Fußballer und Doping – kaum besser oder schlechter als andere Sportler?!

Ein Beitrag von Prof. Jens Kleinert von der dt. Sporthochschule Köln

Es gibt zwei Möglichkeiten Doping zu erfassen: Die sichere ist ohne Zweifel die Analyse von Proben, die durch die Labore der WADA (World Anti Doping Agency) durchgeführt werden. Folgt man diesen Zahlen, so werden im Fußball weltweit die meisten Doping-Kontrollen durchgeführt; trotz dieser häufigen Kontrollen sind weniger als 1% der Proben positiv. Nach Geyer (2010) ist hiermit der Nachweis von Doping im Fußball deutlich seltener als in Sportarten mit relativ häufigen positiven Proben. Dies sind zum Beispiel Softball (5,2%), Boxen (2,2%) oder Gewichtheben (2,1%).

Die zweite Möglichkeit Dopingkonsum zu erfassen ist es, Athleten selbst zu fragen – natürlich unter Wahrung der Anonymität. Trotz dieser Anonymität ist zu erwarten, dass viele der Sportler und Sportlerinnen nicht ehrlich antworten. Neben dieser Unehrlichkeit besteht ein zweiter „Messfehler“ bei Befragungen darin, dass Sportler unter Umständen gar nicht genau wissen, ob das, was sie einnehmen, illegal ist. Beides zusammen, nämlich die Unehrlichkeit und die Unsicherheit oder Unwissenheit häuft sich zu einer Dunkelziffer auf, die von einigen Forschern sehr hoch veranschlagt wird; zum Beispiel bis zu 40 % der Befragten (Breuer & Hallmann, 2012).

Vergleicht man die Angaben, die Sportler selbst machen zwischen Fußball und dem gesamten Sport, so ergeben sich kaum Unterschiede. Die untenstehende Abbildung zeigt, dass 4,5% der Fußballer angeben, illegale Mittel zu nehmen, um ihre Leistung zu steigern. Bei der Gesamtgruppe der Sportler sind es kaum weniger (3,2 %). Auch die Anzahl derer, die nicht genau wissen, ob sie illegale Substanzen nehmen, sowie die Anzahl derer, die legale Mittel zur Leistungssteigerung einnehmen (z. B. Vitaminpräperate) unterscheiden sich zwischen Fußballern und der Gesamtgruppe kaum. Unterschiede zwischen Männern und Frauen ließen sich bei den Befragten übrigens auch nicht finden.

Glaubt man den Auskünften der Sportler zu Doping und Substanzkonsum, kann also mit Fug und Recht gesagt werden: Fußballer sind nicht besser und nicht schlechter als Andere.

Literatur:
Breuer, C. & Hallmann, K. (2012). Dysfunktionen des Spitzensports. Doping, Match-Fixing und Gesundheitsgefährdung aus Sicht von Bevölkerung und Athleten. Bonn: Eigenverlag.
Geyer, H. (2010). Doping-Fallstricke im Fußball. In Deutscher Fußballbund (Hrsg.), Aktuelle Wissenschaft für den Spitzenfußball (S. 58–61). Münster: Philippka-Sportverlag.

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