Fußball und Basketball – Was Fußballer von Basketballern lernen können

Wenn Profi-Fußballer sich über die hohe Belastung einer englischen Woche beschweren, wenn drei Spiele in acht Tagen anstehen, können Basketballer darüber oft nur müde lächeln. Spiele im Dreitagesrhythmus sind für sie vollkommen normal, gerade in der amerikanischen NBA (National Basketball Association) liegen zwischen den Spielorten oft auch noch unzählige Kilometer, die mit langen Flügen zurückgelegt werden müssen – es bleibt kaum Zeit für Regeneration. Ist es also die Fitness, die Fußballer von Basketballern trennt? Oder liegen die Unterschiede im Bereich der Regeneration? Können Fußballer lernen, weniger zu jammern? Nein.

Fußball und Basketball unterscheiden sich in den körperlichen Anforderungen. Basketballer laufen fünf bis sechs Kilometer pro Spiel in einem kleinen Spielfeld, Fußballer zehn bis zwölf auf größerem Platz. Basketballer haben weniger Ruhepausen, legen anteilig mehr Strecke in hohem Tempo zurück als Fußballer, die oft auch in langsamem Tempo laufen. Dafür ist Fußball körperbetonter, Basketball fast körperlos, auch können Basketballteams häufiger auswechseln als Fußballmannschaften, deren Kontingent auf drei Wechsel beschränkt ist. Ob nun Fußball härter ist oder Basketball – diese Frage erhitzt seit jeher die Gemüter und wird regelmäßig mit einer Portion Populismus diskutiert. Aufgrund der unterschiedlichen Bedingungen macht das wenig Sinn. Trotzdem können Fußballer viel von Basketballern lernen.

Verteidigen ohne Foul

Beginnen wir in der Defensive. Joachim Löw, Trainer der deutschen Fußballweltmeister von 2014, lässt im Training gern auch mal Basketball spielen. Seine Begründung liegt darin, so das eigene Defensivspiel zu verbessern. Im Basketball wird nahezu jeder Körperkontakt abgepfiffen, man darf dem Gegner den Ball nicht aus der Hand schlagen oder ihn von der Seite umstoßen. Genau das passiert aber häufig im Fußball. Löw war es ein Ärgernis, wenn Spieler die ganze Defensivarbeit des Teams zunichtemachten, indem sie sich zu einem dummen Foul hinreißen ließen und dem Gegner so eine ruhige Spielfortsetzung per Freistoß ermöglichten.

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Gerade im Pressing, welches im modernen Fußball unbedingt dazu gehört, ist es wichtig, ohne Foulspiel auszukommen und den Gegner lediglich so zuzustellen, dass er keine Möglichkeit hat, sich spielerisch zu befreien. Dazu ist eine gute Raumaufteilung notwendig, in der Spieler kein Foulspiel brauchen, um einen Ball zu erobern oder einen gegnerischen Angriff zu unterbinden. Das erfordert viel Bewegung, viele schnelle Richtungswechsel und vor allem viel Kommunikation.

Letztlich geht es im Basketball vielmehr noch als im Fußball darum, Passwege zuzustellen, weil Zweikämpfe eine deutlich untergeordnete Rolle spielen. Im Fußball werden Bälle oft im direkten Zweikampf gewonnen, im Basketball aber eher auf dem Passweg zwischen zwei Spielern. Das können sich Fußballer unbedingt abschauen. Viele Übungsleiter bauen deshalb Basketball in ihr Training ein. Eine etwas fußballspezifischere Übung ist Handball-Kopfball. Die Spieler werfen sich dann den Ball zu wie im Basketball, der Gegner muss gut stehen, eine gute Raumaufteilung finden und viel miteinander reden, um Passwege zustellen und Pässe abfangen zu können. Begrenzt man noch die möglichen Schritte wie im Basketball, kann man hervorragendes Pressing spielen, weil der Gegenspieler sich nicht einfach den Ball unter den Arm klemmen und losrennen kann. Tore können dann nur mit dem Kopf erzielt werden, damit auch eine fußballspezifische Komponente eingebracht wird.

