Spielsystemanalyse: SC Freiburg II – Bahlinger SC

Am vergangenen Sonntag startete die Freiburger Zweitvertretung in die Rückrunde der Oberliga Baden-Württemberg. Im Derby gegen den Bahlinger SC konnten die enorm heimstarken Gastgeber lediglich einen Punkt auf dem Konto verbuchen und mussten sich nach einem verhaltenen Spiel mit einem torlosen Remis begnügen. Das gute Fußball-Wetter lockte eine beachtliche Kulisse in das Möslestadion, darunter auch zahlreiche Gästefans. Sowohl Anhänger und Beobachter erwarteten gespannt den Auftritt der Freiburger gemessen an der starken Hinrunde. Auch in diesem Bericht soll der Fokus auf einem taktischen Vergleich zur Hinrunde liegen.

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Freiburger mit Schlüsselfigur im Aufbauspiel

Vom eigenen Tor aus bauten die Freiburger nach einem bekannten Muster auf: der Sechser und Kapitän in Personalunion Ivica Banovic ließ sich häufig zwischen die Innenverteidiger fallen, während die Außenverteidiger versuchten, über Außen den Gegner vom eigenen Tor wegzuschieben. Dadurch wurde er zur Schlüsselfigur im Freiburger Aufbauspiel. Auffällig war bereits früh im Spiel, dass diese Taktik nur bedingt aufging. Wenn Bahlingen den Spielaufbau stören wollte, konnten sie oftmals vermeiden sich weit in die eigene Hälfte pressen zu lassen, wodurch Freiburg gezwungen war den Ball eher untypisch mehrfach in der eigenen Abwehrreihe zu passen.

Bahlingen legte den Fokus deutlich auf die Defensive, aber vermied die Verschiebung zum eigenen Tor. Dadurch ergab sich eine erste Hälfte, die sich auf das Mittelfeld konzentrierte. Symptomatisch für den Spielverlauf: Das 4-1-3-2 im Aufbauspiel der Freiburger war selten zu sehen, da es keine nennenswerten Abschlüsse gab in Richtung des Bahlinger Tores. Freiburg konnte zwar zwei Abschlüsse in der ersten Hälfte zu Protokoll bringen, diese waren allerdings nach Standard bzw. Hereingabe von außen per Kopf vollzogen worden. Ein weiteres Indiz für die gute Unterbindung der Freiburger Spielstärke, die sicherlich auch die Bahlinger in der Hinrunde registriert haben.

Abgesehen von der guten taktischen Einstellung des Gegners leistete sich Freiburg jedoch auch einige technische Fehler, ein Phänomen, das im Möslestadion zuletzt selten zu beobachten war. Die Statik des Spiels und die Ballzirkulation um den Mittelkreis oder an den Außenbahnen ermöglichten es Freiburg auch nicht, Torgefahr durch ihr schnelles Umschaltspiel zu initiieren.

Freiburg offensiv im 4-3-3, phasenweise auch im 3-4-3

In der zweiten Hälfte versuchte Freiburg, den Druck zu erhöhen. Trotzdem fehlte es an den Spielsituationen, die der Freiburger Offensive liegen. Zumindest kurz entstanden die Situationen, die bekannte Muster in der Freiburger Offensive aufzeigten. Sie agierten vorne mit einer Mittelstürmer Position und einer Mischform aus 10er und hängender Spitze. Diese bildete zusammen mit dem Mittelstürmer, der sich auch als Anspielstation beim klassischen „abklatschen“ lassen, während der Rest der Offensive aufrückte, präsentierte, die offensiven Anspielstationen.

