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25. November 2010

Teamrollen

In einem Team gibt es verschiedene Rollen. Das ist auch im Fußball nicht anders. Diese Teamrollen dürfen nicht mit den Spielpositionen verwechselt werden. Vielmehr geht es um die soziale Rolle innerhalb des Gesamtgefüges. Diese ist nicht auf das Spielfeld beschränkt. Auch außerhalb des Platzes passieren viele Dinge, die für ein Team wichtig sind.

Bei den Teamrollen kann deswegen unterschieden werden zwischen der Rollen, welche die Spieler auf dem Platz einnehmen, und den Rollen, die sie außerhalb des Spielfelds bekleiden. Das ist zwar vielfach deckungsgleich, aber längst nicht immer. Für einen Trainer ist es wichtig, diese Unterschiede wahrzunehmen und bei einer Teambuilding-Strategie zu berücksichtigen.

In der wissenschaftlichen Literatur werden die Teamrollen meist nach einem Schema unterschieden, das von Dr. Meredith Belbin entwickelt worden ist. Auf den Fußball bezogen gibt es demnach folgende Teamrollen:

Der Macher

Der Macher ist nicht besonders an der Theorie interessiert. Bei Taktik-Besprechungen ist er schnell gelangweilt. Dafür geht er aber auf dem Platz voran und zieht mit seinem Ehrgeiz andere Teammitglieder mit. Wenn aber die Kollegen nicht so arbeiten, wie der der Macher sich das vorstellt, kommt es schnell zu Vorwürfen. Oft fehlt es am Verständnis für das Gegenüber, so dass sehr leicht Konflikte entstehen können. Deswegen sind Macher nur bedingt für Führungsrollen geeignet. Sie können zwar ein Team mitreißen, aber wenn sie Führungsverantwortung tragen, übertreiben sie sehr schnell. Gegen einen Macher, der vom Trainer z.B. zum Spielführer gemacht wird, kann leicht eine Front im Team entstehen. Eine klassische Position eines Machers ist die des Antreibers im Mittelfeld.

Der Spezialist

Der Spezialist hat Fähigkeiten, die kein anderes Teammitglied hat. Allerdings fällt es ihm oft schwer, diese Fähigkeiten einzubringen, da er eher schüchtern und zurückhaltend ist. In der Mannschaft hat er es meist schwer, da er von stärkeren Charakteren zurückgedrängt wird. Zudem können Spezialisten nur schwer mit Druck umgehen. Dennoch können sie einen wichtigen Beitrag zum Erfolg leisten. Dazu müssen sie aber vom Trainer gestützt werden.

In jeder Mannschaft gibt es sensible Spezialisten. Oftmals handelt es sich die berüchtigten Trainingsweltmeister, die nur selten in Spielen ihre Leistung bringen. Da ein Spezialist einer Mannschaft kaum schaden kann und gelegentlich für besondere Leistungen gut ist, gibt es fast in jedem Team Vertreter dieser Teamrolle. Für einen Trainer sind Spezialisten einen besondere Herausforderung, denn sie benötigen viel Zuspruch und Geduld.

Der Beobachter

Der Beobachter ist ein eher passiver Typ. Er hält sich bedeckt, ist aber immer gut informiert über die Aktivitäten innerhalb des Teams. Wenn er sich dann doch einmal äußert, neigt er eher zu pessimistischen Aussagen. Er kann in solchen Moment oft schlechte Stimmung verbreiten. Zudem kommt es auch vor, dass der Beobachter mit unbedachten Äußerungen Mitspieler kränkt oder verärgert.

Ein Beobachter schwimmt meist mit dem Strom. Auch wenn er Fehlentwicklungen erkennt, unternimmt er nur selten etwas. Am Ende weiß er aber ganz genau, warum ein Team nicht erfolgreich war. Solche Charaktere sind in einem Team problematisch. Als Torhüter können sie wenig Schaden anrichten, aber als Feldspieler sind sie nur bedingt zu gebrauchen. Ein Beobachter ist nur dann akzeptabel, wenn er über eine außerordentliche Leistungsfähigkeit verfügt. Als Führungsspieler sind Beobachter nicht geeignet.

Der Umsetzer

Der Umsetzer benötigt eine klare Vorgabe, die er gewissenhaft umsetzen kann. Der Trainer kann sich auf einen Umsetzer verlassen, aber er sollte nicht den Fehler machen, ihm eine Kreativaufgabe zuzuteilen. Es gibt Spieler, die aufgrund ihres fußballerischen Könnens durchaus dazu in der Lage wären, eine Kreativrolle zu übernehmen. In der Praxis sind sie aber mit einer solchen Aufgabe überfordert, weil sie Eigeninitiative entwickeln müssten.

In einer Fußballmannschaft sorgen die Umsetzer dafür, dass ein stabiles Gerüst vorhanden ist. Die perfekte Aufgabe für einen Umsetzer ist die Manndeckung. Bei diesem Job muss er selbst nicht kreativ werden und weiß zu jedem Zeitpunkt ganz genau, was er tun muss.

Der Wegbereiter

Der Wegebereiter ist ein großer Kommunikator. Innerhalb der Mannschaft ist er beliebt und trägt mit seinem Enthusiasmus zur guten Stimmung bei. Er ist aber auch eine wichtige Schnittstelle zum Trainerteam und zu anderen Verantwortlichen. Er verfügt über eine großes soziales Netz, ist hilfsbereit und kümmert sich um andere Teammitglieder. Der sportliche Stellenwert eines Wegebereiters muss nicht herausragend sein, damit er einer Mannschaft nützen kann. Er vermag es vielmehr, aufgrund seiner sozialen Kompetenz, das Mannschaftsgefüge zu verbessern.

