Hartz IV-Kinder: Bildungsgutschein für Fußballvereine

Das Bildungspaket der Bundesregierung sorgt für anhaltenden Frust – bei allen Beteiligten. Bei Kommunalpolitikern, die nicht wissen, wie sie die Kosten auffangen sollen, bei Behörden, die keine Anträge erhalten, bei Sachbearbeitern, die mit den Formularen heillos überfordert sind, und nicht zuletzt: bei Hartz IV-Empfängern. Wir haben uns dafür interessiert, was der Bildungsgutschein eigentlich insbesondere für die immer wieder angeführten Fußballvereine bringt. Das Ergebnis ist ernüchternd.

120 Euro im Jahr, also 10 Euro monatlich, werden im Rahmen des Bildungspaketes von Ursula von der Leyen vom Staat übernommen, um Kindern von Hartz IV-Empfängern damit Mitgliedsbeiträge in Sportvereinen zu ermöglichen. Was generös klingt, reicht in den meisten Vereinen nicht ansatzweise aus, denn es gilt für alle Clubs, hohe Kosten für Platzinstandhaltung, Trainingsmaterial, Trikots, Versicherungen und vieles mehr zu decken.

Das große Problem am Bildungspaket: viele Eltern wissen nicht einmal davon. Andere werden von dem Bürokratieaufwand abgeschreckt. Das Kinderhilfswerk Arche weiß zu berichten: “Mitunter brauchen Mitarbeiter 90 Minuten, um mit dem Bedürftigen einen Antrag auszufüllen, bei dem es um zehn Euro Beihilfe für den Fußballverein geht.” Dazu kommt, dass oftmals unerwähnt bleibt, dass es von anderen Institutionen wesentlich hilfreichere Angebote für Mitgliedschaften in Sportvereinen gibt. Der Sportbund hat beispielsweise vor Jahren das Programm “Kids in die Clubs” ins Leben gerufen, das sozial schwachen Kindern eine gänzlich kostenfreie Mitgliedschaft in Fußballvereinen ermöglicht. So resümiert Carsten Byernetzki vom Hamburger Fußballverband: “Wir empfehlen unseren Mitgliedsvereinen vorerst, auf dem alten Weg weiterzugehen und das Bildungspaket zu ignorieren.” Eltern mit sozial schwachem Hintergrund ist deshalb zu empfehlen, einfach im örtlichen Fußballverein nachzufragen, welche Möglichkeiten bestehen. Mit dem Bildungspaket würden sie unter Umständen sogar noch draufzahlen…

One thought on “Hartz IV-Kinder: Bildungsgutschein für Fußballvereine”

  1. Ha says:

    Dass das Bildungspaket, der Bundesregierung, für anhaltenden
    Frust sorgt, dieses ist mehr als Verständlich. Denn auch mit Gutschein kann sich ein Kind, von ALG II Beziehern, die Mitgliedschaft, in einem Fußballverein, nicht leisten.

    Warum? Es ist doch so, dass, in einem Sportverein nicht nur die Kosten für den Beitrag anfallen. Nehmen wir einmal die Mitgleidschaft in einem Fußballverein.

    Da fallen ja auch die Kosten für die Fußballschuhe an. Und diese sind nicht unerheblich. Dann muss das Trikot gekauft und der Fußballverein hat nicht nur Heimspiele, sondern es wird auch auswärts gespielt.

    Und für all Dieses muss extra gezahlt werden. Die Frage ist, wie die Eltern, die Hartz IV beziehen, diese Kosten abdecken sollen. Von was denn. Etwa von den 364,00 Euro die man bekommt? Doch wohl nicht.

    Fazit: Dass Bildungspaket, der Bundesregierung, ist zwar gut gemeint. Aber es ist unausgegoren.

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