13. April 2012

Die Vorentscheidung


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Einen seiner drei möglichen Titel hat der FC Bayern mit dem 0:1 in Dortmund wohl verspielt. Taktisch hat die Mannschaft von Jupp Heynckes zwar wenig falsch gemacht, doch ein wenig war den Bayern anzumerken, dass der Druck für sie zu groß war.

Egal, welche Zeitung man in den Tagen nach dem packenden Spitzenspiel in Dortmund auch aufgeschlagen hat, spätestens im Sportteil konnte man wahlweise das entsetzte Gesicht von Arjen Robben nach dem vergebenen Elfmeter gegen Weidenfeller sehen in der 86. Minute. Oder das entsetzte Gesicht von Arjen Robben nach der vergebenen Großchance wenige Minuten später, als er völlig frei vor dem leeren Borussentor den Ball in Rücklage statt ins Netz in die dritte Etage semmelte. Robben wurde in nahezu jedem Medium als der Verlierer des Spiels gebrandmarkt. Das ist – einerseits – eigentlich auch gar nicht wegzudiskutieren. Doch auf der anderen Seite steht die Frage, weswegen der FC Bayern erst nach dem Rückstand durch Lewandowski (76.) ernsthaft versuchte, ein Tor erzielen zu wollen.

Die Männer in Rot hatten sich taktisch weitgehend passabel verhalten, auch wenn die Dortmunder in der ersten Halbzeit zwei, drei sehr gute Chancen bekamen. Der Rekordmeister hatte in den zweiten 45 Minuten dann mehr vom Spiel, ohne jedoch richtig gefährlich zu werden. Es drängte sich der Eindruck auf, dass den Münchnern ein 0:0 reichen würde, was bei drei Punkten Rückstand auf den Rivalen schon fragwürdig genug war. Sie wirkten seltsam gehemmt, und leider muss man in diesem Zusammenhang wieder auf Arjen Robben zu sprechen kommen. Der wirkte mal wenig konzentriert, dass wieder übermotiviert, so dass die rechte Bayern-Seite keine Gefahr ausstrahlte. Dennoch haben die Bayern immer und immer wieder versucht, Robben ins Spiel einzubinden – das erwies sich als Fehler. In den ganz entscheidenden Spielen schafft es der Niederländer meist nicht, das Niveau abzurufen, das man vom ihm sonst gewohnt ist.

Arjen Robbens Angst vor entscheidenden Spielen

Zwei Beispiele aus dem Jahr 2010 untermauern diese These. Da war zunächst das Finale der Champions League gegen Inter Mailand, in dem Robben praktisch nicht zu sehen war – obwohl er in den Wochen zuvor in überragender Form gewesen war. Und im Finale der WM gegen Spanien lief er, ansonsten blass, allein auf den spanischen Keeper Casillas zu und scheiterte. Das, hat Robben neulich wieder verlauten lassen, gehe ihm heute noch nach. Womit die Frage nach der seelischen Belastbarkeit dieses großen Spielers geklärt wäre.

Franck Ribéry auf links hingegen war besser im Spiel, doch fehlte ihm die Unterstützung von hinten, zu oft musste sich der Franzose allein gegen eine Unzahl gelber Verteidiger wehren, was nicht immer gutgehen konnte. Mit der Einwechslung von Bastian Schweinsteiger durfte man dann erwarten, dass dieser von der Sechserposition aus zusätzlich Struktur ins Spiel bringen und den Flügelspielern Ribéry und Robben eine zusätzlich Anspielstation sein würde. Doch der Bayern-Plan ging nicht auf. Die Borussia war taktisch blendend eingestellt, sie wusste: Wenn sie die beiden Flügelspieler aus dem Spiel nehmen würden, wären die Bayern ihren gefährlichsten Gomez-Zulieferern beraubt. Marcel Schmelzer (gegen Robben) und Lukas Piszczek (gegen Ribéry) waren ihren Gegnern zumeist einen Schritt voraus. Und so zeigte sich wie schon in der letzten Saison, dass die Bayern hilflos wirken, wenn die beiden Superstars „Rib und Rob“ nicht zu ihrer Form finden.

Nicht an den Coup geglaubt

Und Dortmund? Verbat sich jedwede Euphorie, verwies auf die schweren nächsten Spiele – und ist nun 24 Mal in Folge in der Bundesliga unbesiegt. Beim Derby auf Schalke soll das natürlich so bleiben, doch eine Garantie gibt es nicht. Extra motivieren muss Klopp seine Spieler wohl eher nicht, es ist kaum vorstellbar, dass die Mannschaft ausgerechnet jetzt nachlässt, auch wenn das Spiel gegen die Münchner viel Kraft gekostet hat. Es war beeindruckend zu beobachten, wie diszipliniert die Borussia agierte und sich auch nicht grämte, als Großkreutz, Kuba und Kagawa die besten Chancen ausließ. Das Spiel der Schwarz-Gelben wird seit letzten September getragen von einer unfassbaren Fähigkeit, sich an sich selbst zu berauschen – wäre die Chancenverwertung nur ein wenig besser, die Dortmunder wären in die Nähe der 100-Tore-Marke gelangt in dieser Saison.

 

Doch zum Titel wird es wohl auch so reichen, und die Bayern haben das vorher schon geahnt. So verhalten, wie sich die Mannschaft in Dortmund auf dem Platz präsentierte, so defensiv waren die Kommentare im Vorfeld ausgefallen. Von Hoeneß, von Rummenigge, von allen: sehr untypisch. Irgendwie war da zu ahnen, dass sie in München wohl selbst nicht so richtig an den Coup geglaubt haben, in Dortmund gewinnen zu können. Die Vorentscheidung in Sachen Meisterschaft dürfte gefallen sein, die restlichen beiden Titel aber sind noch zu vergeben. Dass die Münchner in der Champions League nun den spanischen Tabellenführer Real Madrid vor der Brust haben, dürfte ihnen ebenso wenig gefallen wie die Aussicht, im Erfolgsfall gegen die Madrilenen im „Finale dahoam“ auf die Zaubertruppe des FC Barcelona treffen zu können. Und im Pokalfinale zu Berlin wartet ein schwarz-gelber Gegner, gegen den die Bayern nun schon vier Mal in Folge verloren haben und der weiß, wie man Robben, Ribéry, Gomez und damit das ganze Bayern-System lahmlegt.

