten Montagnachmittag konnte Jupp Heynckes fast auf seinen kompletten Kader zurückgreifen. Lediglich die verletzten Daniel van Buyten und Diego Contento konnten die Trainingseinheit nicht absolvieren, dafür nahmen jedoch Emre Can und Dennis Chessa von der zweiten Mannschaft am Betrieb teil und ermöglichten dem FCB-Trainerteam somit groß angelegte Spielformen. Bis zur Partie gegen den VfL Wolfsburg hat Heynckes in dieser Woche noch sechs Einheiten terminiert und untermauert somit, dass die Bayernprofis die Schmach aus der Partie gegen Mönchengladbach möglichst schnell tilgen möchten. Die hohe Trainingsbelastung in dieser Woche sorgte jedoch offenbar für eine etwas ruhigere Einheit am Montag.
Kurzpassspiel, Doppelpässe und Passwege
Nach einer ca. 30-minütigen Laufschule zur Erwärmung kamen die Bayern-Akteure auf den Trainingsplatz und gingen sofort in die von Assistenz-Trainer Herrmann gewohnten Passschemata über und starteten in die Einheit somit klassisch mit Ballgewöhnung. In der ersten Variante spielt A den Ball auf den zentral agierenden B, der mit der Ballannahme aufdreht, die Kugel auf den diagonal postierten C weiterleitet und mit diesem einen Doppelpass spielt. C nimmt das Leder nach kurzem Antritt an und mit und stellt sich wieder bei A an. Alle Akteure laufen ihren jeweiligen Passwegen nach, so dass ein konstanter Übungsablauf gewährleistet wird.
Anschließend änderte Herrmann den Ablauf etwas ab, so dass der zentrale Spieler B den Ball nun als Wandspieler auf den nachrückenden A klatschen lässt, dieser den Ball weiterhin diagonal in die Tiefe auf C spielt und C und B die Aktion erneut einen Doppelpass abschließen
In der letzten Variante kommt B sehr kurz auf A zu, lässt die Kugel passieren und setzt den auf der Gegenseite startenden C in Szene.
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Bayern-Spielform auf Stangentore
Direkt im Anschluss winkte das Trainergespann die Profis weiter und bildete zwei gleich große Teams. Auf einem Viertel Spielfeld wurden die Stangentore in der abgebildeten Art und Weise aufgestellt, ein erfolgreicher Druckpass durch ein solches Tor zu einem Mitspieler ergibt einen Punkt – allerdings bedarf es drei erfolgreicher Anspiele innerhalb des Teams, um den Ball zuvor „scharf“ zu machen, d.h. erst nach einer kurzem Passstafette mit drei Stationen wurde ein Zuspiel durch ein Tor als Punkt gewertet. Aufgrund der großen Spielerzahl wurden hier immer wieder sehr viel Druck auf den Ballbesitzer generiert und somit auch der öffnende Pass aus Drucksituationen heraus forciert und honoriert. Diese Übung wendete das Trainerteam in intervallartiger Belastung an mit drei jeweils fünfminütigen Belastungsphasen und dazwischen je ein bis zwei Minuten lohnender Pause.
Bayern-Abschlussspiel mit Anspielern
Abschließend ging die Bayern-Truppe in eine Spielform auf zwei Tore über. Bei diesem Spiel auf doppeltem Strafraum wurde im Feld Sechs gegen Sechs gespielt. Zusätzlich hatten beide Teams in der offensiven Hälfte vier Anspieler außerhalb des Feldes: Zwei neben den Toren, zwei auf den Flügeln. So sollte ein schneller Aufbau aus der eigenen Hälfte gelingen und die Kugel auf direktem Weg in die Angriffshälfte geleitet werden. Über die dort vorhandene Überzahl sollten die Profis so schnell und präzise zum Abschluss kommen. Aufgrund der sehr engen Raumverhältnisse musste somit auch beim Torschuss jederzeit mit attackierenden Gegenspielern gerechnet werden.
