Der Muskel ist gerissen – wie verhalte ich mich bei einem Muskelfaserriss?

Der Muskelfaserriss zählt zu den häufigsten Sportverletzungen. Besonders im Fußball kommt er aufgrund der häufigen und abrupten Tempowechsel oft vor. Selbst Profispieler sind nicht davor gefeit: Mario Gomez musste die Fußball-EM 2016 in Frankreich vorzeitig wegen eines Muskelfaserrisses beenden und auch in der Bundesliga fallen regelmäßig Spieler deswegen aus. Um was es sich bei dieser Verletzung genau handelt, wie man sie erkennt und was man dagegen tun kann, haben wir hier einmal zusammengefasst.

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1. Was ist ein Muskelfaserriss?

Ein Muskel besteht aus einzelnen Fasern, die sich zu immer größeren Funktionseinheiten („Bündeln“) zusammenschließen. Bei Überdehnung oder Überbeanspruchung können (nach einem leichten Muskelkater) einzelne Fasern, Faserbündel oder sogar der ganze Muskel reißen. Sind mehr als 5% der Muskelfasern davon betroffen, spricht man von einem Muskelfaserriss zweiten Grades, darunter handelt es sich um eine Zerrung. Reißt der komplette Muskel, ist das ein Muskelfaserriss dritten Grades. Je nach Ausprägung der Verletzung werden dabei nicht nur Muskelzellen, sondern auch Blutgefäße zerstört. Reißen bloß einzelne Fasern, kann der Körper das gut kompensieren und man bemerkt es nicht, da man kaum Schmerzen hat. Bei Fußballern kommt diese Art der Verletzung vor allem in der Waden- und Oberschenkelmuskulatur vor.

2. Wie entsteht ein Muskelfaserriss?

Ein Muskelfaserriss ist eine Folge der Überdehnung. Wird ein Muskel zu stark oder plötzlich und ruckartig gedehnt, kann es vorkommen, dass seine Elastizität überschritten wird und er reißt. Grundsätzlich kann das immer passieren, allerdings gibt es Umstände, welche die Wahrscheinlichkeit erhöhen. So führt mangelnde Durchblutung, verminderte Dehnfähigkeit, höheres Alter oder eine Vorschädigung der Muskulatur zu einem höheren Risiko. Auch durch Einwirkung von außen (z.B. Tritte, Schläge, Unfälle) können Muskelfaserrisse entstehen.

3. Bei welcher Art von Training entsteht ein Muskelfaserriss meistens?

Ein ungenügend aufgewärmter Muskel kann bei jeder Art des Trainings einreißen. Allerdings ist das Risiko vor allem dann besonders hoch, wenn man plötzliche Bewegungen ausführt wie z.B. Absprünge oder Ansprinten. Die falsche Technik oder das Überlasten von untrainierter Muskulatur birgt ebenfalls ein stark erhöhtes Verletzungspotential. Bei einsetzender Ermüdung läuft man außerdem Gefahr, aufgrund der nachlassenden Konzentration unkoordinierte Bewegungen auszuführen. Auch ungeeignete Ausrüstung (z.B. zu große Schuhe) und ungewohnte Bodenbeschaffenheit trägt zu erhöhtem Risiko für einen Muskelfaserriss bei.

Besonders gefährlich für die Muskulatur ist das rasche Abwechseln von schnellen Sprints und abrupten Stopps im Fußballtraining. Des Weiteren kann auch bei Kicks oder anderen kraftvoll ausgeführten Kniebewegungen die Oberschenkelmuskulatur zu Schaden kommen.

4. Wie lauten die Symptome bei einem Muskelfaserriss?

In aller Regel bemerkt man recht bald, wenn Muskelfasern reißen. Ein plötzlich auftretender, stechender Schmerz ist das erste Anzeichen dafür, wobei in sehr seltenen Fällen der Schmerz auch erst nach einigen Stunden auftreten kann. Jedenfalls ist die Bildung einer, je nach Schweregrad des Risses, fühl- und sichtbaren Delle an der betreffenden Stelle typisch. Dann tritt innerhalb kurzer Zeit eine starke Schwellung ein. Der Muskel ist nur noch eingeschränkt, oder gar nicht mehr funktionstüchtig und der Versuch geht meist mit starken Schmerzen einher. Das gilt auch für passive Bewegung und Druckausübung auf die verletzte Muskelregion. Nach einiger Zeit kann es durch verletzte Blutgefäße zur Entstehung eines Blutergusses kommen. Dabei tritt Blut direkt in den Muskel aus, da die straffen Muskelhäute die Ausbreitung des Blutes verhindern. Dadurch steigt der Druck auf die Fasern, was teilweise sehr heftige Schmerzen bis hin zum sogenannten Kompartmentsyndrom auslösen kann.

