Der Conconi-Test

Der Conconi-Test zählt wie der allseits bekannte Laktattest oder die Methoden der Ergospirometrie zu den leistungsdiagnostischen Analysewerkzeugen, die anhand bestimmter Untersuchungen unter Belastung der Testperson die „anaerobe Schwelle“ eines Leistungssportlers, z.B. im Fußball, ermitteln wollen. Während sich im Fußball vor allem der Laktattest eingebürgert hat, war der Conconi-Test vor allem für Läufer und Radfahrer geeignet. Bevor im Folgenden weiter auf diese Testvariante eingegangen wird, sollten Sie wissen, dass dieser Test nicht mehr zeitgemäß ist und im Fußball wie auch in anderen Leistungssportarten vom Laktattest oder der Ergospirometrie abgelöst worden ist. Dies liegt weniger am Ablauf oder dem Testaufbau des Conconi-Tests, sondern eher daran, dass sowohl Laktattests als auch die Methoden der Ergospirometrie weitaus verlässlichere und präzisere Werte liefern, was für die heutigen Anforderungen des Leistungssports sowie die optimale Trainingsvorbereitung (z.B. im Fußball, bei Langstreckenläufern oder Radfahrern) mittlerweile nahezu unerlässlich geworden ist.

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Entstehung und Zweck des Conconi-Tests

Der Conconi-Test wurde entwickelt vom ehemaligen italienischen Amateur-Radrennfahrer, Biochemiker und Sportwissenschaftler Francesco Conconi, der 1935 in Como geboren wurde. Conconi wollte mit seinem Test in erster Linie die Zusammenhänge zwischen der Belastungsintensität und der Pulsfrequenz darstellen und beweisen. Der Conconi-Test selbst dient also als Methode für das Ausdauer- und Konditionstraining, wobei der unmittelbare Zusammenhang zwischen der Herzfrequenz sowie der Intensität der jeweiligen Belastung, insbesondere in den sog. „anaeroben Schwellenbereichen“ ermittelt werden sollte. Conconi entwickelte den nach ihm benannten Test unter der Annahme, dass die Herzfrequenz im aeroben Bereich linear steigen würde. Um diese Annahme genauer zu verstehen, muss zunächst der Unterschied zwischen aerob und anaerob erklärt werden.

Aerobe und anaerobe Trainingsbereiche und die Bedeutung für den Conconi-Test

Vereinfacht unterscheidet sich der aerobe vom anaeroben Trainingsbereich darin, dass dem Körper bzw. der Muskulatur im aeroben Bereich ausreichen Sauerstoff zur Verfügung steht, während im anaeroben Trainingsbereich bereits vermehrt Glucose abgebaut wird, mehr Kohlendioxid ausgeatmet als Sauerstoff eingeatmet wird und in der Folge auch mehr Laktat in den Muskelzellen produziert wird, was letztlich zu einer Überschreitung der individuellen Leistungsgrenze und einer Übersäuerung des Muskels bis hin zur Dysfunktionalität in Form einer Verkrampfung führt. Betrachtet man diese Prozesse genauer, wird sichtbar, wie wichtig eine funktionierende und ausreichende Sauerstoffversorgung für unsere Muskulatur ist. Denn innerhalb des beanspruchten Muskels wird nur Energie gewonnen, indem bestimmte Nährstoffe sowie der zum Muskel transportierte Sauerstoff, der auch dafür sorgt, dass Kohlenhydrate, Fette oder Proteine aus Muskeln und Zellmembranen für den Leistungssport erfolgreich umgesetzt werden, verbrannt werden.

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Aus diesem Prozess entsteht der Abfallstoff Kohlendioxid, der durch unsere Blutlaufbahn zur Lunge transportiert und letzten Endes ausgeatmet wird. Je intensiver die Belastung für unseren Körper und unsere Muskulatur ist, desto höher ist der Bedarf an Sauerstoff und desto höher ist folglich auch die Kohlendioxidproduktion und -Ausstoßung. Erreicht die Belastung jedoch ein gewisses Level, können die Blutkörperchen die Muskeln nicht mehr mit ausreichend Sauerstoff versorgen, weshalb es in der Folge zu einem relativen Sauerstoffmangel in den beanspruchten Muskelzellen kommt. Hier verläuft dann auch die Grenze zwischen den aeroben und anaeroben Trainingsbereichen, wie sie im oberen Abschnitt bereits beschrieben worden sind. Da die Muskeln weiterhin mit Energie versorgt werden müssen, jedoch nur begrenzt mit Sauerstoff versorgt werden, sucht unser Körper nach anaeroben, d.h. nicht-sauerstofflastigen Energiequellen. Genau an diesem Punkt durchläuft die beanspruchte Muskulatur des Sportlers den Ablauf („Übersäuerung“), der bereits beschrieben wurde.

