Das Geschäft mit den Nachwuchsspielern, Teil 1

Immer mehr Clubs setzen in puncto Jugendarbeit auf eine eigene Talentschmiede. Doch gibt es in dieser Hinsicht auch noch andere Geschäftsmodelle. Scouts von Profivereinen beobachten schon Dreizehnjährige, Teenager werden zu horrenden Beträgen gekauft. Und manche Fußballclubs machen daraus sogar ein regelrechtes Geschäft.

Tayfun Korkut, Ralf Rangnick, Thomas Tuchel und Carlos Dunga haben neben der Tatsache, dass sie in unterschiedlichen Funktionen für den VfB Stuttgart tätig gewesen sind, eine weitere Gemeinsamkeit aufzuweisen. Sie waren nämlich alle schon einmal Trainer einer Mannschaft beim „Mercedes-Benz Junior Cup“, dem vielleicht hochkarätigsten A-Jugend-Turnier in Europa, das zu Jahresbeginn in Sindelfingen bei Stuttgart stattfindet. Gerade erst, am 3. und 4. Januar 2015, ist das Turnier zum 25. Mal über die Bühne gegangen.

Aus Spielersicht ist die Veranstaltung aber ebenfalls ein echtes Juwel. Bis zum jetzigen Zeitpunkt sind nach Angaben des Veranstalters 87 ehemalige Teilnehmer zu Nationalspielern ihres jeweiligen Landes geworden (unter den acht Turniermannschaften pro Jahr sind auch immer ausländische A-Jugend-Teams eingeladen). Mit Sami Khedira, Mesut Özil, Benedikt Höwedes, Manuel Neuer und Christoph Kramer sind unter den früheren Spielern inzwischen sogar fünf Weltmeister vertreten. Und es gilt als sicher, dass auch die acht Teams, die 2015 teilgenommen haben, Spieler in ihren Reihen hatten, die später einmal als A-Nationalspieler ihres Landes reüssieren werden.

Ein Schaulaufen zukünftiger Nationalspieler

Vier deutsche Clubs – der VfB, Schalke, Mönchengladbach, Hoffenheim – und vier aus dem Ausland (Manchester United, Grasshoppers Zürich, Fenerbahce, Celtic Glasgow) sind in diesem Jahr auf Torejagd im Sindelfinger Glaspalast gegangen, die Lokalmatadoren aus Stuttgart haben es ins Finale geschafft, wo sie den Engländern aus Manchester im Neunmeterschießen unterlagen. Platz drei ging an Schalke, das im kleinen Finale Zürich schlug. Im Publikum sitzen Jahr für Jahr auch die Späher jener Vereine, die gar nicht am Turnier teilnehmen. Das Scouting von Talenten, die die Konkurrenz hervorgebracht hat, wird im Fußball zunehmend wichtiger. Ein höchst aktueller Fall unterstreicht das.

Dabei geht es erneut um den VfB Stuttgart, dessen Profi-Team in der Bundesliga auf Platz 15 überwintert und dementsprechend einer von vielen Abstiegskandidaten ist. Einen Tag, bevor das Turnier im Glaspalast gestartet ist, hat der VfB auf seiner Homepage vermeldet, dass Joshua Kimmich, der mit zwölf Jahren aus Bösingen zum VfB gekommen war, zum 1. Juli 2015 zum FC Bayern München wechseln wird. Die Ablösesumme für das Riesentalent, das im Februar 20 Jahre alt wird und die beiden vergangenen Spielzeiten nach Leipzig ausgeliehen war, soll sieben Millionen Euro betragen. Je nach Entwicklung und Einsätzen Kimmichs in der Bundesliga oder bei internationalen Begegnungen erhält der VfB laut Medienberichten sogar noch zusätzliche Gelder. Doch die Tendenz ist klar. Die Stuttgarter schleifen den Rohdiamanten Kimmich jahrelang zum Edelstein, der reichere Verein öffnet die Schatulle und schnappt sich das Prunkstück. Mit Bernd Leno, der damals ebenfalls erst 19 war, lief es im Jahr 2011 ganz genauso. Auch Serge Gnabry, mit elf Jahren 2006 zum VfB gekommen, wurde von einem Club mit Geld weggeangelt, nämlich 2011 vom FC Arsenal. Gnabry war da gerade einmal 16.

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Barça hat es übertrieben mit dem Transfer von Jugendlichen

Den meisten Vereinen in Deutschland geht es in Sachen Nachwuchsarbeit wie dem VfB Stuttgart mit den Beispielen Kimmich, Leno und Gnabry. Die Liste wäre aus Stuttgarter Sicht sogar noch fortsetzbar, was zeigt, dass die oft zitierte Jugendarbeit in diesem Verein tatsächlich so gut ist, wie immer behauptet wird. Für andere Clubs gilt das aber ebenso, an Beispielen mangelt es nicht. Bayern schnappte sich Toni Kroos von Rostock, als er 16 war. Erik Durm kam mit 20 von Mainz‘ zweiter Mannschaft zum BVB. 2007 verpflichtete der damals noch finanzstarke HSV den 18-jährigen Jerome Boateng von der klammen Hertha aus Berlin. Im gleichen Jahr wechselte dessen 20-jähriger Halbbruder Kevin-Prince für knapp acht Millionen Euro von Berlin nach Tottenham. Auch diese Aufzählung ist natürlich absolut unvollständig.

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Doch der Trend ist klar. Vereine mit Geld lösen bei Vereinen mit wenig Geld junge Spieler aus, die bei letzteren vorzüglich ausgebildet worden sind. Und jene Vereine mit wenig Geld lotsen junge Spieler gleichen Alters aus den unteren Klassen zu sich – oder aus dem Ausland. Doch wird der Spagat zwischen Nachwuchsarbeit und Scouting immer größer, denn allein die Rekrutierung ausländischer Talente reicht nicht aus, um in der ersten oder zweiten Liga zu bleiben. Und dann gibt es da noch Clubs wie den FC Barcelona, der mit La Masia eine hervorragende Akademie besitzt, in der schon Dutzende großer Fußballer ausgebildet wurden, etwa Messi, Xavi, Iniesta, Pedro oder Piqué, um nur einige aktuelle Spieler zu nennen. Seit längerem setzt Barça aber auch auf die Verpflichtung von Fußballern, die noch mitten in der Pubertät sind – und wurde dafür erst vor kurzem bestraft. Am 30. Dezember 2014 hat der Internationale Sportgerichtshof CAS bestätigt, dass der Club bis Januar 2016 keine Transfers tätigen darf. Bei gleich zehn Transfers von Minderjährigen soll Barça gegen geltendes Recht verstoßen haben. Der Verein dementiert.

Teil 2 des Artikels findet Ihr hier: https://www.fussballtraining.de/jugendtraining/das-geschaeft-mit-den-nachwuchsspielern-teil-2/16933

Teil 3 des Artikels findet Ihr hier: https://www.fussballtraining.de/jugendtraining/das-geschaeft-mit-den-nachwuchsspielern-teil-3/16964

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