Das Erbe des Pep Guardiola

Die große Frage, die sich nach dem Ende der Ära von Pep Guardiola beim FC Bayern München stellt, ist: Hat Guardiola am Ende den Erfolg gehabt, den sich die Verantwortlichen des FC Bayern München von ihm erhofft haben?
Diese Frage kann unterschiedlich beantwortet werden. Je nachdem, unter welchem Aspekt der Begriff Erfolg betrachtet wird. Geht es allein um sportlichen Erfolg im Sinne von Titeln, ist Pep Guardiola ohne den Gewinn der Champions League gescheitert. Der Gewinn der Deutschen Meisterschaft ist mit diesem Kader nicht die große Leistung, für die ein als weltbester Trainer gefeierter Pep Guardiola verpflichtet wurde. Auch in anderen Aspekten gibt es durchaus Fragezeichen, aber auch sichtbare Erfolge, die sich positiv auf die Zukunft des FC Bayern München auswirken können.

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Hat sich die Spielart des FC Bayern München unter Pep Guardiola verändert?

Auch hier ist die Antwort nicht eindeutig. Der Ballbesitz ist bei einem Team von Pep Guardiola stets hoch, das ist seine Spielphilosophie. Da aber der FC Bayern München als Rekordmeister und deutsche Nummer 1 über Jahrzehnte fast durchweg den anderen Teams überlegen war, hatte der FC Bayern München auch vor Pep Guardiola meistens mehr Ballbesitz als die Gegner. Neu ist sicher die taktische Variabilität. Pep Guardiola hat während des Spiels oft mehrfach die Taktik seines Teams umgestellt. Alle Spieler, die häufig unter ihm gespielt haben, haben sich in diesem Bereich sicher enorm weiterentwickelt. Die Fähigkeit, durch schnelle taktische Umstellungen den Gegner zu überrumpeln und aus dem Konzept zu bringen, hat sich unter anderem in den Duellen gegen Borussia Dortmund als siegbringende Methode erwiesen.

Was macht die Spielart von Pep Guardiola aus?

Der hohe Ballbesitz verhindert zunächst, dass der Gegner allzu viele Torchancen generieren kann. Dadurch kann die Abwehr sehr hoch verteidigen und das Mittelfeld bietet dem Gegner kaum Platz für Kombinationsfußball. Außerdem müssen die Gegner dem Ball mit größerem Aufwand hinterherlaufen. So zeigte sich häufig, dass die Defensivkonzepte gegen Spielende nicht mehr wirkten, weil die Gegner konditionelle Probleme bekamen und die Lücken nicht mehr schließen konnten. Die hohe Passsicherheit und das schnelle Flügelspiel über Ribéry, Robben, Costa und Coman brachte zudem permanente Torgefahr.
Die einzig echte Gefahr in diesem System ist, dass die Abwehr mit einem gezielten Pass kGuardiola1omplett ausgespielt werden kann, weil sie eben so hoch steht. Dadurch entsteht bei einem genauen Pass hinter die Abwehr gleich höchste Gegentorgefahr. Die Überlegenheit in der Bundesliga kann auch ein Grund sein, warum das Team in den entscheidenden Spielen der Champions League in drei Jahren am Stück gescheitert ist.

Wie wirkt Pep Guardiola nach außen?

Seine Außendarstellung wirkte am Anfang sehr positiv. Er sprach auf Deutsch, wollte sich offenbar integrieren. Später fiel er aber häufig durch arrogante Kommentare gegenüber den Medien auf, gab keine Einzelinterviews und wirkte mit der Zeit immer verschlossener. Dazu war sein Verhalten an der Seitenlinie nicht immer das Benehmen eines Gentlemans.

Wieviel Einfluss hatte Pep Guardiola auf einzelne Spieler und deren Entwicklung?

