Mit Wärme behandeln oder kühlen – was ist denn jetzt richtig?

Wärmflasche und Kühlakku gehören zur Grundausstattung eines jeden Menschen, der mehr Sport treibt, als bloß Treppen nach oben zu steigen. Beides ist wichtig und richtig – doch in welchen Anwendungsfällen? Ob eine Verletzung gekühlt oder warmgehalten werden muss, darüber herrscht teilweise gefährliches Halbwissen. Vielfach bringt eine falsche Erstbehandlung lediglich keine Besserung, in manchen Fällen bereitet man sich damit aber nur noch mehr unnötige Schmerzen. Was wirklich richtig ist, erfahren Sportler und Aktive in diesem Artikel!

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Was bewirken Kühlen und Wärmen überhaupt?

Ein Verständnis für die Auswirkung von Kälte oder Wärme hilft, um im Fall der Fälle die richtige Anwendung zu wählen.

  • Was bewirkt Kälte?
    Kälte sorgt dafür, dass sich die Gefäße zusammenziehen. Bei einer Gefäßverletzung kann weniger Blut austreten. Das Zusammenziehen wirkt sich aber auch auf die Muskulatur aus, weshalb sie sich unter Kälte nicht entspannen könnte.
  • Was bewirkt Wärme?Wärme sorgt dafür, dass sich Gefäße weiten und die Durchblutung besser stattfinden kann. Weiterhin dehnen sich auch Muskelfasern aus, werden weicher und lassen sich schonender massieren. Auf diese Weise lassen sich Verspannungen lösen. Bei inneren Verletzungen kann eine erhöhte Durchblutung in der Folge aber zu höherem Blutverlust führen.

Die PECH-Regel

Bei nahezu jeder Sportverletzung empfiehlt es sich, die PECH-Regel zu befolgen. Diese heißt nicht so, um dem Sportler sein Pech zu verdeutlichen, sondern weil er Pech hätte, wenn er sie nicht befolgt – und, weil er sich auf diese Weise die vier nächsten Schritte merken kann:

  • Pause: die sportliche Aktivität wird sofort eingestellt. Am besten auch nicht mehr nach Hause laufen, sondern abholen lassen!
  • Eis: die Verletzung so schnell wie möglich kühlen.
  • Compression: Kühlung mit einem Druckverband fortsetzen (Kompressionsverband).
  • Hochlegen: die betroffene Körperstelle hochlegen oder hochhalten, dies verringert die Durchblutung und minimiert den Blutverlust.

Als erste Sofortmaßnahme ist die PECH-Regel fast immer richtig. Sie verhindert, dass die Verletzung schlimmere Ausmaße als nötig annimmt – dadurch beschleunigt sich letztendlich auch der Heilungsverlauf.

Umgeknickt beim Sport: Dehnung oder Bänderriss

Umgeknickt ist man beim Fußball schnell. Die Folge sind Dehnungen oder gar Bänderrisse, beides ist mit Schmerzen verbunden. Kühlen ist jetzt die richtige Maßnahme. Dehnungen und Bänderrisse werden für Schwellungen sorgen und deren Ausmaß lässt sich mit Kälte kontrollieren. Eine rechtzeitig gekühlte Verletzung durch Umknicken lässt sich klein halten. Wärme dagegen würde eine Schwellung begünstigen, sie hat bei Bänderrissen oder Dehnungen nichts verloren. Wurde die PECH-Regel angewandt, führt der nächste Gang zum Telefon, um einen Termin beim Sportmediziner zu vereinbaren. Er wird das Ausmaß der Dehnung oder des Bänderrisses ermitteln, eine eindeutige Diagnose stellen und die betroffene Stelle ruhigstellen.

Verdrehung des Knies

Ein verdrehtes Knie kann z.B. auf einen Kreuzbandriss hindeuten. Es ist bei Sportarten wie Fußball schnell geschehen. Bestenfalls ist es nur überdehnt. Meistens bemerkt man die Knieschmerzen erst nach dem Sport. In dEisbeuteliesen Fällen wird als Sofortmaßnahme gekühlt. Dies gilt auch für die ersten drei Tage. Chronische Knieschmerzen werden dagegen mit Wärme behandelt, dies trifft beispielsweise bei Betroffenheit des Knorpels zu. Eine genaue Erkennung des Problems, wenn das Knie beim Sport verdreht wurde, ist jedoch schwierig. Die beste Maßnahme besteht deswegen in Kühlung und einem schnellen Termin beim Arzt zur sicheren Diagnose.

