Ein Mentaltrainer zur Leistungssteigerung im Fußball – Wie sinnvoll ist es wirklich?

Über den Einsatz eines Mentaltrainers im Millionengeschäfft Fußball gibt es seit den erstmaligen Einsätzen immer wieder kontroverse Diskussionen. Auch bei diesem Thema gibt es Befürworter der Mentaltrainer ebenso wie Gegner, die Mentaltrainer für überflüssig und als zu teuer betrachten. Fakt ist allerdings, dass die Profivereine, vor allem diejenigen, die sich auf dem weltweit höchsten Niveau befinden, verstärkt auf den Einsatz dieses speziellen Coachings zurückgreifen. Von den 32 Teams, die europaweit in der Champions League antreten, arbeitet ein Großteil mit einem Mentaltrainer zusammen. So haben die Spielern die Möglichkeit, im Falle eines Bedarfs, sich an den kompetenten und dafür ausgebildeten Mentalcoach an ihrer Seite zu wenden.

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Auch die 18 deutschen Bundesligisten nehmen diese professionelle Hilfe verstärkt in Anspruch. Ein weiterer großer Befürworter dieser Methoden ist unser Bundestrainer Joachim Löw, weswegen auch der DFB, der größte Sportdachverband der Welt, ebenfalls mit einem speziellen Coach im Bereich Mentaltraining zusammenarbeitet. Im Folgenden soll dargestellt werden, wie diese Trainer arbeiten, warum Profivereine ihre Hilfe als unabdingbar erachten und warum auch sie dabei helfen, den Fußball weiter nach vorne zu bringen.

Was ist Mentaltraining?

Als Mentaltraining wird das Training des Mentalen, also des Gehirns und die Funktion der eigenen Denkprozessen beschrieben. Ziele von Mentaltraining sind die Kontrolle von Gefühlen wie Angst, Druck oder Anspannung. Mit einem Trainer und seinem mentalen Coaching will man bewirken, dass der Sportler völlig von inneren negativen Gefühlen oder Zwängen befreit wird und sich einzig und allein auf seine Leistung und sein Können fokussieren kann. Das Mentaltraining soll dabei helfen, mit dem immensen Druck der heutigen Zeit umgehen zu können, der auf den Profifußballern lastet und oft die Beine schwer werden lässt.

Mentaltraining

Ganz besonders wenn es gerade nicht wie gewünscht läuft kann der Mentaltrainer mit seinen Methoden den Blick auch mal weg vom Fußball lenken und dafür sorgen, dass sich der Sportler mit seinen Problemen und psychischen Anfälligkeiten mit seiner professionellen Unterstützung auseinandersetzt und sie im besten Falle auch überwinden kann. Das Mentaltraining soll also dazu führen, dass sich der Sportler mental befreit und leicht auf den Fußball und das Spiel an sich fokussieren kann, ohne dass rechts und links psychische Brandherde und Probleme den Weg blockieren können. Der Fußball soll uneingeschränkt mental im Fokus stehen können. So versucht das Mentaltraining mit seinen Methoden und Zielen, genauso wie das körperliche Training, den Sportler zu seinen Spitzenleistungen zu führen.

Seit wann gibt es Mentaltrainer?

Die Mentaltrainer, die wir aus den Medien und Berichterstattungen rund um unsere Profivereine oder die deutsche Nationalmannschaft kennen, gibt es seit Beginn des 21. Jahrhundert. Um die Jahrtausendwende sind die Mentaltrainer erstmals professionell und in großer Zahl aufgetreten, beziehungsweise von den Vereinen als Trainer konsultiert und hinzugezogen worden. Dieser Zeitpunkt kann so erklärt werden, dass in dieser Zeit damit begonnen wurde, massiv in den Fußball zu investieren und den Sport auch mehr und mehr zu kommerzialisieren. Die Vereine konnten neue Einnahmequellen und neue Sponsorenpools erschließen. Mäzene wie Roman Abramowitsch, Geldgeber bei Chelsea London, und globale Konzerne, zum Beispiel Audi und die Lufthansa beim FC Bayern oder der Energieriese Gazprom beim FC Schalke 04, traten auf den Plan und überfluteten den Markt und die Vereine mit riesigem Kapital.

