Making of: Fußball-Camp für Kinder

Diese Leseprobe gibt es auch als: pdf-Version

Dieser Beitrag ist in der fussballtraining-Ausgabe 3/2010 erschienen.


Tipps zur Vorbereitung und Durchführung einer Fußball-Freizeit

Fußballcamps schießen geradezu aus dem Boden.
Kinder haben in den fußballfreien Sommerwochen
viel Spaß daran, solche ‘Extraschichten’ zu absolvieren.
Ex-Profis, mobile Fußballschulen, Lizenzvereine
sowie Einzelpersonen bieten hier unterschiedliche
‘Leistungspakete’ an.
Aber profitiert der kleine Verein auf Dauer von
solch einem – und dann auch noch von Fremden
durchgeführten – Event?
Jens Zahalka zeigt, wie der SV Blankenloch eigene
Camps plant, organisiert und durchführt!

Warum ein eigenes Camp anbieten?

Wir haben uns nach einigen Erfahrungen mit kommerziellen Anbietern
gefragt, weshalb wir ein solches Projekt beim SV Blankenloch
(Senioren in der Kreisliga, Jugendmannschaften in den Kreisklassen)
im Landkreis Karlsruhe eigentlich nicht selbst stemmen.
Die Vorteile liegen schließlich auf der Hand: Das vorhandene Sportgelände
wird genutzt, die Kinder aus dem Umkreis lernen unseren
Klub kennen, die Spieler können sich sportlich weiterentwickeln,
die Teilnahmegebühr kommt der eigenen Jugendförderung zugute,
der Verein wird von der Öffentlichkeit positiv wahrgenommen und
als wesentlicher Faktor zum Schluss: Der Teamgedanke und die
Motivation im eigenen Verein wird verbessert.
Schon nach kurzer Zeit der Planung und Vorbereitung eines solchen
Events ist es geradezu spürbar, wie die Energie der Trainer, Betreuer
und der Jugendleitung in ein solches gemeinsames Projekt
strömt. Natürlich merken alle sehr schnell, dass die Umsetzung
einer guten Idee auch viele Fragen und Probleme aufwirft, an die
man vorher noch gar nicht gedacht hat.
Doch davon sollte man sich nicht beirren oder gar entmutigen lassen!
Auf den folgenden Seiten finden Sie die wichtigsten Tipps und
Hinweise, wie Sie in Ihrem eigenen Verein ein Jugend-Camp planen,
organisieren und durchführen können. Und selbstverständlich
erhalten Sie auch exemplarische Organisations- und Trainingsformen,
denn die Wahrheit liegt schließlich immer noch auf’m Platz!

In 3 Planungsschritten zum Fußball-Camp

Gleich beim ersten Zusammentreffen sollten Ausrichtung und Ziel
des Camps festgelegt werden! Maßgeblich ist, sich von Anfang an
nicht von möglichen bevorstehenden Problemen beeindrucken zu
lassen, sondern positiv zu denken und Lösungen zu finden!
Doch aller Anfang ist schwer. Um dennoch möglichst schnell an die
konkrete Vorbereitung des Camps gehen zu können, haben sich folgende
Planungsschritte bewährt (siehe Info 1):

STEP 1: Ein starkes Team schaffen

Wie auch jede Fußballmannschaft aus 11 Spielern mit unterschiedlichen
Stärken und Schwächen besteht, ist die erste Aufgabe die
Zusammenstellung eines ausgewogenen Teams! Besonders wichtig
ist, hier die verschiedenen Möglichkeiten und Fähigkeiten der
einzelnen Personen zu beachten. Auch 11 Christiano Ronaldos
ergeben schließlich nicht automatisch einen Champions-League-
Sieger! Je vielfältiger und qualifizierter das Team, desto erfolg –
reicher wird das Camp sein!
Von entscheidender Bedeutung ist die eindeutige Vergabe und
Übernahme von Verantwortungsbereichen. Nur so werden Auf –
gaben auch abgearbeitet und es stürzen sich nicht alle Teammitglieder
auf die vermeintlichen ‘Goodie’s’.
• Sportliche Leitung (Vorbereitung der Trainingsformen und Unterstützung
bei der Durchführung)
• Werbung/Presse (Flyer, Poster, Press, Verteilaktionen usw.)
• Rechtliche Angelegenheiten (Verträge, Versicherung usw.)
• Mitarbeiterorganisation (Suche weiterer Helfer)
• Verwaltung (Anmeldung, Sponsorenwerbung, Verletztenbericht,
Urkunden usw.)
• Finanzen (Budget, Eingang und Ausgang)
• Verpflegung bzw. Unterbringung (Mittagessen, Getränke, Obst,
evtl. Zeltlager usw.)
• Equipment (Camp-Outfit, Bälle, Tore, Hütchen, Leibchen, T-Shirts,
Preise usw.)
• Nacharbeit (Abschluss, Analyse, Konsequenzen, Folgeaktionen)

