Dieter Hecking setzt im Training auf Tempo und Wettkämpfe

Zu dieser Einheit waren die Profis von Borussia Mönchengladbach nicht lange auf dem Spielfeld, die Stammspieler gar nur 45 Minuten. So viel Bewegung und Tempo wie diese Einheit besitzen viele 2-stündige Trainings allerdings nicht. Dieter Hecking hat in seiner gut einmonatigen Amtszeit die Fitness seines Teams auf ein neues Level gehoben, ein Vertrauensverhältnis zu den Spielern aufgebaut und das Selbstvertrauen zurückgebracht.

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90 Prozent reichen dem Trainer nicht

20 Feldspieler und 4 Torhüter liefen zum Abschlusstraining vor der Heimpremiere von Hecking bei der Borussia auf. Laufen ist das richtige Stichwort: Unter dem Coach stehen die Akteure lediglich bei den eindringlichen Besprechungen, meist zu Beginn und Ende der Einheiten. Ansonsten ist „Tempo“ das neue Zauberwort am Niederrhein. In jeder Aktion erwartet das Trainerteam 100-prozentigen Einsatz. Erstes Ergebnis: Die beste Laufleistung aller Bundesligisten am ersten Rückrunden-Spieltag in Leverkusen.

Dort drehte die Mannschaft außerdem einen 0:2-Rückstand in einen 3:2-Erfolg zum ersten Auswärtssieg der Saison. In der Hinrunde hatten die Gladbacher häufig in der letzten halben Stunde körperlich stark abgebaut und einfache Gegentreffer kassiert.

Torhüter trainieren Reflexe

In der finalen Vorbereitung auf Freiburg arbeiteten die Keeper mit Torwarttrainer Uwe Kamps an der Reaktionsschnelligkeit. Dazu sollte beispielsweise eine Flanke mit direktem Abschluss von außen simuliert werden, auf die ein weiterer Schuss des Gegners folgt. Schnelle Reflexe und die direkte Geistesgegenwart für einen Nachschuss standen somit im Fokus. Yann Sommer bewies dabei einmal mehr sein herausragendes Reaktionsvermögen.

Spieler stehen kaum

Für die Feldspieler standen nach einer intensiven Ansprache von Hecking zwei lockere Runden um den Platz auf dem Programm, bevor Fitnesscoach Markus Müller eine komplexe Mischung aus Dehnen, Kraft und Mobilisierung anleitete, in der sich alle Akteure stets in Bewegung befanden. Anschließend mussten die Profis erste kürzere Sprints anziehen.

Die Chemie stimmt

Ohnehin ist genau dies der Wunsch von Hecking: Tempo, Tempo, Tempo. Wer denkt, das bedeute „Erst die Arbeit, dann das Vergnügen“, der irrt. Der Cheftrainer kombiniert hartes Malochen und klare Anweisungen mit einer hohen Empathie für seine Schützlinge. Er trifft den richtigen Ton, führt zahlreiche Einzelgespräche und hat deshalb die volle Rückendeckung seines Teams sicher. Seine Art kommt an, das spüren die Beobachter sehr schnell. Es wird viel gelacht auf dem Fohlenplatz am Borussia-Park.

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Im 5 gegen 2 forderte Hecking beim Abschlusstraining immer wieder „Komm jetzt!“, „Tempo!“ oder „Jetzt, jetzt, jetzt!“. Er befeuert die Profis und ist immer mittendrin. Es darf gerne auch mal krachen im Zweikampf, selbst wenn es nicht um Punkte in Pflichtspielen geht. Die Truppe sei ihm zeitweise noch zu lieb, hatte Hecking bereits vor einer Woche angemerkt. Zwar erklären seine Assistenten häufig die Übungen, der Chef greift aber regelmäßig bei der Ausführung ein, gibt konstruktive Hinweise zur Verbesserung.

Wettkämpfe kommen gut an

Wettkampfformen mit Bestrafungen wie Liegestütze sind ebenfalls die Regel. Nach dem 5 gegen 2 ging es im Tempodribbling-Parcours um alles: Das Verliererteam durfte extra schwitzen, ganz zur Belustigung der Sieger. Mit einfachen Kniffen beschwört Hecking einen neuen Spirit in seiner Mannschaft. Dass sie dabei eine ganze Menge laufen müssen, scheinen sie zeitweise gar nicht zu merken. Während Stindl, Christensen und Co. Nach einer Dreiviertelstunde in den wohlverdienten Feierabend gingen, arbeiteten die Reservisten noch eine Weile weiter.

Bei einer Torschussübung, in der der Ball von links nach rechts durch die Reihen läuft und letztlich auf die kreuzenden Angreifer geflankt wird, war der Einsatz diesmal das Abbauen aller Hütchen für denjenigen mit den wenigsten Treffern. Zeitweise verlor man als Zuschauer schon mal den Überblick, so schnell passierte alles auf dem Rasen. Keine Pausen, immer wieder volle Geschwindigkeit.

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„Halb sechs Abfahrt!“

Zum Abschluss gab es unter den zehn verbliebenen Feldspielern ein Freistoß-Duell aus 20 Metern Entfernung zum Kasten. Jedes Tor wurde überschwänglich gefeiert. Die letzte Ansage vom Coach war erneut typisch Hecking: „Halb sechs Abfahrt!“. Damit war die Abreise in Richtung Mannschaftshotel gemeint, die eine Stunde später anstand. Dieter Hecking und die Borussia: Das scheint zu passen.

Von Tom Trilges

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