Tribut an den ehemaligen Nationalspieler Helmut Haller

Im Oktober 2012 verstarb Helmut Haller, einer der Fußball-Helden der Nachkriegszeit. 33 mal kämpfte er in Nationalspielen für Deutschland, zeitweise auch für die italienischen Vereine FC Bologna und Juventus Turin. Mehr als einmal erzielte er das letzte, entscheidende Tor, wie etwa 1966 im Spiel gegen England. Auf der Gedenkseite von Helmut Haller sollten aber auch sein Humor, sein Einsatzwillen und seine Originalität nicht unerwähnt bleiben. Wer ihn noch als Vorbild erlebte, wie etwa der ehemalige Nationalspieler Jürgen Grabowski, blickt dankbar auf diese Lehrjahre zurück. Seine raffinierten Bälle lehrten viele Gegner das Fürchten.

In den 1950iger und den frühen 1960iger Jahren war Haller in Deutschland einer der populärsten Fußballspieler. 1962 nahm Haller in Chile erstmals an einer WM teil. Beide Mannschaften hätten es ruhig angehen lassen können, es fehlte ihnen nur jeweils ein Punkt, um in die nächste Runde aufrücken zu können. Stattdessen entwickelte sich das spektakulärste Spiel der Vorrunden, das damit quasi zur Legende wurde.

Seinen Siegeszug setzte Haller auch nach einem Wechsel zum FC Bologna, ebenfalls im Jahr 1962, fort. Denn mit diesem Verein errang er 1964 die italienische Meisterschaft. Kurz darauf wählten ihn die Italiener zu ihrem Fußballer des Jahres. Vier Jahre später kam der Wechsel nach Turin, für dessen Verein er in fünf Jahren zwei weitere „Scudetti“, zwei Meistertitel der Serie A, gewinnen half.

Die nächste Weltmeisterschaft bestritt Haller dann im Jahr 1966 gegen England. Und auch dabei wurde er zu einem der Protagonisten des Finales. Im Endspiel gegen den Gastgeber England erzielte er zwar ein 1:0 für die deutsche Mannschaft, das Spiel ging jedoch trotzdem nach einer Verlängerung verloren. Stoff für Anekdoten lieferte er aber dennoch: Haller erklärte den verwendeten Ball kurzerhand nach „deutscher Tradition“ zum Eigentum und Souvenir der Verlierer und klemmte ihn sich entschlossen unter den Arm – und so schüttelte er auch der Queen die Hand. Insgesamt sechs Tore schoss er bei dieser WM, nur vom Portugiesen Eusébio um drei Tore übertroffen.

Der „gekidnappte“ englische Fußball ging als Geschenk an Hallers fünfjährigen Sohn Jürgen. Zuweilen wurde er danach in Ehren gehalten, gelegentlich ausgeliehen und in Spielen eingesetzt. Ab 1996 entfachte dann das englische Boulevardblatt „The Sun“ einigen Wirbel um die Fußball-Reliquie und forderte deren Rückgabe an den finalen Siegesschützen von 1966, Geoffrey Hurst. 1996 fand nach viel Presserummel dann auch eine zeremoniöse Übergabe statt – heute liegt das legendäre Leder hinter Glas im Eisenbahn-Terminal Waterloo-Station. Gerüchten der Boulevardpresse zufolge wechselte dabei eine gewaltige Summe an Englischen Pfund den Besitzer. Haller soll einen guten Teil davon an Stiftungen für krebskranke Kinder gespendet haben.

1979 beendete der gebürtige Augsburger Hermann Haller seine Karriere – bezeichnenderweise beim FC Augsburg. Doch er war weiterhin als Trainer und Vizepräsident tätig. Fußball spielte er zuweilen noch in Prominenten-Turnieren, auch nach einer Hüftoperation. Beruflich repräsentierte er einen Sportausstatter und besaß eine Modeboutique in Augsburg.

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