SpoWi-Ecke: Studie „Wie kommen Kinder zum Fußballsport?“

Früher war alles besser. Ist dem wirklich so?

Prof. Dr. Werner Schmidt von der Universität Essen hat in seiner Abhandlung „Zur Nachwuchsförderung im Fußball aus sportpädagogischer Sicht“, erschienen in den Schriften der Deutschen Vereinigung für Sportwissenschaft 118, die Veränderungen beim Zugang zum Fußballsport untersucht.

Vom Straßenfußball

Schmidt greift in seinem Artikel die Straßenfußballkarriere auf, die insbesondere in den 50er und 60er Jahren die bedeutendste Grundlage für und zum Fußballsport war. Auch das Vereinstraining startete meist erst im heutigen D-Junioren-Alter bei etwa 11 Jahren, was den Ursprung der Fußballlaufbahn fast zwangsläufig auf freie Spielformen am Nachmittag mit Freunden oder Nachbarskindern legte. 1954 waren nur 17% (und nur 9% der weiblichen) Fußballer im Vereinswesen engagiert. Dies stieg bis 1964 auf 27% (und 14% bei Fußballerinnen).

Vom spielenden zum sportiven Kind

Seit den 80er Jahren hält Schmidt eine zunehmende Bindung an Sportvereine fest. Spätestens seit den 70er Jahren sind die Kriegsfolgen beseitigt, leerstehende Flächen verbaut und Straßen voller Autos. Kinder werden zunehmend auf vorbereitete Fußballplätze und damit zu Vereinen geführt. Daher werden auch Altersklassen eingeführt, welche den E-, F und dann gar G-Junioren entsprechen. Anhand der Mitgliederzahlen von Kindern in Westfalen steigt der prozentuale Anteil der F-Junioren von 1979 bis 1989 gar um 216%.

Während allerdings die Mitgliederzahlen der Jüngsten kometenhaft steigen, fallen die Zahlen der älteren Jahrgänge bereits in den 80er Jahren. C-Junioren-Vereinsspieler nehmen in Westfalen bis 1989 bereits um 37% ab.

Nach der Wiedervereinigung

Der Aufbau des Vereinswesens im Osten führt im Bereich der Jüngsten nochmals zu Steigerungsraten, beispielsweise steigt die Anzahl der F-Jugend-Mannschaften deutschlandweit von 3 234 (1985) auf 10 753 (1995). Auch E- und D-Junioren profitieren noch von der zunehmenden Kommerzialisierung des Fußballs, doch bei den C-Junioren kann man trotz der Wiedervereinigung deutschlandweit Rückgänge erkennen.

Auch die Anzahl der B- und A-Jugenden sank rapide, von 25 000 Teams in den beiden Altersbereichen blieben Ende der 80er Jahre noch 15 000 Mannschaften übrig, was einem Verlust von etwa 40% entspricht. Diese Entwicklung nahm vermutlich noch weiter zu.

Der Drop-Out

Eine Auswertung des Jahres 2000 ergibt vier Hauptargumente für die Fluktuation vom Fußballsport. 40% der befragten Kinder geben fehlenden Spaß und Misserfolgserlebnisse an, 20% führen fehlende Zeit an; zwischenmenschliche Probleme werden ebenfalls von 20% genannt und 12% hören wegen schulischer Probleme auf.

Fazit und Ausblick

Obwohl der Autor leider keine hochaktuellen Daten aus dem vergangenen Jahrzehnt aufgreift, so ist doch stark zu vermuten, dass der aufgezeigte Schwund eine Fortsetzung fand und findet. Nicht zuletzt der Zusammenschluss vieler Vereine zu Spielgemeinschaften (SG) oder gar Juniorenfördergemeinschaften (JFGs) offenbart den gravierenden Spielermangel im Juniorenbereich.

Insbesondere in den älteren Jahrgängen scheint durch Einflüsse wie das G8, ein enorm größeres Freizeitangebot oder multimedialer Beschäftigung eine Abkehr vom Vereinsfußball klar wahrnehmbar.

Von Dominik Langenegger

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