Shuttle Run Test zur Fitnessdiagnostik

Shuttle Run Test zur Fitnessdiagnostik
– Konstant steigende Belastungen ähnlich zum Fußballspiel

Der Shuttle Run Test ist eine gute Möglichkeit, die Fitness der Spieler einer Fußballmannschaft zu überprüfen. Er ist in der Vorbereitung etwas komplizierter als der ebenfalls oft genutzte Cooper-Test, aber weniger aufwändig als der fußballspezifische Hoff-Test und deshalb eine gute Alternative, um die athletischen Fähigkeiten der Akteure zu überprüfen. Neben ein paar Hütchen und einer Möglichkeit, die Laufstrecke von 20 Metern abzumessen, benötigt man lediglich ein Gerät zum Abspielen von Musik. Dazu lädt man sich die passende mp3-Datei herunter und schon kann das Training beginnen.

Das Regelwerk

Shuttle Run Test AbmessungenDie Hütchen stecken eine Laufstrecke von exakt 20 Metern ab. Aufgabe der Spieler ist es, die Laufstrecke so oft wie möglich zu absolvieren, also hin- und herzulaufen. Dabei können beliebig viele Spieler nebeneinander laufen und den Test parallel absolvieren. Die Pointe des Shuttle Run Tests ist, dass die zur Verfügung stehende Zeit für diese Aufgabe immer kürzer wird. Dazu kommt die Shuttle Run mp3-Datei ins Spiel, die mittels des unten genannten Links heruntergeladen werden kann. Immer dann, wenn ein Signal ertönt, muss der Spieler die Strecke von 20 Metern zurückgelegt haben. Beim nächsten Tonsignal muss er bereits wieder auf der anderen Seite angekommen sein. Ist er zu schnell, bekommt er am Ende einer Strecke eine kurze Pause, bis das Tonsignal ertönt. Dann läuft er wieder in die andere Richtung. Ist er zu langsam, muss er das Tempo erhöhen, um wieder in den Rhythmus zu finden. Schafft er es dreimal in Folge nicht, mit dem Tonsignal auf der Ziellinie zu sein, scheidet er aus. Umso mehr Level ein Spieler schafft, umso fitter ist er.

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(Download der Shuttle Run mp3-Datei von der Ruhr-Universität Bochum: http://www.sportwissenschaft.rub.de/traiwi/downloads/20mshuttleruntest.html.de)

Zwei Meter Toleranzbereich

Um keine Diskussionen aufkommen zu lassen, sollte man eine Toleranzzone einrichten, die jeder Spieler bei jedem Lauf erreichen muss und die etwa zwei Meter auf jeder Seite betragen darf. Ziel jedes Laufes bleibt trotzdem die jeweilige Endlinie zwischen den aufgestellten Hütchen. In höheren Geschwindigkeitsstufen, also kürzeren Zeitabständen zwischen den Tonsignalen, sind die Spieler fast im Sprint unterwegs, so dass es schwer zu erkennen sein kann, ob die Ziellinie rechtzeitig erreicht wurde. Mit der Toleranzzone erspart man sich Uneinigkeiten.

Beliebter als der Cooper-Test

Bei vielen Fußballern ist der Shuttle Run Test beliebter als der Cooper-Test, vermutlich, weil die ständigen Richtungswechsel und die Steigerung der Belastung weniger Langeweile aufkommen lassen als beim stupiden Rundenlaufen. Außerdem ist der Shuttle Run Test tendenziell etwas fußballspezifischer, weil er die Notwendigkeit des Spiels abbildet, viele kurze Strecken zurückzulegen. Im Fußball kann der Puls dabei deutlich über den aeroben Bereich hinausgehen, allerdings immer nur kurzzeitig. Ähnlich verhält es sich beim Shuttle Run Test. Die Spieler müssen nicht wie beim Cooper-Test eine gleichmäßig hohe Belastung über einen längeren Zeitraum aufrechterhalten, sondern steigern die Belastung langsam bis in den anaeroben Bereich. Während die Müdigkeit der Spieler steigt, wird die Zeit für die zurückzulegende Strecke kürzer. Der Test ist erst dann beendet, wenn keine weitere Steigerung möglich wird, weil die Muskulatur übersäuert ist. Nach diesem Prinzip verlaufen auch die Laktat-Tests im Profifußball.

