Europa, wir kommen nicht

Mit dem 1:6 gegen den neuen Deutschen Meister muss Hannover 96 die Hoffnungen auf einen erneuten Ausflug nach Europa wohl begraben. Sieben Punkte müssten die Niedersachsen noch auf Frankfurt wettmachen – in vier Spielen.

Damit war für die 96er eine Woche komplett, die zwei derbe Pleiten beinhaltete. Drei Tage zuvor nämlich hatte sich Manager Jörg Schmadtke beurlauben lassen, immer wieder wurde von einem gestörten Verhältnis zu Trainer Mirko Slomka berichtet. Hannover steht ohne Manager da, und nach dem fatalen 1:6 gegen Bayern wohl auch ohne internationales Zusatzgeschäft in der kommenden Saison. Seltsam wehrlos zeigten sich die Hausherren während der Partie, keine einzige Verwarnung handelten sie sich ein.

Die Bayern blieben hinten fast ohne Beschäftigung. Hätte Manuel Neuer während des Spiels begonnen, mit dem Torwarttrainer ein extra Torwarttraining zu absolvieren, es hätte sich niemand gewundert. Und das, obwohl Jupp Heynckes acht neue Spieler in der Startelf aufgeboten hatte. Neuers Beschäftigungslosigkeit rächte sich in der 84. Minute eklatant, als er einen eigentlich harmlosen Freistoß von Pander nur unzureichend abwehrte und Hoffmann den Ball nur noch zum 1:5 einköpfen musste. Wie sehr Hannover überfordert war, zeigte sich jedoch keine zwei Minuten später – leicht und lässig stelle Pizarro den alten Abstand wieder her, indem er das 6:1 erzielte.

Keinerlei Aggressivität bei den Hausherren

Dass man in dieser Saison auch mal hoch gegen die Münchner verliert, ist hinlänglich bekannt. Allerdings muss sich Slomka fragen lassen, wie eine Mannschaft, die wieder in die Europa League einziehen wollte, jegliche Aggressivität vermissen lassen kann. Die Frankfurter Eintracht hatte das zwei Wochen zuvor ganz gut gemacht und, immerhin, nur mit 0:1 verloren. Obwohl die Bayern in der zweiten Halbzeit in Hannover dann ein paar Gänge zurückschalteten und sich offensichtlich für das Spiel gegen den FC Barcelona schonen wollten, ließ Hannover zu, dass die Gäste auch dieses Mal wieder ein halbes Dutzend Tore erzielten.

Trotz der Mehrfachbelastung der Bayern mit Liga, DFB-Pokal und Champions League schien es, als ob die Gastgeber in punkto Kondition und Ausdauer, aber auch in Sachen Konzentration klar im Nachteil waren. Dabei sollte die Aussicht, wieder europäisch antreten zu dürfen, Slomkas Team eigentlich beflügeln. Am kommenden Spieltag muss Hannover bei der SpVgg Greuther Fürth ran – alles andere als eine leichte Aufgabe. Dass die Franken sich anständig aus der Liga verabschieden wollen, wurde beim 1:0-Sieg im Derby in Nürnberg deutlich. Zudem wollen die Fürther endlich den ersten Bundesliga-Heimsieg einfahren, bei der vorletzten Gelegenheit hierfür.

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