5. April 2012

FC Bayern – FC Augsburg, Spielvorbereitung


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Einige hundert Zuschauer wollten beim Training des FC Bayern München am 4. April zusehen – im Endeffekt verließen in den bayerischen Osterferien jedoch viele enttäuschte Gesichter die Säbener Straße wieder. Bei wunderschönem Wetter und angenehmen Temperaturen fand die Einheit am Mittwochmittag auf dem Nebenplatz statt, der deutlich weniger Platz für die vielen anwesenden Fans bot als der Hauptplatz, so dass das Gelände bereits früh komplett abgesperrt wurde.

Dennoch wurde der Rekordmeister bei wolkenfreiem Himmel mit viel Beifall und Begeisterung begrüßt, so dass der Start in den Trainingstag für die Truppe um Kapitän Philipp Lahm kaum erfreulicher hätte sein können. Aufgrund des 2:0-Sieges am Vorabend gegen Olympique Marseille trennte das Trainergespann um Jupp Heynckes, Peter Hermann und Hermann Gerland die Profis wie gewohnt in zwei Gruppen. Die Stammelf der letzten Wochen arbeitete im regenerativen Bereich mit Laufeinheiten, individuellem Programm und schließlich im Leistungszentrum und der Physiotherapie.

Passübungen zum “Reinkommen”

Der Rest der Truppe durchlief das gewohnte Schema im Bayern-Training unter Hermanns Anleitung. Nach einer ausgiebigen Laufschule mit Mobilisierungs- und Dehnübungen ging es zur Erwärmung mit Ball mit Hilfe komplexer Passfolgen. Zur Einstimmung präsentierte Hermann im gewohnten Schema eine bekannte Passübung


Der Startspieler mit Ball passt auf den zentralen Akteur, der die Kugel entweder klatschen lässt und direkt überspielt wird oder direkt aufdreht und auf den dritten Spieler weiterleitet. Dieser setzt anschließend einen der beiden Flügelspieler ein, der sich von der Stange löst und dem Ball entgegen startet. Über einen Doppelpass um die Stange herum gelangt der Flügel so wieder zum Anfangspunkt – alle Spieler laufen anschließend ihren Ballwegen auf die neue Position nach. Diese Übung gestaltete Hermann mit diversen kleinen Variationen, so dass die Spieler beispielsweise den Ball direkt auf den Flügel spielen, oder die Flügelspieler keinen Doppelpass zwingen sondern direkt in die Tiefe starten sollten, etc.

Einfache Torschussübung

Anschließend führte Hermann die Profis durch ein intensives „6vs6“ auf Ballhalten, bevor er zur abschließenden Torschussübung überleitete. Bei der Abschlussübung wurden die Spieler nun auf vier Stangen verteilt. Hermann spielt aus der Position A einen Druckpass auf B, der sich seitlich nach Außen von seiner Stange löst und die Kugel mit zwei Kontakten diagonal auf C weiterleitet. Dieser lässt dasselbe Verhaltensmuster erkennen, löst sich ebenfalls nach Außen, nimmt das Leder möglichst dynamisch in Laufrichtung mit und vollendet




Komplexes Torwarttraining

Aus gegebenen Gründen soll heute auch Wert auf die Arbeit von Torwarttrainer Toni Tapalovic gelegt werden. Der 31-Jährige beschäftigte sich intensiv mit Hans Jörg Butt und Maximilian Riedmüller. Nach individueller selbstständiger Erwärmung und Lockerung mussten die Beiden bei der ersten Übung einbeinig über eine kleine Hürde springen und jeweils auf dem Außenbein landen – nach einer kurzen Stabilisationsphase zurück in die andere Richtung. Dadurch sollen die Bandstrukturen in Sprunggelenk und Knie gestärkt und auf die kommende Belastung eingestellt werden.


Nach einigen Wiederholungen kam der Ball hinzu, so dass nach der Stabilisation der frontal postierte Tapalovic einen Drop-Kick auf Brusthöhe anspielte.
In der zweiten Torwart-Trainingsform bekamen die Keeper von Tapalovc einen kurzen simulierten Rückpass zugespielt, den sie nach kurzer seitlicher Mitnahme auf den jeweilig zweiten postierten Torhüter abschlagen sollten. Dieser stand ungefähr auf Höhe der Mittellinie und wechselte seinen Standort, um verschiedene Winkel und Orientierungsfähigkeit des Abschlagenden zu schulen. Anschließend wurde in einer Variation derselbe Aufbau verwendet, nur das nach einem Drop-Kick auf die Brust ein Abschlag aus der Hand auf den zweiten Keeper gespielt wurde


Zur dritten Übung verabschiedete sich Butt, der als Feldspieler beim „6vs6“ eingreifen musste, um eine Gleichzahl herzustellen. Riedmüller wurde mit folgenden Übungen weiter trainiert. Über eine seitliche Hürde musste der junge Torhüter beidbeinig hin- und zurückspringen, um anschließend einen flachen scharfen Ball abzuwehren


Dies wurde auf beide Seiten ausgeführt und mit zunehmenden Wiederholungen auch hohe Bälle Richtung Winkel zugeworfen.
Vor der zusammenführenden Torschussübung mit den Feldspielern musste Riedmüller nochmal durch eine intensive Übungsform. Erst musste der Torhüter einen scharf getretenen Ball aus 16m entschärfen, um sich anschließend sofort wieder aufzurichten und nach vorne zu orientieren. Denn zwei aufgebaute Stangen symbolisierten ein Mini-Tor am Fünfmeterraum, bei welchem Riedmüller drei bis vier Bälle aus kürzester Distanz abwehren musste. Hiermit sollte insbesondere auf Reaktionsschnelligkeit und Schulung der reflexartigen Bewegungen eingegangen werden


Autor: Dominik Langenegger

29. März 2012

1899 Hoffenheim – FC Schalke 04, Spielvorbereitung


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Die bevorstehenden Spiele gegen Athletico Bilbao und 1899 Hoffenheim sind von großem Faninteresse, das machte sich auch beim gestrigen Training bemerkbar, zudem viele Fans strömten. Bei bestem Frühlingswetter um die 18 Grad weilte Christoph Metzelder wieder unter der Mannschaft. Außer Obasi, der gerade erst eine frische Vertragsverlängung hinter sich hat, und Höwedes als Langzeitverletzter nahmen alle Profis am Mannschaftstraining teil.

