Die Neuauflage des EM-Finals

Mit dem bedeutungslosen letzten Gruppenspiel zwischen Brasilien und Italien erlebte der Confed Cup ein erstes echtes Highlight. Die Gastgeber siegten mit 4:2. Doch der Blick richtet sich nun schon auf das Halbfinale, in dem es zwischen der Squadra Azzurra und Spanien zur Neuauflage des EM-Endspiels kommt.

Dabei müssen die Italiener wohl ohne ihren Starstürmer Balotelli auskommen, der sich am Oberschenkel verletzt hat. Keine guten Voraussetzungen für das Team von Cesare Prandelli, das sich am Donnerstag für die 0:4-Pleite im EM-Finale eigentlich revanchieren möchte. Zwar kann Prandelli wieder auf den gegen Brasilien gesperrten de Rossi zurückgreifen, was ihm im Mittelfeld eine zusätzliche Option eröffnet, die Spanier durch etwas höheres Pressing vielleicht zu einigen langen Bällen aus der Abwehr zu zwingen. Doch ist das italienische Angriffsspiel eindeutig auf Balotelli zugeschnitten, auch wenn der gegen Brasilien ohne eigenen Torerfolg geblieben war.

Prandellis spanisches Pendant del Bosque hingegen konnte es sich beim 3:0 gegen Nigeria leisten, die beiden besten Torschützen des Turniers – Torres und Villa – spät einzuwechseln und so für das Halbfinale zu schonen. Die Spanier agierten taktisch wie gewohnt: viel Ballbesitz, Kurzpassspiel, Angriffspressing. Defensiv leistete sich das Team hingegen einige Patzer, die gegen ein auch ohne Balotelli agierendes Italien vermieden werden sollten. Die gute Nachricht für den amtierenden Welt- und Europameister: Auch die Italiener sind defensiv keineswegs so stark wie gewohnt, in den drei Gruppenspielen musste Prandellis Team acht Gegentore hinnehmen.

Italien: Offensivstark und dominant, aber hinten anfällig

Doch auch del Bosque dürfte aufgefallen sein, dass Italien zumindest in der zweiten Hälfte die bestimmende Mannschaft war. Das war einem starken taktischen Kniff Prandellis zu verdanken, der schon gegen Japan durch seine hervorragenden Wechsel und Umstellungen maßgeblich dazu beigetragen hatte, dass sein Team aus einem 0:2 ein 4:3 machte. Gegen Brasilien ließ Prandelli schon gegen Ende der ersten Hälfte eine Mischform aus 4-2-3-1 und 4-3-2-1 praktizieren, womit die brasilianischen Verteidiger um Dante und Marcelo oft aus der Vierer-Abwehrreihe zu locken waren. So entstanden Lücken, die die Italiener nutzten – lediglich die Tore fehlten. Offensiv agierte Brasilien deutlich abgezockter und erzielte so drei Treffer in Halbzweit zwei, die – wie beschrieben – eigentlich die Italiener dominierten. Diamanti und Giaccherini agierten teilweise als Doppel-Zehner, was Italiens Offensivbemühungen eine zusätzliche Variabilität verlieh.

Dennoch gilt Spanien als Favorit, keine Frage. Doch gab es nach deren 3:0 gegen Nigeria Meldungen, dass spanische Spieler Hitzschläge erlitten oder sich übergeben mussten; in Fortaleza waren die Temperaturen extrem hoch. Gut möglich, dass Prandelli das registriert hat und durch weitere taktische Verschiebungen den Gegner zu einem hohen Laufpensum zwingen wird. Im zweiten Halbfinale sind die Gastgeber gegen Uruguay klarer Favorit. So oder so: Es kommt beim Endspiel des Confed Cup am Sonntag im Maracana auf jeden Fall zu einem reizvollen europäisch-südamerikanischen Duell.

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