Italien stürzt den Weltmeister – fast

Der Confed Cup bekommt das von vielen Beobachtern ersehnte Finale: Brasilien trifft auf Welt- und Europameister Spanien. Dabei hätte es Spaniens Halbfinalgegner Italien fast mehr verdient gehabt, das Spiel zu gewinnen. Im Elfmeterschießen versagten Leonardo Bonucci allerdings die Nerven.

Die Iberer agierten, anders als gegen Nigeria und Uruguay, gegen die Italiener im 4-1-4-1 mit Busquets als Sechser und Torres im Sturm, Italien wartete dagegen mit einer noch deutlicheren Systemumstellung auf. Trainer Prandelli gab die Viererkette preis und schickte sein Team in einer Art 3-4-2-1-Formation auf den Platz. Eine von Experten zuvor bereits vermutete Taktik, um gegen die technisch versierten spanischen Mittelfeldstrategen Xavi und Iniesta die Räume eng zu machen. Dabei hatte Pirlo bei Italien alle Freiräume und war auf der zentralen Position vertikal fast überall zu finden. Dennoch konnten die Italiener nicht verhindern, dass Spanien zu Beginn mächtig aufkam und gleich eine Chance zur Führung durch Pedro hatte.

Nach außen hin wirkte es zunächst wie das erwartete Spiel. Die Mannschaft um Xavi führte den Ball, passte viel durch das Mittelfeld, verlagerte auf die Flügel, spielte zurück – Italien kam kaum hinterher. Doch nach wenigen Minuten reagierte Prandelli und nahm kleine Veränderungen in der Symmetrie vor, was sofort Wirkung zeitigte. Mit einem Mal rannten die Italiener mehr und machten die Räume im Mittelfeld so eng, dass die Doppelpass-Spezialisten aus Barcelona nicht mehr durchstechen konnten. Bald dominierte Italien das Spiel, indem die Mannschaft spanische Fehler erzwang und dann schnell in Kontersituationen kam. Nach und nach hatten die Azzurri dann auch mehr Ballbesitz – und erarbeiteten sich bis zur Pause sogar mehrere gute Möglichkeiten.

Italien mit fast genauso viel Ballbesitz

Doch blieben diese von Gilardino, de Rossi, Marchisio und Maggio ungenutzt, auch weil Iker Casillas im spanischen Tor zeigte, warum er weiterhin der beste Torwart seines Landes ist. Dafür mussten seine Mitspieler etwas machen, was sie nicht kennen: dem variantenreichen und kreativen Spiel des Gegners hinterherlaufen. Erst kurz vor der Pause hatte Torres eine Chance. Ansonsten war Spanien anzumerken, dass Kreativgeist Fabregas an allen Ecken und Enden fehlte. Auf der anderen Seite brachte Prandelli zur Halbzeit Montolivo für Barzagli, zog Maggio dafür nach hinten. Pirlo bekam so mehr Freiheiten, doch die Italiener waren nun weniger flexibel – was vermutlich an der großen Hitze in Fortaleza lag.

Auch die Spanier hatten mit den Temperaturen zu kämpfen. Es kam ihnen ungelegen, dass Italien fast genauso viel Ballbesitz hatte wie das eigene Team, denn in der spanischen Fußballphilosophie bedeutet Ballbesitz oft auch Ausruhen. In der regulären Spielzeit hatten dennoch die Iberer am Schluss noch ein paar Gelegenheiten, in der Verlängerung dominierte erst Italien (Pfostentreffer Giovinco), dann wieder Spanien, bis Schiedsrichter Webb die Akteure mit dem Abpfiff erlöste. Im Elfmeterschießen siegte Spanien dann mit 7:6.

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