Schwellung durch Schlag auf den Muskel

Der Pferdekuss ist eine typische Fußballverletzung: ein Schlag auf den Muskel kann Folgen haben. Medizinisch handelt es sich um eine Prellung, meist am Oberschenkel. Stumpfe Gewalteinwirkung führt dazu, dass Gefäße unter der Haut reißen. Blut läuft aus, was sich als blauer Fleck bemerkbar macht. Unter der Oberfläche kann das Blut aber auch in den Muskel gelangen und verleibt dort, bis es abgebaut wird, was ihn schwer bis gar nicht beweglich macht. Kühlung der betroffenen Stelle sofort nach dem Pferdekuss ist die beste Sofortmaßnahme, da sich hierdurch betroffene Gefäße zusammenziehen. Außerdem sollte sich der Fußballer hinlegen und die Beine hochlegen. Dadurch wird der Oberschenkel nicht mehr so stark durchblutet und das entstehende Hämatom wird allein dadurch nicht unnötig groß. Wärme ist hier nicht anzuraten, auch später nicht.

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Schwellung durch Schlag auf den Knochen (Prellung)

Stürze, Schläge oder ein ungünstig fliegender Ball treffen auf den Knochen, quetschen das Gewebe und reißen Gefäße ein. Ähnlich wie beim Pferdekuss tritt Blut aus, läuft in Muskelgewebe oder Gelenke, gerinnt dort und bildet einen festen Blutpfropf, der für Unbeweglichkeit sorgt. Sofortige Kühlung sorgt auch bei Schwellungen durch Schläge auf den Knochen dafür, dass die Prellung so klein wie möglich bleibt. Wieder ist die PECH-Regel zu befolgen – zwischenzeitlich sollten die Mannschaftsmitglieder einen Arzttermin vereinbaren. Bei Prellung wird die betroffene Stelle fixiert und darf mehrere Wochen nicht bewegt werden. Wärme ist auch bei dieser Art der Prellung falsch und würde dazu führen, dass sie sich weiter als nötig ausdehnt.

Zerrung

Eine Muskelzerrung ist extrem schmerzhaft, denn hier reißen die Muskelfasern stellenweise ein. Sofortige Kühlung ist angeraten. Eis darf aber nicht direkt aufgelegt werden; hilfreich wäre es auch, die betroffene Körperstelle in kaltes Wasser zu halten, aber nicht länger als 20 Minuten. Hierdurch werden Einblutungen in den Muskel und Schwellungen verhindert. Hochlagerung des gezerrten Körperteils und ein kalter Kompressionsverband verkürzen die Behandlungsdauer. Gibt der Arzt im Rahmen der Behandlung sein Einverständnis, darf mit leichter Bewegung begonnen werden. Die Kühlung dient dann nur noch der Schmerzbehandlung; Wärme ist bei Zerrungen grundsätzlich falsch.

Muskelfaseriss

Unter sehr starker Belastung können Muskelfasern reißen. Muskelfaserrisse gelten als die Steigerung der Zerrung und sind mindestens genauso schmerzhaft. Da die Muskelzellen zerstört werden, tritt Blut aus – und ergibt den klassischen Anwendungsfall für sofortige Kühlung. Diese verhindert eine starke Ausdehnung der Einblutung und kann den Heilungsverlauf beschleunigen. Wärme ist auch zu späteren Zeitpunkten bei Muskelfaserrissen falsch.

Bluterguss

Blutergüsse sind, wenn sie nur klein sind, nicht weiter schlimm. Sie passieren nicht nur beim Fußball und deuten darauf hin, dass ein mehr oder minder großes Gefäß unter der Haut verletzt wurde. Damit ähneln sie einer Prellung – mit der Ausnahme, dass nur wenig Blut dort hinläuft und gerinnt, wo es eigentlich nicht hingehört. Kühlung ist auch bei einem Bluterguss wichtig. Ein kleiner Bluterguss braucht vermutlich gar keine Behandlung, doch wenn er sich schnell sichtlich ausdehnt und schmerzt, bringt Kühlung Linderung. Es wird so lange gekühlt, bis der Bluterguss sich nicht weiter ausbreitet und die Schmerzen besser werden. Wärme sollte bei Blutergüssen nicht angewandt werden, sie verschlimmert deren Ausbreitung nur und lindert auch keine Schmerzen.

Kapselverletzung an Gelenken

Die Gelenkkapseln sind anfällige Stellen für Sportverletzungen. Es reicht, dass der Torwart einen Ball direkt auf die Fingerspitze bekommt – schon ist eine Kapselverletzung entstanden. Hierbei reißt direkt am Gelenk ein Blutgefäß, es kommt zur Einblutung und das Gelenk wird unbeweglich. Kapselverletzungen werden vom Sportmediziner mehrere Wochen ruhiggestellt, damit sich das geronnene Blut zurückbilden kann, doch vorher profitieren sie sehr von sofortiger Kühlung. Die Befolgung der PECH-RKhlakku, Icepack, Kltekompresseegel kann dazu führen, dass die Einblutung ins Gelenk gering bleibt und die Kapselverletzung schneller abheilt.