Dies führte dazu, dass die Spielergehälter geradezu ins astronomische katapultiert wurden und immer höhere Summen von den Vereinen an die Spieler gezahlt werden konnten. Allerdings stiegen mit diesen Beträgen auch der öffentliche Druck und die Erwartungshaltung der Fans. Die mentale Belastung der Sportler wurde stärker. Natürlich war dann bei den Vereinen auch mehr Geld für neue Methoden und Praktiken vorhanden, die es vielen Clubs möglich machte, einen Mentaltrainer als Coach für die Spieler einzustellen.

Tragische Ergeignisse

Ein weiterer großer Faktor waren öffentliche Erkrankungen und Lebensniederlagen einzelner Profis, die den Fußball zu dieser Zeit erschütterten. Die wohl einprägsamsten Fälle waren unter anderem die Burnout-Erkrankung von Sebastian Deisler, ehemaliger deutscher Nationalspieler und Profi beim FC Bayern München. Eine noch größere und folgenschwerere Tragödie war der Selbstmord von Robert Enke, damals Profi bei Hannover 96 und die Nummer eins im Tor der deutschen Fußballnationalmannschaft. Die Öffentlichkeit nahm großen Anteil an den Schicksalen und erhöhte den Druck auf Verbände und Vereine, die nun vermehrt auf die professionelle von Mentaltrainern zurückgriffen, um die Spieler zu unterstützen, die mental Probleme mit dem knallharten Business Fußball hatten. Das Thema sollte nicht mehr tabuisiert werden und so wurde dem mentalen Coaching der Weg in den deutschen Profifußball bereitwillig geebnet.

Wie arbeiten Mentaltrainer?

Die Mentaltrainer arbeiten auf der verbalen Ebene mit den Sportlern zusammen. Wenn der Fußballer Probleme hat oder gefühlt zu viel Druck auf ihm lastet, dann kann er den Coach jederzeit aufsuchen und mit ihm über seine Gefühle und Empfindungen sprechen. Dabei ist es ganz egal, ob es um Probleme im Team, mit dem Cheftrainer, den Fans, Kritikern oder im privaten Umfeld geht. Der Mentaltrainer bietet dem Profi eine sichere Anlaufstelle, zu der er jederzeit kommen kann.

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Oft genügt schon ein offenes Ohr und kleinere Hilfestellungen von Seiten des Trainers, um den Spieler mental zu lockern und ihm bestenfalls weiterzuhelfen. Manchmal sind jedoch größere Maßnahmen notwendig, um die Probleme des Spielers aus der Welt zu schaffen. Die Methoden der Mentaltrainer reichen hier von vorgespielten Videosequenzen eigener Erfolgsmomente, Familienfotos bis hin zu Gruppenübungen, die den Spieler an die eigene Stärke und das sichere Umfeld erinnern sollen. Doch es müssen nicht zwangsläufig Probleme sein, die einen Fußballer zu einem Mentaltrainer ziehen. Es kann auch einfach das Gefühl von Sicherheit sein, dass der Coach vor einem wichtigen Spiel vermitteln kann, oder eine andere Sichtweise, die entspannt wirkt und dabei hilft, bestimmte Ziele zu erreichen und mental entstandene Verkrampfungen zu lösen.

Gibt es Unterschiede beim Mentaltraining im Bereich Fußball im Vergleich zu anderen populären Sportarten?