Typisches Schalker Aufwärmprogramm

ein paar Runden im lockeren Tempo um den Platz, dabei verschiedene Übungen, Tempovariationen, Dehn-und Kräftigungsübungen am Mittelkreis

Koordinationsübungen

Für die erste Übung hat der Fitnesscoach jeweils 5 kleine Quadrate(2x2m) nebeneinander aufgestellt. Dabei sollten die Spieler mehrere „Skipping“ Übungen absolvieren.

• Zur Lockerung sollten die Spieler danach zu dritt den Ball laufen lassen

Spielform, 3Teams – 3×10 Minuten

Es spielen 2 Teams in der Offensive und 1 in der Defensive. Das Team, welches den Ball verliert wechselt in die Defensive und muss den Ball erkämpfen. Maximal 2 Ballkontakte



Flanken- und Abschlussübung


Besonders interessant war diese Übung, weil sie eher in Richtung Spaß gelenkt war aber trotzdem wichtig für das Euroleague Hinspiel sein kann.
Gespielt wurde mit 2 Teams A und B. Das Prinzip ist einfach: Wer die meisten Tore macht, gewinnt.

A spielt den Ball mit einem Flugball auf seinen Flankengeber und läuft dann mit einem Teamkollegen in Richtung des Strafraums. Der Außenspieler von Team A kontrolliert den Ball und bringt die Flanke in den 16er. Der Ball muss jedoch von A innerhalb der Markierung kontrolliert werden und Tore zählen nur per Direktabnahme aus der Luft. Der gleiche Spielzug wird dann auch von B ausgeführt.
Nach ungefähr 10min wechseln die Teams die Seiten und nach belieben auch die Flankengeber.

Das Team ohne Leibchen(im Video)hat übrigens gewonnen.




• Auslaufen und Dehnen

• -Trainingsende-

von Erhan Akcan

28. März 2012

Wahrnehmung Teil 2 – Der Material-Dschungel


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Auf die gewichtige Bedeutung, die m. E. der Wahrnehmungsfähigkeit zukommt, habe ich bereits hingewiesen. Da diese Übungen, hat man sie einmal verinnerlicht, automatisiert werden, erscheinen sie den Spielern nach gewisser Zeit zu einfach und langweilig. Deshalb muss man sich hier immer wieder neue Kombinationen einfallen lassen.

Durch die Wahrnehmungsschulung werden die Spieler zusehends sicherer in der Bewältigung komplexer Spielsituationen. Habe ich meine Wahrnehmungsfähigkeit verbessert und habe ich gelernt, auf bestimmte Reize (Spielsituationen, Gegnerverhalten, Hindernisse) schneller und unterbewusst gezielt zu reagieren, kann ich meinen Blick auf den Ball, die Spieloptionen und meine Mitspieler richten. Das Hauptaugenmerk verlagert sich somit von der Wahrnehmung hin zu dem eigentlich Ziel und Sinn: dem Fußballspiel.

Eine von mir entworfene Übung zur Schulung von Wahrnehmung, Koordniation, Laufschule, Balltechnik und Gehirnarbeit ist der „Materialdschungel“:

Übungsaufbau
In diesen so genannten „Material-Dschungel“ kann fast alles hineingelegt werden, was man im Materialraum so findet: Medizinbälle, Pylonen stehend und umgekippt, große und kleine Markierungshütchen, ein gefüllter Ballsack, Stangen, Hürden, Reifen, Ringe, Matten, Turnkasten etc.

Übungsverlauf
An den äußeren 4 Hütchen stehen die Spieler. Es starten immer 4 Spieler (von jedem der Hütchen ein Spieler) gleichzeitig in den Material-Dschungel. Jeder Spieler betrachtet den Material-Dschungel, als schaue er auf eine analoge Uhr. Das heißt, die eigene Position ist immer „6 Uhr“. Dementsprechend ist links „9 Uhr“, geradeaus „12 Uhr“ und rechts „3 Uhr“. Dieser Punkt ist wichtig für den reibungslosen Ablauf der Übung und muss von jedem Spieler eindeutig verstanden werden.

Beispiel: Auf das Kommando „12 und 6 Uhr“ rennt jeder Spieler einmal geradeaus durch den Dschungel (auf die Position „12 Uhr“) und gleich wieder zurück auf seine Position („6 Uhr“). Jeder Spieler muss sich den Laufweg anhand des Kommandos vor dem Loslaufen genau einprägen und zwar aus seiner Position („6 Uhr“) heraus. Während des Laufes verändert sich die Position „6 Uhr“ nicht. Kommt das Kommando „12, 6 und 9 Uhr“, würde der Spieler am Ende dieses Laufes dann links von seiner Startposition stehen. Für das darauf folgende, neue Kommando, ist seine aktuelle Standposition jetzt seine neue „6 Uhr“.

Die Spieler müssen den Parcours so schnell wie möglich durchqueren. Es gilt Präzision vor Schnelligkeit, d. h. keine Hindernisse umstoßen und nicht mit anderen Spielern kollidieren.

Var. 1: Übungen mit Ball
Var. 2: Übungen ohne Ball, aber mit Partner an der Hand

Liebe Grüße

Michael Mahla

27. März 2012

An Stärke weiter dazugewonnen


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Borussia Dortmund erweckt derzeit den Eindruck, als sei die Mannschaft nahezu unschlagbar. Doch muss man zweimal hinschauen, um zu verstehen, wo die wahre Stärke des Teams liegt. Und dieser Blick hinter die Fassade zeigt, dass die These von der Unschlagbarkeit vielleicht gar nicht mal so abwegig ist in dieser laufenden Rückrunde.