Schnelle Ballzirkulation im Offensivspiel – Basketball Grundlagen

Andersherum erfordert die Enge des Spielfeldes im Basketball natürlich eine schnelle Ballzirkulation der angreifenden Mannschaft. Weil der Gegner wie oben beschrieben die Passwege zuzustellen versucht und eine Situation erreichen will, in der der Ballführende einfach keine Anspielstationen mehr findet, muss die angreifende Mannschaft im Basketball besonders schnell spielen, keiner sollte den Ball länger als unbedingt nötig in den Händen halten, denn das gibt den Verteidigern die Möglichkeit, alle Räume zuzustellen.

Im Fußball gilt das genauso. Je schneller man spielt, desto schwieriger ist es für den Gegner, Zugriff zu bekommen. Im Fußballtraining kann das wie beschrieben mit Handball-Kopfball geübt werden. Wenn man ein Tor erzielen möchte, muss ein Spieler so freigespielt werden, dass er den Ball mit dem Kopf ins gegnerische Gehäuse befördern kann, das heißt, er braucht ein wenig Freiraum, den er nur bekommt, wenn seine Mannschaft sehr schnell spielt und er sich mit schnellen Bewegungen und ruckartigen Richtungswechseln vom Gegenspieler löst. Auch das können Fußballer vom Basketball lernen: Schnelle und explosive Richtungswechsel, um sich vom Gegner zu lösen. Im Basketball ist das unbedingt nötig, um anspielbar zu sein, denn es gibt kaum die Möglichkeit eines ruhigen Passes auf einen freien Spieler wie häufig im Fußball. Schnelle Richtungswechsel, explosive Antritte von zwei, drei Metern, manchmal sogar weniger, sind deshalb wichtig, um sich vom Gegenspieler zu lösen und anspielbar zu sein.
Das gilt im Fußball genauso. Da jedoch auch die technische Komponente eine wichtige Rolle spielt, reicht es nicht, im Training Basketball oder Handball-Kopfball zu spielen. Der Ball muss auch an den Fuß. Kleine Spielfelder sind dafür gut geeignet, aber auch Beschränkungen der Ballkontakte, zum Beispiel auf zwei Berührungen pro Spieler. Jeder muss sich dabei schnell wieder vom Ball trennen, was viel Bewegung und vor allem eben kleine, schnelle Antritte vom Gegenspieler weg bedeutet. Auch können direkte Mannorientierungen ausgesprochen werden, also immer direkte Gegenspieler bestimmt werden, die sich gegenseitig decken müssen. Es wird dann noch schwieriger, sich in engen Räumen anspielbar zu machen. Ganz ähnlich wie im Basketball.



Das Umschaltspiel

Viele Fußballtrainer starten heutzutage ihre Stoppuhr, wenn eine Mannschaft den Ball gewinnt. Sie hat dann nur eine bestimmte Zeit zur Verfügung, um selbst zum Abschluss zu kommen, beispielsweise 15 Sekunden. Ist der Angriff nach dieser Zeit nicht abgeschlossen, wird das Spiel unterbrochen und der Gegner erhält den Ball. Diese Trainingsform hat eine enge Verbindung zum Basketball, hier ist ein Angriff auf lediglich 24 Sekunden begrenzt. Im Basketball sind schnelles und explosives Umschaltspiel Grundvoraussetzungen erfolgreichen Spiels.

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Die Erklärung liegt auf der Hand. Wenn man vor dem eigenen Korb den Ball gewinnt, ist auch der Gegner weit von dessen eigenem Korb entfernt, es besteht als ein großer offener Raum, der bespielt werden kann. Lässt man sich nach einem Ballgewinn Zeit, gibt man dem anderen Team die Möglichkeit, sich in seiner Grundformation einzufinden, was es dann wieder schwierig macht, den Gegner auszuspielen. Schaltet man jedoch schnell um, kann man die offenen Räume nutzen und gegen einen noch nicht zurückgeeilten Kontrahenten einen einfach Korb erzielen. Im Fußball funktioniert das genauso. Nach einem Ballverlust ist eine Mannschaft zunächst einmal unsortiert und bietet Räume, die bespielt werden können. Einige Mannschaften spezialisieren sich regelrecht auf dieses schnelle Umschaltspiel zum Erspielen eigener Torchancen. Manche Trainer lassen den Ball absichtlich zum Gegner spielen, nur um dann Pressing zu spielen, den Ball zurückzugewinnen und einen unsortierten Gegner vorzufinden. Zeitbeschränkungen für den Torabschluss eignen sich hervorragend, um ein schnelles Umkehrspiel zu trainieren.

