Geschenkt gab es nichts

Die Glückwünsche gehen nach München. Der FC Bayern besiegt den BVB in einem hochklassigen Finale in Wembley mit 2:1. Doch geschenkt gab es nichts für die Münchner. Die Dortmunder agierten in der ersten Halbzeit phasenweise überragend und hätten den Sieg auch verdient gehabt. Doch das Auslassen der Chancen vor der Pause rächte sich bitter.

Viele Experten hatten im Vorfeld gemutmaßt, dass minimale taktische Fehler dieses Finale entscheiden könnten. Dass es dann genauso gekommen ist, war die logische Konsequenz eines Spiels, das in der zweiten Hälfte fast zwangsläufig in die Richtung der Bayern kippte. Die Taktik der Münchner ging mehr und mehr auf, je intensiver die Dortmunder dem Ball hinterherlaufen mussten. So ergaben sich für Heynckes‘ Spieler nach und nach mehr Räume, die die individuell besser besetzten Bayern im Lauf des Spiels nutzen konnten. Doch hätte man sich auf Seiten der offiziell als Auswärtsteam antretenden Münchner nicht beschweren dürfen, wenn man zu diesem Zeitpunkt bereits einem Rückstand hätte hinterherlaufen müssen.

Denn besonders in den ersten 30 Minuten stellte der BVB den Gegner taktisch vor immense Probleme. Ballverlust um Ballverlust im Aufbauspiel der Bayern konnte Dortmund erzwingen, indem Lewandowski, Reus, Kuba und Großkreutz die Viererkette der Münchner ein ums andere Mal früh attackierten. So gelang es Heynckes‘ Team nicht, das Spiel in Richtung Mittelfeld ordentlich zu entwickeln. Im Verlauf der ersten halben Stunde perfektionierte der BVB dieses Pressing, was dann auch zu einigen passablen bis sehr guten Chancen führte. Allein: der BVB konnte kein Kapital daraus schlagen. Zwei Mal „Kuba“ Blaszczyskowski, Robert Lewandowski, Marco Reus und Sven Bender ließen Möglichkeiten ungenutzt, und nach und nach merkte der FC Bayern dann, dass sich der Gegner mit dem Toreschießen an diesem Tag äußerst schwer tat.

Hoher Kräfteverschleiß

Und weil das auch die Dortmunder merkten, schalteten sie schon zum Ende der ersten Hälfte einen Gang zurück. Plötzlich hatten die Münchner mehr Platz, plötzlich spielten sie sich ein ums andere Mal bis zum gegnerischen Strafraum durch. Die ganz große Torgefahr blieb da zwar noch aus, doch irgendwie merkte man der Borussia an, dass das intensive Spiel der ersten 30 Minuten Kräfte, zu viel Kräfte gekostet hatte. Dennoch, zur Halbzeit lautete das Chancenverhältnis: Dortmund fünf, München eins.

Den Spielern der Borussia war vom Beginn der zweiten Hälfte weg anzumerken, dass sie schwer an der Tatsache trugen, die Chancen nicht genutzt zu haben. Geht man mit einem 1:0 gegen den haushohen Favoriten in die Pause eines Finals in der Champions League, so setzt das im letzten Spiel der Saison Kraftreserven frei, die eigentlich gar nicht mehr da sind. Weil es aber 0:0 stand und die Bayern nun aufkamen, blieb den Dortmundern kaum noch Zeit zum Durchatmen, die sie in der ersten Hälfte vor allem dann hatten, wenn sie selbst einmal das Spiel von hinten heraus machen konnten. Als dann, nach einem Ballverlust von Ilkay Gündogan am Strafraum der Bayern, Manuel Neuer einen langen Pass auf Mandzukic schlug und dieser nur auf Ribéry abtropfen ließ, war das Loch in der Dortmunder Hintermannschaft das erste Mal deutlich zu groß. Mats Hummels und Neven Subotic begingen zeitgleich einen taktischen Fehler, was Bayerns Arjen Robben ermöglichte, zur Grundlinie durchzugehen und auf Mandzukic zurückzulegen, der nur noch einschieben musste.

Bayern schaltet einen Gang nach oben

Dass die Dortmunder keine zehn Minuten später zum Ausgleich kamen, war zunächst etwas überraschend, denn es war keineswegs so, dass der Meister von 2011 und 2012 nach dem 0:1 direkt auf Angriff umschaltete. Ein Foul von Dante an Reus führte zu einem (berechtigen) Elfmeter, wobei der zuvor schon verwarnte Dante Glück hatte, dass er nicht mit Gelb-Rot vom Platz musste. (Schon in der 26. Minute übersah Schiedsrichter Rizzoli eine Tätlichkeit von Ribéry an Lewandowski, der später allerdings selbst Glück hatte, als der Referee seine Tätlichkeit nicht sah.) Gündogan verwandelte sicher, und für kurze Zeit waren die Dortmunder wieder besser im Spiel, Hummels schoss über das Tor. Doch für das hohe Pressing der ersten Halbzeit fehlte schlicht die Kraft, was die Bayern bemerkten und sich darauf einstellten. Schnell drehten die Münchner ein Rad höher, was direkt zu Chancen führte.

Die ersten davon konnte Weidenfeller noch entschärfen, als sich aber Ribéry und Robben durch die Mitte vor das Tor der Borussia spielten und Bender, Hummels und Subotic jeweils kleine, individuelle Fehler machten, konnte auch Dortmunds überragender Keeper das 1:2 nicht mehr verhindern (89). Jürgen Klopp brachte noch Sahin und Schieber für die Schlussminuten, eine kleinere Chance gab es noch für Dortmund, dann war die Partie vorbei. Kommenden Samstag kann Bayern München in Berlin das Triple komplettieren.

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