Bei nasskaltem Wetter boten die Profis den wenigen Zuschauern somit einiges an Action und viele intensive Zweikämpfe. Franck Ribéry hatte sich offensichtlich bei den Temperaturen für ein besonderes Schmankerl entschieden: Auf dem Kleiderschrank wählte der kleine Franzose eine schwarze enganliegende Leggins unter seinen Shorts und sorgte somit für einige erstaunte Blicke unter den modebewussten Münchener Fans.
Ohne sportliche Not hat Hertha BSC vor Weihnachten den Trainer gewechselt – das Verhältnis zwischen Markus Babbel und Manager Michael Preetz war zerrüttet. Mit dem neuen Übungsleiter Michael Skibbe aber gehen die Berliner wohl ein hohes Risiko ein.
Michael Skibbe könnte man einen vielgereisten Trainer nennen. Er war Coach bei Borussia Dortmund, beim DFB, bei Bayer Leverkusen. Dann bei Galatasaray Istanbul, Eintracht Frankfurt und Eskisehirspor. Seit dem 22. Dezember 2011 ist Skibbe also nun bei Hertha BSC, und er hat eine klare Mission: mit den Berlinern die Klasse halten. Jüngst aber konnte man sich wundern über die Aussage des Trainers, dass er im Falle des Scheiterns gehen werde; Skibbe tat das ohne große Not noch vor dem 0:2 zum Rückrundenauftakt in Nürnberg kund. Kurz vor Weihnachten noch klang das anders: „Die Hertha gehört ins obere Drittel der Bundesliga“, sagte er da. Und dass es „sehr gut“ drin sei, dass die Hertha nicht absteigen muss in dieser Saison. Was also stimmt nun? Und worin besteht das Konzept von Michael Skibbe?
Möglich wäre es, dass der gebürtige Gelsenkirchener über die Winterpause hinweg festgestellt hat, dass der Kader der Berliner Hertha nicht gut genug besetzt ist, um auch nur im mittleren Drittel der Bundesliga reüssieren zu können. Möglich wäre es ebenfalls, dass Skibbe tiefstapelt. Möglich aber auch, dass er seine Qualitäten einfach nur richtig einzuschätzen weiß. Als er im Jahr 2000 in Dortmund entlassen wurde, begann kurz darauf eine Hochphase der Borussia, mit zwei dritten Plätzen und der Meisterschaft 2001/02. Als Assistent von Rudi Völler war Skibbe von 2000 bis 2004 dabei, als die Nationalelf den Rumpelfußball erfand. Bei Bayer Leverkusen verpasste er trotz mehrerer Möglichkeiten die Champions League, und Eintracht Frankfurt konnte sich nach Skibbes Entlassung am 22. März 2011 nicht mehr vor dem Abstieg retten. Allein mit Galatasaray hatte er Erfolg.
Mehr Ballbesitz, aber keine Spielidee
Die taktischen Vorstellungen, die der Westfale vom Fußball hat, kennen auch wir nicht in ihrer Gänze. Fest steht jedoch, dass man als Beobachter der Szene seit 14 Jahren Gelegenheit genug hatte, die Früchte von Skibbes Arbeit zu betrachten. Um es klar zu sagen: Der Fußball, den er spielen lässt, besitzt keinen Wiedererkennungswert. Es ist kein Kurzpassspiel, das Skibbe aufziehen lässt, kein Konter- und erst recht kein Dominanzfußball. Die taktische Marschroute, die er vorgibt, mutet beliebig an – und austauschbar. Erste Beweise dafür lieferte die Hertha gleich am 18. Spieltag in Nürnberg.
