Bremens junge Wundertüte

Vier Remis zum Auftakt der Rückrunde, und dennoch: Die jüngste Bremer Mannschaft aller Zeiten schlägt sich recht beachtlich, vor allem, was die Umsetzung der von Trainer Thomas Schaaf angeordneten Taktik betrifft. Doch Platz fünf ist ernsthaft in Gefahr. Wie sind die Aussichten für den restlichen Verlauf der Saison an der Weser?

 

Nur ein Sieg steht für die Bremer aus den letzten sieben Spielen zu Buche, und für nahezu jeden anderen Bundesliga-Standort würde das bedeuten: Krise! Nicht so Werder. Thomas Schaaf muss aufgrund mehrerer Verletzungen in diesen Zeiten auf die jüngste Werder-Mannschaft aller Zeiten zurückgreifen, im Spiel gegen Hoffenheim lag das Alter im Schnitt bei 23,45 Jahren. Doch der Vorsprung auf Platz sieben, der nicht mehr zur Teilnahme am internationalen Fußball berechtigt, ist in den vergangenen Spielen auf zwei Punkte zusammengeschmolzen. Doch die Art und Weise, wie diese junge Truppe die taktischen Vorgaben von Trainer Schaaf umsetzt, dürfte den Anhängern der Bremer indes Mut machen.

 

Mit viel Leidenschaft, Kampfgeist und Spielwitz hat Werder gegen die zum ersten Mal von Markus Babbel betreuten Kraichgauer 87 Minuten lang versucht, das frühe 0:1 zu egalisieren. In der 90. Minute wurden die Mühen schließlich belohnt. Und man darf getrost davon ausgehen, dass die Bremer vermutlich gewonnen hätten, wäre Claudio Pizarro nicht gesperrt gewesen. Doch ist die Mannschaft in der Lage – und die Spiele zuvor in Freiburg und gegen Leverkusen haben das auch gezeigt –, sich immer Möglichkeiten herauszuspielen. Die Partie in Kaiserslautern war die Ausnahme hiervon. Vier Punkte und 5:5 Tore jedoch sind für Werder Bremen gegen Gegner dieses Kalibers zu wenig. Doch wenn man sich dann wieder anschaut, wie es der 24-jährige Zlatko Junuzovic, der 18-jährige Florian Hartherz, der 21-jährige Aleksandar Ignjovski oder der 20-jährige Francois Affolter hinbekommen, so zu spielen, wie Schaaf es fordert, denkt man leicht, dass die Bremer ein höheres Potenzial besitzen als die Verfolger aus Leverkusen und Hannover. Und schließlich gibt es da auch noch Tom Trybull, der im März 19 Jahre alt wird.

 

Zwei oder drei Spieler fallen immer ab

 

Nicht zu vergessen: Auch Philipp Bargfrede wird im März erst 23 und dabei wirkt er im Bremer Konstrukt nahezu unverzichtbar. Ebenfalls im März Geburtstag hat Mehmet Ekici, der dann 22 wird, doch bei dem beschleicht einen das Gefühl, dass er nach Marko Marin (der auch im März 23 wird) der nächste Fehlkauf für Werder sein könnte. Marin hat nie das umsetzen können, was er einst versprach; auch ein Trainer wie Thomas Schaaf kann da nichts machen. Marin stagniert seit gefühlten Jahren. Ekici stand gegen Hoffenheim die gesamte erste Halbzeit auf dem Platz, dann erlöste Schaaf ihn. Außer einem Freistoß und einer gelben Karte tauchte der Ex-Nürnberger komplett unter. Weil Schaaf im Prinzip jede Woche einen anderen Spieler ins offensive Mittelfeld stellen muss, ist er auch gezwungen, die Taktik an die Personalien anzupassen.

 

Doch das große Problem bei Werder ist: Die meisten spielen oft gut und kombinieren untereinander, allerdings fast immer gibt es im Team zwei oder drei Spieler, deren Leistung stark vom Rest der Mannschaft abfällt. Neben Ekici, der selten spielt, tut sich in schöner Regelmäßigkeit Markus Rosenberg sehr schwer, und zwar damit, was seinen Beruf ausmacht: mit dem Tore schießen. Rosenberg spielt mit Pizarro zwar prima zusammen, doch wenn der Peruaner nicht dabei ist, könnte man meinen, dass Rosenberg ohne den Sturmpartner nicht einmal die Hälfte wert ist. Da hilft es auch nicht viel, dass Clemens Fritz derzeit fast in der Form seines Lebens ist, unermüdlich treibt er das Werder-Spiel an und geht dabei, mit und ohne Ball, sehr weite Wege. Das ist ein wenig das Problem bei den jungen Bremern: Mit dem Ball am Fuß laufen sie viel mehr. Das würde nicht weiter negativ auffallen, wenn Spieler wie Ekici, der eine Schlüsselposition einnimmt, halbwegs in Form wären. Wenn er gegen Hoffenheim angespielt wurde, war der Ball in fast allen Fällen weg.

 

Ekici außer Form, das ist Schaafs Hauptproblem

 

Also wird Schaaf weiter darauf setzen, dass seine Truppe viel läuft, mit und ohne Ball. Die jungen Spieler, die oben genannt wurden, werden sich von Woche zu Woche verbessern, wenn sie Spielpraxis in der Liga sammeln können, und darum wäre es keine Überraschung, wenn die Bremer sich mittelfristig auf einem Platz halten würden, der zur Teilnahme am internationalen Geschäft berechtigt. Weiter nach oben schauen müssen sie nicht, und das wissen sie wohl auch in Bremen. Zu deutlich ist der spielerische Vorsprung, den die ersten vier Teams der Tabelle vor allen anderen haben.

 

Dass die Bremer zu Zeiten von Özil oder Micoud deutlich stabiler waren als heute, liegt nicht nur an der individuellen Klasse dieser Spieler, sondern auch daran, dass Schaaf sich auf ein System verlassen konnte. Dieses System wurde um die Spielmacher herum gebaut und konnte immer und immer wieder gespielt werden, bis das Prinzip saß. Jetzt ist der Trainer gezwungen, Mehmet Ekici spielen lassen zu müssen – einen Ekici, der seit Wochen keine Form hat. Das heißt natürlich nicht, dass die Probleme der Bremer nur an ihm liegen, doch muss Werder Woche für Woche einen Spieler mitziehen, der eigentlich seinerseits Taktgeber sein sollte. Doch wenn Ekici seine Form findet, dürfte das keine gute Nachricht sein für die Bremer Gegner. Erst recht nicht, wenn auch Claudio Pizarro am Wochenende wieder mitspielen darf.

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