Das tschechische Team: In kurzer Zeit stark verbessert

Von den vier Begegnungen im Viertelfinale versprechen die Duelle England gegen Italien und Portugal gegen Tschechien die spannenderen zu werden. Da ist es an der Zeit, sich einmal einige Gedanken zu den Tschechen zu machen, die nach dem 1:4 gegen Russland im ersten Gruppenspiel jeder schon als ausgeschieden betrachtete. Doch die überraschend gute Physis dieses ziemlich alten Teams, gepaart mit einer taktischen Idee, macht diese Mannschaft gefährlich.

Ein Problem für die von Michal Bílek trainierte Mannschaft bei dieser EM ist die mangelnde Fitness von Tomas Rosicky, so dachte man bis dato. Bzw. das vollständige Fehlen des Regisseurs. Und im letzten Gruppenspiel gegen Polen, das beide Teams gewinnen mussten, um sicher weiter zu kommen, sah es in den ersten 20, 30 Minuten genau danach aus, die Polen machten das Spiel, hatte Chancen und die Tschechen kamen nicht ansatzweise zu gefährlichen Kontern. Langsam löste sich das Team dann aus der Umklammerung, doch ohne Rosicky schien das Team zunächst nicht in der Lage, Struktur in die – vor allem in der zweiten Halbzeit – immer häufiger aufkommenden Kontermöglichkeiten zu bringen.

Immerhin zogen sich die Vorderleute von Petr Cech bei polnischem Ballbesitz geschickt zusammen, vor allem das defensive Mittelfeld um Plasil und Hübschman verengte die Räume, nachdem Polen das erste Pulver verschossen hatte. Aus taktischer Sicht muss dem Trainer diese Erkenntnis gefallen, bei der 1:4-Auftaktpleite gegen die Russen waren es genau diese beiden Spieler, die dem Gegner die Räume erst öffneten – ein ums andere Mal. Bílek hat in wenigen Tagen viel bewirkt, noch gegen Griechenland am 12. Juni waren seine Spieler nach dem 1:2-Anschlusstreffer gegen an für sich harmlose Griechen ins Schwimmen gekommen.

Jiracek, der ideale Mann für das Umschaltspiel

In Petr Jiracek haben die Tschechen einen Spieler, der für den Gegner immens gefährlich und oft erster Anspielpunkt ist, wenn die eigene Abwehr oder das defensive Mittelfeld einen Angriff abgefangen hat. Auch Milan Baroš wird in diesem Fall oft gesucht, doch der ist inzwischen etwas älter, etwas langsamer und vertraut seiner Technik wohl auch nicht mehr so, darum sind die schnellen tschechischen Gegenangriffe über Jiracek immer gefährlicher. Zudem ist der Mann vom VfL Wolfsburg auch torgefährlich, er hat bis dato schon zwei Mal getroffen. Ein idealer Spieler für das Umschaltspiel.

Gegen Portugal könnte den Tschechen nun eine ähnliche Partie ins Haus stehen wie schon gegen Polen. Der Gegner ist leicht favorisiert, verfügt über technisch begabte und schnelle Spieler auf den Außenpositionen und ist torgefährlich. Vieles spricht dafür, dass Bílek wieder mit einer abwartenden Taktik beginnt, erst recht dann, wenn Rosicky (der in der ersten Halbzeit gegen die Griechen stark gespielt hatte) weiterhin ausfallen sollte. Das ist das Spiel der tschechischen Mannschaft: den Gegner kommen lassen, ihn sich etwas verausgaben lassen, dabei hinten eng stehen und den Gegner so zum Laufen zwingen. Mittels einiger gefährlicher Konteraktionen gegen Ende der ersten Halbzeit des Polen-Spiels rissen die Tschechen die Partie dann an sich.

Tschechien und Portugal sind in jedem Spiel bisher besser geworden

Niemand hatte die tschechische Mannschaft vor dem Turnier unbedingt auf dem Zettel, doch Michal Bílek hat gezeigt, wie man aus wenig viel machen kann, auch ohne einen so wichtigen Spieler wie Tomas Rosicky. Das Spiel der Tschechen gegen Polen war ein Paradebeispiel dafür, wie eine Mannschaft über den Einsatz zu ihrem Spiel, zu Spielkontrolle kommen kann.

Portugal ist mit Sicherheit eine andere Hausnummer als Polen, so viel steht fest. Bílek wird sich taktisch wohl eine zusätzliche Finesse ausdenken müssen, um Ronaldo und Nani in Schach zu halten und selbst hier und dort Nadelstiche zu setzen. Andererseits ist die tschechische Mannschaft bei dieser EM das Team, das sich von Spiel eins über Spiel zwei zu Spiel drei kontinuierlich gesteigert hat – gemeinsam mit dem Gegner Portugal. Immerhin hat Bílek beim Spiel der Holländer gegen Portugal gesehen, wie es geht – in den ersten 15 – und wie es nicht geht, nämlich in den restlichen 75 Minuten. Die Niederländer haben viel zu hoch verteidigt und so den schnellen Portugiesen von Beginn an Platz für die gefährlichen Konter gelassen. Diesen Fehler wird das tschechische Team zu vermeiden wissen, Michal Bílek wird schon dafür sorgen. Der Mann mit dem klaren taktischen Plan.

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