STEP 2: Zielgruppe bestimmen (hier: F-/E-Junioren)

Bei der Festlegung der Zielgruppe sollte jedes Teammitglied seine
Ideen und Vorschläge äußern können! Denn je präziser die Zielgruppe
eingegrenzt ist, desto einfacher und effektiver werden auch
Planung und Durchführung des Camps.
Sie kann sich aus verschiedenen Bereichen ‘rekrutieren’: eigener
Verein, unabhängig von einer Vereinszugehörigkeit, Migranten, Jungen
und/oder Mädchen usw. Dieser Beitrag legt die Altersgruppe
der F- und E-Junioren und -Juniorinnen zugrunde.
Beachte: Alle Planungen und Entscheidungen müssen von nun an
unter dem ‘Blickwinkel’ der jeweiligen Zielgruppe getroffen werden
(z. B. Werbung, Programm, besondere Highlights usw.)!

STEP 3: Rahmenbedingungen festlegen

Dann können wichtige Eckdaten diskutiert und festgezurrt werden:
• Wo, wann und wie lange soll das Camp stattfinden (ganz- oder
halbtags bzw. mit oder ohne Übernachtung)?
• Was soll es kosten? Gibt es Vergleichsmöglichkeiten mit anderen
– auch kommerziellen – Veranstaltern?
• Wie viele Trainer und Helfer werden benötigt? Faustregel: je 1
Trainer plus 1 Betreuer für 10 Kinder
• Wer tritt als Co-Veranstalter auf (Stadt, sonstige Partner)?
• Werbemaßnahmen – wie erreichen wir unsere Zielgruppe?
Checklisten und Kopiervorlagen zu diesen Fragen finden Sie
auf www.fussballtraining.com!
Weitere Treffen sollten der Koordination und dem Austausch der
Planungsstände dienen. Dabei ist eine gute Kommunikation (Mailverteiler)
unerlässlich!

Die Kinder nachhaltig für den Fußball begeistern!

Das Wichtigste ist die positive Einstellung der Trainer, welche sich
dann auf die Kinder überträgt! Die jungen Fußballer sollen im Camp
auf Basis einer vielseitigen Beschäftigung und ‘Ausbildung’ vielfältige
und motivierende Erfahrungen sammeln. Denn gerade im Kinderfußball
geht es um die Ermutigung, dauerhaft und mit Freude zu
spielen, und nicht darum, Perfektion zu erlangen. Dabei hat immer
das aufmunternde Wort Vorrang vor dem Hinweis auf einen Fehler!
Um diese Prinzipien umzusetzen, müssen alle Camp-Trainer, von
denen ja in der Regel viele auch andere Altersgruppen betreuen, die
altersspezifischen Merkmale kennen und beachten (siehe Info 2).
Darüberhinaus gelten für sie die in Info 3 skizzierten Verhaltensregeln,
um dem Camp zu einem nachhaltigen Erfolg zu verhelfen.
Nicht alles ist Gold, was glänzt!
Das gilt auch für Kinderaugen. Denn jedem Trainer und Betreuer
muss auch von vornherein klar sein, dass in seiner Gruppe mit
hoher Wahrscheinlichkeit nicht nur lauter Wonneproppen sind, sondern
auch der eine oder andere Störenfried. Es gibt immer Kinder,
die im negativen Sinn aus der Reihe tanzen, sich nicht an Vorgaben
und Regeln halten, so die Gruppe stören und natürlich irgendwann
auch dem geduldigsten Trainer gehörig ‘auf den Zeiger’ gehen.
Daher ist im Sinne einer einheitlichen ‘Philosophie’ auch eine von
allen mitgetragene Vorgehensweise für solche Fälle zu vereinbaren.
Bewährt haben sich die in Info 4 dargestellten vier Schritte, die bei
Bedarf nacheinander ‘abgearbeitet’ werden sollten. Dabei ist natürlich
jeder Fall wie der andere zu handhaben und nicht einem Kind
Sonderrechte einzuräumen, die dem anderen verwehrt bleiben.

Verhaltensregeln für Trainer und Betreuer

Daneben gibt es selbstverständlich auch Regeln für Trainer und
Betreuer. Diese betreffen sowohl ihr Verhalten im direkten Kontakt
mit dem oder den Kindern wie auch das als Repräsentanten des
Fußball-Camps. Sie müssen sich in jeder Situation bewusst sein,
dass sie als Vorbild und Orientierungsperson wahrgenommen werden.

