Vorteil Kunstrasen

Obgleich die meisten Naturrasen immer noch den Vorrang geben, hat sich der Kunstrasen in den letzten Jahren im Fußball immer mehr Freunde bei Clubs, Spielern und auch Fans gemacht. Die Vorteile liegen auf der Hand: der künstliche Rasen ist pflegeleicht, wetterfest und auch die Verletzungsgefahr ist geringer, da Bewegungen besser abgefedert werden. Zudem ist er intensiv nutzbar.

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Was ist Kunstrasen?

Ein Kunstrasen ist in der Herstellung vergleichbar mit einem Teppich. Einzelne Fasern bilden die Rasenhalme und diese sind in einem Tuch getuftet. Die Garne bestehen aus den Kunststoffen Polyamid, Polyethylen oder Polypropylen. Das Trägergewebe wird mit Latex beschichtet und die einzelnen Fasern erhalten durch eine Polverankerung zusätzliche Stabilität. Eine regelmäßige Perforierung des Rückens, in der Fachsprache auch als Backing bezeichnet, sorgt für die Wasserdurchlässigkeit des Kunstrasenteppichs. Kunstrasen kennt man in der Sportwelt seit den 1960er Jahren, zuerst wurde er im Astrodome, einem Sportkomplex in Houston, Texas, im Jahr 1966 verlegt. Entwickelt hatte ihn die Firma Monsanto unter dem Namen AstroTurf.

In den 1970er Jahren wurde Kunstrasen in den USA und Kanada extrem populär, hauptsächlich in Baseball- und Footballstadien wurden rund 11.000 Kunstrasenplätze eingerichtet. Der Trend ging ungebrochen weiter, so wurden im Jahr 2013 alleine in den USA 1200 neue Kunstrasenplätze eröffnet. Wie viele Kunstrasenplätze es in Deutschland gibt, weiß niemand so genau. Der Deutsche Fußballbund (DFB) schätzt die Anzahl der Felder auf 3000 bis 5000. Dem gegenüber stehen rund 30.000 Naturrasenplätze. Wie viele Vereine über einen Hartplatz verfügen, ist nicht bekannt. Die Sportarten, die in Deutschland am häufigsten Kunstrasen verwenden, sind Hockey und Fußball. Doch auch im gewerblichen Bereich bei Messen und in Ausstellungsräumen ist Kunstrasen ein beliebtes Dekoelement geworden. Privat wird er oft als Ersatz für Naturrasen verwendet oder als Bodenbelag für Balkon oder Terrasse.

Untergrund und Verlegung

Es gibt eine Vielzahl unterschiedlicher Rasenqualitäten, die sich nach der Verwendung richten und somit eine unterschiedliche Faserstruktur und -dichte haben. Kunstrasen wird auf Rollen geliefert und verlegt, meist mit einer Breite von ein bis vier Metern. In der Regel wird nicht direkt auf den Asphalt oder Sandboden verlegt, sondern es kommt eine Elastikschicht aus Gummigranulat oder Schaumstoffbahnen unter den Rasenteppich. Eine Untergruppe von Kunstrasen kann direkt auf mineralischem Untergrund oder Asphalt verlegt werden. Nahtbandagen und Vernähen sichern die Stabilität der Fläche. Für diese untere, tragende Schicht ist neben der Festigkeit und Strapazierfähigkeit auch die Wasserabführung wichtig, denn das Wasser tritt in der Regel in vertikaler Richtung aus. Wird ohne eine elastische Schicht verlegt, kann es zu Problemen kommen, da mit der Zeit Unebenheiten entstehen, die sich dann ebenfalls auf der Rasenfläche zeigen.

Im Fußball wird das Spielfeld meist mit einer Granulatschicht unterlegt, am beliebtesten ist das aus alten Autoreifen hergestellte SBR-Recyklat. Daneben haben sich weitere Granulatsorten etabliert, die zu der im Fußball immens wichtigen Dämpfung des Spielfeldes beitragen und auch das Rollverhalten des Balles beeinflussen. Stark beanspruchte Teile des Spielfelds wie der Strafraum oder der Mittelkreis sollten regelmäßig mit Granulat aufgefüllt werden, um die Lebensdauer des Rasens zu verlängern. Kunstrasenplätze, die keine Granulatfüllung haben, werden nass bespielt und müssen zur Halbzeitpause nachgewässert werden.