5. Wie wird ein Muskelfaserriss festgestellt?

Bei starken Schmerzen und eingeschränkter Funktionstüchtigkeit des Muskels sollte sofort ein Arzt aufgesucht werden. Sind die Schmerzen hingegen nur leicht und der Muskel weiterhin belastbar, kann ein wenig abgewartet werden. Vergehen die Symptome nicht nach 1-2 Tagen, wird der Arztbesuch ebenfalls notwendig. Zuerst erfolgt eine Sicht- und Tastuntersuchung. Dabei wird der Muskel auf Beweglichkeit und Schmerzempfinden geprüft. Kann man andere Erkrankungen wie Thrombose oder ein Kompartmentsyndrom ausschließen, wird der Arzt entscheiden, ob weitere Untersuchungen notwendig sind, um das Ausmaß der Verletzung besser einschätzen zu können. Das kann beispielsweise eine Ultraschalluntersuchung oder bei sehr komplexen Verletzungen eine Magnetresonanztomographie sein. Da bei Sportverletzungen auch oft die Knochen betroffen sein können, wird manchmal zusätzlich ein Röntgenbild angefertigt.

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6. Wie wird ein Muskelfaserriss behandelt?

Eine bekannte Erste-Hilfe-Grundregel bei Sportverletzungen kann auch bei Muskelfaserrissen angewandt werden: Die „PECH“-Regel.

  • P steht für Pause (also das sofortige Unterbrechen von sportlichen Betätigungen),
  • E steht für Eis (der betroffene Muskel sollte so rasch wie möglich gekühlt werden, wobei das Eis nicht direkt auf die Haut gelegt, sondern in ein Tuch o.ä. eingeschlagen werden soll),
  • C steht für Compression (optimal ist hier ein elastischer Druckverband, um die Schwellung zu reduzieren),
  • H steht für Hochlagerung (auch das verhindert ein zu starkes Anschwellen der Verletzung).

Hat der Arzt die Diagnose Muskelfaserriss gestellt, kommen meistens Kompressionsverbände in Verbindung mit kühlenden und entzündungshemmenden Salben zum Einsatz. Die starken Schmerzen klingen normalerweise nach einigen Tagen Ruhe und Schonung von selbst ab, dennoch können Schmerzmittel (NSAR) verabreicht werden. Je nach Schweregrad der Verletzung kommen gelegentlich auch gerinnungshemmende und muskelentspannende Medikamente zum Einsatz. Außerdem hilft eine andauernde Kühlung dabei, die Schwellung rund um den Muskelfaserriss zu reduzieren und die Heilung voranzutreiben. Die Wirkung von Ultraschallbehandlungen, Elektrotherapie und Lonotophorese (eine Gleichstrombehandlung, welche die Wirkung von Salben verstärkt) ist umstritten, wobei sie aber auch keinen Schaden anrichten können.

Nach der Akutphase kann der Muskel mittels Krankengymnastik und sanften Dehnungsübungen vorsichtig wieder belastet werden. Bis zur vollständigen Heilung und Wiederherstellung der Belastbarkeit des Muskels können je nach Schwere des Muskelfaserrisses 3 bis 12 Wochen vergehen.

Eine Operation ist bei Muskelfaserriss meistens nicht notwendig. Trotzdem kann es bei starken Einblutungen, komplettem Funktionsausfall des Muskels oder dem Einriss von mehr als einem Drittel des Muskels notwendig werden, den Bluterguss operativ zu entfernen und die Muskelfasern wieder zusammen zu nähen. Das beschleunigt den Heilungsprozess, was vor allem bei Profisportlern oder bei schweren Verletzungen, die bleibende Funktionsschäden mit sich ziehen könnten, wichtig ist. In der Regel wird aber nur dann operiert, wenn der Riss größer als 2/3 des Muskeldurchmessers ist, der Bluterguss sehr groß ist oder die Enden der Muskelfasern zu weit auseinanderklaffen. Nach einer Operation ist der Muskel erst nach 3 Monaten wieder voll einsatzfähig.