Verwirrung stiften durch Positionswechsel

Natürlich, der Positionswechsel ist im Basketball etwas einfacher als im Fußball, weil das Feld kleiner ist und die Wege kürzer sind. Trotzdem können sich Fußballer in Sachen Positionswechsel einiges von den Basketballern abschauen. Positionswechsel machen das eigene Spiel weniger ausrechenbar, Mannorientierungen sind schwerer zu halten und gegnerische Angriffe komplizierter zu verteidigen. Nun wird im modernen Fußball nicht mehr gegen den Mann verteidigt, sondern im Raum und wechselnde Gegenspieler werden übergeben, so dass kein Verteidiger seinem Gegenspieler hinterherlaufen muss, was Positionswechsel natürlich noch effektiver machen würde.
Trotzdem können die Übergabeprozesse schwieriger werden, wenn ständig andere Gegenspieler auftauchen. Prinzipiell aber ist der Positionswechsel im Fußball etwas anders zu verstehen als im Basketball. Während im Basketball meist alle Positionen besetzt sind und nur die Spieler wechseln, geht die Tendenz im Fußball hin zu Positionsüberladungen und sich während einzelner Spielzüge verändernden Systemen. Spielt ein Team beispielsweise in eigenem Ballbesitz ein 4-2-3-1-System, sind die Positionen nicht immer gleich zu interpretieren und zu besetzen. Vor allem die vier Offensivpositionen sollten sich in ständiger Veränderung befinden.
Das bedeutet, dass der zentrale Spieler der offensiven Dreierreihe sich auch mal auf den Flügel bewegen kann, um dort gemeinsam mit dem jeweiligen Außenbahnspieler eine Seite zu überladen und dank der entstandenen Überzahl zur Grundlinie durchzubrechen. Dann steht im Zentrum der Mittelstürmer als Abnehmer einer Flanke bereit, aber auch der andere Außenbahnspieler und möglicherweise auch ein Sechser werden zu Stürmern, die in den Strafraum eindringen und versuchen, ein Tor zu erzielen. Die Positionen werden dann kurzzeitig verändert und bringen den Gegner in die missliche Lage, seine eigene Grundordnung infrage stellen zu müssen. Genauso kann sich der zentrale Stürmer zurückfallen lassen und auf Höhe des offensiven Mittelfeldes agieren, dort eine Überzahl im Zentrum herstellen. Die gegnerische Innenverteidigung steht nun vor der Frage, ob sie in ihren Positionen verharren oder ebenfalls herausrücken soll. Rückt sie heraus, kann der Zehner der ballbesitzenden Mannschaften die entgegengesetzte Bewegung ins Sturmzentrum antreten und dem Gegner das nächste Problem bescheren. Genauso können die offensiven Außen ins Zentrum einrücken, dort den Ball zirkulieren lassen und die Außenbahn öffnen für den Außenverteidiger, der sich nach vorn einschaltet. Die Möglichkeiten der Positionsinterpretation sind hier noch deutlich vielfältiger als im Basketball, aber die Grundüberlegung ist die Gleiche. Wer sich viel bewegt und nicht starr in seiner Position bleibt, stiftet Unruhe beim Gegner und schafft Platz, um ihn auseinanderzuspielen und Torgelegenheiten zu kreieren.

Einstudierte Spielzüge

Und damit kommen wir zum vielleicht größten Unterschied zwischen Fußball und Basketball, aber im Übrigen auch zwischen Fußball und Handball. Sowohl im Basketball als auch im Handball werden klare Spielzüge einstudiert und im Training automatisiert. Oft müssen Spieler einen Katalog an Spielzügen lernen, die dann nur mit einer Nummer angekündigt werden. Jeder Spieler weiß dann genau Bescheid, wie er sich in seiner Rolle zu verhalten hat, wann er den Ball bekommt, wo er hinlaufen muss usw. Im Fußball gibt es das kaum. Das Argument ist oft, dass Fußball deutlich komplexer ist als die anderen beiden Sportarten, dass es gleiche Grundkonstellationen nicht so oft gibt wie beispielsweise im Basketball. Das ist natürlich auch richtig, allein die Abseitsregel sorgt dafür, dass Mannschaften im Fußball kaum am eigenen Sechzehner stehen und verteidigen, wie es Basketballer unter dem eigenen Korb tun. Die Art, wie eine Fußballmannschaft verteidigt, ist schwerer vorherzusehen.