Praxis im Stationsbetrieb

Sobald die Zielgruppe festgelegt ist, entwickeln der Sportliche Leiter
und der oder die ’richtigen’ Trainer dieser Altersgruppe einen
Trainingsformenkatalog. Solch einen Katalog kann man übrigens
hervorragend aus Beiträgen in fussballtraining sowie aus den 14-
tägig erscheinenden Einheiten auf DFB-Training online zusammenstellen.
Beispiele sind auf den folgenden Seiten abgebildet.
Als besonders geeignet erwiesen haben sich sechs Themen (siehe
Info 5): freies Spielen, Dribbeln, Koordination, Passen und Schießen,
kleine Spielformen bis maximal 5 gegen 5 sowie Torhütertraining.
Pro Thema bauten wir entsprechend auf bzw. neben dem Platz je
eine Station auf. Anfangs überlegten wir, nach dem Motto ‘Abwechslung
tut gut’ in den 60- bis 70-minütigen Trainingseinheiten
alle Gruppen ein Stationstraining absolvieren zu lassen. Das hätte
jedoch einerseits Lernfortschritte erschwert und andererseits viel
Unruhe bei den ‘Wechsel bewegungen’ erzeugt. Daher blieb jede
Gruppe für die komplette Dauer einer Einheit an je einer Station.

Darauf kommt es bei den Stationen an

Freies Spiel: Kinder müssen auch frei spielen können, ohne durch
Korrekturen unterbrochen zu werden. Die unterschiedlichen Tore
setzen spezifische Aufgaben, die sie selbstständig lösen sollen.
Dribbling: Kleine Wettbewerbe steigern erheblich die Motivation
und sind besonders für Dribbelaufgaben geeignet.
Torschuss: Torschussaufgaben führen wir ohne Gegenspieler aus,
um den Kindern viele Erfolgserlebnisse zu ermöglichen. Viel Spaß
machen Übungen auf zwei Tore. Wichtig: Nach jedem (zweiten)
Durchgang die Torhüter wechseln!
Kleine Spielformen: Hier setzen wir unterschiedliche Schwerpunkte.
Bestimmte Vorgaben sowie kleine Spielerzahlen bzw. Überzahl-
Unterzahl-Verhältnisse provozieren das gewünschte Verhalten.
Torwarttraining: Wir wollen jedem Kind das Torwartspiel näher bringen.
Also geht jeder mal ins Tor und bekommt dort Aufgaben, die die
Anforderungen dieser Spielposition altersgemäß abbilden.

Wettbewerbe als zusätzliche Motivation

Bei kleinen Einzel- oder Teamwettbewerben (z. B. Dribbeln, Zielpassen
und -schießen), die wir entweder kurz vor der Mittagspause
oder gegen Ende der Trainingseinheit einbauen, können die Kinder
weitere Motivation tanken. Auch Hindernisläufe sind sehr beliebt!

Wird darüber sogar Buch geführt, stellen sie selbst fest, wie sie sich
im Verlauf des Camps verbessern. Außerdem können zum
Abschluss auch Urkunden vergeben werden, z. B. ‘Bester Dribbler’,
‘Schnellstes Kind’, ‘Elferkönig’ usw.

‘Respekt’ für Fairness und Sozialverhalten

Die letzte gemeinsame Aufgabe des Tages ist die ‘RESPECT-Aktion’.
Fußball ist ein Mannschaftssport, in dem einer dem anderen hilft.
Die Trainer achten darauf, ob ein Spieler dies in vorbildlicher Weise
beherzigt oder durch eine besondere Aktion positiv auffällt. Dieses
Verhalten wird dann vor allen Camp-Teilnehmern besonders hervorgehoben
und gelobt.

Alternativprogramm bei schlechtem Wetter

Sie haben (fast) alles minutiös geplant und vorbereitet, die Kinder
erscheinen erwartungsvoll zum Camp – und was passiert? Aus
dunklen Wolken prasselt der Regen herunter, und der Wetterbericht
sagt sogar für die nächsten Tage keine oder nur wenig Besserung
voraus. Was jetzt?
Bereiten Sie sich also auch darauf vor, indem Sie Alternativen im
Sportheim schaffen (Spielstraße, Videonachmittag, Fußball-Quiz,
Dartturnier, Tischtennis, Tischkicker usw.)!

Diese Leseprobe gibt es auch als: pdf-Version

Dieser Beitrag ist in der fussballtraining-Ausgabe 3/2010 erschienen.

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