DFB-Frauen: Mit Prinz gegen Frankreich – oder ohne?

Silvia Neid steckt in einer Situation, um die sie wohl kein Trainer beneiden wird. Aber es gibt eben im Alltag solche Situationen, in denen ein Trainer zugunsten des Spielziels die Interessen einzelner Spieler zurückstellen muss. Eine solche Situation könnte es sein, in der die Bundestrainerin aktuell steckt: sie hat die Qual der Wahl, Rekord-Spielerin Birgit Prinz ein würdevolles Karriere-Ende zu spendieren – oder den Titelerhalt klar in den Vordergrund zu rücken.

Angesichts von Birgit Prinz‘ früheren Leistungen könnte man hier auf den ersten Blick keinen Widerspruch entdecken, doch die derzeitige Form der mehrfachen Weltmeisterin macht deutlich: entweder oder. Diese WM sollte Birgit Prinz‘ letzter großer Auftritt werden, und ausgerechnet jetzt schwächelt sie. Zwar steht auch Theo Zwanziger hinter ihr, doch die Mission von Silvia Neid ist klar: der Titelerhalt wäre eine echte Sensation. Und so wird Birgit Prinz voraussichtlich frühestens im Viertelfinale wieder spielen, um sich zu sammeln und sich zu erholen, nachdem sie bereits beim Spiel gegen Kanada recht früh ausgewechselt wurde.
Schnell wurden in den Medien Vergleiche gezogen, mal versteckt, mal unverhohlen: Neid – Löw, Prinz – Ballack – doch dieser Vergleich hinkt. Zum einen aufgrund des kommunizierten Stils, zum anderen aufgrund Prinz‘ wesentlich umfangreicherer Erfolge: Im Gegensatz zu Ballack, der keinerlei internationale Erfolge vorweisen konnte, hat Birgit Prinz mehrere große Auszeichnungen gewonnen. Und es bleibt zu hoffen, dass ihr Abgang würdevoller wird und nicht in derselben Schlammschlacht endet wie im vorgenannten Beispiel. Und es bleibt Silvia Neid zu wünschen, dass sie die richtige Entscheidung trifft – und diese auch klar durchsetzt.

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