Die Lage ist für viele Erstligisten in den vergangenen Monaten nicht eben einfacher geworden. Man denke nur an Clubs wie Berlin, Kaiserslautern, Köln oder Hamburg. Und, für viele auf den ersten Blick womöglich etwas überraschend: Auch für Borussia Dortmund spitzt sich die Situation zu. Dabei ist natürlich keineswegs die Tabellensituation gemeint, damit hier keine Missverständnisse aufkommen. Nein, für Jürgen Klopps BVB wird es räumlich eng – und zwar auf dem Platz, in den meisten der letzten Spiele. Begonnen hatte das am 11. Februar, als Dortmund knapp mit 1:0 Leverkusen schlug, es setzte sich fort beim ebenso knappen 1:0-Erfolg in Berlin, dann folgte ein eher souveränes 3:1 über Hannover 96. Richtig eng wurden die folgenden Partien: 2:1 über Mainz, ein 0:0 beim Aufsteiger in Augsburg, dann das knappe 1:0 gegen Werder Bremen, gefolgt vom 1:0 n.v. in Fürth, wobei die Borussia das erlösende Tor erst mit der letzten Aktion vor dem drohenden Elfmeterschießen erzielte. Das jüngste Resultat: ein 6:1 beim Krisenclub 1. FC Köln.

Dieses letzte Spiel, es sieht auf den ersten Blick aus wie ein Befreiungsschlag, und vielleicht war es auch einer. Wobei: Zur Pause hatte es nur 1:1 gestanden gegen clever verteidigende Kölner, die die Dortmunder zudem mit gefährlichen Angriffen reizen konnten. Jene erste Halbzeit geriet für Dortmund zu einem Déjà-vu-Erlebnis der vorangegangenen Wochen; immer öfter verteidigte der Gegner ziemlich tief und eher mit Mann- denn mit Raumdeckung, Dortmund tat sich schwer und verdankte seine Siege fast immer genialen Einzelaktionen (Shinji Kagawa, Robert Lewandowski, Jakub Blaszczykowski, Ilkay Gündogan). Die Partien liefen für die Schwarz-Gelben fast immer recht schwerfällig, doch es ist verblüffend, dass Dortmund all seine Rückrundenpartien mit Ausnahme des Remis in Augsburg trotzdem gewonnen hat. Was aber ist der Grund dafür?

Die wohl größte Stärke des BVB: die taktische Flexibilität

Auf der einen Seite scheint es vielen gegnerischen Teams so zu gehen, dass sie gegen Dortmund zwar effektiv verteidigen und die Räume in der eigenen Hälfte eng machen. Das unterbindet den Kombinationsfußball der starken Dortmunder Offensivabteilung zwar – doch die Kehrseite der Medaille ist, dass die Gegner aufgrund dieses enormen Aufwands viel zu wenig für ein eigenes Offensivspiel tun können. Mit ein Grund dafür mag sein, dass nahezu jede Mannschaft, die auf den BVB trifft, großen Respekt vor den überfallartigen Kontern hat, die die Borussia nach Balleroberung fahren kann (wie dann jüngst in der zweiten Halbzeit in Köln wieder zu sehen war). Doch des Meisters wohl größte Stärke in dieser Saison ist die schon beinahe unheimlich scheinende taktische Flexibilität, mit der Jürgen Klopp in seiner Analyse in der Pause reagieren kann – und die die Mannschaft danach immer auf den Platz bringt.

Beziehungsweise bringen muss, wenn es – wie in Köln, in Fürth oder in Berlin zur Pause remis steht. Nur in Augsburg hat das nicht ganz funktioniert, und in den anderen genannten Partien hatte der BVB stets bereits zur Halbzeit knapp geführt, um dann eine weitere dazugewonnene Stärke der laufenden Saison zu demonstrieren. Diese besteht darin, eine knappe Führung über die Zeit zu bringen, ganz so, wie man es früher vom FC Bayern gewohnt war. Doch es gibt einen Unterschied: Die Dortmunder können schlecht verwalten. Sie spielen immer in Richtung des gegnerischen Tors, allein die Verwertung der vielen Chancen ist mitunter mangelhaft.

Die Spielfreude ist zurück

Es ist ein wenig müßig, zu spekulieren, ob Dortmund mit diesen neuen Qualitäten, hätte die Mannschaft schon in der Vorrunde darüber verfügt, etwa auch eine reelle Chance in der Champions League gehabt hätte. Doch wer gesehen hat, wie die Mannschaft Olympique Marseille zwei Mal an die Wand gespielt hat und vor lauter Ungeduld das Verteidigen vergessen hat, der könnte zu dem Schluss kommen, dass zumindest die Chance auf ein Weiterkommen realistisch gewesen wäre. So jedoch hat Klopp die taktischen Schwächen seiner Truppe in der Winterpause analysiert und verbannt. Aus diesem Grund ist die Erfolgsserie des BVB auch mitnichten ein Produkt des Zufalls, was Anhänger des FC Bayern München wohl eher nicht so gern hören dürften. Denn schließlich müsste wohl viel passieren, wenn die Dortmunder in den letzten sieben Spielen ihre neu gewonnenen Qualitäten einfach so wieder verlernen sollten.

Dazu kommt erschwerend, dass die zweite Halbzeit von Köln der Borussia etwas zurückgebracht hat, was ein wenig verloren gegangen schien: die nahezu unbändige Spielfreude und vor allem die Unbekümmertheit. Die Mannschaft weiß jetzt, wie sie sich aus unangenehmen Situationen befreien kann, und zwar aus eigener Kraft, und sie weiß immer noch, wie sie die Defensive des Gegners filetieren kann. Das dürfte für den Ausgang der laufenden Spielzeit enorme Bedeutung haben. Und was der Konkurrenz aus dem Süden ebenfalls zu denken geben dürfte: Demnächst, vermutlich schon am Freitag gegen den VfB Stuttgart, wird auch Mario Götze zurückkehren in den Kader und dann wohl auch bald auf den Platz. Gerade zum für die Borussia richtigen Zeitpunkt, jetzt, wo die Mannschaft ihre Spielfreude wieder gefunden hat.

