Freiburg II: Spielaufbau im 3-5-2 mit flexiblem 6er als Stabilitätsgarant

Nach erfolgreicher Saison in der Oberliga Baden-Württemberg, die im direkten Aufstieg endete, der aus Sicht des Sportclub Freiburgs wichtig war, um auch die Jugendspieler in einer möglichst hohen Spielklasse an das Profigeschäft heranführen zu können, konnte sich die Freiburger Zweitvertretung zur Eröffnung der Regionalliga über ein Heimspiel freuen. Vor einer heimischen Kulisse von zirka 200 Zuschauern gastierte in der Freiburger Fußballschule ein geeigneter Gegner zum Auftakt in die vierte deutsche Spielklasse. Mit Astoria Walldorf kam eine Mannschaft in den Breisgau, die letzte Saison im Mittelfeld landete und sich vor den zahlreichen gefährdeten Plätzen des Tableaus retten konnte: also ein potentieller direkter Konkurrent. Bei bestem Wetter entwickelte sich eine zähe Partie.

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Ereignisarmer Fußball bei hoher taktischer Qualität

Im ersten Drittel des Spiels passierte schlichtweg gar nichts. Auch den Rest der Spielzeit kam es kaum zu Torchancen. Insgesamt sind beiden Mannschaften zwei nennenswerte Abschlüsse zu verbuchen. Für Freunde des fußballerischen Spektakels musste die Partie eine Qual gewesen sein und beim Blick über die Tribüne fielen einige gelangweilte Gesichter auf. Doch die Ereignisarmut der Paarung sollte nicht über die fußballerische Qualität hinwegtäuschen. Zwar gab es kaum Torabschlüsse. Aber diese waren nicht auf mangelnde Kompetenzen der Offensivreihen zurückzuführen, sondern auf hohe taktische und defensive Disziplin beider Mannschaften.

Der Sportclub, der in der vergangenen Saison nicht in jedem Spiel mit ebenbürtiger Qualität konfrontiert war, zeigte, dass er es verstand in der höheren Spielklasse in der Saison 2017/18 auch defensive Aufgaben geordnet zu erledigen. Ab der 30. Minuten begann Astoria Walldorf ein aggressives Pressing aufzuziehen. Mit einem solchen Pressing konnten in der vergangen Spielzeit nur wenige Mannschaften der Oberliga die Breisgauer ärgern. Um dem Pressing zu entgehen und Ballverluste zu vermeiden war daher die taktische Kompetenz der Mannschaft von Christian Preußer im eigenen Spielaufbau gefragt.

6er sorgt für Stabilität im Aufbauspiel

Bei eigenem Ballbesitz baute der Sportclub aus einer 3-5-2 Formation auf. Gelegentlich war der Spielaufbau auch eher als 5-3-2 zu interpretieren. Entscheidend für den Spielaufbau waren zwei Faktoren. Erstens der Freiburger Sechser und Kapitän Ivica Banovic, der bereits in der letzten Saison der Garant für die Stabilität im Aufbauspiel war. Dieser ließ sich im Aufbauspiel zwischen die Innenverteidiger fallen, sodass eine Dreierkette entstand. Indem er zwischen die Innenverteidigung fiel, fügte er dem zentralen Spielaufbau vor dem eigenen Tor enorme Passqualitäten hinzu. Die beiden Innenverteidiger konnten sich lösen und stellten damit eine Ballsicherer Reihe vor dem eigenen Tor. Dass sich Banovic zwischen die Innenverteidiger fallen ließ, hatte einen zweiten entscheidenden Effekt für das Freiburger Aufbauspiel.

Neue Anspielstationen durch hochrückende Außenverteidiger

Zweitens konnten sich dadurch die Außenverteidiger aus dem Defensivverbund lösen und sich zwischen der defensiven Dreierkette und den Mittelfeldreihen positionieren und so für beide Reihen wichtige Anspielstationen bilden. Dabei rückten die Außenverteidiger hoch und breit raus. Sie befanden sich zum Teil an der Schnittstelle zwischen Mittel- und Seitenlinie. Ihre Höhe entschied auch darüber, ob das Freiburger Aufbauspiel wie ein 3-5-2 oder 5-3-2 erschien. Dieses Verhalten von Sechser und Außenverteidiger schaffte in der eigenen Hälfte in Ballbesitz genug Anspielstationen, um das Aufbauspiel zu stabilisieren.