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Die These des ehemaligen Radrennfahrers, die als wesentliche Grundlage für den Conconi-Test diente, würde also „graphisch“ dargestellt bedeuten, dass sich die Herzfrequenz im aeroben Bereich so lange linear erhöht (in Relation zur Belastung), bis sie bei einem weiteren Anstieg der Herzfrequenz langsam abflacht. Dieser Knick in der Leistungskurve, die durch den Conconi-Test ermittelt und untersucht wird, entspricht nach Conconi der anaeroben Schwelle bzw. dem Deflexionspunkt. In der Analyse des Schwellenwerts besteht zugleich auch die größte Schwierigkeit und das schwerwiegendste Ausschlusskriterium des Conconi-Tests. Durch das eher ungenaue Ablesen und potenzieller Fehler während dieses Vorgangs sind die ermittelten Werte nicht verlässlich genug und im Vergleich mit den Resultaten eines Laktattests zu ungenau. Auch die Atemgaswerte, die bspw. im Rahmen einer Ergospirometrie ermittelt werden, lässt der Conconi-Test grundsätzlich außen vor, womit er letzten Endes „nur“ den Zusammenhang zwischen Leistung und der Herzfrequenz der Testperson darstellen kann.

Durchführung und Ausführung des Conconi-Tests

Für die Durchführung eines Conconi-Tests braucht man einige Materialien, um eine ordnungsgemäße und testkonforme Messung zu garantieren. Dazu gehören Herzfrequenzmessgeräte, mehrere Markierungshütchen, einen Pacer (HRCT-Programm) oder eine Tempotabelle sowie ein Auswertungsprogramm, das je nach Modernität und Ausstattung des Ausführenden in Verbindung mit dem HRCT-Programm stehen, jedoch auch „klassisch“ anhand eines Millimeterpapiers aufgezeichnet werden kann.

Ein beispielhafter Testaufbau würde nun wie folgt aussehen: eine 400m Rundbahn wird anhand der Markierungshütchen in 20m-Strecken unterteilt. Dazu liefert das Testprotokoll einige Bedingungen. Die allgemeine Startgeschwindigkeit sollte – je nach körperlicher Fitness der Testperson – zwischen acht und 12 km/h liegen. Für Fußballer empfiehlt sich der Mittelwert von zehn km/h, der ein gutes Mittel zwischen den schwächer Austrainierten und den stärker Austrainierten bietet und somit als gute Orientierung dient, bei wem die grundlegende Fitness stimmt, ehe sich die „Spreu vom Weizen trennt“. Die Startgeschwindigkeit ist nun die Ausgangsbasis für die Tempoerhöhungen, die im Abstand von 200m erfolgen. Je Tempoerhöhung sollte die Testgeschwindigkeit um ca. 0,5km/h erhöht werden, was sich durch die Markierungen und die dazugehörigen Pacer gut verfolgen lässt: Ist die Testperson vor dem Ertönen des Pacers an der Markierung, läuft der Sportler in einer testgemäßen Geschwindigkeit.

Wird der Test mit mehreren Personen durchgeführt, gilt es für den Ausführenden, Rückstände und Vorsprünge rechtzeitig auszugleichen, ohne die Regelmäßigkeit des Tempos großartig zu beeinflussen. Eine Besonderheit des Conconi-Tests liegt darin, dass er ein sogenannter Maximaltest ist, d.h. es muss so lange gelaufen werden, bis die völlige Erschöpfung eintritt. Für die Ermittlung der „Conconi-Kurve“ werden mindestens drei Punkte nach der anaeroben Schwelle benötigt, um die Abflachung der Kurve „belegen“ zu können. Dazu ist es nötig, trotz des anaeroben Zustandes noch weiterzulaufen, damit der Ausführende des Tests genügend Werte zur Bestimmung des Deflexionspunktes besitzt. Kann eine Testperson jedoch die Geschwindigkeit nicht mehr halten und erreicht die benötigte Markierung nicht vor dem Ton des Pacers, muss diese Testperson den Conconi-Test sofort abbrechen, um eine Verfälschung der Maximalgeschwindigkeit im Nachhinein zu verhindern.

Auswertung und Interpretation des Conconi-Tests

Zuerst gilt es, die ermittelten Herzfrequenz-Werte (entweder durch eine Uhr mit Speichermöglichkeit oder durch Zuruf der Herzfrequenz durch die Testperson an Helfer nach Erreichen der geforderten Markierung) in ein Computer-Programm oder per Hand auf ein Millimeter-Papier zu übertragen, ehe die Herzfrequenz-Leistungs-Beziehung, auch bekannt als Conconi-Graphik ermittelt werden kann.