24. März 2012

FC Bayern München – Hannover 96, Training 22.03.2012


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Donnerstagmittag in München an einem wunderschönen Frühlingstag – die Bayern strahlen mit der Sonne um die Wette. Nach dem knappen Erfolg am Vorabend im DFB-Pokal gegen Borussia Mönchengladbach und dem damit verbundenen Einzug ins Pokalfinale herrschte beim Rekordmeister an der Säbener Straße weiterhin eitel Sonnenschein.

Nach dem Pokalfight am Vortag über 120 Minuten wurden die Stammspieler selbstverständlich wie bekannt geschont und absolvierten per Mountainbike-Tour und im Leistungszentrum individuelle Rehamaßnahmen. Währenddessen zeigte sich die „Zweite Garde“ der Münchener mit sieben Feldspielern und zwei Torhütern den zahlreichen wartenden Fans an der Säbener Straße.

Rouven Sattelmaier arbeitete mit Torwarttrainer Toni Tapalovic an der Ballsicherheit bei kurzen Bällen, während Maximilian Riedmüller zu den Feldspielern beordnet wurde, um sein Kurzpassspiel und seine Passsicherheit zu schulen.

Lockeres Kreisspiel zum Anfang

Insgesamt nahmen daher an den aufgezeigten Übungs- und Spielformen Anatoliy Tymoshchuk, Rafinha, Diego Contento, Takashi Usami, Danijel pranjic, Nils Petersen, Ivica Olic und Riedmüller teil.
Co-Trainer Peter Hermann übernahm wie gewohnt den Leadpart und wies die Profis in den stets mit großer Lockerheit durchgeführten Ablauf ein. Der traditionelle Aufbau mit Laufschule und Kreisspiel zu Beginn läutete die Trainingseinheit ein.



Spielform 3 gegen 3

Anschließend ging es direkt in die oft gezeigte Spielform „3vs3plus“, wobei zwei Teams á 3 Akteure gegeneinander auf Ballhalten spielten und dabei die zwei freien Anspieler für den Kombinationsfluss mit einbauen sollten. Wenn eine Mannschaft einen Ballverlust verschuldet übernimmt diese den defensiven Part.



Einfacher Torschussübung

Anschließend führte Hermann eine neue Torschussform ein, wobei ein Vertikalpass auf den entgegen startenden Stürmer von einem einlaufenden Flügelspieler erlaufen und in einem Torerfolg umgemünzt werden sollte. Im konkreten Ablauf bedeutet dies, dass A einen Druckpass auf B spielt, der die Kugel auf den (nach einer Auftaktfinte) einlaufenden C klatschen lässt.

In der ersten Variante sollte C nun direkt abschließen. Im Anschluss fand der selbe Ablauf über die andere Seite statt. Daraufhin übernahm A die Rolle des freigewordenen Flügelspielers (C oder D), der auf die Position des B rückte. In der zweiten Variante sollte der Flügelspieler das Leder nun zuerst verarbeiten und daraufhin abschließen („zwei Kontakte“), in der dritten Abänderung spielten der Stürmer und der Flügel einen Doppelpass. Laufschemata und Passfolgen blieben unverändert. Als zusätzliche Möglichkeit, um positionsspezifisch zu schulen, nahmen Olic und Petersen zu Beginn der Übungsform für mehrere Bälle hintereinander die Sturmposition ein.





Absschlusspiel auf eingeschränkter Spielfläche

Zum Abschluss stand für die FCB-Profis noch ein Abschlussspiel auf dem Programm, wobei ein schmaler Korridor in der Größe von 10x25m gewählt wurde, um das Vertikalspiel zu betonen.




Autor: Dominik Langenegger

23. März 2012

FC Schalke 04 gegen Bayer Leverkusen, Training vom 22.03.2012


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Sonnenschein, wolkenloser Himmel und 17 Grad Celsius – Bestes Fußabllwetter beim Knappen-Training und deren Spielvorbereitung gegen Bayer Leverkusen. Alle Mann an Bord, außer Christian Metzelder, der übte sich im Lauftraining. Rehabilitant Höwedes befindet sich dagegen im schweißtreibendem Aufbautraining – Viel Erfolg!

Einen Hingucker hielt Julian Draxler bereit, der aller Voraussicht mit den Prototypen des neuen Adizero F50 das Schalke Training bestritt.

Aufwärmen, Dehen und Kräftigen

Typisches Aufwärmprogramm: ein paar Runden im lockeren Tempo um den Platz, dabei verschiedene Übungen und Tempovariationen

Dehn-und Kräftigungsübungen am Mittelkreis

Torhüter wurden auf kurze Distanz „warm“ geschossen

Koordinationsläufe durch Stangen in verschiedenen Varianten


Variante 1: mit enger Ballführung durch die Stangen dribbeln und nach der letzten den Pass zum nächsten Spieler




Variante 2: mit dem Ball in der Hand so schnell wie möglich im Slalom durch die Stangen

• Zur Lockerung sollten die Spieler zu dritt den Ball laufen lassen

Angriffskombinationen mit Flanken und Torabschlüssen

Die zweite Übung wurde zeitgleich in 2 verschiedenen Gruppen ausgeführt
Variante 1 auf der rechten Seite des Spielfeldes: Spieler A passt den Ball auf B, B lässt den Ball für C abtropfen. C spielt dann den Pass auf D, welcher dann wiederum zu E abprallen lässt. D läuft nach dem Anspiel zu E außen in Position Für die Flanke. E schickt D mit einem Steilpass. Spieler B und C laufen in den 16er und versuchen die Flanke von D zu verarbeiten.