Die Pflege des Kunstrasens

Das Aufbürsten des Platzes muss regelmäßig alle zwei Wochen durchgeführt werden. Verunreinigungen sind vor jeder Nutzung, auch vor dem Aufbürsten, zu entfernen, damit die Abziehbesen oder Abziehmatten das Einstreumaterial verteilen und zwischen die Fasern einarbeiten können. Falls der Platz nicht akribisch gereinigt wurde, wird Dreck auf dieser Weise mit in den Kunstrasenplatz eingearbeitet. Nach 30 Nutzungsstunden oder einmal in der Woche muss das Einfüllmaterial abgeschleppt und egalisiert werden, das heißt, es muss von den sehr vollen zu den etwas leereren Stellen transportiert werden. Belag, der sich verdichtet hat, sollte behutsam gelockert werden. Wenn Einstreumaterial fehlt, ist dieses sofort nachzufüllen. Die Rasenfasern müssen entgegen der Liegerichtung aufgerichtet werden, davor ist jeglicher Schmutz zu entfernen.

Im Herbst sollte besonders darauf geachtet werden, das Laub vom Platz zu saugen. Eine Grundreinigung ist einmal im Jahr durchzuführen, dabei wird auch das Granulat gesiebt, um es von Verunreinigungen zu befreien. Die Wasserdurchlässigkeit des Materials wird ebenfalls getestet und Feinanteile abgesaugt, um die Elastizität des Belages zu gewährleisten. Kontrolliert werden Nähte und Linien und diese gegebenenfalls nachgebessert. Diese Wartung führen Clubs nicht selbst durch, sondern beauftragen einen Fachmann damit. Während der ersten fünf Jahre, nach denen der Kunstrasen angeschafft wurde, übernimmt diese Wartungsarbeiten in der Regel die Firma, die den Platz auch verlegt hat. Dies geschieht im Rahmen der Garantieleistungen. Fallen diese weg, sind pro m² ca. 0,35 Euro für die Jahresreinigung zu veranschlagen. Ein Kunstrasen ist in jedem Fall einfacher und günstiger zu pflegen als ein Naturrasen. Das ermöglicht es vielen Vereinen, nicht mehr auf dem Hartplatz, sondern auf besserem Untergrund zu trainieren und trotzdem den Naturrasen zu schonen. Ein Kunstrasen hält im Durchschnitt um die 15 Jahre.

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Was kostet ein Kunstrasenplatz?

Viele Vereine würden gerne einen Hartplatz in einen Kunstrasenplatz umwandeln. Die höhere Nutzungsdauer und die größere Attraktivität des Clubs mit so einem Feld sind sicher Argumente, die dafürsprechen. Als Orientierungspunkt seien die Kosten für ein kleineres Spielfeld mit den Maßen 44 m x 22 m. genannt. Ein Verein muss mit einem Betrag von 85.000 bis 125.000 Euro rechnen, darin enthalten sind bereits die Kosten für Baustelleneinrichtung, Grabenaushub, Drainage und Pflasterung, die Trageschichten für das Spielfeld, der Rasen selbst und das Granulat. Dabei ist es preislich nicht relevant, ob ein Platz komplett neu angelegt oder ein bestehender Hartplatz umgebaut wird. Bei einer Platzgröße von 105 mal 68 Metern ist hingegen eine Summe zwischen 500. 000 und 600.000 Euro zu erwarten.

Nicht enthalten in dieser Preisangabe sind Baunebenkosten und Sportplatzausstattung wie Tore, Ballfangzäune und weitere Sportgeräte. Der Preis reduziert sich, wenn eine weniger gute Kunstrasenqualität gewählt wird. Hersteller bieten ein umfangreiches Sortiment an Rasentypen an, die auf die Anforderungen eines Vereins abgestimmt sind. Soll ein Feld zurückgebaut werden, weil der Rasen zu alt ist und ein neuer verlegt werden muss, kostet dies um die 20.000 Euro. Darin enthalten sind jedoch schon die Kosten für die Entsorgung und Verwertung sämtlicher Materialien. Die Schicht unter dem Rasen ist in der Regel weiterhin verwendbar. Falls diese ebenfalls ausgetauscht werden soll, sind für ihren Rückbau bei einem mittelgroßen Feld etwa 35.000 Euro zu veranschlagen.Kunstrasen

