Was bedeutet Gegenpressing?

Nachdem wir euch vor Kurzem schon das Pressing nähergebracht haben, befassen wir uns nun mit dem nächsten Schritt dieser Taktik, nämlich dem Gegenpressing. Spätestens mit den Meistertiteln der Dortmunder Borussia unter Jürgen Klopp war dieses Thema ja quasi in alles Munde – auch in Liverpool setzt Jürgen Klopp nach wie vor auf Gegenpressing.

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Zum Teil erklärt sich der Begriff ein wenig selbst. Auch beim Gegenpressing geht es darum, dem Gegner im Kollektiv den Ball abzunehmen und anschließend schnell die gegnerische Unordnung zu einer eigenen Torchance zu nutzen. Grob gesagt bedeutet es, nach einem eigenen Ballverlust den Gegner so schnell wie möglich wieder unter Druck setzen, um ihm gar nicht erst die Möglichkeit eines eigenen Spielaufbaus zu ermöglichen. Das in unserem Pressing-Artikel bereits angesprochene Mittel des absichtlichen Ballverlustes kann beim Gegenpressing daher mitunter umso besser angewendet werden.


Man geht davon aus, dass in den 4 bis 5 Sekunden nach einem eigenen Ballverlust die Chance, bzw. die Möglichkeit den Ball wieder zu gewinnen mit Abstand am höchsten ist. Dies ist vor allem darin begründet, dass der Gegner in diesem Moment selbst noch nicht geordnet genug steht, um den eigenen Spielaufbau zu betreiben, da er zuvor vermutlich das Spiel recht eng gemacht hat, um den Ball überhaupt erst zu gewinnen. Zudem ist ein eigener Ballgewinn oftmals nicht wirklich mit einer sofortigen Ballkontrolle verbunden, d.h. bis der Gegner den Ball tatsächlich unter Kontrolle hat, um ihn sauber weiterzuspielen, hat man eine große Möglichkeit, ihm diesen direkt wieder abzuluchsen.

Im Gegensatz zum Pressing wartet man also nicht ab, bis man selbst sortiert steht und der Gegner einen bestimmten Spieler anspielt, um diesen danach überfallartig zu attackieren und im Mannschaftsverbund dessen Mitspieler zuzustellen. Vielmehr schiebt man unter höchstem Tempo vor allem die Räume um den ballgewinnenden Spieler zu, um diesen daran zu hindern, den Ball ohne Druck sauber aus der Gefahrenzone zu spielen. Nötig hierzu ist vor allem eine Überzahl in Ballnähe. Ist diese nicht gegeben, ist das Risiko des Nicht-Erfolgs umso größer.

Besonders wichtig sind für diese Spielweise sowohl eine hohe körperliche Fitness, als auch eine geistige Frische. Vorgelagert ist hierbei sicherlich die physische Komponente, da bei nachlassender Kraft auch die Konzentrationsfähigkeit abnimmt. Gibt es auch nur einen Spieler des Kollektivs, der aus Kraftgründen das so intensive Gegenpressing nicht zu 100% mitgehen kann, gefährdet dieser nicht nur den Erfolg eines Ballgewinns, sondern vielmehr auch einen erfolgreichen Angriff des gegnerischen Teams. Da die eigenen Mitspieler mit hohem Tempo aufrücken und angreifen, kann eine einzige Lücke im Abwehrverbund dazu führen, dass der Gegner diede Lücke nutzt und sehr schnell durch die eigenen Reihen kombiniert.
Die ständige hohe Konzentration aller Spieler einer Mannschaft ist also umso wichtiger, da sich beim schnellen Umschalten nach dem Ballverlust auch wirklich alle am Gegenpressing beteiligen müssen. Auf Kommandos kann nicht gewartet werden, jeder Spieler mussGegenpressing die Situation selbst schnell erkennen und dementsprechend handeln. Die Gegenpressing-Situationen müssen im Training also extrem oft und regelmäßig geübt werden und auch Konzentrationsfähigkeit ist etwas, das man gesondert schulen kann.

Gegenpressing ist mehr noch als „normales“ Pressing mit einem hohen Risiko behaftet. Funktioniert das sofortige Wiedererobern des Balles nicht, weil ein Spieler die Situation nicht schnell genug erkennt, bilden sich, wie bereits beschrieben, Lücken im Abwehrverbund, die der Gegner direkt ausnutzen kann. Wo jedoch höhere Risiken lauern, bilden sich auch große Chancen. Spielt eine Mannschaft das Gegenpressing so perfekt wie die Dortmunder in ihren Meistersaisons, ist der anschließende Weg zum Tor kurz und der Gegner kaum in der Lage anschließende Torabschlüsse zu verhindern.


Im Amateurbereich ist es aufgrund des geringeren Trainingspensums sicher noch einmal schwerer die Ziele und Inhalte des Gegenpressings so verinnerlicht zu bekommen, dass es im Wettkampf auch einwandfrei funktionieren kann.
Wie man dies trotzdem versuchen kann, stellen wir euch in den unten stehenden Links bzw. Übungen vor.