Variante 2 auf der linken Seite des Spielfeldes: A spielt einen Pass auf B. B lässt abprallen und hinterläuft den Gegenspieler. Dann zieht B nach innen und erhält den Pass von A in den Lauf. B geht mit einer Finte rechts am nächsten Gegenspieler vorbei und kommt zum Abschluss.

Direkt an die Situation angeknüpft, läuft D die Außenlinie entlang und flankt in den 16er. Da sorgt dann der mitgelaufene Spieler B und ein beliebiger Spieler vom Standort C für den Torabschluss. Ohne Unterbrechung spielt dann A den Ball auf C. C lässt wieder abprallen und läuft am Gegenspieler vorbei. A spielt den Ball in den Lauf von C. C führt den Ball bis zum 16er und sucht den Torabschluss. Erneut läuft D wieder im selben Moment zur Flanke an und versorgt die Spieler in der Mitte mit einer ordentlichen Flanke.
Nach ungefähr 15 Minuten tauschen die beiden Gruppen die Spielhälften.




Abschlussspiel ohne besondere Taktikvorgaben

• Auslaufen und Dehnen
• -Trainingsende-

von Erhan Akcan

22. März 2012

Wahrnehmung Teil 1 – Kein Wahrnehmungstalent, na und?


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Im modernen Fußball kommt der Wahrnehmungsfähigkeit immer mehr Bedeutung zu. Nur wer schnell wahrnimmt, kann auch schnell umsetzen und schnell handeln. Fußballerische Fähigkeiten sind Grundvoraussetzung, doch ist nicht immer der bessere Fußballer der Sieger. Bei gleicher oder ähnlicher Leistungsstärke, kommt darauf an wer der Handlungsschnellere ist.

Auch im Bereich der Wahrnehmungsschulung ist ein gewisses Maß an Talent Bedingung. Doch wie in anderen Ausbildungsbereichen, lässt sich mit entsprechendem Training und Willen auch die Wahrnehmung erkennbar verbessern.

Ich habe vor etwa Jahren begonnen, mich mit dem Thema Wahrnehmung zu beschäftigen und bin in diesem Zusammenhang auf die Trainingsmethoden der Life-Kinetik gestoßen. Hierbei werden
• die Verbesserung der fußballerisch-technischen Fähigkeiten
• die Stärkung der koordinativen Fähigkeiten
• die Verbesserung der visuellen Wahrnehmung
• die Steigerung der (Fußball-)Intelligenz
angestrebt. Hierdurch angeleitet, erarbeite ich mir Übungen, die die Elemente Technik, Ausdauer, Koordination, Konzentration (Wachheit), Spaß beinhalten. So auch die nachstehende Übung „Buntes Hütchenfeld“, die man von der Grundausrichtung als Warmup-Einheit oder auch als eine Einheit entsprechend der aufgezählten Elemente einsetzen kann. Anhand des Zieles sind Feldgröße und Vorgaben zu wählen.

„Buntes Hütchenfeld“

Übungsaufbau
quadratisches Feld (Größe nach Übungsziel)
mindestens 4 verschiedene Hütchenfarben
von jeder Hütchenfarbe mindestens 3 Stück
die eine Hälfte der Spieler im Feld mit je 1 Ball
die andere Hälfte positioniert sich außerhalb

Übungsverlauf
Beginn: Die Spieler im Quadrat dribbeln den Ball und suchen sich einen Anspielpartner außerhalb des Quadrates. Mit dem Kurzpass wir eine Farbe zugerufen. Der Spieler, der jetzt den Ball hat, umdribbelt das Hütchen mit der genannten Farbe, dribbelt einen anderen außen stehenden Spieler an und ruft diesem wiederum eine Farbe zu usw.

Weitere Aufgaben bei Zuruf:
1. 1 Farbe
2. 2 Farben, z. B. weiß-blau, rot-rot (aber nicht zweimal das gleiche Hütchen umdribbeln)
3. 3 Farben
4. Obst anstatt Farben. Hier bewusst eine andere Farbe wählen, als sie das Obst tatsächlich hat. So z. B. Apfel für „blau“, Banane für „weiß“, Kiwi für „gelb“, Zitrone für „rot“. Hier dann wieder 1, 2 oder gar 3 Farben
5. 2 Farben Obst und 2 Farben Gemüse
6. Jetzt bestimmt der Zuruf auch den Dribbelfuß. Hier kann man entweder (einfach) Zahlen benutzen („1“ ist rechter Fuß und „2“ der linke) oder man nimmt erneut irgendwelche Platzhalter wie Werkzeuge, Möbel, Tiere etc. Bspw. „Hammer“ für den rechten Fuß und „Zange“ für den linken
7. Finten und Farben. Als Finte lässt sich der Übersteiger sehr gut einsetzen und auch eine 180°-Wende, wobei bspw. der Ball mit der Sohle zurückgezogen wird. Auch hier kann man beliebige Platzhalter verwenden. Ein Bsp.: „Hund“ ist der Übersteiger, „Katze“ die Wende, Farbe bleibt bestehen. So würde der Spieler auf das Kommando „Hund, 2, blau!“ nach Ballerhalt den Ball mit links führen und an einem blauen Hütchen einen Übersteiger mit dem rechten Bein nach rechts machen, damit er mit dem linken Fuß weiter dribbeln kann.

Varianten der Ballübergabe
Var. 1: Der Ball wird von den ballführenden Spielern mit einem Kurzpass nach außen gepasst.
Var. 2: Der Ball wird von den ballführenden Spielern an die außen stehenden übergeben.

Hinweis
Manchmal bietet es sich an, die Spieler bei der Wahl der Platzhalter mitbestimmen zu lassen. Der Kreativität sind hier keine Grenzen gesetzt. Allerdings darf man es nicht übertreiben und muss die Übung dem Leistungsniveau seiner Spieler anpassen. Legt man Wert auf einen Ausdauereffekt, sollte man die Platzhalter nicht zu viel wechseln. Es stellt sich sehr rasch eine geistige Ermüdung ein.