Gegen einen gewiss nicht starken Gegner konnten sich die Berliner nur phasenweise behaupten, und das ohne nennenswerte Überlegenheit. Torchancen blieben Zufallsprodukte, die aus Fehlern der Nürnberger entstanden. Die Berliner vermittelten den Eindruck, nicht so recht zu wissen, wie sie sich auf dem Platz zu verhalten hatten. Nach der Führung der Franken, kurz vor der Pause, hatte die Hertha die ganze zweite Hälfte lang Zeit, um sich etwas einfallen zu lassen. Und der FCN tat den Hauptstädtern gar den Gefallen, über weite Strecken sehr passiv zu sein, die Berliner hatten in Durchgang zwei deutlich mehr Ballbesitz (insgesamt 58 Prozent). Aber letzten Endes eben nur eine Torchance durch Roman Hubnik, die aus einem Zufall heraus resultierte – und auch nicht genutzt wurde. Zu diesem Zeitpunkt hätte es allerdings schon 2:0 stehen müssen. Verblüffend mutete jedoch an, dass die Hertha sich nach der vertanen Chance in der 66. Minute bereits mit der Niederlage abzufinden schien. Nur in der vorletzten Spielminute, als die Partie schon längst entschieden war, hatten die Berliner, erneut durch Hubnik, die Chance auf den Ehrentreffer.
Der Hertha droht Ungemach
Es ist bezeichnend, dass trotz 58 Prozent Ballbesitz und einem recht schwachen Gegner nur ein Berliner Innenverteidiger zu Torgelegenheiten kam. Für das taktische Konzept von Skibbe freilich spricht das überhaupt nicht. Das Spiel der Hertha wirkte nicht nur ideenlos, es war es auch. Zwar hatte die Mannschaft nach etwa 20 Minuten erkannt, dass etwas mehr Aktivität dem eigenen Spiel zuträglich sein würde, doch mehr als drei kleine Chancen sprangen nicht dabei heraus – und herausgespielt waren die Tormöglichkeiten auch nicht gerade. Und was die Reaktion des Teams nach dem 0:1 betrifft, so muss man insbesondere den Trainer fragen, weswegen es den Anschein hatte, als sei die Hertha mit dem Zwischenstand vollauf zufrieden. Beinahe schon lethargisch und genügsam trat die Hertha in der zweiten Hälfte auf.
Sicher ist aber auch: Nach nur einem Spiel kann kein abschließendes Urteil über eine Mannschaft und deren Trainer gefällt werden. Skibbe hat noch 16 Spiele Zeit, um seine Kritiker Lügen zu strafen – und um die Klasse zu halten. Nichts anderes immerhin ist ja sein Maßstab. Doch Maßstab ist nun erst einmal dieses eine Spiel, und bis das Gegenteil bewiesen ist, muss festgestellt werden, dass der Fußball, den Babbel hat spielen lassen, von einer Spielidee inspiriert war, die allerdings manchmal aufgrund des fehlenden Potenzials der Mannschaft an ihre natürlichen Grenzen stieß. Von Skibbe ist noch keine Spielidee erkennbar, noch nicht einmal eine Handschrift. Gleichzeitig steht immer noch die Frage im Raum, warum er zuerst vom oberen Tabellendrittel und dann von einem möglichen Abstieg gesprochen hat. Der Einstand von Michael Skibbe in Berlin war, gelinde gesagt, unglücklich. Und es könnte sein, dass der Hertha mit Skibbe noch mehr Ungemach droht.
Fußball und Freiburg, dieses Begriffspaar stand in den vergangenen zwei Jahrzenten für unaufgeregtes Arbeiten, für Kontinuität und für Beschaulichkeit. Doch diese Zeiten scheinen vorbei. Der SC Freiburg spielte eine sehr schlechte Vorrunde – und hat im Winter mit dem eisernen Gesetz gebrochen, niemals den Trainer zu feuern. Versuch einer Analyse.
