Die Kölner Krisenstrategie: Besonnenheit und Ruhe im Training

Der Charakter eines Vereins entblößt sich erst dann so richtig, wenn schwierige Zeiten durchlebt werden. Die durchlebt der 1. FC Köln seit mehreren Wochen. Nach vier Spielen ein mageres Tor und satte zwölf Gegentore. Wie geht man als Trainer damit um? Wie äußert sich das im Training? Und wirkt sich das Formtief auf ein Training aus?

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Stögers Ruhe tut dem FC gut

Es gibt verschiedenste Ansätze, wie ein Trainer mit einem kriselnden Team umgehen kann. Grundsätzlich gibt es die impulsiven Charaktere und die ruhigen, besonnenen Typen. Peter Stöger zählt eindeutig zu letzterer Sorte, das merkt man auch im Training vom „effzeh“ und im Umgang mit seinen Spielern.

Kleine Trainingsgruppe in englischer Woche

8 Feldspieler plus Ersatzkeeper Kessler (der sofort ins TW-Training einsteigt) stehen einen Tag nach dem letzten Bundesligaspiel auf dem Trainingsplatz am Geißbockheim. Die erste Elf schickt das Trainerteam zur gleichen Zeit zu einer regenerativen, etwa 25-minütigen Einheit auf Rädern in das benachbarte Waldgebiet.

Warm-Up und Schnelligkeit

Zu Beginn begibt sich die kleine Trainingsgruppe mit dem Athletiktrainer im Trab rund um den Platz. Immer wieder werden verschiedene koordinativ recht simple Übungen vorgegeben (Kniehebelauf, Skippings, Anfersen usw.). Nach wenigen Minuten geht es für die Spieler in die Koordinationsleiter, wo das Tempo und die Komplexität stetig steigen. Als weitere Steigerung werden nach der Leiter kurze Antritte eingebaut. Zum Schluss des Warm-Up’s gibt es noch eine kurze Sprintübung (max. 10 Meter). Die Spieler laufen erst in schnellen seitlichen oder rückwärtsgewandten Bewegungen zu aufgestellten Hütchen, ehe sie danach in einen maximalen Sprint übergehen (Video).

4 vs. 4 im Quadrat

Nach etwa 10 Minuten geht es für die Spieler in ein Quadrat (etwa 30x30m), in dem ein 4 vs. 4 gespielt wird. Diese Übung lassen die Trainer in 4 kurzen Zeitintervallen spielen, die circa 1-1,5 Minuten betragen. Dazwischen gibt es eine kurze Trinkpause für die Kicker. Stöger fordert von seinen Mannen ein „aggressives Anlaufen“, auch, um die Intensität der Übung so zu erhöhen. In 2er-Pärchen werden anschließend verschiedene Passformen über wechselnde Distanzen gespielt.

In den Rücken der Abwehr kombinieren

Nun geht es mit Ball auf das Tor von Keeper Kessler, kombiniert wird das mit einem Spielzug über die Außenpositionen (aufgerückte Außenverteidiger). In der Mitte spielt Spieler A den Ball über etwa 10-15m auf Spieler B, der nach getimter Auftaktbewegung den Ball klatschen lässt und sich nach vorne orientiert. Spieler A spielt den Ball nun auf Spieler C, der den Ball wiederum auf Spieler B klatschen lässt.

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Spieler B spielt den Ball auf den auf der Außenbahn startenden Spieler D, der den Ball mit dem ersten Kontakt Richtung Sechszehner mitnimmt und mit dem zweiten flach in den Rücken der (gedachten) Abwehr spielt. In der Mitte kreuzen Spieler C und ein weiterer Spieler E, der zu Beginn der Übung passiv am Strafraum wartet (Übung im Video). Nach einigen Angriffen kommt von außen nun die Anweisung, den Ball hoch in den Strafraum zu flanken. Ansonsten bleibt die Ausführung die Gleiche.

Wichtige Merkmale der Übung:

  • Auftaktbewegungen als Einleitung: Spieler B leitet den Beginn der Passfolge mit einer Auftaktbewegung ein. Immer dran denken: Mit der Auftaktbewegung soll der Gegenspieler getäuscht und etwas Platz gewonnen werden. Achtet deshalb darauf, dass die Bewegung von allen Spielern korrekt ausgeführt wird (explosives Absetzen nach hinten und fordern). Oftmals schleicht sich nach wenigen Durchgängen der Schlendrian ein. Ebenso muss Spieler C eine ordentliche Auftaktbewegung ausführen.
  • Kreuzbewegung der 2 Stürmer zur rechten Zeit: Timing ist alles! Selbst die Profis werden von den Coaches immer wieder darauf hingewiesen, nicht zu früh Tempo in den Strafraum aufzunehmen. Als Stürmer hat man darüber hinaus einen immensen Vorteil gegenüber den Abwehrspielern, wenn man mit Tempo in die „Box“ vorstößt. Der länger postierte Spieler läuft auf den kurzen Pfosten, Spieler C läuft in dem Fall auf den langen Pfosten.
  • Passhärte- und Schärfe: Es ist in Ordnung, wenn die ersten 2-3 Durchgänge Eurer Spieler etwas langsamer ausgeführt werden. Danach sollte allerdings Tempo in die Aktionen gebracht werden! Die Pässe sollten scharf und druckvoll gespielt werden. Durch das „klatschen lassen“ wird der Druck wieder rausgenommen, damit der nächste Pass wieder stramm gespielt werden kann. Gerade der Ball auf die Außenposition erfordert Konzentration. Dieser soll in den Lauf des vorstoßenden Spielers gespielt werden und direkt in die Bewegung mitgenommen werden können.
  • Timing des Außenspielers: Der Außenspieler sollte lernen, im richtigen Moment zu starten. Außerdem sollte darauf geachtet werden, dass er den Ball mit dem ersten Kontakt Richtung Tor mitnimmt. Es wird in dieser Übung angenommen, dass die Mannschaft sich auf der Außenbahn Platz verschafft hat. Deswegen sollte der Außenverteidiger (oder Außen-Mittelfeldspieler) dies nutzen, um den Abstand zum Tor zu verringern.
  • Bälle in den Rücken der Abwehr…:…sind vielversprechend! Dafür ist es notwendig, dass sich einer der beiden Stürmer (im Optimalfall der hintere der Beiden) bewusst mit einer Lauffinte fallen lässt. Er täuscht also seinen Gegenspieler den Laufweg nach vorne vor und setzt sich explosiv nach hinten ab. Führt in der Bundesliga häufig zum Torerfolg!
  • Zweite Bälle schon im Training trainieren: Es sind nicht die Schönsten aber sie fallen oft. Tore durch zweite Bälle! Versucht im Training schon daraus einen Automatismus zu machen, die Stürmer MÜSSEN auf zweite Bälle spekulieren und gnadenlos ausnutzen, auch im Training. Denn wenn nicht hier, warum dann im Spiel?
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Nach etwa einer Stunde ist die Einheit am Kölner Geißbockheim beendet. Es war unter den Spielern ruhiger als gewohnt. Peter Stöger strahlt auf dem Trainingsplatz eine sehr angenehme Ruhe und Ausgeglichenheit in einer schwierigen Phase aus. Nach dem Training stellt er sich noch den zahlreich erschienenen Journalisten, die Spieler begeben sich im Hintergrund vom regnerischen Trainingsplatz.

von Jannis Fabian Kruck

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