Erlebnis- statt ergebnisorientiert!

In der Aufwärmphase, bei der wir auch wieder die professionellen Trainingsmaterialien von Teamsportbedarf.de verwendet haben, kamen heute mehrere Mütter von Kindern aus unserem Bambini-Bereich auf mich zu und beklagten die schlechte Atmosphäre.

Der Trainer, dem rund 20 Kinder des Jahrgangs 2007 und 2008 zur Verfügung stehen, habe jetzt entschieden, nur noch die „Besten“ mit zu den Spielen zu nehmen, um Zitat: „Endlich mal ein Spiel zu gewinnen!“ Dieses Trainerverhalten ist nicht nur gegen die Philosophie des Kinderfußballs, sondern ist fast schon vereinsschädigend.

Kinderfußball muss angstfrei Spaß und Spannung vermitteln (Foto: Lothar Tepel)

Kinderfußball muss angstfrei Spaß und Spannung vermitteln (Foto: Lothar Tepel)

Kinder, deren Eltern regelmäßig den Beitrag für ihre Kinder bezahlen, werden von dem ausgeschlossen, was sie am liebsten tun: ohne Zwang Fußballspielen! Wenn der Trainer sich nur auf Ergebnisse fokussiert, dann schadet das nicht nur enorm der Entwicklung der Kinder, sondern auch dem Verein, weil Spieler, die sich außen vor gelassen fühlen, nicht mehr wiederkommen und zwangsläufig abmelden werden.

Ich habe daraufhin das Gespräch mit meinem Jugendleiter gesucht und ihm die Situation sachlich erklärt. Er steckt natürlich in dem Dilemma, dass ausgebildete Fußballtrainer nicht auf Bäumen wachsen. So sollte der Bambini-Trainer bereits letzten Herbst den Kinderschein machen, aufgrund gesundheitlicher Probleme, war dies dann aber doch nicht möglich. Aber auch durch einen Trainerschein wird nicht jeder zu einem guten Begleiter für die Kinder.

Schließlich gehören nicht nur fachliche Dinge zum Profil eines Kindertrainers, sondern vor allem auch Empathie, Fingerspitzengefühl und Verständnis für die Bedürfnisse der Kinder. Wenn der Bambini-Trainer nämlich jetzt schon Leistungsdruck aufbaut ist die Rote Linie überschritten. Der Trainer hat die Aufgabe stets für ein angstfreies, positives Klima zu sorgen. Indem er die Spieler aber in gut und schlecht separiert, ist das nicht nur kontraproduktiv, sondern zerstört jegliches zartes Pflänzlein an Selbstvertrauen seiner Kinder.

Nochmal: alle Kinder müssen gleich behandelt werden. Nicht das Spielergebnis, sondern die Förderung und Entwicklung aller Kinder muss zum Ziel jeder Kinderfußballabteilung auserkoren werden. Erlebnis- statt ergebnisorientiert! Jeder Spieler hat die gleiche Wichtigkeit. Hier muss der Jugendleiter dringend auf den Bambini-Trainer einwirken, bevor Schlimmeres in den Köpfen der Kinder passiert, was nicht mehr reparabel ist und sie so für immer die Lust am Fußball verlieren. Die Gefahr ist groß, wir müssen sie bannen!

2 thoughts on “Erlebnis- statt ergebnisorientiert!”

  1. Uwe Jansen says:

    Hallo Trainerkollege, natürlich gerät man immer wieder mit Eltern in Konflikt, wenn die Spiele samstags verloren gehen. Vor allem mit Eltern, die meinen, dass ihre Kinder besser seien als andere. Für eine nachhaltige und zielführende Ausbildung und Entwicklung der Kinder ist es aber unabdingbar, dass jedes Kind in seinen einzelnen Entwicklungsphasen mitgenommen und nicht ausgeschlossen wird. Fußball ist eben im Kinderbereich kein Leistungssport, sondern dient der Bewegungs- und Koordinationsschulung, hier sollte deshalb niemals Ergebnis orientiert gearbeitet werden. Auch ich habe erlebt, dass Eltern diesen Weg nicht mitgehen wollten, wobei mein ehemaliger Jugendleiter, der nach außen hin immer wieder propagiert hat, Erlebnis- statt Ergebnis orientiert zu arbeiten, im Gespräch mit den Eltern dann aber eingeknickt und mir als Trainer in den Rücken gefallen ist. Man braucht natürlich die Unterstützung des ganzen Vereins, bzw. der handelnden Personen (zum Beispiel Jugendleiter etc.), um diese wichtige Maxime auch umzusetzen. Denn nur wenn der ganze Verein sich dieser Philosophie des Kinderfußballs verschrieben hat, kann erfolgreich gearbeitet werden, auch gegen Kritik von außen. Es wollen auch nicht alle Weltmeister werden, lieber Kollege, sondern sich einfach nur bewegen und in der Gruppe Spaß haben. Deshalb bitte nicht Kinder- mit Erwachsenenfußball verwechseln, dies tun leider schon zu viele!

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  2. Ein Trainer says:

    Hallo,
    das ist eine typische Reaktion von Eltern, die sich mit der Materie wenig oder überhaupt nicht auskennen.
    Ich kann aus eigener Erfahrung sagen, wie schwer dieser Drahtseilakt, den Sie da einfordern, ist.
    Auf der einen Seite gibt es Kinder, die ein gewisses Talent mitbringen. Sie kommen zum Fussball, um zu spielen UND zu gewinnen. Wenn genau diese Kinder dann zu den Vereinen wechseln, die dies garantieren, sitzt der eigene Verein irgendwann auf einem Häufchen unglücklicher Kinder, die wegen Erfolglosigkeit früher oder später das Handtuch werfen. Wem ist denn damit bitte geholfen?
    Fussball ist nunmal ein Leistungssport. Das ergibt sich automatisch bei Mannschaftssportarten.

    Man kann versuchen, dass alle Kinder Spielpraxis durch Einwechslungen erlangen. Leider hilft das bei komplett untalentierten Kindern auch nicht.

    So ist dass nun mal. Weltmeister wollen alle werden, wie der Weg dahin führt, interessiert oft nicht. Also mein Tip:
    Selbst mal eine Saison Trainer machen und dann mitreden.

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