Gilt der alte Satz noch immer?

Bass, Bass wir brauchen Bass? Nein – Huub, Huub Stevens, Digger. Das rappten die Fünf Sterne Deluxe während Stevens‘ Engagement in Hamburg, und die Schalker dachten das nun auch. Wie aber lässt Stevens Fußball spielen? Modern wie Ralf Rangnick oder getreu seinem alten Konzept, dass die Null stehen muss?

In Hamburg, so hat man es dieser Tage gehört, hätten sie gern einen gewissen Huub Stevens verpflichtet, doch in Hamburg, genauer gesagt beim HSV, machen sie es sich seit Jahren immer und überall, wo man hinschaut, unnötig schwer. Ein Trainer ohne Job, der mit gleich zwei Vereinen verhandelt? Offenbar ein absolutes No-Go für den Hamburger SV. Huub Stevens, mit vollem Namen Hubertus Jozef Margaretha Stevens, sprach nämlich gleichzeitig mit dem FC Schalke 04 und mit dem HSV, was man beim immer wunderlicher werdenden Club von der Alster zum Anlass nahm, dem Wunschkandidaten aus den Niederlanden mir nichts, dir nichts abzusagen.

Zum Ärger der Schalker war diese Absage nicht. Schalke hat nämlich nun einen Trainer, noch dazu einen, der 1997 mit eben jenem Club aus dem Revier den UEFA-Cup gewinnen konnte. Doch egal, welchen Bundesliga-Club Huub Stevens bisher auch trainiert hat (das waren neben Schalke immerhin eben der HSV, Hertha BSC Berlin und der 1. FC Köln): Das Credo des Niederländers lautete stets, dass „die Null stehen“ müsse. Da sich diese Ansicht kaum ins Gegenteil verkehrt haben dürfte in den letzten Jahren, stellt sich jetzt die Frage, ob sie noch zeitgemäß ist.

Fußball der 90er Jahre

Im ersten Training auf Schalke ließ Stevens erst einmal drei defensive Spieler aus der zweiten Mannschaft mitmachen und befand anschließend, dass es „lustig“ sei, dass man immer noch über seinen Satz mit der Null spreche. Dabei gibt es Fanzirkel im Pott, die die Verpflichtung des knorrigen Manns aus Sittard gar nicht so lustig finden. „Huub Stevens steht für Fußball der 90er Jahre“, vermeldete etwa das „Königsblog“ und erklärte Manager Horst Heldt für unfähig, weil der nach der Demission von Ralf Rangnick angekündigt hatte, einen Trainer holen zu wollen, der Rangnicks Philosophie des modernen Fußballs fortführe. Die gleiche Meinung herrscht im Blog schalkefan.de vor: „Wenn Huub Stevens auf Schalke ein zweites Mal die Herzen und Hirne der Fans erobern will, muss er ein Förderer der Jugend sein und modernen Offensivfußball spielen lassen“, war dort zu lesen.

Den Holländer ficht das erst einmal nicht an. „Ob es altmodischer oder moderner Fußball genannt wird, ist egal. Das war früher so und ist heute so“, ließ Stevens verlauten, und es ist kaum anzunehmen, dass er mit diesen Aussagen die Herzen der kritischen Schalker Fans im Sturm erobern wird. Auch, dass er schon nach sieben Spieltagen sagt, dass die Meisterschaft ja quasi schon an die Münchner Bayern vergeben sei, ist nicht unbedingt das, was man auf Schalke gern hören dürfte.

Bloß keine Experimente

Die Verantwortlichen beim Club aus Gelsenkirchen freilich sehen die Nummer in einem anderen Licht. „Wir haben eine schnelle und zugleich die beste Lösung gefunden“, meinte Horst Heldt, und damit ist nicht unbedingt das fußballerische Element gemeint. Man wolle keine Experimente, sondern Stabilität und Sicherheit, fügte Heldt noch an, und damit ist im Prinzip klar, dass die Schalker keinen Trainer wollten, der die Rangnick’sche Kombinationsphilosophie weiterführt, sondern der den Club kennt – und sich nicht erst groß einleben muss.

Dass man auf Schalke so pragmatisch dachte, könnte auch daran gelegen haben, dass der Club nach sieben Spielen schon zwölf Gegentore auf dem Konto hat. Wolfsburg und Augsburg haben sich auch schon zwölf Gegentreffer eingefangen, nur Köln (15), Mainz (15), Freiburg (22) und – natürlich – der HSV (18) haben mehr Tore kassiert. In Hamburg hätten sie einen wie Stevens, bei dem die Null stehen muss, vermutlich mit Kusshand empfangen. Auf Schalke muss sich erst noch erweisen, wie der Stil des Trainers die Mannschaft prägen wird und wohin dieser Weg für den FC Schalke 04 führt. Und ob die Fans sich auf mittlere Sicht damit identifizieren können.

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