Der größte Unterschied zu anderen Sportarten wie Tennis, Leichtathletik oder Schwimmen ist, dass Fußball ein Teamsport ist und innerhalb einer Mannschaft gespielt wird. Deswegen muss der Mentaltrainer auch immer im Auge behalten, dass Fußball nicht nur von seinen Spielern gespielt wird, sondern dass alle in einem Gruppengebilde funktionieren muss. Der mentale Coach muss mit seinen Methoden sicherstellen, dass der Spieler sein Bestes für sich selbst, aber auch für das Team abrufen kann und erkennt, dass er seine Mitspieler für einen Erfolg ebenso benötigt wie sich selbst.

Der Mentalcoach muss seine Ziele dementsprechend setzten, dass am Ende das bestmöglichste Ergebnis für die Einzelperson und gleichzeitig ein großer Erfolg für den Verein als Ganzes erzielt wird. Dahingegen liegt der Fokus bei Einzelsportarten vermehrt auf der einzelnen Person und dem nächsten Event. Beim Fußball muss der Mentaltrainer das Training auf eine längere Zeit und sein Coaching für eine ganze Saison individuell entwickeln und planen. Dabei muss der Mentaltrainer auch die Mannschaft, in der die Spieler spielen, berücksichtigen und in seine Methoden miteinbeziehen.

Gibt es Unterschiede beim Mentaltraining zwischen Profis und Amateuren?

Beim mentalen Coaching von Profis und Amateuren gibt es selbstverständlich ganz gravierende Unterschiede. Der Trainer hat im Profibereich viel mehr Zeit und auch andere Ressourcen zur Verfügung, wie zum Beispiel Videoanalysen oder Sitzungsräume, um sich mit den einzelnen Spielern genau zu befassen. Er kann sich auf Grund seiner langjährigen Ausbildung und Erfahrung viel mehr Zeit für seine Methoden und Ziele gönnen, als wie das im Amateurbereich möglich wäre. Außerdem hat der Mentaltrainer die Deckung und finanzielle Absicherung eines millionenschweren Vereins im Rücken, um seiner Arbeit nachgehen zu können.

Mentaltrainer

Im Amateurbereich ist meist weder die Zeit noch das Geld für das mentale Coaching vorhanden, spezielle Mentaltrainer sind eine absolute Seltenheit. Hier wird die Rolle des Mentaltrainers meistens von verschiedenen Personen gleichzeitig übernommen. Zum einen kann der eigene Trainer durch Gespräche mit seinen Spielern deren Selbstbewusstsein stärken und vorhandene Blockaden lösen, er kennt seine Spieler immer am besten und weiß meist auch, wenn im Privatleben von einem seiner Jungs irgendwo der Schuh drückt. Zum anderen hat jeder Spieler eine Vertrauensperson im Verein, zum Bespiel einen Betreuer oder einen altgedienten AH-Spieler, der nach dem Training abends am Stammtisch das ein oder andere aufbauende Wort übrig hat.

Gerade diese Gespräche, die oft zu später nächtlicher Stunde im Vereinsheim stattfinden, ersetzen den Amateuren in vielen Fällen ein professionelles Training mit einem Mentalcoach, da die Relation im Vergleich zu den Profis gegeben ist. Im Amateurbereich geht es weder um verdiente Millionen, noch um die Erwartung von zehntausenden Fans am Wochenende während des Spiels. Und trotzdem ist mental manchmal einfach der Wurm drin, wenn privat, beruflich oder innerhalb des Teams etwas nicht stimmt und die eigene Leistung darunter leidet. Dann ist es auch einfach Gold wert, wenn eine Vereinslegende oder ein Betreuer ein offenes Ohr hat und man gemeinsam über das Belastende reden kann.

Zahlt es sich langfristig aus mit einem Mentaltrainer zu arbeiten?