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Flexibler 6er Stabilitätsgarant und Taktgeber sowohl offensiv als auch defensiv

Freiburg II: Spielaufbau im 3-5-2Wenn der Sportclub den Ball über die Mittellinie getragen hatte, dann sorgten die Stürmer im Verbund mit den Außenspieler für die nötige Stabilität in der Zirkulation des Balles. Einer der Stürmer ließ sich fallen, um eine Anspielstation für die Mittelfeldspieler zu bilden. Gleichzeitig zeigten die Spieler auf den Außen, egal ob Mittelfeld oder Außenverteidigung Präsenz und liefen sich ebenfalls konsequent frei, um Anspielstationen zu schaffen. Die Abwehrreihe rückte geschlossen nach und der Freiburger Sechser konnte auch zum Stabilitätsanker der Offensive werden zusammen mit der Innenverteidigung, die sich im Umfeld der Mittellinie als Anspielstationen präsentierten.

Bei gegnerischen Ballbesitz im 4-1-3-2

Wenn der Gegner in Ballbesitz war, formierten sich die Freiburger in einem 4-1-3-2. Auch für die Defensivarbeit war der Sechser ein Stabilitätsgarant. Indem sich der Kapitän der Zweitvertretung zwischen der Abwehr- und Mittefeldreihe positionierte, konnte der es den Walldorfern enorm erschweren, den Ball in diesem Zwischenraum zu verteilen. Dabei unterstützten ihn mitunter die Außenverteidiger, wenn Walldorf das Spiel verlagerte. Dabei konnte der Sechser seine genaue Position horizontal und vertikal flexibel interpretieren.

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Er avancierte zum Motor der Defensivarbeit. Wenn es dem Mittelfeld gelang, den gegnerischen Spielaufbau zu entschleunigen, rückte er bis in das Mittelfeld vor, um Pässe in das letzte Drittel zu blockieren. Falls es Astoria gelang, das Freiburger Mittelfeld schnell zu überbrücken, stelle der Sechser sicher, dass sich die Innenverteidiger nicht mit Gegnern, die sich im vollen Lauf befinden, konfrontiert sahen. Durch diese Flexibilität bestimmte er teilweise die Bewegungen seiner Mitspieler entscheidend mit.

Zwei taktisch disziplinierte Mannschaften, die sich neutralisieren

Insgesamt fiel der Freiburger Sechser als bestimmend für den gesamten Spielverlauf auf. Im Freiburger Aufbauspiel gab er durch seine Ballverteilungen aus dem Zentrum den Takt an. Sobald der Ball aus der eigenen Spielhälfte getragen war, drang er in die generische Spielhälfte ein und wurde wieder zum entscheidenden Ballverteiler. In der Defensivarbeit war es seine Aufgabe, zu verhindern, dass der Gegner im Aufbauspiel an Tempo aufnehmen konnte. Da sich sein Bewegungsradius zwischen der eigenen Innenverteidigung und dem gegnerischen letzten Drittel bewegte, trug er mit enormer Laufarbeit zur Stabilität der Freiburger auf dem gesamten Platz bei.

Da allerdings auch Astoria Walldorf einen sehr disziplinierten Eindruck in beiden Belangen machte, erlahmte das Spiel im Mittelfeld. Da es auch kaum zu Ballverlusten kam, konnten beide Mannschaften kein wirkliches Umschaltspiel aufziehen. Falls es zu Torchancen kam, dann resultierten diese aus den wenigen vereinzelten Fehler. Entsprechend des Spielverlaufes kam es schließlich zu einem leistungsgerechten und torlosen Remis.

Von Julian Pfitzer

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