Übung

Liebe Grüße

Michael Mahla

Vorstellung: Michael Mahla


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Kurzinfo zu meiner Person

Ich heiße Michael Mahla, bin am 24.08.1963 in Darmstadt geboren und wohne in Ober-Ramstadt, Landkreis Darmstadt-Dieburg, Hessen. Von Beruf bin ich Kriminalbeamter und beim Polizeipräsidium Südhessen in Darmstadt tätig. Ich bin verheiratet und habe zwei Fußball spielende Kinder. Mein Sohn Kevin, 18 Jahre alt, ist Torwart, meine Tochter Luisa, 15 Jahre alt, ist Mittelfeldspielerin. Ich bin Inhaber der DFB-C-Lizenz Leistungsfußball, UEFA-und DFB-B-Lizenz (2011).

Wie kam ich zur „Trainerei“?

Nach Beendigung meiner aktiven Fußballerzeit, habe ich zunächst durch meinen Sohn mit der „Trainerei“ begonnen. Wie das manchmal eben geht, kam der damalige Jugendleiter auf mich mit Aussagen zu, wie „Kannst du das nicht machen … du hast doch gespielt und kennst dich aus … bei den Kleinen muss man doch fast nichts machen … es gibt sonst niemanden …?!“ Das war vor 15 Jahren.
Mittlerweile bin ich ein fußballverrückter Trainer, stets auf der Suche nach Verbesserung und Perfektionierung. Und mit jedem Training kommen neue Erfahrungen dazu. Einfach irre. Das macht süchtig.

Welche Altersklassen habe ich trainiert?

Junioren U7 bis U15 auf Kreisligaebene
Juniorinnen U12 bis U16 auf Kreis- und Landesebene (Hessenliga)
Herren auf Kreisebene
Frauen auf Landesebene (Landesliga Baden)
Aktuell bin ich Cheftrainer Frauen 1 bei Eintracht Frankfurt. Wir spielen in der höchsten hessischen Spielklasse (Hessenliga) und werden hoffentlich ein Wörtchen um den Aufstieg in die Regionalliga (3. Liga im Frauenfußball) mitreden.

Was fasziniert mich am Trainerjob?

Ich messe für mich die Faszination in drei verschiedenen Erfolgsparametern:
1. Feedback-Erfolg
2. Individueller Erfolg
3. Mannschaftserfolg

1. Feedback-Erfolg
Das größte Lob für mich ist ein positives Feedback eines Spielers*): Unlängst kam mein Sohn nach Hause. Er hatte einen ehemaligen Mitspieler aus der U12 getroffen, einen talentierten, trickreichen Stürmer, der mittlerweile bei vier verschiedenen Vereinen gekickt hat und mittlerweile in der zweithöchsten A-Juniorenklasse Hessens spielt. Er sagte meinem Sohn, dass er mir bitte ausrichten soll, dass ich sein bester Trainer gewesen sei. Da hat man als Trainer etwas richtig gemacht.

2. Individueller Erfolg
Kann man Spieler auf ihrem Weg weiter entwickeln, ist das ein nicht wirklich zu messender Erfolg. Dabei gilt es sowohl im sozialen, als auch im sportlichen Bereich unterstützend zu agieren. Beide Felder sind umfangreicher denn je.

3. Mannschaftserfolg
Mannschaftserfolge sind schön und notwendig. Auch sie sind vom Trainer abhängig.

Was treibt mich an?

Die allumfassende Frage, die ich mir immer wieder stelle, ist, wie kann man Fußball gehaltvoll und mit Spaß lehren, dabei die erforderlichen Werte vermitteln und selbst noch Spaß dabei haben. Das gilt nicht nur für den Jugendfußball, sondern ist meines Erachtens auch ein wesentlicher Faktor im Erwachsenenbereich. Dies fußt auf dem zunehmenden Konsum- und Eventverhalten der jungen Leute sowie auf der Erkenntnis eigener Erfahrungen, dass man mit Spaß und guter Laune einfach leichter lernt und bereitwilliger auch unliebsame Übungen und Aufgaben angeht. Man kann Fußball nicht neu erfinden, jedoch muss man sich eine Symbiose erarbeiten aus Erkenntnissen des modernen Sports, Spaß und alten Werten. Diesen Weg zu finden, macht es einfach aus.

Gibt es Grundvoraussetzung eines Trainers und braucht man eine Lizenz?

In aller Kürze: Ja. Der Trainer muss Vorbild sein und alle zu vermittelnden Werte wie Geduld, Ausdauer, Fleiß, Disziplin, Pünktlichkeit, Offenheit, Toleranz, Ehrlichkeit und Wille zum Erfolg unbedingt vorleben. Dazu gehört natürlich auch das entsprechende theoretische Wissen, die Fähigkeit es zu vermitteln und – im Jugendbereich ein absolutes Muss – die Fähigkeit es vormachen zu können.

Ich habe auch lange Jahre ohne Lizenz trainiert. Meiner Meinung nach macht eine Lizenz alleine keinen guten Trainer aus. Es gibt viele gute, lizenzlose Trainer. Dennoch habe ich für mich die Erfahrung gemacht, dass durch Lizenzlehrgänge (und auch andere Fortbildungen) das Fußballfachwissen alleine schon durch den Small-talk in den Pausen maßgeblich erweitert wird. Durch die Schulung bekommt man eine andere, erweiterte Sichtweise auf viele Dinge, die in der persönlichen Weiterentwicklung auf keinen Fall hinderlich ist.

Das soll zunächst einmal genügen.

Liebe Grüße

Michael Mahla

21. März 2012

Flucht nach vorn


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Der FC Schalke 04 überrascht unter Huub Stevens mit vielen Toren und einer Abkehr vom alten Prinzip des „die Null muss stehen“, das der Niederländer früher propagierte. Doch eigentlich bleibt Stevens mit seinem Spielermaterial gar keine andere Chance, als den Weg nach vorn zu suchen. Der Versuch einer Analyse einer taktischen Wandlung der Gelsenkirchener.