13 Punkte hat der SC Freiburg in der Vorrunde eingesammelt. Die Tordifferenz steht bei minus 18, drei Punkte und zehn Tore sind es auf den Relegationsplatz, gar fünf Punkte auf Platz 15, den man allgemein als das rettende Ufer bezeichnet. Die Situation ist für die Breisgauer nicht neu. Schon öfter lag der Sportclub am Ende einer Bundesliga-Hinserie auf einem der hinteren Tabellenplätze. Schon öfter haben die Freiburger in der Bundesliga vom Gegner zwar Komplimente erhalten, aber kaum Punkte. Dabei sind die Probleme der Freiburger hausgemacht, wie sich gezeigt hat.
Er „glaube nicht, dass taktische Dinge in dieser Partie entscheiden werden“, ließ sich Marcus Sorg am 28. Oktober 2011 in der „Badischen Zeitung“ vor dem Spiel gegen Bayer 04 Leverkusen zitieren. Der entscheidende Faktor sei vielmehr, dass die Einstellung seiner Spieler stimme, hieß es in dem Artikel weiter. Die Zeitung kam dem Trainer sogar mit dem Satz zu Hilfe, dass Sorg aufgrund von „Form und Fitness seines Kaders momentan gar nicht in der Lage ist, taktisch ausufernd zu variieren“. Das mag so gewesen sein, doch: einerlei. Wenn Form und Fitness nicht stimmen, gibt es dafür genau einen Verantwortlichen, und das ist nun mal der Cheftrainer. Sorg hatte mit diesem einen Satz die Verantwortung für die Ergebnisse weit von sich gewiesen, indem er behauptete, dass taktische Elemente keine Rolle spielen würden. Bei Freiburgs Sportdirektor Dirk Dufner muss dieser Satz Entsetzen ausgelöst haben.
Das Spiel war zu sehr auf Cissé zugeschnitten
Es hatte im Verlauf der Hinrunde allerdings so ausgesehen, als könnte der SCF mit seinem neuen Trainer – Marcus Sorg hatte vor der Saison den nach Leverkusen gewechselten Robin Dutt ersetzt – weiterhin erfolgreich sein. Jedenfalls in der Vorbereitung. Dann schied der Sportclub in der ersten Runde des DFB-Pokals mit einem blamablem 2:3 beim Drittligisten Unterhaching aus, und in der Bundesliga hatten die Freiburger nach fünf Spielen und einer 0:7-Packung beim FC Bayern erst vier Punkte auf dem Konto. Nach acht Spielen dann sieben Punkte, und in den weiteren neun Partien kamen gerade noch sechs weitere dazu. Das Verblüffende daran war, dass sich alle Medien, ob Fernsehen oder Zeitungen, einig darin waren, dass die Freiburger spielerisch durchaus mithalten konnten.
Dem taktischen Offenbarungseid des Trainers vom 28. Oktober folgte eine 0:1-Pleite gegen die Werkself. Freiburg lag früh im Rückstand, ließ bald jeglichen Rest taktischer Varianten beiseite und bestürmte 88 Minuten lang erfolglos das Tor der Leverkusener. Doch so sehr Sorgs Aussage auch daneben gewesen sein mag: Der Hauptgrund für die Freiburger Krise liegt anderswo. Zum einen in der Defensive, die die löchrigste der Liga ist. Zum anderen in der Tatsache, dass der Stürmer Papiss Demba Cissé nicht mehr so sicher traf wie noch in der vergangenen Saison. Für einen kleinen Club wie Freiburg war dieser Umstand ein echtes Problem, das Offensivspiel war viel zu sehr auf Cissé zugeschnitten. Nun bleibt abzuwarten, wie die Freiburger die Lücke füllen werden, die der Abgang des Stürmers – er wechselt zu Newcastle United – hinterlässt.
