Hauen und Stechen

Der FC Bayern ist nicht nur aufgrund der eigenen Stärke mit fünf Punkten Vorsprung Tabellenführer. Die Verfolger nehmen sich gegenseitig dauernd Punkte weg oder stolpern gegen vermeintliche Underdogs. Den einen Bayern-Jäger gibt es deswegen nicht, es sind mehrere – dafür nur halbherzige.

Als der FC Bayern München am zehnten Spieltag mit 1:2 in Hannover verloren hatte, ging ein Aufatmen durch die Liga. Der amtierende Meister aus Dortmund war bis auf drei Punkte an den Rekordmeister herangerückt, bis hinunter zu den Gladbachern auf Platz sieben waren es nur fünf Zähler Vorsprung. Und doch: Bremen hatte in Augsburg nur 1:1 gespielt und es verpasst, den Bayern ebenfalls auf drei Punkte heranzurücken. Der FC Schalke 04 hatte die Woche zuvor überraschend 0:1 zuhause gegen Kaiserslautern verloren, sonst wäre die Truppe von Huub Stevens nur noch einen einzigen Punkt von Jupp Heynckes‘ Starensemble entfernt gewesen. Der VfB Stuttgart hatte beim 2:2 in Nürnberg ebenfalls wichtige Zähler liegen gelassen. Und die Fohlen hatten beim 0:1 in Hoffenheim die Chance vertan, bis auf zwei Punkte an den FCB heranzurücken. Die Bayern konnten die Niederlage also verschmerzen.

Zumal die Angewohnheit dieser Konkurrenten, sich gegenseitig in die Suppe zu spucken, schon am elften Spieltag ihre Fortsetzung fand. Der VfB und Borussia Dortmund trennten sich in einem Wahnsinnsspiel 1:1, beim 2:1 von Hannover über Mönchengladbach schlug der schlechter platzierte Verfolger erneut den Besserplatzierten, und so weitetet sich der Vorsprung der Bayern auf vier Punkte aus, erster Jäger war nun der FC Schalke 04 nach dem 3:1 gegen Hoffenheim. Und nun, nach dem zwölften Spieltag, sind es sogar wieder fünf Zähler, weil sich Hannover und Schalke beim 2:2 gegenseitig die Punkte wegnahmen. Weil bei all dem Hauen und Stechen unter den Verfolgern wenigstens Bremen, Gladbach (mühsam) und Dortmund (locker) gewinnen konnten, sind die Bayern immerhin noch in Sichtweite. Zwar fern am Horizont, aber doch noch mit bloßem Auge zu erkennen.

Der Spielplan meint es gut mit dem FC Bayern

Es ist ja nun nicht so, dass man extra betonen müsste, dass der FC Bayern verdienter Tabellenführer ist, auch wenn das 2:1 in Augsburg am Ende ein wenig glücklich über die Zeit gemogelt wurde. Allerdings muss man in diesem Zusammenhang herausheben, dass die Münchner ihre Kreise weniger souverän ziehen würden, wenn Bremen, Mönchengladbach und Schalke nur ein wenig konstanter wären; immerhin hat wenigstens der Meister aus Dortmund komplett die Spur wiedergefunden. Das 1:1 bei den inzwischen aus dem Kreis der Verfolger herausgefallenen Stuttgartern bedeutete den einzigen Punkteverlust der Schwarz-Gelben aus den letzten sechs Partien. Damit ist die Borussia das einzige Team, das den Bayern in dieser Zeit näher gekommen ist; alle anderen Clubs haben nach dem zwölften Spieltag mindestens den gleichen Abstand auf den Tabellenführer wie nach Spieltag sechs. Auch Hannover 96 ist mit neun Zählern Rückstand auf die Münchner nicht mehr zu den Verfolgern zu rechnen.

Und der Ligakalender meint es gut mit dem Rekordmeister. Am 19.11., nach der Länderspielpause, empfangen die Bayern den BVB in der eigenen Arena, am gleichen Nachmittag duellieren sich mit Gladbach und Bremen erneut zwei Verfolger direkt untereinander. Der FC Schalke hat eine lösbare Aufgabe zuhause gegen den FCN vor sich, sodass die Liga im Sinne einer halbwegs spannenden Saison darauf hoffen muss, dass die Dortmunder ähnlich furios auftreten wie beim letzten Gastspiel in der Allianz-Arena am 26. Februar, als man beim 3:1 die Weichen endgültig auf Meisterschaft stellen konnte. Dann, am 14. Spieltag, kommt es zum westfälischen Derby zwischen den Dortmundern und den Schalkern; am 15. Spieltag empfangen die Bayern dann den Mitverfolger aus Bremen, während sich gleichzeitig die beiden verfolgenden Borussen aus Mönchengladbach und Dortmund die Punkte wegnehmen. Am letzten Spieltag der Vorrunde dann misst sich der FC Schalke mit Werder Bremen, aber ob beide bis dahin überhaupt noch zum engeren Kreis der Bayern-Jäger gehören, muss sich erst noch erweisen.

Glatte Risse im Spiel

Den Münchnern muss es derzeit paradiesisch vorkommen, zu beobachten, dass es keinen klaren, sondern höchstens vier halbherzige Verfolger gibt, und das dürfte das Selbstbewusstsein der Bayern noch einmal steigern – denn sie wissen, dass auch eine Niederlage noch lange kein Beinbruch ist. Weil sich die Jäger permanent gegenseitig anschießen. Jagdunfall nennt man so etwas wohl, und Jagdunfälle ereignen sich in der Liga derzeit sehr häufig.

Dennoch, es gibt sie, die guten Nachrichten für all jene, die nicht wollen, dass die Meisterschaft nach dem 25. oder 26. Spieltag entschieden sein wird. Sowohl in der Champions League gegen den SSC Neapel als auch in der Bundesligapartie in Augsburg ging in der zweiten Halbzeit ein glatter Riss durch das Spiel der Bayern. Wohl so ziemlich jeder andere Gegner als gerade die dennoch tapfer kämpfenden Bayrisch-Schwaben hätte den Ausgleich erzwingen können, der FCA war dafür nicht clever genug, das Los des Aufsteigers. Und weil der BVB momentan feststellt, mit welcher Art Fußball er letzte Saison Meister wurde, könnte es am 19. November beim direkten Vergleich in München durchaus dazu kommen, dass der Bayern-Vorsprung wieder ein wenig schmilzt. Das hätte dann gleich zwei Auswirkungen: Zum einen gäbe es dann einen echten Jäger, und zum anderen wäre die Liga dann tatsächlich wieder spannend. Und das müssten doch eigentlich auch zumindest ein paar Bayern-Fans wollen.

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