Teambuilding – aber richtig!

Dr. Jeannine Ohlert von der Deutschen Sporthochschule Köln

Welcher Fußballer kennt das nicht: Vor der Saison wird mit der Mannschaft noch ein „Teambuilding“-Event veranstaltet, bei dem man dann in den Hochseilgarten geht oder irgendwelche Aufgaben in der Natur gemeinsam löst. Und das soll dann dabei helfen, dass man sich besser kennen lernt und bessere Leistung auf dem Platz bringt. Den Rest der Saison muss das dann irgendwie so funktionieren – bei den Profis wird im Falle einer schlechten Serie bestenfalls noch ein Trainingslager gemacht.

Grundsätzlich ist die Idee des Teambuildings nicht schlecht (sagen auch die Forscher), ABER…

Erstens kann man von einem einmaligen Event nicht erwarten, dass es für die gesamte Saison Effekte bringt, sondern es wäre viel sinnvoller, immer mal wieder im oder nach dem Training kleinere Übungen zu machen, die das Team zusammenschweißen (und die übrigens auch Spaß machen), am besten gemeinsam mit einem Sportpsychologen.

Und zweitens sollte man vor einem Teambuilding erst einmal darüber nachdenken, WAS eigentlich verbessert werden sollte. Die Forschung unterscheidet nämlich mittlerweile acht verschiedene Teamfaktoren, die sich auf die Leistung einer Mannschaft auswirken können, und die man dementsprechend auch separat verbessern kann und sollte:

(1) Führungsstruktur: Hier geht es um die Frage, wer in einem Team die Führungsspieler sind, und ob diese die an sie gestellten Anforderungen des Trainers erstens kennen und zweitens auch umsetzen können. Außerdem gibt es auch noch so genannte „informelle“ Führer, die für die soziale Struktur einer Mannschaft sehr wichtig sind. Die falsche Person mit der falschen Rolle kann die gesamte Teamstruktur durcheinander bringen.

(2) Rollenwahrnehmung: Diese erweitert die für die Führungsspieler genannten Herausforderungen auf die gesamte Mannschaft. Weiß jeder Spieler, was von ihm erwartet wird? Kann jeder Spieler das, was von ihm erwartet wird, auch erfüllen? Fühlt er sich wohl in seiner Rolle?

(3) motivationales Klima: Es wird die grundlegende Frage gestellt, ob die Spieler eines Teams einander eher als Konkurrenten sehen oder ob sie sich in ihrer Leistungsentwicklung vor allem auf sich selbst konzentrieren und daher mit den anderen gut kooperieren. Ein wichtiger Einflussfaktor dabei ist auch der Trainer – er kann in hohem Maße beeinflussen, wie die Spieler zueinander stehen.

(4) Gruppenkohäsion: Hiermit ist das gemeint, was viele als das Kernstück beim Teambuilding sehen, nämlich der Zusammenhalt in einer Gruppe. Und zwar geht es auch um die Frage, ob der Zusammenhalt nur dann super ist, wenn es gut läuft, oder ob man auch dann gemeinsam weiterkämpft, wenn man mal 0:2 hinten liegt.

(5) Identität und Identifikation: In Zeiten ständiger Spielerwechsel wird es immer wichtiger, dass sich die Spieler auch mit ihrem aktuellen Verein identifizieren. Die Mannschaft braucht eine gemeinsame Identität; etwas, das sie von anderen Teams unterscheidet und womit sich auch alle Spieler identifizieren.

(6) kollektive Wirksamkeit: Glauben die Spieler daran, dass sie mit dieser Mannschaft etwas erreichen können? Eine hohe kollektive Wirksamkeit bedeutet, dass alle Spieler davon überzeugt sind, auch in schwierigen Situationen als Mannschaft gegenhalten und noch gewinnen zu können.

(7) Kommunikation: Einer der zentralen Punkte in einer Mannschaft. Dabei geht es sowohl um die Kommunikation auf dem Platz als auch abseits des Platzes.

(8) Vertrauen: Wenn die Spieler sich gegenseitig nicht vertrauen, kann eine Mannschaft nicht funktionieren. Wichtig ist auch das gegenseitige Vertrauen in die Fähigkeiten des anderen.
Wie man sieht, ist so eine Teamstruktur relativ komplex. Für ein gutes Teambuilding sollten daher nicht wahllos irgendwelche Übungen gemacht werden, sondern am besten sogar vorher abgeklärt werden, an welchen Stellen es denn genau in der eigenen Mannschaft hakt. Die TEAMdiagnostik des Deutschen Forschungszentrums für Leistungssport (momentum) ist ein solches Tool, um herauszufinden, welche Bereiche noch verbessert werden sollten. Und richtig und regelmäßig angepackt zeigen sich die Effekte des Teambuildings dann auch mal länger als nur drei Wochen…

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