Platzwunden

Platzwunden sind großflächige Risse der Haut, sie ist an diesen Stellen regelrecht geplatzt. Die Wunde muss genäht werden, andernfalls ist der Blutverlust hoch und die Heilung kann sprichwörtlich auf die schiefe Bahn geraten – es kommt eine unansehnliche Narbe dabei heraus. Da eine Platzwunde alles andere als schmerzlos ist, wird sie zunächst mit einem sterilen Druckverband verschlossen und darf dann auf dem Weg in die Notaufnahme gekühlt werden. Die Kompresse darf niemals direkt auf die Wunde aufgelegt werden, da sie offen ist und dies das Infektionsrisiko unnötig erhöht. Nach dem Nähen sind Platzwunden meist wieder schmerzfrei und brauchen keine weitere Behandlung. Falls sie doch noch pochenden Schmerz verursachen, darf aber bei Bedarf minutenweise ein Kühlpad auf den Wundverband gelegt werden.

Knochenbrüche

Ein Knochenbruch ist eine der schmerzhaftesten Sportverletzungen. Sie geht mit extrem starken Schmerzen einher, die betroffene Bruchstelle kann nicht einmal mehr berührt werden. An manchen Stellen wie der Nase sind Knochenbrüche sogar sichtbar, während eine Fraktur am Arm unsichtbar bliebe. Besonders deutlich zu erkennen sind offene Knochenbrüche, bei denen die Endstücke des gebrochenen Knochens aus einer offenen Wunde ragen. Der Betroffene reagiert weiterhin mit starker Übelkeit bis hin zum Erbrechen, Kreislaufproblemen und Ohnmacht. Er ist deswegen sofort hinzulegen oder zu setzen und der Krankenwagen wird gerufen, auch wenn er meint, noch stehen oder gehen zu können. Offene Brüche dürfen nicht berührt werden. Bei Verdacht auf einen nicht sichtbaren Knochenbruch sollte als Erstmaßnahme weder gekühlt noch gewärmt werden. Kühlung würde zwar eine Schwellung reduzieren, allerdings geht das ohne Berührung nicht und die Berührung kann einen komplizierten Knochenbruch verschlimmern. Ärzte raten davon ab, bei Verdacht auf Knochenbruch mehr zu tun, als den Krankenwagen zu rufen.

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Verspannungen und Muskelkater

Muskelkater ist ein gutes Zeichen, denn er wird mit Muskelwachstum in Verbindung gebracht. Jeder Fußballer kennt und hat ihn gelegentlich. Eine Verspannung dagegen signalisiert, dass man es etwas zu gut gemeint hat mit dem Training. In beiden Fällen wäre Kälte falsch. Wärme dagegen entspannt die Muskulatur und eignet sich gut, um Schmerzen zu stillen. Bei Muskelkater reicht manchmal schon die Wärme durch sanfte Bewegung wie einen Spaziergang, nach einigen Schritten tut nichts mehr weh. Kälte dagegen würde die Schmerzen eher verschlimmern.

Auf die Dauer kommt es an!

Die PECH-Regel besagt nicht nur, dass nahezu alle akuten Sportverletzungen sofort zu kühlen sind. Die Kühlung darf auch nicht ohne Blick auf die Uhr geschehen. Grundsätzlich gilt: Kühlung muss so schnell wie möglich geschehen und sollte nicht länger als 5 Minuten wirken. Eine Kühlbehandlung von mehr als 5 Minuten gilt als lang. Besser ist es, nach 5 Minuten die Kühlung zu beenden und die Entwicklung der Verletzung zu untersuchen. Falls sich eine Schwellung dann vergrößert oder ein Hämatom sich danach weiter ausbreitet, darf die Kühlung für einige weitere Minuten fortgesetzt werden, aber nicht mehr als 5 Minuten am Stück. Bei Wärmebehandlungen verhält es sich ähnlich. Ein Wärmepflaster oder eine wärmende Salbe dürfen nach Bedarf einziehen, Anwendungen wie Infrarotlicht dagegen nur nach ärztlicher Anordnung. Auch eine Wärmflasche sollte nur minutenweise bei lauwarmer Temperatur aufgelegt und dann heruntergenommen werden, um erkennen zu können, ob sich der Schmerz bereits gebessert hat.

Vorbeugung einer Sportverletzung

Jede Sportart hat ihre Risiken und in gewissem Rahmen kann der Sportler vorbeugen. In diesem Video finden nicht nur Fußballer einige wertvolle Tipps, wie sie gängigen Sportverletzungen vorbeugen können und was sie im Einzelfall tun sollten:

 

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Bildquelle:
Marina Lohrbach / www.fotolia.de
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