Wahrnehmung Teil 1 – Kein Wahrnehmungstalent, na und?

Im modernen Fußball kommt der Wahrnehmungsfähigkeit immer mehr Bedeutung zu. Nur wer schnell wahrnimmt, kann auch schnell umsetzen und schnell handeln. Fußballerische Fähigkeiten sind Grundvoraussetzung, doch ist nicht immer der bessere Fußballer der Sieger. Bei gleicher oder ähnlicher Leistungsstärke, kommt darauf an wer der Handlungsschnellere ist.

Auch im Bereich der Wahrnehmungsschulung ist ein gewisses Maß an Talent Bedingung. Doch wie in anderen Ausbildungsbereichen, lässt sich mit entsprechendem Training und Willen auch die Wahrnehmung erkennbar verbessern.

Ich habe vor etwa Jahren begonnen, mich mit dem Thema Wahrnehmung zu beschäftigen und bin in diesem Zusammenhang auf die Trainingsmethoden der Life-Kinetik gestoßen. Hierbei werden
• die Verbesserung der fußballerisch-technischen Fähigkeiten
• die Stärkung der koordinativen Fähigkeiten
• die Verbesserung der visuellen Wahrnehmung
• die Steigerung der (Fußball-)Intelligenz
angestrebt. Hierdurch angeleitet, erarbeite ich mir Übungen, die die Elemente Technik, Ausdauer, Koordination, Konzentration (Wachheit), Spaß beinhalten. So auch die nachstehende Übung „Buntes Hütchenfeld“, die man von der Grundausrichtung als Warmup-Einheit oder auch als eine Einheit entsprechend der aufgezählten Elemente einsetzen kann. Anhand des Zieles sind Feldgröße und Vorgaben zu wählen.

„Buntes Hütchenfeld“

Übungsaufbau
quadratisches Feld (Größe nach Übungsziel)
mindestens 4 verschiedene Hütchenfarben
von jeder Hütchenfarbe mindestens 3 Stück
die eine Hälfte der Spieler im Feld mit je 1 Ball
die andere Hälfte positioniert sich außerhalb

Übungsverlauf
Beginn: Die Spieler im Quadrat dribbeln den Ball und suchen sich einen Anspielpartner außerhalb des Quadrates. Mit dem Kurzpass wir eine Farbe zugerufen. Der Spieler, der jetzt den Ball hat, umdribbelt das Hütchen mit der genannten Farbe, dribbelt einen anderen außen stehenden Spieler an und ruft diesem wiederum eine Farbe zu usw.

Weitere Aufgaben bei Zuruf:
1. 1 Farbe
2. 2 Farben, z. B. weiß-blau, rot-rot (aber nicht zweimal das gleiche Hütchen umdribbeln)
3. 3 Farben
4. Obst anstatt Farben. Hier bewusst eine andere Farbe wählen, als sie das Obst tatsächlich hat. So z. B. Apfel für „blau“, Banane für „weiß“, Kiwi für „gelb“, Zitrone für „rot“. Hier dann wieder 1, 2 oder gar 3 Farben
5. 2 Farben Obst und 2 Farben Gemüse
6. Jetzt bestimmt der Zuruf auch den Dribbelfuß. Hier kann man entweder (einfach) Zahlen benutzen („1“ ist rechter Fuß und „2“ der linke) oder man nimmt erneut irgendwelche Platzhalter wie Werkzeuge, Möbel, Tiere etc. Bspw. „Hammer“ für den rechten Fuß und „Zange“ für den linken
7. Finten und Farben. Als Finte lässt sich der Übersteiger sehr gut einsetzen und auch eine 180°-Wende, wobei bspw. der Ball mit der Sohle zurückgezogen wird. Auch hier kann man beliebige Platzhalter verwenden. Ein Bsp.: „Hund“ ist der Übersteiger, „Katze“ die Wende, Farbe bleibt bestehen. So würde der Spieler auf das Kommando „Hund, 2, blau!“ nach Ballerhalt den Ball mit links führen und an einem blauen Hütchen einen Übersteiger mit dem rechten Bein nach rechts machen, damit er mit dem linken Fuß weiter dribbeln kann.

Varianten der Ballübergabe
Var. 1: Der Ball wird von den ballführenden Spielern mit einem Kurzpass nach außen gepasst.
Var. 2: Der Ball wird von den ballführenden Spielern an die außen stehenden übergeben.

Hinweis
Manchmal bietet es sich an, die Spieler bei der Wahl der Platzhalter mitbestimmen zu lassen. Der Kreativität sind hier keine Grenzen gesetzt. Allerdings darf man es nicht übertreiben und muss die Übung dem Leistungsniveau seiner Spieler anpassen. Legt man Wert auf einen Ausdauereffekt, sollte man die Platzhalter nicht zu viel wechseln. Es stellt sich sehr rasch eine geistige Ermüdung ein.

Übung

Liebe Grüße

Michael Mahla

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