Finanzierung eines Kunstrasenplatzes

Viele Vereine würden gerne einen alten Hartplatz gegen ein Feld aus Kunstrasen austauschen, doch zunächst muss die Kostenfrage geklärt werden. Eventuell können Posten gesenkt werden, wenn Mitglieder bestimmte Arbeiten rund um den Bau in Eigenleistung erbringen. Ansonsten bieten sich auch Spendensammlungen oder Benefizturniere an. Die erste Kontaktaufnahme sollte jedoch mit der Sportstättenförderung, beziehungsweise dem Landessportbund des jeweiligen Bundeslandes, erfolgen. Der kann Auskunft darüber erteilen, ob aktuell Fördermittel aus Geldern des Landes, des Bundes oder der EU zur Verfügung stehen. Manchmal gibt es auch Zuschüsse von der Stadt oder der Kommune. Viele Vereine greifen auch auf Online-Patenschaften zurück, um den Hartplatz in eine neue Spielfläche zu verwandeln. Eventuell kommt auch Crowdfunding in Betracht.

Vorteile eines Kunstrasenplatzes

Die Vorteile von Kunstrasen auf dem Platz lassen sich wie folgt zusammenfassen:

  • frei von Unebenheiten, keine verspringenden Bälle mehr, dafür deutlichere Passgenauigkeit
  • pflegeleicht und deutlich weniger wartungsintensiv als Naturrasen
  • geringeres Verletzungsrisiko für die Spieler
  • lange Haltbarkeit, dadurch höhere Auslastung möglich
  • nahezu wetterunabhängig
  • Training auch im Winter problemlos möglich
  • ganzjährig konstante Trainingsbedingungen

Nachteile eines Kunstrasenplatzes

  • teurere Anschaffungskosten als ein Hartplatz oder Naturrasen
  • oft ziemlich starker chemischer Geruch
  • brennbar
  • bei Billigmaterialien gesundheitsgefährdende Stoffe möglich
  • Probleme bei der Entsorgung
  • lässt emotionales Spielerlebnis vermissen

Kunstrasen im professionellen Fußball

Ein Feld aus Kunstrasen ist mittlerweile auch im Profifußball zugelassen, die Spitzenverbände FIFA und UEFA haben den Kunstrasen für große internationale Spiele frei gegeben. Die einzige Ausnahme bildet das WM-Endspiel bei den Herren, dieses muss auf Naturrasen erfolgen. Allerdings haben die Verbände ihre eigenen Qualitätskriterien, der Rasen muss das Siegel „FIFA Recommended 1 Star“ oder „FIFA Recommended 2 Star“ tragen. Die UEFA erlaubt grundsätzlich die Variante mit zwei Sternen, diese ist auch in der Champions League zugelassen. Der DFB zeigt sich dem Kunstrasen gegenüber jedoch nicht so offen. Hier gibt es mit dem DFL die Absprache, dass in der Bundesliga Spiele nur auf Naturrasen gestattet sind, diese Regelung erstreckt sich sogar bis in die Regionalliga. Bei den Amateuren sind in der Regional- und Landesliga diverse Kunstrasentypen zugelassen, in den Ligen darunter auch.

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Die richtigen Fußballschuhe für den Kunstrasenplatz

An den für diesen Platz am besten geeigneten Fußballschuhen scheiden sich die Geister. Manche behaupten, dass Stollenschuhe für Kunstrasen nicht geeignet seien und raten zu Fußballschuhen mit Nocken. Dann gibt es aber auch Experten, die genau den umgekehrten Tipp erteilen. Manche Vereine verbieten Schuhe mit Metallstollen auf ihrem Kunstrasenplatz und lassen diese nur auf anderen Plätzen zu. Im Zweifelsfall regelt die Platzordnung, welches Schuhwerk erlaubt ist und welches nicht. Bei Unsicherheiten erteilt auch der Platzwart Auskunft. Mittlerweile haben aber auch die Hersteller reagiert. Viele Fußballschuhe tragen mittlerweile den Vermerk AG, das bedeutet so viel wie Artificial Grass oder künstlicher Rasen. Diese Schuhe sind speziell auf die Bedürfnisse dieser Art Spielfeld ausgerichtet, so besteht ihre Sohle aus Multinocken und die Stollen aus Kunststoff.

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Smileus / www.fotolia.de