Dass der alte Satz nicht mehr gilt oder zumindest nicht mehr viel – damit war kaum zu rechnen. Selbst die Auguren, die Woche für Woche als Experten im Pay-TV ihre Analysen abgeben, dürften mit allem gerechnet haben, nicht aber damit, dass Huub Stevens‘ alter Satz („die Null muss stehen“) so was von gar nicht mehr gilt. Ein Satz, zu dem wir auf Fussballtraining.de seinerzeit auch schon unsere Vermutungen angestellt haben (http://www.fussballtraining.de/vermischtes/gilt-der-alte-satz-noch-immer/3919). Der Niederländer scheint nicht mehr viel davon zu halten, jedenfalls liegt diese Vermutung nahe. 34 Gegentreffer sind kein Topwert für eine Spitzenmannschaft, doch dafür hat Schalke mit 58 eigenen Treffern die zweitbeste Offensive der Liga. Und das liegt nicht nur am Wunderstürmer Klaas Jan Huntelaar.

Der Kader, den Stevens in Gelsenkirchen vorgefunden hat, lässt dem Trainer allerdings so viele Möglichkeiten gar nicht. Soll heißen: Schalke ist dazu verdammt, zu stürmen – das kann natürlich auch nach hinten losgehen, so wie beim 0:3 in Mönchengladbach, dem gleichen Ergebnis in Stuttgart oder den beiden 0:2-Pleiten gegen den FC Bayern. Doch diese Niederlagen sind selten in dieser Saison, weil die Mannschaft dazu zu stabil und vor allem zu dominant ist. Schalke macht fast immer das Spiel, und taktisch gesehen bleibt den „Knappen“ kaum eine andere Wahl, jedenfalls dann, wenn auf dem Platz deutlich mehr Offensiv- als Defensivkräfte stehen. Beim jüngsten 4:1in Kaiserslautern las sich die Startelf wie folgt: Hildebrand im Tor, in der Viererkette Fuchs, Uchida, Papadopoulos und Matip; im Mittelfeld agierten auf der Sechs Jones und Holtby und davor Draxler, Farfan und Raúl. Ganz vorn durfte wie immer Stevens Landsmann Huntelaar ran, dem zurzeit fast alles gelingt. Mit 20 Treffern liegt er in der Liste der Torjäger auf Platz zwei hinter Mario Gomez (22 Tore).

Dem Gegner das Spiel diktieren

Doch um die erzielten Tore geht es gar nicht einmal im Schalker System, sondern vielmehr darum, dass die taktische Vorgabe mit einer solchen Aufstellung klar ist: dem Gegner wird das eigene Spiel aufgezwungen. Von den zehn Feldspielern, die in der Pfalz den Betzenberg eroberten, sind mindestens sechs dabei, die ausschließlich offensiv denken, nämlich Huntelaar, Raúl, Draxler, Farfan, Holtby – und Außenverteidiger Fuchs. Und auch die Verteidiger Matip und Papadopoulos sind nicht nur bei eigenen Offensivstandards am und im gegnerischen Sechzehner zu finden. Kurz gesagt hat der FC Schalke 04 da eine Mannschaft beisammen, die gar nicht defensiv spielen kann. Also heißt es, die Flucht nach vorn anzutreten.

So etwas muss natürlich nicht zwangsläufig gut gehen, und genau an dieser Stelle beginnt das Verdienst von Huub Stevens. Dass mit einer solchen Offensivwucht hinten nicht unbedingt die oben erwähnte Null stehen muss, das weiß der Trainer offensichtlich, und so versucht er erst gar nicht, seine Truppe in ein taktisches Konzept zu stecken, in dem sie sich nicht wohlfühlt. Das Potenzial zur stürmischen Kreativität, das Spieler wie Draxler, Holtby und Farfan besitzen – also fast das gesamte offensive Mittelfeld –, bedeutet im Umkehrschluss, dass das defensive Denken oft vernachlässigt wird. Also lässt Stevens als Absicherung Jermaine Jones im Mittelfeld spielen und vertraut darauf, dass Linksverteidiger Fuchs zumindest gelegentlich auch an das Absichern des eigenen Tores denkt. Dass ihm das meist gelingt (wie auf rechts auch dem Japaner Uchida), ist einer der Schlüssel des derzeitigen Schalker Hochs.

In der Offensive unberechenbar

Die eigentlich einzige Kehrseite, die dieses System birgt, wurde beim 1:0 der Lauterer durch Rodnei offenbar. Eine von rechts getretene Freistoßflanke zeigte, dass es genau Standards sind, die die Schalker anfällig machen. Torjäger Huntelaar sollte die Bewachung von Rodnei übernehmen, doch als der Brasilianer schließlich einköpfte, war er ganz allein auf weiter Flur; Huntelaar hatte ihn schlicht außer Acht gelassen. Stevens wird nun noch mehr daran arbeiten lassen, dass in der Vorwärtsbewegung keine Bälle verloren gehen, die evtl. ein Foul nach sich ziehen, um dem Gegner noch weniger Gelegenheiten zu geben, diese Schwachstelle der Standardsituationen auszunutzen. (Ein Beispiel, wie Stevens genau das trainiert, findet sich hier bei den Übungen „Passfolgen und Laufwege“ und Schalke-Trainingsspiel im taktischen System“.)

Das Spiel der Schalker ist zudem ungewohnt schön anzusehen, was lange Jahre anders war. Die Unberechenbarkeit in der Offensive macht es für jeden Gegner extrem schwer, die Angriffe zu durchschauen und so zu stoppen. Mal lässt sich Huntelaar ins Mittelfeld fallen, mal geht Draxler nach vorn, dann wieder bietet sich Raúl in der eigenen Hälfte an, dann taucht plötzlich Farfan im Strafraum auf. So gab es bei den vier Toren gegen den FCK vier verschiedene Torschützen: Holtby, Huntelaar, Raúl und Farfan. Dazu kommt, dass die Schalker momentan (nicht nur Huntelaar) den Torabschluss suchen, so fallen eben die zahlreichen Treffer. Dass die meisten davon auch noch tolle Tore sind, das dürfte Stevens vermutlich ziemlich egal sein.