Taktische Flexibilität ist nötig
Diese Schwierigkeiten bereiten Marcus Sorg jedoch keine schlaflosen Nächte (mehr). Nachdem der Sportclub noch vor Weihnachten einem seiner Profis fristlos gekündigt und fünf anderen einen Vereinswechsel nahegelegt hatte, wurde zwei Tage vor Silvester auch der Trainer entlassen. Sein Nachfolger ist Christian Streich, der schon lange Jahre in anderen Funktionen beim SCF tätig und zuletzt Sorgs Assistenztrainer war. Doch ob der Klassenerhalt gelingt, muss stark bezweifelt werden, wie auch die „Badische Zeitung“ meint. Bisher habe man in Freiburg neuen Spielern jede Menge Zeit eingeräumt. Die fünf Neuzugänge der Winterpause, darunter zwei Nachwuchsspieler und drei gestandene Profis aus Köln (Sebastian Freis), St. Petersburg und Metz, müssen nun sofort einschlagen. Ein schwieriger Spagat für einen auf behutsamen Aufbau und Kontinuität setzenden Fußballverein.
Christian Streich wird Sorgs Fehler wohl kaum wiederholen und taktische Aspekte vernachlässigen. Gerade die Freiburger Schule, das schon unter Volker Finke geprägte Kurzpassspiel, kommt beim SCF zu kurz. Auch wenn die Umsetzung dieser Spielform noch keinen Erfolg garantiert, so ist es im heutigen Fußball so gut wie unvorstellbar, dass das Spiel mit hohen und langen Bällen dem technisch-taktischen und modernen Fußball von heute auf Dauer überlegen ist. Streich könnte Cissés Fehlen leichter auffangen, als viele womöglich glauben. Das taktische Konzept ist ohne den Senegalesen für viele Gegner vielleicht schwerer auszurechnen, und Sorgs Fehler war es wohl, diesen Umstand nicht in seine Überlegungen einzubeziehen, als er noch Trainer war. Ein variableres System zu installieren, das auch während des Spiels taktische Umstellungen erlaubt, darauf müsste nun das Hauptaugenmerk des neuen Freiburger Trainers liegen. Und dann klappt es vielleicht doch noch mit dem Klassenerhalt.
Um ein Trainingslager ordentlich durchführen zu können, bedarf es einer ganzen Menge Überlegungen, die vorab angestellt werden müssen. Welches Alter hat die (Jugend-)Mannschaft, handelt es sich um ein Sommer- oder um ein Wintertrainingslager, was soll hauptsächlich trainiert werden im Trainingscamp, und: Welche anderen Freizeitangebote sollte es in der Nähe geben? Fragen, die unbedingt beantwortet werden müssen, bevor es in Trainingslager geht. Wir wollen mit der Frage nach dem Alter beginnen.
Denn ganz entscheidend ist es, in welcher Entfernung von zuhause das Camp liegt – für den Fall, dass es jüngere Spieler sind, ist es ratsam, das Trainingslager in relativer Nähe zum Heimatort abzuhalten. Denn gesetzt den Fall, ein Spieler verletzt sich schwerer, so dass es eines Aufenthalts in der Klinik bedarf, oder ein Spieler erkrankt ernsthaft (etwa an einer fiebrigen Grippe), so ist es gerade für die Jüngeren wichtig, dass die Eltern das Kind bzw. den Jugendlichen besuchen oder gar nach Hause holen können. Natürlich gibt es keine Richtlinie in Form einer Kilometerzahl, doch sollten die Eltern in einem solchen Fall innerhalb kurzer Zeit in der Lage sein, an den Ort des Trainingslagers zu kommen. Ältere Jugendliche oder erwachsene Fußballer legen hingegen von sich aus Wert darauf, dass das Camp weiter von zuhause entfernt ist, so steigt das Gefühl der Zusammengehörigkeit in der Fremde und der „Abenteuer“-Faktor.