Innerhalb dieser Graphik muss nun eine Gerade anhand der linearen Bereiche ermittelt sowie der letzte Punkt dieser Gerade bestimmt werden. Dieser Punkt ist zugleich der Markierungspunkt für die anaerobe Schwelle.

Nach Conconi müssen nun vier Bedingungen erfüllt sein, ehe der Test regelkonform ausgewertet und interpretiert werden kann. Die erste Bedingung ist, dass mindestens acht Punkte im linearen Bereich liegen müssen, um eine auswertbare Gerade ermitteln zu können. Zudem darf der Korrelationskoeffizient r den Wert von 0,98 keinesfalls überschreiten. Als dritte Bedingungen nannte Conconi, dass mindestens drei Punkte über der anaeroben Schwelle aufgezeichnet werden müssen (siehe Durchführung). Seine vierte und damit letzte Bedingung für eine ordnungsgemäße Testauswertung war, dass die maximale Erhöhung der Herzfrequenz von Stufe zu Stufe weniger als acht Schläge pro Minute betragen darf. Erst wenn diese vier Bedingungen erfüllt sind, kann der Test nach Conconi richtig ausgewertet und zu interpretativen Zwecken verwendet werden.
Conconi-Test
Die Interpretation des Tests gestaltet sich, ganz anders wie bei den ähnlichen Methoden des Laktattests oder der Methodik der Ergospirometrie, relativ kompliziert. Eine Trainingsempfehlung anhand eines Tests ist nahezu unmöglich, da der Deflexionspunkt der Gerade nicht eindeutig ermittelbar ist oder gar mehrere Möglichkeiten eines anaeroben Schwellenpunktes bestehen. Erst durch regelmäßige Kontrollen, Beobachtungen während des Trainings und der (mehrmaligen) Wiederholung des Tests lässt sich anhand der von Conconi entwickelten Methode auf die Richtigkeit des Schwellenwertes schließen.
Zudem besteht in der Analyse der anaeroben Schwelle ein weiterer Unterschied zu anderen Methoden. Anders als bspw. beim Laktattest zeigt der Conconi-Test nicht, wie lange der Läufer unter einer bestimmten Belastung noch laufen kann, ohne dass sich zu viel Laktat in seiner Muskulatur ansammelt, sondern nur mit welcher Intensität der Läufer noch laufen kann.

Um letztlich jedoch einen Rückschluss auf die anaerobe Leistungsfähigkeit zulassen zu können, dienen in erster Linie die Punkte oberhalb der anaeroben Schwelle (laut Conconis Bedingungen mindestens drei). Je mehr Punkte bzw. gelaufene Stufen oberhalb der anaeroben Schwelle liegen, desto besser ist die anaerobe Leistungsfähigkeit unter einer bestimmten Intensität. Es ist zudem nachgewiesen worden, dass Ausdauertraining ein Abflachen der Gerade in der Conconi-Graphik bewirkt, was die anaerobe Leistungsfähigkeit nach Conconi weiter verstärkt. In diesem Zusammenhang wurde jedoch auch ermittelt, dass der aktuelle Ermüdungs- und Regenerationszustand ebenso Einfluss auf den Schwellenwert haben, weshalb die Wertung und Interpretation des Tests hinsichtlich der anaeroben Leistungsfähigkeit Lücken aufweist, die Laktattests oder die Ergospirometrie nicht (mehr) aufweisen.

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Trainingseffekt und Trainingsgestaltung mit dem Conconi-Test

Die Frage, die nach den eben genannten Punkten also durchaus berechtigt ist, lautet: Kann der Conconi-Test überhaupt zur Trainingsgestaltung beitragen? Diese Frage kann grundsätzlich trotz der Makel des Tests mit „Ja“ beantwortet werden, auch wenn selbstverständlich auch hier wieder angeführt werden muss, dass die Effekte durch potenzielle Ungenauigkeiten bei der Testauswertung bei Weitem nicht so gut sind, wie bei anderen Testformen im Leistungssport. Trotzdem können bspw. Trainingseffekte anhand des Conconi-Tests verglichen werden. So deutet eine Rechtsverschiebung der Geraden im linearen Bereich (bei mehreren Tests einer Testperson) darauf hin, dass die aerobe Leistungsfähigkeit verbessert wurde, während eine Linksverschiebung auf eine Verschlechterung eben jenes Leistungspotenzials schließen lässt. Anhand der Rückschlüsse auf die Effizienz der Trainingsmethoden können Verbesserungen in der Trainingsgestaltung herbeigeführt werden, weshalb der Conconi-Test trotz seines Rückstands auf die modernen Testformen des Laktattests oder der Ergospirometrie weiterhin eine gewisse Daseinsberechtigung besitzt.

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Bildquelle:
M. Siegmund / www.fotolia.de