Frankfurt kommt in schwieriges Fahrwasser

Wer auf eigenem Platz auch nach dem fünften Versuch der Saison noch sieglos ist, hat sicher nicht alles richtig gemacht. Aber die Zahlen der Begegnung der Hessen gegen den VfL Wolfsburg lesen sich so: 54 Ballbesitz für die Gastgeber. 327 angekommene Pässe, nur 292 für die Gäste. Öfter gefoult worden, öfter ins Abseits gelaufen: Frankfurt. Während die Torschüsse mit 10:10 gleich verteilt waren, spielten die Wolfsburger indes weniger Fehlpässe – und gewannen 60 Prozent der Zweikämpfe.

Nun ist Fußball im Gegensatz zu einigen anderen Ballsportarten kein Spiel, bei dem statistische Auswertungen das Ergebnis erklären können (wie schon Bayern München im Endspiel der Champions League 2012 schmerzlich erfahren hat). Und wenn auch der Versuch der taktischen Erklärung nicht ausreicht, um ein Resultat zu begründen, greifen viele zu psychologischen Erläuterungen. Denn aus taktischer Sicht waren weder das Frankfurter 4-1-4-1 noch das Wolfsburger 4-2-3-1 fehlerhaft, über weite Strecken schienen sich die beiden Systeme zu neutralisieren. Rasenschach wird das dann oft genannt, oder auch „ein Genuss nur für Taktikfreunde“. Und die Psychologie? Kann zwar auch nicht alles deuten, aber zumindest Ansätze liefern, die beleuchten, weswegen die Partie zu Gunsten der Wolfsburger und nicht in Richtung der Frankfurter kippte.

Die Verunsicherung war spürbar

Nach stürmischem Start und einer Chance durch Meier nämlich lenkte Frankfurts Verteidiger Anderson eine Wolfsburger Hereingabe schon nach 100 Sekunden mit dem Kopf ins eigene Netz. Das kann passieren, aber tritt oft genau dann ein, wenn eine Mannschaft sowieso schon verunsichert agiert und von der im fünften Heimspiel erwartet wird, den ersten Dreier einzufahren. Der Eintracht war der Druck anzumerken, die Gäste hätten in den kommenden zehn Minuten erhöhen können. Erst mit der Auswechslung von Diego (34.) war Frankfurt im Spiel – und glich sofort aus. Meier verwandelte einen direkten Freistoß.

In der zweiten Hälfte überboten sich die Mannschaften mit Fehlern. Den Gästen schien der eine Punkt zu genügen, auf der anderen Seite wollten die Frankfurter zwar mehr, doch fehlte ihnen das Können. Trainer Veh wollte das nicht akzeptieren und brachte 16 Minuten vor dem Ende den offensiven Aigner für den defensiven Flum. Das brachte den Hausherren mehr Ballbesitz in Tornähe, doch die Wolfsburger verhielten sich taktisch geschickt und versuchten nun, durch schnelles Umschalten in Richtung Frankfurter Tor vorzustoßen. Und einer dieser Gegenzüge endete acht Minuten nach einem Tor, das die Eintracht locker hätte verhindern können. Doch statt zu klären und einen Punkt zu halten, wurde der Ball im Aufbauspiel vertändelt. Arnold traf zum entscheidenden 1:2.

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