Der Umgang mit schwierigen Charakteren

Ein Team besteht in der Regel aus sehr unterschiedlichen Menschen. Die Aufgabe des Trainers besteht darin, jeden Einzelnen so zu fördern, dass er für die Mannschaft die beste Leistung bringt. Das ist besonders schwierig bei Spielern, die sich nur schwer in ein Mannschaftsgefüge einordnen können. Beispiele auf höchstem Niveau sind bzw. waren Mario Basler, Stefan Effenberg, Bernd Schuster, Antonio Cassano oder auch Roy Keane.

Die entscheidende Frage, die sich ein Trainer stellen muss, ist, ob ein schwieriger Spieler die Mühe wert ist. Bei einem Ausnahmekönner wie Mario Basler war dies z.B. lange der Fall. Aber ein durchschnittlicher Spieler, der regelmäßig Ärger macht, sollte im Zweifel besser die Mannschaft verlassen. Etwas anderes ist es vielleicht, wenn es sich um Eskapaden handelt, die einen unmittelbaren Grund haben. Wenn ein Spieler z.B. private Probleme hat und deswegen vom Weg abkommt, mag die Bewertung etwas günstiger ausfallen. Langfristig sind die Gründe aber zweitrangig, wenn dadurch der Erfolg des Teams gefährdet wird.

Heutzutage wird schnell von einem „schwierigen“ Spieler gesprochen, wenn jemand eine eigene Meinung hat und diese auch vertritt. Das ist problematisch, denn auf dem Platz sind Spieler gefragt, die sich behaupten können. Höfliche und zurückhaltende Menschen sind in vielen Lebensbereichen im Vorteil, aber auf dem Fußballfeld ist Durchsetzungskraft gefordert.

Klare Regeln und Grenzen sind in einem Team wichtig. Ein Trainer muss konsequent sein, aber er muss auch wissen, wann es besser ist, ein wenig Nachsicht zu üben. Über allem steht immer der Erfolg der Mannschaft. Dabei müssen aber auch langfristige Effekte berücksichtigt werden. Wenn ein Trainer seine Autorität verliert, mag dies kurzfristig nicht unbedingt zu Problemen führen, langfristig wird dies aber negative Folgen haben.

Otto Rehagel hat Mario Basler bei Werder Bremen viele Freiheiten gelassen. Dieser hat es ihm oft mit Leistung gedankt. Das ist ein gefährliches Spiel, denn in einer Mannschaft kommt es dadurch leicht zu Eifersüchteleien. Wenn die Leistung einmal nicht stimmt, wird sofort gefragt, warum ein Spieler vielleicht nicht so hart trainieren muss wie der Rest des Teams. Diese Ungleichbehandlung muss ein Trainer tragen und rechtfertigen können, damit die Hierarchie in der Mannschaft erhalten bleibt.

Auch ein schwieriger Charakter muss in ein Team eingebunden werden. Es mag eine Weile lang funktionieren, einen Solisten in der Mannschaft zu haben. Aber auf Dauer kann dies nicht zum Erfolg führen. Ein Ansatzpunkt kann die Integration in die Gruppe abseits des Platzes sein. Ein Kapitän ist für diese Aufgabe z.B. prädestiniert. In vielen Mannschaften gibt es auch mehr oder weniger lächerliche Rituale, mit denen einen neuer Spieler aufgenommen wird. Michael Ballack musste in Chelsea z.B. in der Kabine alleine ein Lied singen. Das ist peinlich, sorgt aber für Heiterkeit und verbindet.

Die Akzeptanz innerhalb der Mannschaft ist letztlich das entscheidende Kriterium. Auf Dauer ist es nicht möglich, einen Spieler im Team zu haben, der ständig für Unruhe und Schwierigkeiten sorgt. Wenn der Erfolg des Teams in Gefahr gerät, muss ein Trainer reagieren. Harte Sanktionen sind dann oft die einzige Möglichkeit, um dem Spieler und dem restlichen Team ein klares Zeichen zu geben.

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