Selbstverschuldet aus dem Amt

Sieben Pflichtspiele, nur ein Sieg. Drei Niederlagen in der Liga, zwei glückliche Remis in der Europa-Quali, dazu die 1:2-Hypothek aus dem Hinspiel der letzten Qualifikationsrunde gegen Rijeka bedeuten das Ende von Trainer Labbadia beim VfB.

Während weite Teile der Medien vom „klassischen Reflex nach Fehlstart“ reden, muss konstatiert werden, dass die Wahrheit in diesem Fall tatsächlich eher auf dem Platz zu suchen ist. Denn sowohl das glückliche 2:0 im DFB-Pokal beim BFC Dynamo als auch die Bundesliga- wie die internationalen Spiele haben gezeigt, dass Labbadia mit seinem taktischen Latein am Ende war. Die Entlassung, menschlich immer schwierig, war für den VfB sportlich nicht länger hinauszuzögern.

Zwar waren die Stuttgarter auch vom Pech verfolgt worden in den letzten Wochen. Der Ausfall der beiden Innenverteidiger Tasci und Niedermeier. Die 2:1-Führung der Mainzer aus einer Abseitsposition am ersten Spieltag, als die Stuttgarter das Spiel klar beherrschten. Der Platzverweis für Traoré in Augsburg, der nie und nimmer einer war, als es 1:2 stand und noch 20 Minuten zu spielen waren. Doch die meisten Probleme des Trainers waren hausgemacht und taktischer Natur. Der Verzicht auf wenigstens einen defensiv denkenden Sechser, um die neue Innenverteidigung zu entlasten, bedeutete den Verlust der Spielfeldmitte. Die nicht abgestimmten Laufwege, besonders auf den Außenbahnen, zogen haufenweise Ballverluste nach sich. Und die einzige Idee, zu Toren zu kommen, hatte zuletzt fast nur noch darin bestanden, lange und hohe Bälle in den Strafraum zu flanken. In der Hoffnung, Ibisevic würde schon irgendwie Kapital schlagen daraus.

Labbadia hatte eine Reihe von schweren Fehlern zu verantworten

Dieses Nicht-Konzept musste auch den taktisch nur peripher begabten Zuschauern im Pokal beim BFC Dynamo, einem Fünftligisten, auffallen. Anstatt die körperliche, technische und taktische Überlegenheit zu nutzen und die Amateure mit konsequentem Flügelspiel oder mit Passstafetten auseinanderzuziehen, um Raum zu schaffen, segelte hoher Ball um hoher Ball vor das gegnerische Tor. Damit haben auch großgewachsene Fünftligaverteidiger selten Probleme. Und in diesem Stil ging es weiter, lediglich das erste Punktspiel in Mainz stellte so etwas wie eine Ausnahme dar.

Labbadia hat seine Demission jedoch auch anderen Fakten zu verdanken. Als mit Bernd Wahler ein neuer Präsident gewählt wurde und der Club von Aufbruchsstimmung gepackt wurde, bremste der Trainer den Schwung mit unnötigen Aussagen gegen die Mannschaft sofort wieder aus. Nachwuchstalente brachte er zögerlich, nur um diese dann nach wenigen Spielen – manchmal nach nur einer Partie – wieder auf die Bank oder auf die Tribüne zu verbannen. Dass der Trainer am Ende ratlos war, konnte in Augsburg sogar jeder Fernsehzuschauer hören. Als der VfB Fehlpass um Fehlpass spielte, rief Labbadia aufs Feld: „einfacher spielen!“. Doch noch simpler, noch uninspirierter ging es da schon gar nicht mehr. Am Ende ist die Trennung für beide Seiten die angemessene Lösung.

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