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Trotzdem kommen immer wieder ähnliche Spielzüge zustande, die man durchaus trainieren kann. Einige Abläufe wiederholen sich ständig und auch wenn sie im Spiel in leicht abgewandelter Form vonstatten gehen macht es doch Sinn, sie im Training zu festigen. Da wären zum Beispiele Bewegungen auf dem Flügel. Wenn der Außenbahnspieler den Ball erhält und in Richtung Tor dribbelt, sollte immer ein Spieler auf der Außenbahn überlaufen und sich für ein Anspiel zur Grundlinie anbieten. Von dort könnte er eine Flanke bringen. Aber auch wenn er nicht angespielt wird, öffnet er mit seinem Laufweg Räume, denn er zwingt den gegnerischen Außenverteidiger, sich ihm anzunehmen. Diese Überlauf-Bewegung kann sowohl von dem Außenverteidiger als auch von einem Sechser erfolgen, wenn dieser gut abgesichert ist. Letzteres hat den Vorteil, dass das Zentrum des Spielfeldes ein bisschen geöffnet wird und möglicherweise ein Zuspiel in die Spitze möglich ist.

Umsetzung im Trainingsspiel

Besonders sinnvoll ist es, einen gerade einstudierten Spielzug dann auch im Trainingsspiel einzufordern. Beim Überlaufen beispielsweise kann man das Spielfeld rechts und links relativ schmal halten und die Räume daneben für eine Flanke reservieren. Wenn der Ball also aus dem Zentrum in die Außenzonen gespielt wird, darf ein Spieler dort hineinlaufen und eine Flanke bringen. Nur so dürfen Tore erzielt werden. Die Anzahl der Spielzüge, die einstudiert werden können, ist dabei unendlich. Man kann auch einen Sechser den Mittelstürmer anspielen lassen, der lässt prallen und der Sechser verteilt den Ball auf die Außenbahn, wo zwei Spieler einen Doppelpass spielen und die Flanke bringen.


Oder man deutet Angriffe über die eine Seite an, lässt dann diagonal verlagern und bringt die Flanke von der anderen Seite.

Um seinen Spielern die Entscheidungsfreiheit nicht komplett zu nehmen und damit deren Kreativität und Lösungsfindungskompetenz nicht einzuschränken, kann man als Trainer auch mehrere Möglichkeiten bieten, zwischen denen der Spieler dann bei jeder Übung frei wählen kann. Entscheidend ist, dass ein Gefühl dafür entsteht, was die Mannschaft vorhat und was man selbst dazu beitragen muss. Es geht im Fußball nicht so sehr darum, wie im Basketball einen Spielzug von der Karteikarte auszuwählen und auszuspielen. Das ist sehr selten möglich. Aber das Prinzip ist das Gleiche. Es soll erreicht werden, dass alle Spieler die gleichen Ideen im Kopf haben und wissen, was der andere gerade will. Nur wenn alle beteiligten Spieler für die jeweilige Situation die gleiche Lösung im Kopf haben, kann der entsprechende Spielzug erfolgreich durchgeführt werden. Dieses Gefühl bekommt man im Training, wenn man Spielzüge einstudiert und die Laufwege für ganz verschiedene Situationen immer wieder wiederholt. Auch das können Fußballer vom Basketball lernen. Die beiden Sportarten sind sich in vielen Punkten näher, als man auf den ersten Blick glaubt.

Fazit

Basketball und Fußball haben mehr Gemeinsamkeiten, als man zunächst denkt! Bei den Unterschieden dürfen sich die Fußballer gerne einiges abschauen. Basketball lebt von explosiven Aktionen – das Freilaufen mit nur wenigen Schritten. Auch die Verteidigung funktioniert ebenso schnell. Räume müssen blitzschnell zugestellt werden, Positionswechsel verteidigt werden und der Angreifer ohne übermäßigen Körperkontakt gestoppt werden.
Auch beim Angriff bietet Basketball Inspiration für den Fußballtrainer. Angriffe und Spielzüge laufen im Basketball perfekt ab, da sie im Training einstudiert werden. Auch der Konter muss sehr schnell gelaufen werden, nur so kann die gegnerische Mannschaft überrumpelt werden.

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