Wenn es Freiburg gelang, den Gegner in die eigene Hälfte zu pressen, positionierte sich am gegnerischen Strafraum ein Dreigespann aus Mittelstürmer und den offensiven Außen. Die Außenverteidiger rückten weit auf, um das Zentrum mit Hereingaben versorgen zu können und bilden zusammen mit dem Zehner die zweite Dreierkette. Es ergab sich ein offensives 4-3-3. Währenddessen suchten die drei an der Strafraumgrenze positionierten Spieler entweder die Möglichkeit in den Raum zu starten, oder sich fallen zu lassen, um angespielt werden zu können. Die Taktik, den Ball um den gegnerischen Strafraum zirkulieren zu lassen und auf den Start in den Raum zu warten, zeigte man schon in der Hinrunde häufig.

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Da Freiburg allerdings oft mit wenig Tempo in die gegnerische Hälfte eindrang, musste zumeist der Ball auf die Außen gespielt werden, ohne dass es zu größeren Räumen im Zentrum gekommen war. Diese Situationen offenbarte die gute taktische Ausrichtung der Gäste. Sie agierten mit einer defensiven Fünfer-Kette. Dadurch konnte das Dreigespann am eigenen Strafraum von drei Innenverteidigern in einer Manndeckung ausgeschaltet werden. Die beiden Außenverteidiger verteidigten im Verbund mit den äußeren Mittelfeldspielern die Freiburger Außen. Infolgedessen konnte Freiburg zwar durchaus Ballbesitz mittig zwischen Mittellinie und gegnerischem Strafraum erzeugen, jedoch ohne große Abschlussmöglichkeiten. Auch in der zweiten Hälfte beschränkten sich die Abschlüsse weitestgehend auf Verwertungen von Hereingaben. Ein anscheinend von Bahlingen bewusst in Kauf genommenes Risiko.

Freiburg versuchte, den Druck aus der eigenen Hälfe heraus zu erhöhen, indem die taktische Ausrichtung im Spielaufbau zwischendurch leicht verändert wurde. Durch vereinzelte Versuche eines 4-1-4-1, wobei sich wieder ein Sechser Fallen ließ, versuchten die Gastgeber, das Spiel in die Breite zu ziehen. Alternativ griffen sie Phasenweise auf ein 3-4-3 zurück, bei Positionierung der oben beschriebenen offensiven Dreier-Kette und Ergänzung des Mittelfeldes durch die Außenverteidiger. Alle Versuche konnten keine wirklich brenzligen Situationen aus Sicht der Bahlinger erzwingen.

Defensiv spielte Freiburg in einer 4-4-2 Formation

Das Freiburger Defensiv-Konzept war in der Hinrunde oft durch aggressives Pressing und eigenen Ballbesitz geprägt. Das war theoretisch auch im Derby nicht anders. Allerdings führte das relativ statische Spiel dazu, dass Freiburg kaum Ballverluste des Gegners erzwingen und in ihre schnelle Umschaltbewegung überführen konnten. Stattdessen spielte Bahlingen taktisch klug, kein allzu hohes offensive Tempo und wurde nicht nervös, wenn man den Ball erst einmal in der eigenen Hälfte hielt. Dadurch presste Freiburg zwar, lief aber oft ins Leere und eroberte weniger Bälle als üblich.

Gegen das gegnerische Aufbauspiel stellten die Hausherren eine 4-4-2 Formation. Die Formation im gegnerischen Aufbauspiel wird allerdings flexibel interpretiert, da das Mittelfeld häufig aggressive Manndeckung spielt. Infolgedessen verschiebt sich die Formation auch – je nach Verhalten des Gegners. Die Freiburger verschuldeten auf den Außen häufiger Fouls, als in der Spielfeldmitte und sammelte hier auch Verwarnungen, da man versuchte, mit aller Konsequenz die Außen der Bahlinger im Spielaufbau als Option auszuschalten.

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Die gute taktische Leistung der Bahlinger und technische Fehler sowie wenig allgemeine Spielgeschwindigkeit führten schließlich zu einem unspektakulären und abschlussarmen Unentschieden. In der logischen Konsequenz: Endstand 0:0.

Von Julian Pfitzer

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