Der Wegbereiter erkennt Probleme frühzeitig und ist deswegen ein wichtiger Ansprechpartner für den Trainer. Gerade in schwierigen Situationen sind Teams auf Wegbereiter angewiesen. Sie können auf die positiven Aspekte hinweisen und strahlen Optimismus aus. Dennoch sind sie als Führungsspieler nur bedingt geeignet, da sie in einem Team nicht vorangehen können.

Der Koordinator

Der Koordinator ist eine Führungspersönlichkeit. Er hat stets das Ganze im Blick und übt eine leitende Funktion aus. Problematisch wird es immer dann, wenn ein Koordinator nicht die nötige Leistungsstärke hat, z.B. bei einer Formschwäche. In vielen Fußballmannschaften spielt ein Koordinator auf einer zentralen Position. Das defensive Mittelfeld bietet sich an, da von dort aus das gesamte Spiel geordnet werden kann. In einer Fußballmannschaft kann es zu Problemen kommen, wenn es mehr als einen Koordinator gibt. Dann ist eine klare Hierarchie nötig. Allerdings ist es auch wichtig, dass es einen Ersatz gibt, falls der erste Koordinator ausfällt.

Der Perfektionist

Der Perfektionist stellt extrem hohe Ansprüche an sich selbst und die anderen Teammitglieder. Er entwickelt kaum Eigeninitiative, blüht aber auf, wenn er von einem Trainer einen klaren Auftrag bekommt. Der Perfektionist kann kreativ sein, aber wenn er zu viel Freiheit hat, versagt er häufig. Die hohen Ansprüche an die eigene Person sind nämlich mit einer großen Unsicherheit verbunden. Wenn etwas schiefläuft, stellt der Perfektionist sich schnell in Frage. Er benötigt viel Zuspruch und das Vertrauen des Trainers.

Auf der anderen Seite müssen dem Perfektionisten aber auch klare Grenzen gesetzt werden, damit er nicht durch seine negative Art andere Spieler verunsichert. Ein Trainer kann sich auf einen Perfektionisten auch dann verlassen, wenn der Rest der Mannschaft eine schlechte Phase hat. Einsatz und Leistungsbereitschaft sind immer vorhanden.

Der Erfinder

Der Erfinder ist ein kreativer Kopf, der sich von der Masse abheben möchte. Durch besondere Ideen setzt er Reizpunkte und ist oft maßgeblich am Erfolg eines Teams beteiligt. Erfinder sind Individualisten, die sich nur selten nahtlos in ein Mannschaftsgefüge einpassen lassen. Dieses Manko machen sie jedoch wett durch den positiven Beitrag, den sie auf dem Platz leisten.

Im Fußball sind Erfinder meist Stürmer oder offensive Mittelfeldspieler. Sie sind in der Lage, spielentscheidende Aktionen durchzuführen. Deswegen haben sie einen hohen Stellenwert für ein Team. Oft erwächst daraus eine Sonderrolle, die jedoch nur dann akzeptiert wird, wenn die Leistung stimmt. Da viele Erfinder zu Egoismus neigen und auch neben dem Platz oft eigenwillig sind, können sie einer Mannschaft auch schaden. Es gibt in der Fußballgeschichte zahlreiche prominente Erfinder, die zwischen Genie und Wahnsinn pendelten, z.B. Paul Gascoigne, Mario Basler, Romario und Wolfram Wuttke.

Der Teamplayer

Ein Teamplayer ordnet seine eigenen Interessen komplett den Teaminteressen unter. Solche Spieler sind bei Trainern und Mannschaftskollegen sehr beliebt. Sie verrichten zuverlässig und ohne Widerspruch ihre Arbeit. Auf einen Teamplayer ist immer Verlass. Allerdings gibt es auch Schattenseiten. Wenn es nicht läuft, neigen Teamplayer dazu, sich dem negativen Trend anzuschließen. Sie sind meist nur dann stark, wenn der Rest der Mannschaft auch stark spielt. Dennoch sind sie unverzichtbar in einem Team, denn sie erfüllen wichtige Aufgaben.

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In einem Team müssen längst nicht alle Teamrollen vorhanden sein. Allerdings kommt kein Team ohne einen Macher, einen Koordinator und mehrere Teamplayer aus. Dieses Grundgerüst sollte immer vorhanden sein. Zudem sind die vorgestellten Teamrollen nur eine Orientierungshilfe. In der Praxis kommt es durchaus vor, dass ein Spieler zwei oder drei Teamrollen in sich vereinigt.

Ein Trainer kann durch eine präzise Analyse der Teamrollen wichtige Erkenntnisse für das Teambuilding gewinnen. Zudem sollte auch bei Neuverpflichtungen darauf geachtet werden, dass die nicht optimal besetzten Teamrollen bei der Entscheidung für oder gegen einen Spieler berücksichtigt werden. Es wäre völlig verkehrt, alleine die sportliche Leistungsfähigkeit als maßgebliches Kriterium zu verwenden.

In einer Mannschaft ist es z.B. sehr problematisch, wenn ausschließlich Teamplayer vorhanden sind. Das Resultat ist dann eine harmonische, aber oftmals erfolglose Mannschaft. Auf der anderen Seite ist es auch nicht möglich, ausschließlich mit Machern und Spezialisten erfolgreich zu arbeiten. Keine Mannschaft kann ohne Teamplayer, die zuverlässig ihre Arbeit machen, aber keine Ansprüche stellen, auskommen.