Während es im Sommer praktisch überall möglich ist, ein Trainingscamp durchzuführen (jedenfalls in Mitteleuropa), liegt der Fall im Winter bzw. im späten Winter, wenn die Vorbereitung auf die Rückrunde steigt, deutlich anders. Niemand weiß zum Zeitpunkt der Buchung, wie das Wetter an einem bestimmten Ort sein wird, darum empfiehlt es sich für Jugend- und Amateurteams, das Trainingslager nicht mehrere Autostunden vom Heimatort entfernt auszutragen. So vermeidet man gerade im Winter oft stundenlange Anreisen bei gefährlichen Straßenverhältnissen und kann, so das Wetter den Gang auf den Fußballplatz überhaupt nicht zulässt, im Zweifelsfall das Camp abbrechen und nach Hause fahren, bevor der Lagerkoller ausbricht. Schließlich soll ja trainiert und nicht etwa eine Woche lang ununterbrochen Tischfußball oder Tischtennis in der Unterkunft gespielt werden. In jedem Fall ist es ratsam, sich vorher zu versichern, dass sich in unmittelbarer Nähe der Unterkunft eine Sporthalle befindet, so dass zumindest hin und wieder indoor trainiert werden kann, sollten die Sportplätze unter freiem Himmel etwa gesperrt sein.
Dann: Was plant man als Trainer für Schwerpunkte im Camp? Auch das ist ein Kriterium, das bei der Wahl des Ortes ins Gewicht fällt. Für die Sommervorbereitung auf die neue Saison etwa legen die meisten Trainer Wert darauf, dass auch konditionelles Grundlagentraining durchgeführt werden sollte. Hierfür bietet sich in jedem Fall ein Trainingscamp in einer hügeligen oder gar bergigen Umgebung an – je höher gelegen, desto besser: ein Höhentrainingslager ist ideal für die Vorbereitung im Sommer. Zum einen, weil dabei rote Blutkörperchen in Mengen produziert werden, das stärkt Muskulatur und Kreislauf. Zum anderen, weil das läuferische Element anspruchsvoller ist, wenn die Strecken nicht immer nur ebenerdig verlaufen. Außerdem können auf den hügeligen Strecken auch Touren mit dem Mountainbike prima durchgeführt werden, um den Spaßfaktor beim Konditionstraining zu erhöhen. Nun sollte natürlich kein Jugend- oder Amateurverein aus Norddeutschland ins Allgäu oder nach Österreich reisen müssen (für Vereine weiter südlich ist das hingegen in der Regel kein Problem), doch gibt es schon in den nördlicheren deutschen Mittelgebirgen ausreichend Möglichkeiten, etwa im Harz oder im Sauerland, die genannten Rahmenbedingungen vorzufinden.
Für eine Gruppe ist es überdies enorm wichtig, dass in der Nähe der gewählten Unterkunft ausreichend Möglichkeiten vorhanden sind, um die freie Zeit während des Trainingscamps zu verbringen. Idealerweise verbinden die Spieler diese Freizeit aktiv. Das bedeutet, nahe gelegene Hallen- oder Freibäder sind ebenfalls Grundbedingung für die Wahl des Ortes. Eine Sommerbobbahn, Tennis- oder Minigolfplätze o.Ä. schaden ebenfalls nicht. Zudem sollte die Unterkunft über einige Tischtennisplatten verfügen, was indes zumeist der Fall ist.
Was die Unterkunft selbst betrifft, so sollte man die Spieler nicht mit einem luxuriösen Hotel der Kategorie „3 Sterne plus“ verwöhnen und darauf achten, dass niemand ein Einzelzimmer bekommt (es sei denn, es bestehen berechtigte Gründe). Einfache Hotels bzw. Jugendherbergen genügen in aller Regel, schließlich liegt das Augenmerk darauf, dass viel trainiert wird und die Spieler abends müde sind. Um die Gruppe zu stärken, schadet es nicht, wenn die Spieler ihr Abendessen hin und wieder selbst zubereiten müssen – hier lässt sich mit der Hausleitung sicher eine Vereinbarung treffen, dass einige der Spieler an einigen Abenden die Küche selbst nutzen können, um für alle zu kochen, während ein zweiter Teil der Mannschaft des Tisch deckt und später den Abwasch übernimmt. Nicht zwingend notwendig, aber doch ratsam ist es, einen Gemeinschaftsraum mit einem Fernseher und einem DVD-Spieler zur Verfügung zu haben.