Die Weiterentwicklung und flexible Anpassung von Spielern unter Pep Guardiola hat sowohl positive wie negative Aspekte aufgezeigt. Das interessanteste Experiment war die Umstellung von Philipp Lahm vom weltbesten Außenverteidiger zum defensiven Mittelfeldspieler. Lahm hat durch diese Versetzung ins Mittelfeld noch einmal an Klasse und Spielintelligenz zugelegt. Möglicherweise hatte Pep Guardiola damit sogar einen Anteil am Gewinn der deutschen Fußball-WM 2014. Auch Joshua Kimmich wurde von ihm zum Innenverteidiger im Verein geschult. Diese Entwicklung kann Pep Guardiola durch seinen Wechsel zu Manchester City aber nicht mehr vollenden. Ein einziges Jahr genügt nicht, um Kimmichs Entwicklung abschließend beurteilen zu können.

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Gescheitert ist Pep Guardiola in jedem Fall bei Mario Götze. Ob es an Götzes mangelnder Einstellung lag oder an der oft behaupteten Tatsache, dass Guardiola Götze nie wirklich haben wollte, ist letztlich egal. Guardiola hat Götze nicht entscheidend weitergebracht. Auch aus der eigenen Jugend des FC Bayern sollte Guardiola neue Stars entwickeln. Das war das Statement des Vereins bei seiner Verpflichtung. Dies hat überhaupt nicht funktioniert. Alle Spieler, die Guardiola weitergebracht hat, waren schon im Profikader oder kamen von anderen Vereinen.

Hatte Pep Guardiola Einfluss auf die taktische Landschaft in Deutschland?

Das kommt darauf an, ab welchem Zeitpunkt man diese Frage beantworten will. Guardiola hat den Weltfußball insgesamt beeinflusst, aber das geht bereits auf seine Zeit als Trainer des FC Barcelona zurück. Der hohe Ballbesitzanteil, die Passgenauigkeit und ein Lionel Messi als falsche Neun, quasi das Spiel ohne Mittelstürmer, das alles hat den Fußball in eine neue Richtung gebracht. Schon vor seiner Zeit beim FC Bayern haben deutsche Trainer wie Thomas Tuchel bei Guardiola hospitiert und sich nach eigenen Aussagen viel von Guardiola abgeschaut. Seine Art der Taktik hatte somit nachweislich großen Einfluss, aGuardiola2ber eben auch schon vor seiner Zeit beim FC Bayern München.

Was kann ein Amateurtrainer von Pep Guardiola lernen?

Für einen Amateurtrainer ist es sicher schwerer, seinen Spielern eine so hohe taktische Flexibilität beizubringen. Denn im Amateursport wird nicht annähernd so häufig trainiert wie im Profifußball. Aber gerade taktisches Training und flexible Umstellungen benötigen sehr viel Zeit. Da Amateurtrainer auch kaum direkt von Guardiola lernen können, bleibt nur die Analyse am Fernsehen. Hier kann auch ein Amateurtrainer durch die gezielte Auswahl von Spielszenen aufzeigen, wie effektiv sich die Spieler des FC Bayern unter Guardiola vor allem im Mittelfeld zum Ball verschoben haben und wie sie durch häufige Überzahl beim Gegner schnelle Ballgewinne erzielen können.

Inwieweit hatte die Taktik von Pep Guardiola Einfluss auf den Weltmeister-Titel 2014?

Neben der Weiterentwicklung von Philipp Lahm war auch die falsche Neun mit Mario Götze eine taktische Variante für Bundestrainer Löw, die eindeutig auf Guardiola und seine Verwendung von Lionel Messi zurückgeht. Der hohe Ballbesitz des deutschen Teams, das Kombinationsspiel mit hoher Passsicherheit und die hoch stehende Defensive mit offensiven Außenverteidigern sind alles Merkmale, die sehr an Guardiola und seinen Fußball erinnern. Insofern hat sicher auch Jogi Löw von Guardiola gelernt oder sich zumindest inspirieren lassen.

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Welches Vermächtnis wird die Arbeit von Pep Guardiola auf den deutschen Fußball haben?

Das taktische Spielkonzept und die Flexibilität werden auch zukünftig viele Trainer und Spielsysteme prägen. Möglicherweise geschieht das auch in einer zweiten Phase, wenn Guardiolas ehemalige Spieler wie Lahm oder Müller irgendwann selbst Trainer werden oder zum Sportdirektor aufsteigen. Ob Guardiola von Manchester aus nachwirkt, bleibt abzuwarten.

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