Rückenschmerz = Totalausfall?

Über die richtige Motivation für Therapie und die Rückkehr zum Sport
Ein Beitrag von Ida Ott (B.Sc) & Kerstin Wenge (M.Sc.).

Ein Fußballer kennt keinen Schmerz!? Doch, leider schon! Knapp 40% aller Fußballer geben an, mindestens einmal in ihrem Leben unter Rückenschmerzen gelitten zu haben. Häufig ist dies dann auch ein Grund für einen Trainings- oder Spielausfall. Das ist ärgerlich, nicht zuletzt, weil die Problematik bei vielen Spielern wiederkehrt. Die gute Nachricht ist, dass dem Rückenschmerz in den meisten Fällen keine strukturellen Schäden, sondern Überlastungserscheinungen z.B. der Muskeln oder Bänder zugrunde liegen. Diese können in der Regel mit gezielter Physio- bzw. Sporttherapie und einem anschließenden Trainingsprogramm erfolgreich in den Griff bekommen werden (Bono, 2004; Trainor & Wiesel, 2002).

Während der Therapie stehen meist die körperlichen Aspekte im Vordergrund. Es gilt jedoch zu beachten, dass auch die mentale Einstellung, die Motivation des Sportlers entscheidend zu einer erfolgreichen Rehabilitation beitragen kann.

Patienten, die in ihrem Tun (in diesem Fall der Physiotherapie) einen persönlichen Sinn sehen, sich bewusst und eigenständig dafür entscheiden und sich nicht zuletzt mit den Therapiemaßnahmen identifizieren, bleiben länger bei der Sache und erleben sich als kompetenter (Deci & Ryan, 2000). Der Spieler sollte sich also bewusst machen, dass die Therapie kein notwendiges Übel ist. Vielmehr ist sie ein wichtiger Schritt, um wieder gesund und fit zum Fußball zurückzukehren.

Für die Motivationslage im Rehabilitationsprozess spielt auch das soziale Umfeld eine wichtige Rolle. Physiotherapeuten sind eine starke Stütze, wenn es darum geht, die Therapie aus der richtigen Perspektive zu betrachten. Auch der Spaß an therapeutischen Übungen und das Erlebnis, dass der Körper trotz der Verletzung immer noch leistungsfähig ist, tragen zu einer selbstbestimmten Form der Motivation bei.

Eine Verletzung bedeutet für den Spieler zumeist, aus gewohnten, sicheren Strukturen, wie z.B. dem Mannschaftstraining, geworfen zu werden. Ebenso wie mit dem Gefühl, isoliert zu sein, weil man das Training und Spiele verpasst hat, sehen sich viele mit Ängsten konfrontiert: Was ist, wenn ich nicht wieder die gleiche Leistung wie vor meiner Verletzung bringen kann? Was ist, wenn ich mich wieder verletze? In solchen Situationen, in denen man einen starken externen Leistungsdruck wahrnimmt, ist es hilfreich, sich ins Bewusstsein zu rufen, welche positiven Gefühle und Erlebnisse man mit dem Fußball verbindet: die Freude am Spiel, am Umgang mit dem Ball, ganz persönliche Erfolgserlebnisse und Fähigkeiten, oder positive Gemeinschaftserlebnisse. Auch eine gute Interaktion zwischen Trainer und Athlet kann die Rückkehr zum Sport erleichtern. Es hilft, wenn der Athlet seine Ängste gegenüber dem Trainer in Worte fasst. Der Trainer kann dementsprechend die Motivation des Athleten positiv beeinflussen, indem er keinen Druck von außen ausübt, sondern seinen Schützling in seinen Fähigkeiten bestärkt. Nicht zuletzt können die anderen Teammitglieder ebenfalls dafür sorgen, dass sich der Kollege auch während seiner Verletzungspause als Teil der Mannschaft fühlt. Denn Erfolge werden in der ganzen Mannschaft gefeiert und Niederlagen werden gemeinsam durchgestanden, auch wenn nicht jedes Teammitglied auf dem Platz stand (Podlog, Dimmock & Miller, 2011).
Zusammengefasst ist Motivation eine wichtige Grundlage, an der der Spieler arbeiten kann, damit nicht nur die Rehabilitation von Rückenschmerzen und anderen Verletzungen zum Erfolg wird, sondern auch die Rückkehr in den Sport problemlos gelingt.

Literaturverzeichnis

Bono, C. M. (2004). Low-back pain in athletes. J Bone Joint Surg Am, 86, 382-396.
Deci, E. L. & Ryan, R. M. (2000). The “what” and “why” of goal pursuits. Human needs and the self-determination of behavior. Psychological Inquiry, 11 (4), 227–268.
Podlog, L., Dimmock, J. & Miller, J. (2011). A review of return to sport concerns following injury rehabilitation. Practitioner strategies for enhancing recovery outcomes. Physical Therapy in Sport, 12 (1), 36–42.
Trainor, T. J. & Wiesel, S. W. (2002). Epidemiology of back pain in the athlete. The Spine and Sports, 21 (1), 93-103.

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