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Test unter Wettkampfbedingungen

Ein Vorteil des Shuttle Run Tests dürfte auch die höhere Motivation sein. Jeder einzelne Lauf ist nur sehr kurz, so dass der Spieler sein nächstes Ziel unmittelbar vor Augen hat. Bei Cooper- und Hoff-Test ist das Ziel weiter entfernt und nicht so leicht greifbar, so dass die Motivation schwerer fällt. Auch entsteht eher ein Wettkampfgefühl, weil kein Spieler zuerst ausscheiden und im Optimalfall am längsten durchhalten möchte. Im Gegensatz zum Cooper-Test kann man den Shuttle Run Test nicht taktisch laufen, er bildet deshalb die Ausdauer genauer ab – zumindest dann, wenn der Cooper-Test ohne weitere wissenschaftliche Unterstützung wie eine Pulsmessung erfolgt. Er ist deshalb bei vielen Trainern sehr beliebt. Der Shuttle Run Test wird in weiten Teilen des Fußballs deshalb heute dem vom amerikanischen Sportmediziner Kenneth H. Cooper entwickelten Ausdauertest vorgezogen, da dieser eher die allgemeine denn die fußballspezifische Kondition überprüft.

Wie erfolgt die Leistungsmessung?

Kids soccer football - small children players exercising before match on soccer fieldKommen wir zu den geforderten Tempostufen des klassischen Shuttle Run Tests. Die Laufgeschwindigkeit, mit der man die Stecke von 20 Metern anfangs in dem vorgegebenen Intervall exakt schafft, beträgt zu Beginn des Tests 8 km/h. Sie steigert sich dann mit jedem Lauf minimal, sodass sich die Geschwindigkeit innerhalb einer Minute um 0,5 km/h erhöht. Nach jeder Minute wird eine neue Stufe erreicht. Am Ende der vierten Stufe beträgt die Geschwindigkeit folglich 10 km/h, am Ende der sechsten Stufe 11 km/h usw. Ziel ist es, die höchstmögliche Stufe zu erreichen. Der deutsche Handballbund verwendet diesen Test, um die Eignung seiner Schiedsrichter zu überprüfen. Von männlichen Referees wird dabei Stufe 9 verlangt, was einer Geschwindigkeit von 12,5 km/h entspricht.

Das Ziel: Stufe 21!

Fußballer sollten eine deutlich höhere Stufe anstreben. Zum Vergleich: um beim Cooper-Test 3000 Meter zu erreichen, ist eine durchschnittliche Geschwindigkeit von 15 km/h nötig. Jene 15 km/h werden beim Shuttle Run Test in der 14. Stufe erreicht. In dieser Geschwindigkeit sind 13 Bahnen zu absolvieren, für die jeweils 4,8 Sekunden Zeit bleiben. Die insgesamt zurückgelegte Strecke in dieser Geschwindigkeit beträgt folglich 2620 Meter. Spätestens ab Stufe 18 mit einer Geschwindigkeit von 17 km/h und 15 zu absolvierenden Bahnen in jeweils 4,24 Sekunden dürfte sich jeder Spieler im „sauren“ Bereich bewegen, in dem das Laktat in der Muskulatur ansteigt. Jetzt wird auch der Wille zu einer entscheidenden Komponente. Herausragend ist das Absolvieren der 21. Stufe, bei der 16 Bahnen in jeweils 3,89 Sekunden absolviert werden müssen, was einer Geschwindigkeit von 18,5 km/h über eine Distanz von 320 Metern bedeutet. Das ist zwar prinzipiell machbar, aufgrund der bereits zuvor zurückgelegten Strecke aber auch für trainierte Fußballer eine absolute Herausforderung. Insgesamt läuft ein Spieler, der die letzte Stufe erreicht, 4940 Meter.

Der Nutzen für die Leistungsdiagnostik

Für den Trainer ist es möglich, die maximale Sauerstoffaufnahmefähigkeit seiner Spieler zu analysieren und die Schwelle zwischen aerober und anaerober Ausdauer zu bestimmen. Umso höher diese Schwelle liegt, umso leichter wird es einem Spieler fallen, möglichst weit zu kommen, weil seine Muskulatur nicht so schnell ermüdet, da das Laktat später aufgebaut wird. Die ständige Temposteigerung kommt der Belastungsstruktur eines Fußballspiels recht nahe. Auch die Einschätzung der nötigen Geschwindigkeit ist für die Spieler sehr einfach, weil die Tonsignale ein unmittelbares Feedback geben und ein schneller Lerneffekt erfolgt. Zu schnelle oder zu langsame erste Bahnen können damit schnell korrigiert werden.

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Das Prinzip des Shuttle Run Tests kann auch in abgewandelter Form ins Training eingebaut werden. Der Trainer bestimmt dann eine Strecke von 15 bis 20 Metern, die im hohen Tempo gelaufen werden muss – in einer vorher festgelegten Anzahl. Drei Durchgänge können von jeweils zweiminütigen Pausen unterbrochen werden. So lässt sich schnell und effektiv an einer fußballspezifischen Ausdauer arbeiten, die dann wiederum in einem Shuttle Run Test überprüft werden kann. Je nach erreichter Stufe und dem Alter des Spielers kann dann die maximale Sauerstoffaufnahmekapazität geschätzt werden, die über seine Leistungsfähigkeit bestimmt.

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Bildquelle:
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