Weitere Links zum Thema „Gegenpressing“:

1. Übung „Gegenpressing: 4 gegen 2 mit 3 Teams
2. Übung „Gegenpressing: 5 gegen 3 plus 2
3. Übung „Gegenpressing: 2 gegen 1 plus 2
4. Übung „Gegenpressing: 8 gegen 6
5. Trainingskartothek „Pressing

Im folgenden Gastbeitrag wird Euch das Prinzip des Gegenpressings noch einmal in anderen Worten erklärt:

Was ist eigentlich Gegenpressing? Mit dieser Frage muss sich heute jeder Trainer auseinandersetzen, auch wenn das Konzept nicht vollkommen neu ist. Der Begriff Gegenpressing ist allerdings erst in den letzten Jahren populär geworden. Schon in den 1980er Jahren spielte der AC Mailand Gegenpressing, aber berühmt wurde dieses Konzept durch Pep Guardiola und den FC Barcelona. Auch die Erfolge von Borussia Dortmund in den letzten Jahren basieren vor allem auf Gegenpressing. Und ob der FC Bayern das Triple gewonnen hätte, wenn Jupp Heynckes seiner Mannschaft nicht das Gegenpressing beigebracht hätte, darf man zumindest bezweifeln.

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Was ist aber nun dieses Gegenpressing genau?

Im Fußball gibt es zwei wichtige Grundsituationen: Balleroberung und Ballverlust. Allerdings reicht es nicht aus, wie früher einfach darauf hinzuarbeiten, dass eine Mannschaft zweikampfstark ist. Das erste Ziel des Gegenpressings ist es, den Ball möglichst schnell nach einem Ballverlust zurückzuerobern. Das funktioniert, indem die Spieler, die sich in unmittelbarer Nähe des Balls befinden, bei einem Ballverlust des Mitspielers gemeinsam mit diesem auf den ballführenden Spieler zustürmen und dabei möglichst alle Passwege zustellen. Die Ausgangsidee beim Gegenpressing ist, dass eine Mannschaft, die gerade einen Ball erobert hat, ein paar Sekunden benötigt, um den Ball zu verarbeiten und eine sichere Ballkontrolle herzustellen. Genau diese Sekunden bieten sich für einen sofortigen Gegenangriff an.

Die mentalen Voraussetzungen für Gegenpressing

Fußballer sind überall auf der Welt gleich. Wenn ein Mitspieler den Ball verliert, ist naturgemäß der erste Gedanke nicht die Rückeroberung des Balls, sondern der Vorwurf an den Mitspieler. Genau das ist aber fatal. Beim Gegenpressing hat die akzeptierende Mannschaft nur dann den entscheidenden Vorteil, wenn der Gegenangriff unmittelbar und ohne jegliche Verzögerung stattfindet. Alle Spieler in der Mannschaft müssen deswegen nicht nur das Konzept des Gegenpressings verstanden haben, sondern auch die innere Bereitschaft haben, bei einem Ballverlust eines Mitspielers, ganz egal wie unnötig dieser war, sofort in den Gegenangriff umzuschalten und nicht zu lamentieren.

Es dauert eine Weile, bis Sie als Trainer Ihren Spielern das Gegenpressing beigebracht haben, denn nur wenn die Automatismen perfekt funktionieren, ist das Gegenpressing erfolgreich. Wenn nur ein Spieler in einer Situation nicht richtig mitarbeitet, funktioniert das Gegenpressing nicht mehr, weil sich eine Lücke eröffnet, die der ballführende Spieler relativ leicht nutzen kann. Beteiligen sich hingegen alle Spieler am Gegenpressing, wird es für jeden Gegner gegen Ihre Mannschaft unangenehm. Aber bis dahin ist es ein weiter Weg.

Muss ich beim Gegenpressing hoch verteidigen?

Die wesentliche Innovation, die der FC Barcelona dem Weltfußball unter Pep Guardiola geschenkt hat, ist die Kombination aus hoher Verteidigung und Gegenpressing. Das bedeutet, dass die gesamte Mannschaft bis zum gegnerischen Strafraum aufrückt, um den Gegner überhaupt nicht ins Spiel kommen zu lassen. Diese Taktik ist für eine Mannschaft, die großen Wert auf Ballbesitz legt und entsprechende Spieler in den eigenen Reihen hat, perfekt. Auch der FC Bayern spielt unter Pep Guardiola mit einer sehr hohen Verteidigung. Allerdings funktioniert dieses System nur dann, wenn Pressing und Gegenpressing optimal einstudiert sind. Jede Lücke kann zu einem Konter führen, der dann meist durch die weit aufgerückten Verteidiger sehr gefährlich wird.

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Es ist aber durchaus möglich, Gegenpressing zu spielen, ohne gleich mit der gesamten Mannschaft bis zum gegnerischen Strafraum vorzurücken. Gegenpressing ist immer dann möglich, wenn mindestens 2-3 Spieler nah bei dem Spieler, der den Ball verliert, sind. Wenn dann die weiter entfernten Spieler die Räume geschickt zustellen, kann das Gegenpressing eine sehr wirkungsvolle taktische Waffe sein. Es kommt also schon darauf an, dass Sie das Offensivspiel so gestalten (mit vielen kurzen Anspielstationen), dass nach dem Ballverlust überhaupt ein Gegenpressing möglich ist. Das Gegenpressing ist am eigenen Strafraum übrigens genauso sinnvoll wie am gegnerischen. Es gibt wahrscheinlich kein Defensivkonzept, das unangenehmer ist als aggressives Gegenpressing.

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Bildquelle: Laszlo Szirtesi / Shutterstock.com