Das Geschäft mit den Nachwuchsspielern, Teil 2

Immer mehr Clubs setzen in puncto Jugendarbeit auf eine eigene Talentschmiede. Doch gibt es in dieser Hinsicht auch noch andere Geschäftsmodelle. Scouts von Profivereinen beobachten schon Dreizehnjährige, Teenager werden zu horrenden Beträgen gekauft. Und manche Fußballclubs machen daraus sogar ein regelrechtes Geschäft.
Barcelona wird diese Sanktionen verschmerzen, hat sich der Club mit Luis Suarez, Marc-André ter Stegen, Ivan Rakitic, Thomas Vermaelen und Claudio Bravo noch im Sommer 2014 mehr als ausreichend verstärkt, während mit Alexis Sanchez und Cesc Fàbregas nur zwei wichtige Kräfte den Club verlassen haben. Doch als Signal ist das CAS-Urteil dennoch richtig, zeigt es doch, dass die Vereine mit jungen Fußballern nicht komplett so umgehen können, wie sie es für richtig handeln. Dennoch reisen immer mehr Talentspäher aus Europa und auch aus der Bundesliga rund um den Globus, wobei die Berufsbezeichnung inzwischen von Talentspäher zu Scout übergegangen ist. Scouts sind dafür verantwortlich, dass das Geschäft mit den Nachwuchsspielern inzwischen floriert.
Im Januar 2014 hat das Wochenblatt „Die Zeit“ eine bemerkenswerte Reportage veröffentlicht, wie wichtig das Scouting heute für Fußballclubs ist und mit welch harten Bandagen in diesem Metier gekämpft wird. Für viele Clubs bedeutet Scouting auch bares Geld, wenn auch erst einige Jahre später. So hat es der VfL Wolfsburg etwa vor einigen Jahren mal auf einen Gesamtkader von mehr als 50 Spielern gebracht, ein Großteil von ihnen wurde von Scouts nach Niedersachsen geholt, einige auf Leihbasis, andere wiederum wurden direkt weiterverliehen an die deutsche und europäische Konkurrenz. Welche Dimensionen der Handel mit Talenten zurzeit annimmt, kann man jedoch am besten in London beobachten, und zwar beim FC Chelsea.
Eine extra Seite nur für Leihspieler
Unter der Überschrift „On Loan Players“ hat der Club von der Stamford Bridge innerhalb seines Webauftritts eine eigene Seite eingerichtet, auf der alle Spieler gelistet sind, die Chelsea an andere Vereine ausgeliehen hat. Stand Anfang Januar 2015 waren das sage und schreibe 27 Fußballer. Was das mit jenen Nachwuchsspielern zu tun hat, um die es geht? Einiges. Denn der Handel mit jungen Spielern ist für Chelsea inzwischen ein wichtiger Umsatzfaktor. Die Scouts beobachten die Jungs in England und auf der ganzen Welt, der Verein kauft sie und verleiht sie direkt weiter an kleinere Clubs im eigenen Land oder auf dem Kontinent. Verluste drohen dem FC Chelsea dabei nicht, im Gegenteil.
Denn entweder entwickeln sich die Leihspieler hervorragend und bereichern die Mannschaft der „Blues“ nach ihrer Rückkehr sportlich. Oder andere Clubs kaufen diese Spieler für deutlich höhere Beträge. Ein Flop ist selten dabei, was in erster Linie an der Qualität des Scoutings liegt, und wenn doch, so wiegen die Gewinne mit den anderen Spielern die Verluste um ein Vielfaches auf. Schon regt sich Widerstand im selbst ernannten Mutterland des Fußballs, doch so richtig aufbegehren möchte auch niemand. Der Grund liegt auf der Hand, kommen auf diese Weise doch auch kleinere Vereine zumindest zeitweise in den Genuss, hochkarätige Jungtalente in ihrer Mannschaft einsetzen zu können.

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Gut für die großen Vereine, ein Wettbewerbsnachteil für die kleineren
Dass diese Praxis auf mittlere Sicht für die finanzschwächeren Clubs dennoch fast nur Nachteile birgt, ist logisch und dem System immanent. Zum einen nämlich heuert kaum noch ein echtes Talent in Zukunft in einem kleineren Verein an, sondern geht direkt zu Chelsea, Bayern München, Barcelona oder einem anderen Dauergast der Champions League mit dem nötigen Kleingeld. Dazu kommt, dass kleine Vereine gezwungen sind, den großen Konkurrenten Geld zu bezahlen, um überhaupt Leihspieler zu erhalten, wie das der VfB Stuttgart für Oriol Romeu, der AC Florenz für Marko Marin, Eintracht Frankfurt für Lucas Piazon, der 1. FC Köln für Tomas Kalas und Borussia Mönchengladbach für Thorgan Hazard derzeit tun. Das ist in allen fünf Fällen: der FC Chelsea.
Thorgan Hazard ist einer von mehreren jungen belgischen Spielern, die bei finanzstarken Großclubs derzeit hoch im Kurs stehen. Die Gladbacher würden den 21-jährigen, dessen älterer Bruder Eden bei Chelsea schon ein echter Star ist, gern behalten, schließlich hat Thorgan am Niederrhein „100 Prozent überzeugt“, wie Sportdirektor Eberl zitiert wird. Hazards Vertrag in London läuft bis 2016, Gladbach müsste den Spieler also kaufen, aber wenn Chelseas Manager und Coach Mourinho Thorgan Hazard im Sommer zurückhaben möchte, ist Gladbach aufgeschmissen. Die Blues haben schließlich das Geld. In diesem Fall könnte der Wechsel dennoch zustande kommen. Mourinho ist sich über Hazards Qualitäten offenbar nicht so sicher. Gladbachs Trainer Favre hingegen braucht derzeit – noch – keine Spieler, die in der Champions League gestählt sind, weswegen Hazard bei ihm immer spielt. Und das auf allen offensiven und dabei wechselnden Positionen.

Teil 1 des Artikels findet Ihr hier: https://www.fussballtraining.de/jugendtraining/das-geschaeft-mit-den-nachwuchsspielern-teil-1/16782

Teil 3 des Artikels findet Ihr hier: https://www.fussballtraining.de/jugendtraining/das-geschaeft-mit-den-nachwuchsspielern-teil-3/16964

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