Langfristig wird es sich für jeden Verein auszahlen, mit einem Mentalcoach zusammenzuarbeiten. Denn nur mental Stärke und unbelastete Spieler werden auf Dauer ihre Bestleistungen regelmäßig abrufen können. Die Vereine können durch die Arbeit der Mentaltrainer sicher sein, dass immer eine kompetente Anlaufstelle zur Verfügung steht, wenn ein Spieler einen Rat braucht. Bei den immensen Summen, die heute bezahlt und erarbeitet werden, sollten die Vereine alles dafür tun, dass es den eigenen Spielern gut geht und sie sich voll und ganz auf den Fußball konzentrieren können. Deswegen ist es absolut im Sinne der Clubs, Mentaltrainer und Coaches zu beschäftigen, die sich auch psychisch mit den Spielern auseinandersetzen. Außerdem kann belastenden Szenarien schon früh entgegengewirkt werden und im besten Falle eine psychische Erkrankung frühzeitig erkannt und behandelt werden.

Kann Mentaltraining anstatt nur individuell auch in der Gruppe erfolgen?

Das Mentaltraining beim Fußball kann nicht nur einzeln, sondern auch ab und an in der Gruppe, also mit der Mannschaft zusammen erfolgen. Besonders wenn ein großes Spiel wie ein Finale oder ein Turnier wie eine Weltmeisterschaft vor der Tür stehen, macht es Sinn, mit der ganzen Mannschaft als Gruppe ein Training zu gestalten. Als sich die deutsche Fußballnationalmannschaft im Jahr 2006 auf die Heim-WM in Deutschland vorbereitete, zog der damalige Bundestrainer Jürgen Klinsmann erstmals in der Geschichte des DFB einen Mentaltrainer hinzu, um die Mannschaft auf das Bevorstehende optimal einstellen und vorbereiten zu können.

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Wie im Film „Das Sommermärchen“ zeigt, hat der Mentaltrainer auch Sitzungen mit der ganzen Gruppe abgehalten, um Übungen zur Stärkung des Teamgeistes zusammen zu machen und um gemeinsame Ziele zu formulieren. Diese Gruppensitzungen sind deswegen so wichtig, weil die Mannschaft hier als Einheit werden kann. Dadurch kann Ängsten vorgebeugt und Druck abgebaut werden. Schließlich sind die Mannschaftskollegen die Menschen die einem jeden Tag am nächsten stehen und eventuell schon ähnliche Situationen und Erlebnisse in ihrer Karriere oder in ihrem Leben bewältigt haben. So können Mentaltrainer mit Tipps und Tricks weiterhelfen, Einzelpersonen unterstützen und die Gruppe als Ganzes Stärken.

Fazit

Der Mentaltrainer ist aus dem modernen Millionengeschäft Fußball einfach nicht mehr wegzudenken. Die Vereine können durch seine Hilfe sicherstellen, dass die eigenen Spieler mental genau so fit sind, wie körperlich. Daraus folgt dass sie jederzeit ihre Bestleistung zum Nutzen des Vereins abrufen können. Außerdem stellen die Vereine auf diesem Weg sicher, dass die oft noch sehr jungen Profis auch menschlich geführt und begleitet werden. Sie können ihre Sorgen und Probleme bei einer kompetenten Stelle zum Ausdruck bringen und haben eine Vertrauensperson an ihrer Seite, die im Zweifelsfall verhindern kann, dass die Spieler negative Gedanken und Gefühle entwickelt. Um mit den Erwartungen und dem steigenden Druck fertig zu werden, haben diese jungen Menschen die Chance rechtzeitig Hilfe zu bekommen.

Denn bei allem Glitzer und Glanz, den die Profiwelt des Fußballs so selbstverständlich versprüht, darf man nie vergessen, dass hinter jedem millionenschweren Fußballprofi ein ganz normaler Mensch steht, der privat wie beruflich die gleichen Sorgen und Ängste haben kann wie alle anderen Menschen auch. Gut, dass es heutzutage Mentaltrainer im Fußball gibt, die helfen, unsere großen Idole und Stars auf ihren Wegen fachmännisch und kompetent zu begleiten und die ihnen mit Rat und Tat zur Seite stehen, wenn es mal nicht perfekt läuft.

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