Das bei der Heilung entstehende Narbengewebe ist weniger dehnbar als normales Muskelgewebe, weshalb vorerst ein leichter Funktionsverlust gegeben sein kann. Durch individuelles Training (z.B. isometrische Übungen, Bewegungs- und Koordinationstraining etc.) kann das aber wieder ausgeglichen werden.

7. Wie kann man präventiv einem Muskelfaserriss vorbeugen?

Generell kann man einen Muskelfaserriss bei sportlicher Betätigung nie ganz ausschließen. Dennoch kann man ein paar Dinge beim Training beachten, die das Verletzungsrisiko senken können. Als Grundregel gilt jedenfalls, dass man seinen Körper nicht überfordern sollte. Die individuelle Leistungskapazität sollte immer berücksichtigt werden und Steigerungen der Intensität des Trainings nur langsam und schrittweise erfolgen. Wie wichtig das Aufwärmen vor dem Sport ist, wird leider oft unterschätzt. Dabei kann das entsprechende Aufwärmtraining nicht nur das Verletzungsrisiko minimieren, sondern auch die Leistungsfähigkeit enorm steigern! Bei kalten Außentemperaturen sollte man auch immer bedenken, dass die Muskeln noch länger brauchen, um richtig warm zu werden.

Gerade bei Laufsportarten wie Fußball ist vor allem die Oberschenkelvorderseite gut trainiert, während die Rückseite muskulär unverhältnismäßig ausgeprägt ist. Dieses Missverhältnis kann bei Ermüdung das Risiko eines Muskelfaserrisses erhöhen. Daher sollte ein umfassendes, gezieltes Training auch jener Muskelregionen erfolgen, die man für den ausgeübten Sport nicht primär benötigt.

Statistisch gesehen passiert ein Muskelfaserriss am wahrscheinlichsten innerhalb von 30 bis 60 Minuten nach Trainingsbeginn. Daher sollten in diesem Zeitraum allzu starke Belastungen wie Sprinten oder Springen vermieden werden. Der Grund dafür ist einsetzende Ermüdung und der Verlust von Flüssigkeit und Elektrolyten. Ein rechtzeitiges Ausgleichen dieser Verluste und regelmäßige, kurze Erholungsphasen zur Entspannung der Muskulatur sind sehr empfehlenswert.

8. Wie sollte man sich verhalten, wenn man einen Muskelfaserriss hat?

Das allerwichtigste bei einem Muskelfaserriss ist ein sofortiger Belastungsstopp – also das Ende sämtlicher sportlicher Betätigungen. Eine Erstversorgung anhand der oben erläuterten PECH-Regel ist unerlässlich für eine baldige Genesung. Keinesfalls sollte man versuchen, den verletzten Muskel selbst „aufzudehnen“, denn dabei kann man den Einriss noch verschlimmern. Auch Wärme (z.B. Saunagänge) und durchblutungsfördernde Salben sollte man zumindest in den ersten 48h vermeiden, weil das die Schwellung verstärken kann. Mindestens 6 Wochen lang sollte man auf passive Dehnung und Massagen verzichten. Schonung ist angesagt, wobei eine komplette Ruhigstellung aber nicht notwendig ist.

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Nach der Akutphase kann man sehr vorsichtig und langsam wieder mit dem Training beginnen. Das kann je nach Schwere des Muskelfaserrisses ab der 4.-12. Woche passieren, allerdings sollte man sich in jedem Fall an die Einschätzung des behandelnden Arztes halten. Zu Beginn wird empfohlen, mit Stützkrücken erstmal kurze Strecken zu gehen, anschließend kann man mit Schwimmen und Radfahren fortsetzen. Es sollte sich jedenfalls um eine gleichmäßige Bewegung handeln – Fußball ist daher bis zur vollständigen Heilung Tabu. Oft kommt bei den ersten Trainingseinheiten ein spezieller Tape-Verband zum Einsatz, der die Heilung weiter fördert, indem er bis zu einem gewissen Grad die Funktion des Muskels übernehmen kann. Er sollte jedoch von einem Fachmann angebracht werden, da das Tape an der falschen Stelle völlig nutzlos ist. Ein Physiotherapeut kann hierbei und auch bei der Ausarbeitung eines geeigneten Trainingsplans behilflich sein.

Grundsätzlich sollte man immer auf seinen Körper hören. Bereitet eine Tätigkeit noch Schmerzen, sollte man besser noch einige Tage damit waren. Die Regel lautet: Erlaubt ist, was keine Schmerzen bereitet.

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